Lebensdaten
1824 bis 1876
Geburtsort
Kriegsheim bei Worms
Beruf/Funktion
Sektfabrikant
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 128988096 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Kupferberg, Christian Adalbert
  • Kupferberg, Christian A.
  • Cupferberg, Christian Adalbert
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Porträt(nachweise)

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Zitierweise

Kupferberg, Christian Adalbert, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd128988096.html [20.07.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Joseph (1774–1831), hess. Distriktssteuereinnehmer in d. Pfalz, S d. Andreas (1734–76), Hofkammer-Diener u. Haushofmeister d. Frhrn. v. Franckenstein (Hofkammerpräs. u. Domdechant) in M., u. d. Barbara Traub;
    M Maria Magdalena (gen. Helene) (1796–1867), T d. Karl Philipp v. Weber aus Friedberg, löwenstein. Major, u. d. Maria Anna Conseil aus Thionville;
    Ov Joh. Christian (1771–1829), Kanonikus, Vikar am Ritterstift St. Alban in M., Florian (1773–1851), Verleger, gründete 1797 d. Verlag Florian Kupferberg u. 1818 d. spätere Bonner Univ.druckerei;
    B Florian (1828–85), Dr. med., 1848er Revolutionär, verurteilt, emigrierte (1855) nach Australien, nach Rückkehr (1865) Armenarzt in M.;
    - Mainz 1848 Meta (1825–1904), T d. Notars Dr. iur. Franz Klein (1798–1874) in M. u. d. Sophie Franziska Henleyn;
    4 S, 4 T, u. a. Franz (1850–1909), Sektfabr., Chef d. Unternehmens 1876-1903, Florian (1858–1921), Sektfabr., KR, trat 1879 in d. Firma ein, übernahm zunächst d. Leitung d. Kellerei u. 1903, nach d. Ausscheiden s. Bruders Franz, d. Gesamtleitung (bis 1921), Hugo (1851–1939), Dr. phil., Chemiker, gründete 1904 mit s. Bruder Florian d. Flaschenfabrik Kupferberg GmbH. in Budenheim b. M., später Glashütte Budenheim, Constance ( Arthur Bricout, 1840–1932, Champagnerfabr. in Epernay);
    E Christian (1888–1951), seit 1919 Prokurist d. Fa. Kupferberg (s. Rhdb.), persönl. haftender Gesellschafter 1922–51, Emil (1892–1959), Sektfabr., persönl. haftender Gesellschafter 1922–58, Dr. Christian Adalbert (* 1901), Neugründer d. Verlags Florian Kupferberg (s. o.) 1938 in Berlin, seit 1945 in M., Mitgründer d. Univ.buchhandlung Mainz 1945, persönl. haftender Gesellschafter d. Sektkellerei seit 1951, Gründer d. Champagnerkellerei Bricout in Avize 1966.

  • Leben

    Nach dem Besuch einer Klosterschule wurde K., der Exportkaufmann werden wollte, 1843 Lehrling in der Firma Hermann Reiss in Mannheim. Am 3.1.1845 duellierte er sich in Mainz mit einem preuß. Dragoner-Leutnant, der den Tod fand, während K. lebensgefährlich verletzt und im April zu einem Jahr Festung verurteilt wurde. Nach 9 Monaten wurde er aus der Militärstrafanstalt Schloß Babenhausen b. Darmstadt entlassen. 1846 trat er in das Geschäft der wohlhabenden Kaufmannsfamilie Renz ein, um Weinexport-Kaufmann zu werden. Er unternahm seine erste Geschäftsreise durch das Rheinland und die Niederlande nach England. 1847 gründete er mit dem Rentamtmann und Weingutsbesitzer Robert Jakob Kempf (1798–1871) die Sektkellerei Kempf & Kupferberg zur Herstellung von moussierenden Weinen, die zweitälteste Sektkellerei im Rheingau. 1850 trennte sich K. bei gerichtlicher Auseinandersetzung von seinem Partner, um in Laubenheim b. Mainz als selbständiger Kaufmann eine eigene Sektkellerei zu gründen. In jenen Jahren nahm der Absatz von deutschem Sekt rasch zu; der Marktanteil des französischen Champagners in Deutschland fiel innerhalb kurzer Zeit von 90 auf 50 %. Geschäftlich schnell erfolgreich, konnte K. 1851 schon 5 000 Flaschen absetzen. Während eines großen Teils des Jahres auf Geschäftsreisen, die er zunächst mit dem Postwagen und dann per Bahn unternahm, vermochte er in Verbindung mit dem engl. Geschäftsfreund Chambers vor allem den Export nach England beträchtlich zu steigern, wo sich deutscher Sekt als „sparkling hock“ oder „sparkling moselle“ wachsender Beliebtheit erfreute. England erschien K., besonders nach dem Besuch der Londoner Weltausstellung von 1851, als Symbol des politischen Fortschritts und der freien bürgerlichen Gesellschaft; der angesehene englische „wine merchant“ wurde ihm zur beruflichen Idealfigur.

    1855 übersiedelte K. nach Mainz, wo er auf dem „Kästrich“ eine große Kellerei anlegte. 1852 kreierte er „Kupferberg-Gold“, einen der ersten deutschen Markensekte. K.s Erfolg in England und seinen Kolonien nahm seit der Londoner Weltausstellung von 1862 noch zu. 1870 besuchte Alice, Tochter der Kgn. Victoria, Mainz und die ausgedehnten Keller K.s, in denen nun schon Millionen Flaschen lagerten. Anfang Aug. 1870 nahm Bismarck als Kanzler und Außenminister sein erstes Kriegsquartier in K.s Haus auf der Terrasse oberhalb von Mainz. Aus dieser Bekanntschaft ergab sich für K. die Möglichkeit, sich mit einer Mainzer Delegation im Juni 1871 beim Reichskanzler und durch dessen Vermittlung auch beim Kaiser für die Schleifung der das Wachstum von Mainz beengenden Festungsanlagen einzusetzen. Dies hatte den Erfolg, daß der Stadt gegen eine Zahlung von 4 Mill. Gulden für den Umbau der Festungswerke die Erweiterung der Altstadt ermöglicht wurde.

    Die Firma Kupferberg – seit 1863 Kommanditgesellschaft – wurde 1872 in eine KG auf Aktien umgewandelt mit K. als einzigem haftenden Teilhaber und seinem Sohn Franz als stellvertretendem Direktor. Die letzten Jahre seines Lebens verbrachte K. zu einem großen Teil auf Geschäftsreisen, die ihn – häufig im Winter – außer durch Deutschland nach Österreich, Holland, Frankreich und vor allem nach England führten. Trotz aller Erfolge hielt er daran fest, daß er sich in frühen Jahren in London hätte niederlassen sollen. Die besonderen gesundheitlichen Belastungen durch die Reisen versuchte K. vergeblich durch Kuren in Karlsbad auszugleichen. Als er 52jährig starb, hatte er ein Unternehmen aufgebaut, das zwar weder nach seiner Beschäftigtenzahl noch nach Kapital und Umsatz den großen Industriefirmen an die Seite gestellt werden konnte, wohl aber repräsentativ war für die Leistungen des mittleren deutschen Unternehmertums in jener Zeit.

    Nach K.s Tod wurde die Firma von seinen Söhnen und später von seinen Enkeln und Urenkeln weitergeführt. Sie erhielt zahlreiche Auszeichnungen und wurde in Anerkennung der Güte ihrer Sektmarken zehnmal zur Hoflieferantin königlicher und fürstlicher Häuser ernannt. Mit Spitzenmarken wie „Kupferberg-Gold“, „Kupferberg-Riesling“ und „Kupferberg Fürst Bismarck“ konnte auch nach den schweren Zerstörungen des 2. Weltkriegs an die früheren Erfolge wieder angeknüpft werden. Seit 1957 wurden Erweiterungsbauten in Mainz ausgeführt und seit 1965 erfolgte der Bau einer neuen Produktionsstätte in Mainz-Hechtsheim. Die Gründung einer Champagner-Kellerei in Frankreich 1966 setzte die Tradition des französischen Zweiges der Familie fort.

  • Literatur

    M. R. Lang (Hrsg.), C. A. K., 1923;
    C. A. Kupferberg u. W. Treue, C. A. K. 1824-1876, 1975 (P). - Zu B Florian: H. van Ham, in: Rhein.-westfäl. Wirtsch.biogr. IV, 1941, S. 217-30 (P).

  • Autor/in

    Wilhelm Treue
  • Empfohlene Zitierweise

    Treue, Wilhelm, "Kupferberg, Christian Adalbert" in: Neue Deutsche Biographie 13 (1982), S. 316-318 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd128988096.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA