Lebensdaten
1905 – 1959
Geburtsort
Meseritz (Provinz Posen)
Sterbeort
Heidelberg
Beruf/Funktion
Jurist
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118765167 | OGND | VIAF: 32063992
Namensvarianten
  • Siebert, Wolfgang
  • Siebert, W.

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Zitierweise

Siebert, Wolfgang, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118765167.html [16.04.2024].

CC0

  • Genealogie

    V Theodor (1873–1945), Dr. iur., Staatsanwalt in Halle/Saale u. Danzig, Landger.dir. in Halle, S e. Gymn.prof.;
    M Gertrud Schultze (1876–1937), T e. Pfarrers;
    B Theodor (1902–62, Hildegard, T d. Johannes Rothe, 1877–1941, s. u.), Dr. phil., Gymn.dir. in Speyer;
    Schw Rose (1907–99, N. N. Kottmeier, Landger.rat in Einbeck), Grundschullehrerin;
    1932 Helga Frederike (* 1910), T d. Johannes Rothe (1877–1941), Dr. iur., Senatspräs. am Oberlandesgericht Breslau;
    1 S Hans-Wolfgang (* 1938), Dr. rer. nat., Prof. d. Physik in Heidelberg (s. Kürschner, Gel.-Kal. 2003), 3 T Annamarie (* 1934), Studiendir., Brigitte Grimm (* 1936), Dr. med. vet., Tierärztin, Heide Hertzberg (* 1941), Dipl.-Übers. in Neckarsteinach.

  • Biographie

    Nach Schulbesuch in Danzig 1911–16 und Halle 1916–23 sowie rechtswissenschaftlichem Studium in Halle und München wurde S. in Halle 1927 zunächst im Strafrecht promoviert, 1932 habilitierte er sich für Bürgerliches Recht bei Gustav Böhmer in Halle-Wittenberg, 1933 dort zusätzlich für Handelsrecht und Rechtsvergleichung. 1933 trat er in die NSDAP und die SA ein. Bald stand er im Ruf, „der fähigste nationalsozialistische Theoretiker, den wir auf dem Gebiete des Zivilrechts haben“ (Reinhard Höhn) zu sein. S. entwickelte dogmatische Argumentationen, die es erlaubten, ohne offene Gesetzesablehnung das 1933 übernommene BGB (Rechtsmißbrauchslehre 1934/35) und die Vertragsfreiheit, insbesondere im Arbeitsvertragsrecht (Lehre v. personenrechtl. Gliedschaftsverhältnis) nationalsozialistischen Wertungen zu unterwerfen. 1935 wechselte er als ao. Professor zur „NS-Stoßtruppfakultät“ nach Kiel, wurde hier 1937 Ordinarius, 1938–45 war er Ordinarius in Berlin als Nachfolger von Hermann Dersch auf einem Lehrstuhl für Arbeitsrecht. Als führender Mitarbeiter der „Akademie für Dt. Recht“ gab S. 1942 mit Justus Wilhelm Hedemann und Heinrich Lehmann den ersten Entwurf eines Volksgesetzbuches heraus und leitete die Ausschüsse für Jugendrecht und Jugendarbeitsrecht. Seit 1935 engagierte sich S. in der HJ (1937 Bannführer Nordmarck, 1941 Oberbannführer). Im Entnazifizierungsverfahren wurde S. 1948 als „entlastet“ (Gruppe V) eingestuft. Nach der Flucht aus Berlin in die brit. Besatzungszone nach Einbeck gründete S. 1946 in Göttingen zunächst ein sehr erfolgreiches jur. Repetitorium. Seit 1950 lehrte er in Göttingen als Privatdozent, 1953 dort, seit 1957 in Heidelberg wieder als Ordinarius für Arbeitsrecht, Bürgerliches Recht und Handels- und Wirtschaftsrecht. Insbesondere mit seinen Arbeiten zur Systematisierung von § 242 BGB und zur Dogmatik des noch jungen Betriebsverfassungsrechts legte S. grundlegende Abhandlungen zum Bürgerlichen Recht und Arbeitsrecht nach 1945 vor. Zu seinen Schülern aus dieserZeit zählt der nordrheinwestfäl. Arbeitsminister Friedhelm Farthmann.

