Lebensdaten
unbekannt
Beruf/Funktion
Unternehmerfamilie
Konfession
reformiert
Normdaten
GND: 119173565 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schoeller, Ritter von
  • Schoeller
  • Schoeller, Ritter von
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Quellen(nachweise)

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Zitierweise

Schoeller, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119173565.html [10.12.2019].

CC0

  • Leben

    Die Familie gehörte im 15. Jh. zu den Lehnsleuten und Schultheißen der Abtei Steinfeld (Eifel). 1458 ist Johann (I) in Schleiden als Rentmeister des Grafen von Manderscheid nachweisbar. Sein Urenkel Johann (II) ( um 1547) engagierte sich in den Ortschaften Blumenthal und Wiesgen b. Schleiden im damals blühenden Eifeler Eisengewerbe. Dessen Sohn Georg ( um 1580) war zunächst im väterlichen Betrieb tätig, wurde 1550 als Reidemeister (Eisenfabrikant) mit einem Sechstel Anteil an der Eisenhütte des Herzogs von Jülich-Berg genannt und erwarb weitere Beteiligungen an Produktionsstätten in den Ortschaften Kirschseiffen und Oberhausen b. Schleiden. Nachdem Georgs Sohn Johann (III) (vor 1581 – nach 1612) die Stellung der Familie im Eifeler Eisengewerbe ausgebaut und gefestigt hatte, verlegte sein Urenkel Philipp Dietrich (1645–1707) das Stammhaus der Familie nach Gemünd in das 1691 errichtete Schoellerhaus. Nach seinem Tod übernahm der Sohn Johann Peter (I) (1671–1753) die väterlichen Eisenwerke, während Johann Paul (I) (1700–54) nach einer kaufmännischen Ausbildung in Elberfeld seit 1718 bei seinem im Tuchgewerbe tätigen Schwager Johann Wilhelm (1694–1747) in Düren arbeitete und zum Stammvater der weit verzweigten Dürener Fabrikantenfamilie wurde.

    Johann Peters Enkel Johann Ludolf (1760–1841) war Reidemeister auf dem Hüttenwerk Hellenthal. Sein Sohn Wilhelm Arnold (1792–1875) führte als einer der ersten Eifeler Eisenproduzenten die maschinelle Fertigwarenherstellung (Nägel u. Nieten aus Draht) ein. Dadurch gelang es ihm und seinen Söhnen Friedrich Theobald (1830–99) und Rudolf (1833–1911), die Krise der Branche in der Eifel zu überstehen. Unter der Leitung von Rudolfs Sohn Walter (1870–1955) begann Anfang der 1930er Jahre die Herstellung nahtlos gezogener Feinrohre als Halb- und Fertigfabrikate. Nach 1945 entwickelte sich das Unternehmen „Schoellerwerk KG“, an dessen Spitze jetzt Walters Sohn Artur steht, zum größten europ. Hersteller von Feinst- und Kapillarrohren.

    Johann Pauls (I) Söhne Philipp Rütger (1725–1805) und Heinrich Wilhelm (1745–1827) wurden Tuch- und Papierfabrikanten in Düren. Pauls jüngster Sohn Johann Arnold (1747–1831) war zunächst Eisenproduzent in Schleiden, seit 1799 ebenfalls Tuchfabrikant in Düren. Von Philipp Rütger stammen drei bis heute bestehende Zweige, ausgehend von Carl Peter (1764–1831), Papierfabrikant in Düren, Johann Wilhelm (1770–1812), Tuchfabrikant in Düren, dann in Österreich, und Philipp Ludolf (1776–1855), Tuch- und Papierfabrikant in Düren und Elberfeld. Johann Wilhelms Sohn Philipp Wilhelm v. S. (1797-1877, österr. Rr. 1863, s. 2) übernahm 1823 die Leitung der Tuchfabrik Gebrüder Schoeller in Brünn (Mähren) und war Teilhaber der Großhandlung Schoeller & Co. in Wien sowie Miteigentümer der 1850 in Czakowitz bei Prag gegründeten Zuckerfabrik. Während sein Sohn Gustav v. S. (1830-1912) die Leitung der Firma in Brünn übernahm, ging die Zuckerfabrik auf dessen Bruder Philipp Johann v. S. (1835-92) und dann auf dessen Sohn Philipp Josef v. S. (1864-1906) über. Philipp Ludolfs Sohn CarlAugust (1802–91) betrieb mit seinem Bruder Ferdinand Wilhelm (1804–84) eine Türkischrotfärberei in Elberfeld, während seine Söhne Friedrich August (1836–1911) und Carl Ferdinand (1842–1900) eine weitere Färberei in Opladen gründeten. 1879 führten sie in ihrem Betrieb die Stückfärberei von seidenen und halbseidenen Geweben in Deutschland ein. Ihr Bruder Julius Alexander (1852–1911, s. 4) wurde Bankier und förderte u. a. den Auf- und Ausbau der rhein.-westfäl. Schwerindustrie. Ein weiterer Sohn Philipp Ludolfs, Julius Victor (1811–83), wurde Mediziner und lehrte als Professor an der medizinisch-chirurgischen Militärakademie in Berlin. Dessen Sohn, der Jurist August Viktor (1850–1923), schrieb die „Geschichte der Familie Schoeller“ (1894, Nachdr. 1994). Dessen Sohn Walter (1880–1965, s. 7) lehrte als Professor für Medizinische Chemie an der Univ. Freiburg (Br.) und leitete die wissenschaftlichen Laboratorien der Schering-Kahlbaum AG in Berlin.

    Heinrich Wilhelm betrieb in Lendersdorf bei Düren die Papiermühle Hammer, gleichzeitig baute er die Gerstenmühle in Düren mit engl. Maschinen zu einer modernen Tuchfabrik aus. Die Papierfabrik Hammer übernahm sein Sohn Heinrich August (1788–1863, s. 1). Teilhaber wurde vorübergehend sein Bruder Louis Jakob (1791–1866), dessen Söhne Johann Wilhelm (1820–87), Friedrich Wilhelm (* 1823) und Friedrich Wilhelm Napoleon (1827–87) in Ungarn eigene Papierfabriken gründeten. In der nächsten Generation leiteten Heinrich Augusts Söhne Julius Adolph (1820–76) und Benno Vitus (1828–1908) die Papierfabrik Hammer gemeinsam. 1886 ging sie zunächst in den alleinigen Besitz von Benno Vitus, später an seinen Sohn Carl Maria Julius (1855–1930) über. Unter der Firma „Schoellershammer“ befindet sich das Unternehmen bis heute im Familienbesitz. Heinrich Augusts Sohn Felix Heinrich (1821–93) gründete in Birkesdorf b. Düren eine eigene Papierfabrik; daneben besaß er Papier- und Zellulosefabriken in Dömitz (Meckl.), Offingen (Bayern) und Gernsbach (Baden). Sein Sohn Felix Hermann (1855–1907, s. 6) begann, Fotopapier herzustellen. Dessen Sohn Felix Heribert (1881–1958) und Enkel Felix Richard Lothar (1910–85) setzten die Spezialisierung fort. Heute gehört das Unternehmen zur M-Real-Gruppe.

    Johann Arnolds Sohn Johann Paul (II) (1772–1845) war Tuchfabrikant in Düren, bis er nach Wien übersiedelte. Seine Brüder Johann Peter (II) (1778–1838), Carl Friedrich (1784–1860) und Heinrich Leopold (1792- 1884), Geh. Kommerzienrat, betätigten sich ebenfalls als Tuch- und Papierfabrikanten im Dürener Raum. Darüber hinaus erschlossen sie neue Märkte, als sie 1820 in Brünn die Tuchfabrik „Gebrüder Schoeller & Co.“ gründeten, nachdem ihnen 1818 Ks. Franz I. von Österreich auf dem Aachener Kongreß die Konzession dazu verliehen hatte.

    Wilhelm Alexander v. S. (1805-86, österr. Rr. 1863, s. 3), ein Sohn Johann Pauls (II), wurde Mitbegründer und Teilhaber zahlreicher Unternehmen im Habsburger Reich, u. a. der Metallwarenfabrik in Berndorf, mehrerer Rübenzuckerfabriken und des ersten und bedeutendsten Bessemer-Stahlwerks Österreichs. Seine Brüder Heinrich Eduard v. S. (1803-79) und Johann Paul (III) v. S. (1808-82) waren Teilhaber der Wiener Großhandlung. Sein Neffe Paul Eduard v. S. (1853-1920, s. 5) konzentrierte 1889 die Montanaktivitäten im Unternehmen „Ternitzer Stahl- und Eisenwerke von Schoeller & Co.“.

    Johann Peter (II) errichtete 1805 in Düren eine eigene Tuchfabrik, die von seinen Nachkommen weitergeführt wurde.

    Neben seiner Beteiligung an den Firmen in Brünn und Wien betrieb Friedrich gemeinsam mit seinem Bruder Leopold in Düren Papier- und Tuchfabriken. Nach der Hochzeit seines einzigen Kindes Ernestine (1816–78) mit Richard Prym (1814–94), einem Sohn des Stolberger Messingfabrikanten Gustav Isaac Wilhelm Prym (1783–1832), trennten sich die Brüder; Friedrich gründete 1842 mit seinem Schwiegersohn die Tuchfabrik „Friedrich Schoeller & Prym“. Leopold gründete nach der Aufhebung der Kontinentalsperre 1813 in Amsterdam eine Großhandlung für Tuche und engl. Manufakturwaren. Seit 1815 beteiligte er sich mit seinen Brüdern an Unternehmen in Düren, Brünn und Wien, gründete 1842 in Düren eine eigene Tuchfabrik unter der Firma „Leopold Schoeller und Söhne“ und erwarb 1845 eine Kammgarnspinnerei in Breslau. Wenig später wurde er Teilhaber des Unternehmens „Gebrüder Schoeller & Co.“ in Breslau, das mehrere Zuckerfabriken in Schlesien betrieb. 1848 erwarb er gemeinsam mit dem Aachener Friedensrichter Friedrich Ernst Bölling die Konzession für den Steinkohlebergbau auf dem Grubenfeld Maria in Alsdorf-Hoengen bei Aachen. 1851 beteiligte er sich an der Dürener Flachsgarnspinnerei „Schoeller, Mevissen und Bücklers“ (später Schoeller, Bücklers & Co.). 1854 errichtetet er unter dem Dach seines Unternehmens „Leopold Schoeller & Söhne“ das „Teppichkontor“ zur maschinellen Herstellung hochwertiger gemusterter Teppiche; für das dafür benötigte, 1831 von Richard Whytuck entwickelte Verfahren der Kettmusterfärbung hatte sich Leopold 1852 ein preuß. Patent gesichert. 1869 beteiligte er sich an der neu gegründeten, ersten linksrhein. Zuckerfabrik „Schoeller, Peill & Brockhoff“. Leopold engagierte sich auch sozial und politisch (1847 Mitgl. d. preuß. LT). Sein ältester Sohn Caesar (1822–87) gründete 1849 ein Importgeschäft in New York, um dort den Vertrieb der Produkte der väterlichen Tuchfabrik zu organisieren. Sein Bruder Rudolph Wilhelm (1827–1902) leitete seit 1849 die Kammgarnspinnerei in Breslau. 1859-61 vertrat er die Stadt im preuß. Abgeordnetenhaus. Seit 1865 in Zürich, gründete er 1867 eine Kammgarnspinnerei in Schaffhausen/Rhein. Die daraus hervorgegangene „Schoeller Eitorf AG“ befindet sich heute nicht mehr im Familienbesitz. 1881-86 war Rudolph Wilhelm dt. Konsul in Zürich. Auch seine Nachkommen betätigten sich als Unternehmer in der Schweiz. Philipp Eberhard Leopold (1830–96), ein weiterer Sohn Leopolds, war in der Dürener Tuchfabrik und im „Teppichkontor“ tätig, bevor er 1867 in Breslau die Leitung der schles. Zuckerfabriken unter der Firma „Gebrüder Schoeller & Co.“ übernahm. Auch er vertrat die Stadt Breslau 1888-93 im preuß. Abgeordnetenhaus. Sein Bruder Philipp Nicolaus Ludwig (1833–1904) übernahm nach längeren Aufenthalten bei der Berliner Diskonto-Gesellschaft und den Schoeller'schen Unternehmen in Breslau und Brünn 1867 die Leitung des „Teppichkontors“, das er in den folgenden Jahren konsequent ausbaute. Heute wird das Unternehmen „ANKER-Teppichboden Gebrüder Schoeller GmbH & Co. KG“ in der sechsten Generation von Markus Alexander (* 1961) geleitet. Leopolds jüngster Sohn, Alexander Paul (1837–92), gründete 1880 mit seinem Schwager Julius Brockhoff eine Zuckerfabrik in Jülich (1906 AG). 1930 erhielt der Rhein. Rübenbauern-Verband weitreichende Mitbestimmungsrechte in dem Unternehmen, das damals als „Zuckerfabrik Jülich Alex. Schoeller & Co. AG“ firmierte. Heute besteht es unter dem seit 1947 gültigen Namen „Zuckerfabrik Jülich AG“.

  • Literatur

    Gesch. d. Fam. S., 2 Bde., hg. v. Verband d. Fam. S. e.V., 1994;
    1850-1925, Aus Vergangenheit u. Gegenwart wirtschaftl. Geschehens im Bez. d. Ind.- u. Handelskammer f. d. Kreise Aachen-Land, Düren u. Jülich zu Stolberg (Rhld.), 1925;
    125 J. Ind.- u. Handelskammer zu Aachen, I, 1929;
    H. Heukeshofen, Die wirtschaftl. Entwicklung d. Jülicher Landes seit seiner Zugehörigkeit zu Preußen unter bes. Berücks. d. Kr. Jülich, 1934;
    Dt.GB 99, 1938;
    J. Geuenich u. H. Meyn, 1200 J. Düren, Zeittafel z. Gesch. Dürens, 1948: 150 J. Ind.- u. Handelskammer Aachen, [1954];
    B. Nadolny, Felix Heinrich S. u. d. Papiermacherkunst, 1957;
    J. Geuenich, Gesch. d. Papierind. im Düren-Jülicher Wirtsch.raum, 1959;
    H. Kellenbenz, Die wirtschaftl. Beziehungen zw. Westdtld. u. Böhmen-Mähren im Za. d. Industrialisierung, in: Bohemia, Jb. d. Collegium Carolinum 3, 1962, S. 248 f.;
    F. Decker, Die betriebl. Soz.ordnung d. Dürener Ind. im 19. Jh., 1965;
    G. Adelmann, Strukturwandlungen d. rhein. Leinen- u. Baumwollgewerbes zu Beginn d. Industrialisierung, in: VSWG 53, 1966, S. 174;
    H. Kellenbenz, Die Zuckerwirtsch. im Kölner Raum v. d. napoleon. Zeit bis z. Reichsgründung, 1966;
    G. Brückner, Zur Wirtsch.gesch. d. Reg.bez. Aachen, 1967;
    F. Willems, Prym, Gesch. u. Geneal., 1968;
    J. Kermann, Die Manufakturen im Rheinland 1750-1833, 1972;
    P. Neu, Eisenind. in d. Eifel, Aufstieg, Blüte u. Niedergang, 1989;
    P. Joerissen u. R. Wagner (Hg.), Süßes Rheinland, Zur Kulturgesch, d. Zuckers, 1998;
    K. v. Eyll u. O. Eschweiler (Hg.), Wirtsch.gesch. d. Region Aachen v. Ende d. Zweiten Weltkriegs bis z. Gegenwart, 2000;
    150 J. ANKER-Teppichboden (1854–2004), hg. v. ANKER-Teppichboden Gebr. Schoeller GmbH + Co. KG, 2004;
    Mitt. v. L. v. Lehsten.

  • Autor/in

    Hans-Joachim Ramm
  • Familienmitglieder

  • Empfohlene Zitierweise

    Ramm, Hans-Joachim, "Schoeller" in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 364-366 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119173565.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA