Bach-Zelewski, Erich von dem
- Lebensdaten
- 1899 – 1972
- Geburtsort
- Lauenburg (Pommern, heute Lębork, Polen)
- Sterbeort
- München
- Beruf/Funktion
- SS-Führer ; General der Waffen-SS ; General
- Konfession
- evangelisch-lutherisch, seit 1913 römisch-katholisch, nach 1918 evangelisch-lutherisch, nach 1933 „gottgläubig“, seit 1947 römisch-katholisch, seit 1953 evangelisch-lutherisch
- Normdaten
- GND: 119391996 | GND-Explorer | OGND | VIAF
- Namensvarianten
-
- Zelewski, Erich von dem / bis 1925
- Bach, Erich von dem / 1940–1945
- Bach-Zelewski, Erich von dem
- Zelewski, Erich von dem / bis 1925
- Bach, Erich von dem / 1940–1945
- Bach-Zalewski, Erich von dem
- Zelewski, Erich von dem Bach-
- Zalewski, Erich von dem Bach-
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Bach-Zelewski, Erich Julius Eberhard von dem (bis 1925 Erich von Zelewski, 1940–1945 Erich von dem Bach)
1899 – 1972
SS-Führer, General der Waffen-SS
Erich von dem Bach-Zelewski war von 1941 bis 1944 als Höherer SS- und Polizeiführer Russland-Mitte sowie seit 1942 als Bevollmächtigter des Reichsführers-SS für die „Bandenbekämpfung“ der wichtigste Funktionsträger der nationalsozialistischen Besatzungs- und Vernichtungspolitik in Weißrussland. Obgleich für die Ermordung Hunderttausender Zivilisten verantwortlich, trat er 1945/46 mehrfach als Zeuge der Anklage beim Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozess auf, ehe er 1962 aufgrund anderer Verbrechen zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt wurde.
Lebensdaten
Erich von dem Bach-Zelewski, BArch / Bildarchiv (InC) -
Autor/in
→Alex J. Kay (Potsdam)
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Zitierweise
Kay, Alex J., „Bach-Zelewski, Erich von dem“, in: NDB-online, veröffentlicht am 01.07.2026, URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd119391996.html#dbocontent
Aufgrund prekärer wirtschaftlicher Verhältnisse wurde Bach-Zelewski von seinen Eltern in eine Pflegefamilie gegeben und wuchs auf einem Landgut nahe Breslau (Niederschlesien, heute Wrocław, Polen) auf. Nach dem Besuch mehrerer Gymnasien in Westpreußen meldete er sich im November 1914 mit 15 Jahren freiwillig zum Kriegsdienst. Während seines Fronteinsatzes zweimal verwundet und 1917 zum Leutnant im aktiven Dienst befördert, wurde er nach dem Ende des Ersten Weltkriegs in die Reichswehr übernommen und diente bis September 1919 im Grenzschutz Ost. Anschließend war er bis 1924 Berufssoldat, zuletzt beim Infanterieregiment 4. Bach-Zelewski politisierte sich nach Kriegsende, lehnte die Weimarer Republik ab und schloss sich im Herbst 1919 dem radikalantisemitischen Deutschvölkischen Schutz- und Trutzbund an.
Seit 1924 als Taxiunternehmer in Berlin tätig, verwaltete Bach-Zelewski von 1928/29 bis 1932 das der Familie seines langjährigen Freundes Hans von Treichel (gest. 1937) gehörende Gut Liebenow nahe Landsberg an der Warthe (heute Gorzów Wielkopolski, Polen), wo er im März 1932 erstmals Adolf Hitler (1889–1945) begegnete. Im Februar 1930 trat er der NSDAP bei, ein Jahr später der SS, in der er mit Kurt Daluege (1897–1946) einen einflussreichen Förderer fand. Im Juli 1932 erhielt Bach-Zelewski bei den Reichstagswahlen ein Mandat für den Wahlkreis Frankfurt an der Oder, das er bei den Wahlen vom November desselben Jahres verlor. Von März 1933 bis zum Ende der NS-Zeit war er erneut Reichstagsabgeordneter.
Seit Oktober 1932 leitete Bach-Zelewski den SS-Abschnitt XII mit Sitz in Frankfurt an der Oder und befahl nach der nationalsozialistischen Machtübernahme die Ermordung mehrerer kommunistischer Aktivisten. Im Februar 1934 wechselte er nach Königsberg (Preußen, heute Kaliningrad, Russland), wo er die Führung des SS-Oberabschnitts Nordost übernahm und damit erstmals dem Reichsführer-SS Heinrich Himmler (1900–1945) direkt unterstellt wurde, der ihn in der Folgezeit protegierte und mehrmals finanziell unterstützte. Anfang Juli 1934 erteilte Bach-Zelewski im Kontext der sog. Röhm-Affäre u. a. den Mordbefehl gegen den mit ihm verfeindeten SS-Offizier Anton von Hohberg-Buchwald (1885–1934).
Nach Konflikten mit dem Gauleiter von Ostpreußen, Erich Koch (1896–1986), wurde Bach-Zelewski im Februar 1936 als Chef des SS-Oberabschnitts Südost nach Breslau versetzt und im Juni 1938 von Himmler zum Höheren SS- und Polizeiführer (HSSPF) ernannt. In dieser Doppelfunktion organisierte er mit seinem Stellvertreter Hanns Rauter (1895–1949) maßgeblich die Novemberpogrome 1938 in Schlesien, bei denen mehr als 50 Synagogen zerstört und über 2000 Jüdinnen und Juden in Konzentrationslager verschleppt wurden. Seit Ende 1939 drängte Bach-Zelewski auf den Bau eines neuen Konzentrationslagers in Schlesien, des späteren KZ Auschwitz, da die örtlichen Gefängnisse von polnischen politischen Häftlingen überfüllt waren.
Im Mai 1941 wurde Bach-Zelewski von Himmler als HSSPF für Russland-Mitte beim bevorstehenden Überfall auf die Sowjetunion eingesetzt. Vor allem in Weißrussland tätig, verantwortete er in dieser Funktion bis Juli 1943 (formell bis Juni 1944) in enger Abstimmung mit dem Befehlshaber des rückwärtigen Heeresgebiets Mitte, General Max von Schenckendorff (1875–1943), die Ermordung hunderttausender, v. a. jüdischer Zivilisten im Mittelabschnitt der Ostfront durch ihm direkt unterstellte Kräfte der Waffen-SS, der Sicherheitspolizei, des Sicherheitsdiensts und der Ordnungspolizei. Im November 1941 zum SS-Obergruppenführer und General der Polizei befördert, übertrug Himmler im Oktober 1942 das neu geschaffene Amt „Bevollmächtigter des Reichsführers-SS für die Bandenbekämpfung“ an Bach-Zelewski, der damit für die gesamte Partisanenbekämpfung hinter der Ostfront zuständig wurde. Unter seinem Oberbefehl ermordete eine von Curt von Gottberg (1896–1945) geführte Kampftruppe im Winter 1942/43 rund 29 000 Menschen. Im Juni 1943 wurde Bach-Zelewskis Einflussbereich durch seine Ernennung zum „Chef der Bandenkampfverbände“ auf das gesamte deutsch besetzte Europa ausgeweitet.
Kurz nach seiner Beförderung zum General der Waffen-SS wurde Bach-Zelewski Anfang August 1944 von Himmler mit der Niederschlagung des Warschauer Aufstands beauftragt. Unter seinem Oberbefehl wurden bis zur Kapitulation am 2. Oktober 1944 ca. 185 000 Zivilisten getötet und 85 % der Stadt zerstört; weitere rund 60 000 Menschen wurden in Konzentrationslager eingewiesen und 90 000 als Zwangsarbeiter verschleppt. Von November 1944 bis Februar 1945 als Kommandeur von SS-Korps an der West- und Ostfront verwendet, setzte sich Bach-Zelewski im April 1945 nach Südwesten ab, wurde am 7. August 1945 in Sonthofen (Allgäu) festgenommen und im Oktober desselben Jahres nach Nürnberg verlegt.
In der Haft verstand es Bach-Zelewski, sich den US-amerikanischen Anklagevertretern als wichtige Informationsquelle anzudienen und trat 1945/46 beim Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozess als Zeuge der Anklage auf. Dass er nicht selbst angeklagt wurde lag v. a. an der unzureichenden Kenntnis über seine Mitverantwortung am Holocaust auf Seiten des Internationalen Militärtribunals. Im März 1948 sagte er im Wilhelmstraßen-Prozess erneut als Zeuge der Anklage gegen Gottlob Berger (1896–l975) aus. Seit Februar 1949 im Gerichtsgefängnis Nürnberg-Langwasser inhaftiert, wurde Bach-Zelewski im Mai 1950 freigelassen und arbeitete seit 1954 als Nachtwächter in Nürnberg.
Im Dezember 1958 wurde Bach-Zelewski wegen Erteilung des Mordbefehls gegen Hohberg-Buchwald 1934 vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth angeklagt und im Februar 1961 zu viereinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Im August 1962 folgte eine Verurteilung zu lebenslangem Zuchthaus wegen seiner Mordbefehle gegen Kommunisten 1933. Den Rest seines Lebens verbrachte Bach-Zelewski im Gefängnis München-Stadelheim; für seine Verbrechen während des Zweiten Weltkriegs musste er sich nie vor Gericht verantworten.
| 1915 | Eisernes Kreuz II. Klasse |
| 1918 | Eisernes Kreuz I. Klasse |
| 1939 | Goldenes Parteizeichen der NSDAP |
| 1941 | Kriegsverdienstkreuz II. Klasse mit Schwertern (1942 mit Spange) |
| 1943 | Kriegsverdienstkreuz I. Klasse mit Schwertern |
| 1944 | Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes |
Nachlass:
Bundesarchiv, Berlin-Lichterfelde, N 944. (weiterführende Informationen)
Weitere Archivmaterialien:
Bundesarchiv, Berlin-Lichterfelde, SS-Offiziersakte; RuSHA-Akte; R 20/45 (Tagebuch als Chef der Bandenkampfverbände, 25.6.1941–22.1.1945); NS 19 (Persönlicher Stab Reichsführer-SS)
Archiv des Instituts für Zeitgeschichte, München, ZS 543. (Zeugenschrifttum Erich von dem Bach-Zelewski, Bd.·1, Bd.·2, Bd.·3)
Quellenverzeichnis:
Jan Kreutz, Erich von dem Bach-Zelewski. Karrieren der Gewalt zwischen Kaiserreich und Bundesrepublik, 2025, S. 531–538.
Monografien:
Władysław Bartoszewski, Prawda o von dem Bachu, 1961, dt. 1961.
Christian Gerlach, Kalkulierte Morde. Die deutsche Wirtschafts- und Vernichtungspolitik in Weißrußland 1941 bis 1944, 1999.
Jan Kreutz, Erich von dem Bach-Zelewski. Karrieren der Gewalt zwischen Kaiserreich und Bundesrepublik, 2025. (P)
Aufsätze und Artikel:
Andrej Angrick, Erich von dem Bach-Zelewski. Himmlers Mann für alle Fälle, in: Ronald Smelser/Enrico Syring (Hg.), Die SS. Elite unter dem Totenkopf, 2000, S. 28–44. (P)
Ruth Bettina Birn, „Neue“ oder alte Täterforschung? Einige Überlegungen am Beispiel von Erich von dem Bach-Zelewski, in: Totalitarismus und Demokratie 7 (2010), H. 2, S. 189–212.
Matthias Barełkowski, Vom „Schlagetot“ zum „Kronzeugen“ nationalistischer Verbrechen. Die Karriere des Erich von dem Bach-Zelewski, in: Hans-Jürgen Bömelburg (Hg.), Der Warschauer Aufstand 1944. Ereignis und Wahrnehmung in Polen und Deutschland, 2011, S. 129–170.
Ruth Bettina Birn, Criminals as Manipulative Witnesses. A Case Study of SS General von dem Bach-Zelewski, in: Journal of International Criminal Justice 9 (2011), H. 2, S. 441–474.
Fotografie, ca. 1932, Abbildung in: Reichstags-Handbuch, VIII. Wahlperiode 1933, hg. v. Büro des Reichstags, 1933, S. 323. (Onlineressource)
Fotografie, ca. 1933, Abbildung in: Reichstags-Handbuch, IX. Wahlperiode 1933, hg. v. Büro des Reichstags, 1934, S. 383. (Onlineressource)
Fotografien, 1941–1944, Digitales Bildarchiv des Bundesarchivs.
Fotografie, ca. 1941, Staatsarchiv München, Staatsanwaltschaft München, 34 865/29.
Fotografie, 1946, National Archives at College Park (Maryland, USA), RG 238, 238-NT-442.