  • Auszeichnungen

    Kriegsverdienstkreuz II. Kl. ohne Schwerter (1943), I. Kl. ohne Schwerter (1944);
    Goldenes Ehrenzeichen d. HJ.

  • Werke

    | u. a. Der strafrechtl. Besitzbegriff, 1927;
    Das rechtsgeschäftl. Treuhandverhältnis, 1933;
    Verwirkung u. Unzulässigkeit d. Rechtsausübung, 1934;
    Vom Wesen d. Rechtsmißbrauchs, in: K. Larenz (Hg.), Grundfragen d. neuen Rechtswiss., 1935, S. 189–224;
    Die Volksgemeinschaft im bürgerl. Recht, in: H. Frank (Hg.), Nat.sozialist. Hdb. f. Recht u. Gesetzgebung, 1935, S. 957–70;
    Das Arbeitsverhältnis in d. Ordnung d. nat. Arb., 1935;
    Subjektives Recht, konkrete Berechtigung, Pflichtenordnung, in: B. Ruft u. H. Frank (Hg.), Dt. Rechtswiss. I, 1936, S. 23–31;
    Die künftige Stellung d. Jugendlichen im Arb.recht, in: Zs. d. Ak. f. Dt. Recht 3, 1936, S. 1017–27;
    Die Gestaltung d. Arb.bedingungen in d. dt. Arb.vfg., ebd. 11, 1944, S. 73–77;
    Die allg. Entwicklung d. Vertragsbegriffs, in: Sonderhh. d. elften Jg. d. Zs. f. ausländ. u. internat. Privatrecht, 1937, S. 199–215;
    Grundzüge d. dt. Jugendrechts, 1941;
    Wandlungen im Bürgerl. Recht seit 1933, in: Dt. Recht, Zentralorgan d. NS-Rechtswahrerbundes 13, 1944, S. 5–12;
    Arb.vertrag, in: Hdb. d. Soz.wiss., 1954, S. 376–93;
    Einige Grundgedanken d. gegenwärtigen Arb.rechts, in: Recht d. Arb. 9, 1956, S. 13–17;
    Fakt. Vertragsverhältnisse, 1957;
    Kommentar z. Betriebsvfg.recht, ³1958 (mit H. Galperin);
    Kommentierung v. § 242 BGB in: Bürgerl. Gesetzbuch, mit Einf.gesetz u. Nebengesetzen, begr. v. H. Th. Soergel, neu hg. v. W. S., ⁹1959.

  • Literatur

    | G. Baron Botija u. E. Perez, in: Revista de Derecho del Trabajo 36, 1959, S. 89; G. Beitzke, in: NJW 13, 1960, S. 25;
    ders., W. S. z. Gedächtnis, in: Ehe u. Fam. im privaten u. öff. Recht 7, 1960, S. 18 f.; E. Forsthoff, Dem Gedächtnis W. S.s, in: Die Öff. Verw. 13, 1960, S. 539 f.; A. Hueck, W. S. z. Gedächtnis, 1960 (P); H.-P. Haferkamp, Die heutige Rechtsmißbrauchslehre, Ergebnis nat.sozialist. Rechtsdenkens?, 1995, S. 183–265, 289–338; Martin Becker, Arb.vertrag u. Arb.verhältnis, 2005, S. 493–500; Ch. Mies, W. S., Arb.verhältnis u. Jugendarbeitsschutz im Dritten Reich u. in d. frühen Bundesrep., Diss. Köln 2007;
    Kürschner, Gel.-Kal. 1940–1954.

  • Autor/in

    Hans-Peter Haferkamp
  • Zitierweise

    Haferkamp, Hans-Peter, "Siebert, Wolfgang" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 325 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118765167.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA