Lebensdaten
1805 – 1886
Geburtsort
Düren
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Großindustrieller in Wien ; Unternehmer
Konfession
reformiert
Normdaten
GND: 137648456 | OGND | VIAF: 81813091
Namensvarianten
  • Schoeller, Wilhelm Alexander (bis 1863)
  • Schoeller, Alexander Ritter von
  • Schoeller, Wilhelm Alexander (bis 1863)
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Zitierweise

Schoeller, Alexander Ritter von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd137648456.html [25.06.2022].

CC0

  • Genealogie

    V Paul S. (1772-1845), Tuchfabr. in D., S d. Arnold (1747–1831), Hüttenbes., Tuchfabr. in Schleiden (s. Fam.art.), u. d. Lucia Catharina Peuchen;
    M Elisabeth Henriette Wilhelmine Eickel, aus Köln;
    Ur-Gvv Paul S. (1700-54, s. Fam.art.);
    Ov Peter (1778–1838), Friedrich (1784–1860), Leopold (1792–1884), alle Tuchfabr. in Brünn;
    B Eduard (1803–79, österr. Rr. 1867), Großagrarier, Zuckerrübenfabr. in Edeleny (Ungarn), Paul (1808–82, österr. Rr. 1867), Großhandlungsgesellschafter in W.;
    1) Düren 1835 Pauline (1814–81), T d. Wilhelm Hoesch (1791–1831), Eisen- u. Papierfabr. in D., u. d. Johanna Schoeller (1790–1879), 2) Wien 1882 Pauline (Paula) Hendeß (1837–1921), aus Cöslin; Schwager Leopold Hoesch (1820–99), Eisenindustr. in D. (s. NDB IX);
    Vt Philipp Wilhelm v. S. (s. 2);
    N Gustav (1826–89), Philipp Wilhelm (1845–1916), Sir Paul (s. 5).

  • Biographische Darstellung

    S. erhielt seine Ausbildung im väterlichen Betrieb sowie in den Unternehmen seiner Onkel in Brünn (Brno) und Wien. 1833 machte er sich selbständig und gründete in Wien die Großhandlung „Alexander Schoeller“. War ursprünglich noch die Zusammenarbeit mit anderen familieneigenen Unternehmen die Grundlage für seinen geschäftlichen Erfolg, so änderte sich dies mit dem Einstieg ins Bankengeschäft und mit der Beteiligung an bzw. Gründung von Industrieunternehmungen durch S. Seine eigenen Unternehmen gingen in vier Richtungen: Eisen-, Stahl- und Metallwarenproduktion, Zuckerindustrie, agrikulturelle Unternehmungen und das Bankengeschäft. Dabei blieben die familiären Verbindungen auch weiterhin von erheblicher wirtschaftlicher Bedeutung. Zu seinen bedeutendsten Gründungen bzw. Erwerbungen gehörte die 1849 gemeinsam mit Hermann Krupp (1814–79) in Berndorf gegründete „Metallwarenfabrik Alexander Schoeller“, die sich auf Besteckproduktion spezialisierte. Die 1862 in S.s Besitz gelangten Eisen- und Stahlwerke in Ternitz wandelte er nach Modernisierung und Ausbau 1868 zur „Ternitzer Walzwerks- und Bessemer Stahlfabrikations AG“ um. Er suchte für seine Unternehmen die Rohstoffversorgung zu sichern, worauf seine Beteiligungen am Kohlebergbau zurückzuführen sind: 1859 in Miesbach (Oberbayern), 1871 in Jaworzno (Westgalizien), 1867 in Miröschau (Mirosov) bei Pilsen. Die Grundentlastung von 1848 eröffnete Investitionsmöglichkeiten in der Landwirtschaft. S. erwarb die Prager Güter Cakowitz (Čakovice), Ctenitz (Ctěnice) und Mischkowitz (Miskovice), die er 1849-51 mit den neuesten Maschinen für Anbau und Verarbeitung von Zuckerrüben ausstattete. Die Zuckerfabriken in Cakowitz 1850, Caslau (Cáslav) 1854/55 und Wrdy (Vrdy) 1858 sowie die „Leipnik-Ludenburger Zuckerfabrik AG“ 1871 brachten ihm die führende Position in der österr. Zuckerindustrie. Sein Aktienbesitz war weit gestreut, vorwiegend im Industrie-, Banken- und Versicherungs-, aber auch im Eisenbahnwesen; seine vielfache Verwaltungsratstätigkeit machte ihn im österr. Wirtschaftsleben omnipräsent. Seine Beteiligungen an Banken, etwa an der „österr. Creditanstalt für Handel und Gewerbe“, an deren Gründung 1855 er maßgeblich beteiligt war, nutzte er auch für die Finanzierung seiner eigenen Industriebetriebe. Darüber hinaus war er an Körperschaften beteiligt, die zum Teil auf seine Initiative zurückgingen, wie die niederösterr. Handels- und Gewerbekammer, das Gewerbegericht für Niederösterreich oder der niederösterr. Gewerbeverein. 1868 wurde er nobilitiert und Angehöriger des Herrenhauses des Österr. Reichsrats auf Lebenszeit. Nach seinem Tod ging das Unternehmen an seine drei Neffen als Universalerben über. S. war einer der dynamischsten und einflußreichsten Unternehmergestalten der Monarchie.

  • Ehrungen, Auszeichnungen und Mitgliedschaften

    Orden d. Eisernen Krone III. Kl. (1863).

  • Literatur

    Die Großind. Österr.s I, 1898, V, S. 104 f.;
    Werkztg. d. Schoeller-Bleckmann Stahlwerke 1, 1929, S. 3 f., 8, 1937, S. 34 ff. (P), 28, 1961, S. 7 ff.;
    H. Dumreicher, Hundert J. Haus Schoeller, 1933, S. 1 ff.;
    H. Benedikt, A. v. S., 1805-1886, Ein Lb. z. 125j. Bestehen d. Hauses Schoeller * Co., 1958;
    R. Fugléwicz, Der Wandel in d. Unternehmerstruktur u. Unternehmerfunktion, aufgezeigt am Bsp. d. Schoeller-Bleckmann Stahlwerke, 1954;
    J. Mentschl, Österr. Wirtsch.pioniere, 1959, S. 45-49, 176 f. (P);
    ders. u. G. Otruba, Österr. Industrielle u. Bankiers, 1965, S. 96 ff. (P);
    R. Granichstaedten-Czerva, J. Mentschl u. G. Otruba, Altösterr. Unternehmer, 1969, S. 93 f.;
    F. Mathis, Big Business in Österr., 1987, S. 259 ff.;
    A. Pühringer, Von d. Theresienhütte am Ternitz z. Schoeller-Bleckmann Ges.m.b.H., in: Im Schatten d. Phönix, hg. v. H. Brenner, W. Nagele u. A. Pühringer, 1993, S. 235 ff.;
    Wurzbach;
    ÖBL.

  • Autor/in

    Andrea Pühringer
  • Zitierweise

    Pühringer, Andrea, "Schoeller, Alexander Ritter von" in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 368 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd137648456.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA