Lebensdaten
1165 bis 1235
Sterbeort
Köln
Beruf/Funktion
Herzog von Brabant ; Herzog von Lothringen ; Herzog von Löwen ; Markgraf von Antwerpen
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118836226 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Heinrich I. von Lothringen
  • Heinrich von Löwen
  • Heinrich von Brabant
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Zitierweise

Heinrich I., Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118836226.html [21.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus d. Haus Brabant (s. NDB II);
    V Hzg. Gottfried VII. v. Niederlothringen ( 1190, s. NDB VI);| M Gfn. Margarethe v. Limburg ( 1172);
    B Bischof Albert v. Lüttich ( 1192, s. NDB I);
    Halb-B Wilhelm v. Löwen ( n. 1224), Gf. Gottfried v. Löwen ( n. 1220);
    - 1) Mathilde ( 1210/11), T d. Matthäus v. Flandern ( 1173), Gf. v. Boulogne, u. d. Prn. Maria v. England, 2) 22.4.1213 Maria (1198–1223/24), Wwe d. Gf. Philipp v. Namur (1174–1212), T d. Kg. Philipp II. August v. Frankreich ( 1223) u. d. Agnes Hzgn. v. Meran ( 1201);
    2 S, 4 T aus 1) Hzg. Heinrich II. v. Brabant ( 1248, s. NDB VIII), Gf. Gottfried v. Löwen (1209–53), Maria ( 1260, 1] Kaiser Otto IV., 1218, 2] Gf. Wilhelm I. v. Holland, 1222), Margarete ( 1231, Gf. Gerhard III. v. Geldern, 1229, s. NDB VI), Adelheid ( 1261/78, 1] Gf. Arnold v. Loon, vor 1221, 2] Gf. Wilhelm XI. v. Clermont u. Auvergne, 1246, 3] Arnold v. Wesemaele, n. 1288, Marschall v. Brabant), Mathilde ( 1267, 1] Pfalzgf. Heinrich d. J., 1214, 2] Gf. Florenz IV. v. Holland, 1234), 2 T aus 2), u. a. Elisabeth ( 1273, 1] Gf. Dietrich v. Kleve, 1244, 2] Gf. Gerhard II. v. Limburg, 1254).

  • Leben

    H., 1183 Mitregent, 1190 Nachfolger seines Vaters, ist eine der bedeutendsten Persönlichkeiten unter den deutschen Fürsten seiner Zeit, mit der Geschichte des Reiches durch seine Stellungnahme in der Auseinandersetzung zwischen Staufern und Welfen, mit der westeuropäischen durch sein politisches Wirken im niederländischen Raum verbunden. Dabei trat er in ein näheres Verhältnis bald zu Frankreich, bald zu England. Ziel seiner oft skrupellosen Politik war es, Brabant zu vergrößern und ihm die erste Stellung in Lothringen zu geben, wobei H. den Titel des Herzogs von Lothringen bewußt herausstellte mit dem Ziel, die herzogliche Gewalt in ganz Lothringen wiederherzustellen. Dabei führte insbesondere sein Streben nach Beherrschung der wichtigen Handelsstraße Köln-Brügge zu Kämpfen mit den Nachbarn. Im Rahmen dieser Politik kam es 1191 zu kriegerischen Verwicklungen mit dem dem König Philipp August von Frankreich nahestehenden Grafen von Hennegau, wobei H. von einer Liga niederdeutscher Fürsten, darunter dem Erzbischof von Köln, unterstützt wurde. Als H. die Wahl seines Bruders Albert zum Bischof von Lüttich durchsetzte, stieß er auf die Ablehnung König Heinrichs VI., der Lothar von Hochstaden als Bischof anerkannte. Nach der Ermordung Alberts durch deutsche Ritter (1192) bildete sich eine Liga gegen Heinrich VI., die vielleicht dem von Papst Coelestin III. unterstützten Plan des Herzogs von Limburg zustimmte, Heinrich VI. abzusetzen und an seiner Stelle H. auf den deutschen Thron zu setzen. Heinrich VI., der von seiner Italienpolitik in Anspruch genommen war, söhnte sich indessen mit seinen Gegnern aus und erklärte sich bereit, den von der Brabanter Partei gewählten Bischof von Lüttich anzuerkennen. Um die Wahl des Bischofs kam es zum Kriege mit dem Hennegau (1194), der bald mit einer Verständigung endete. Es folgte dann 1195 ein Krieg mit dem Herzog von Limburg und dem mit diesem verbündeten Graf Otto von Geldern, den H. zu seinen Gunsten beendete. 1197 brach H. im Rahmen des von König Heinrich VI. geplanten Kreuzzuges mit Brabantern als Vorhut nach Palästina auf. Während seiner Abwesenheit trug seine Gattin Mathilde als Regentin des Herzogtums mit zur Erhebung Ottos IV. auf den Königsthron bei, der sich 1198 mit H.s Tochter Maria verlobte.

    H. nahm in der anglo-welfischen Partei, der fast alle Fürsten der Niederlande angehörten, eine führende Stellung ein, während der König von Frankreich die Staufer unterstützte. H. besiegte 1202 bei Heusden den zu Philipp von Schwaben haltenden Grafen von Holland und nahm den Graf Otto von Geldern gefangen. Nachdem der Pfalzgraf auf die Seite Philipps getreten war und der französische König den englischen besiegt hatte, wechselte H. 1204 zu der staufischen Partei über. Er bestimmte die Bürger Kölns, die Sache Ottos IV. aufzugeben. Philipp versprach, Maria, die Tochter H.s, mit Friedrich, dem König von Sizilien, zu vermählen. 1207 kam man überein, daß H.s gleichnamiger Sohn und Nachfolger eine der Töchter Philipps ehelichen sollte. Nach der Ermordung Philipps (1208) hatte H. den aussichtslosen Plan, sich mit der zugesagten Hilfe des französischen Königs um die Krone zu bewerben. H. trat dann aber wieder auf die Seite Ottos und zwang Lüttich 1212, diesen als Kaiser anzuerkennen. Er wechselte indessen 1213 nach einem neuen Abfall des Pfalzgrafen, dessen Sohn wohl schon damals mit H.s Tochter Mathilde verlobt war, die Partei, wobei er dem mit den Staufern verbundenen französischen König Hilfe gegen den englischen versprach, während der französische König zusagte, von dem Staufer Friedrich für H. dieselben Vorteile zu erlangen, wie sie diesem Philipp von Schwaben gewährt hatte. Ein erneuter Kampf mit den Lüttichern endete 1213 für H. mit der Niederlage von Steppes. Er ging 1214 erneut zu der Partei Ottos IV. über, der 1214 H.s Tochter Maria heiratete. Nach dem französischen Sieg bei Bouvines (1214) verließ H. aber wieder Otto. Er wurde nach vorübergehender Gefangensetzung von Friedrich II. in Gnaden aufgenommen. H. gehörte zu der Gesandtschaft, die in England die Braut Friedrichs II., Isabella, Schwester König Heinrichs III. von England, abholte.

    H. war ein sehr tatkräftiger Mann: Er förderte den Handel beziehungsweise die Kaufleute und die Städte, ließ Rodungen anlegen und gab einer großen Zahl von Dörfern die rechtliche Stellung einer „Freiheit“. Er war ein Förderer der Cisterzienser und Dominikaner.

  • Literatur

    Jbb. d. dt. Gesch., Heinrich VI.;
    dass., Philipp v. Schwaben u. Otto IV. v. Braunschweig;
    A. Cartellieri, Philipp II. August Kg. v. Frankreich I-IV, 1899-1921;
    G. Smets, Henri I duc de Brabant 1190-1235, Diss. Brüssel 1908;
    L. Pabst, Die äußere Pol. d. Gfsch. Flandern unter Ferrand v. Portugal, in: Bull. de la commission royale d'hist. 80, ebd. 1911, S. 93 ff., 200 ff.;
    W. Kienast, Die dt. Fürsten im Dienste d. Westmächte b. z. Tode Philipps d. Schönen v. Frankreich, 1924;
    The Cambridge medieval History VI, Cambridge 1929, S. 1011 (Reg.);
    M. Tourneur-Nicodème, A propos des sceaux d'Henri I, duc de Brabant (1190–1235), in: Mélanges G. Smets, Brüssel 1952, S. 633-39; s. a. L zu
    Heinrich II. v. Brabant.

  • Portraits

    Grabfigur auf d. v. H. zu Lebzeiten errichteten Grabmal im Chor d. St. Peterskirche in Löwen, ebd. d. Grabfiguren s. Gattin Mathilde u. s. T Maria.

  • Autor/in

    Heinrich Neu
  • Empfohlene Zitierweise

    Neu, Heinrich, "Heinrich I." in: Neue Deutsche Biographie 8 (1969), S. 346-348 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118836226.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Heinrich I., Herzog von Brabant, der Sohn Godevaert's (1190—1235), folgte seinem Vater im J. 1190 und war einer der kriegerischsten und unruhigsten Herzoge von Brabant. Schon bei Lebzeiten seines Vaters war er mit den Grafen von Namur und Hennegau, sowie mit seinem Oheim, dem Herzog von Limburg in Fehden verwickelt gewesen, die aber durch Vermittelung des Erzbischofs Bruno von Köln beigelegt wurden. Als im J. 1191 der Bischof von Lüttich, Roel van Zeringen, gestorben war, wählte das Domcapitel den Bruder Heinrichs, Albert von Löwen, zum Bischof. Graf Balduin von Hennegau jedoch hatte auf die Wahl seines Neffen Albrecht von Rethel gehofft und that deshalb bei dem aus Italien zurückgekehrten Kaiser Heinrich VI. die nöthigen Schritte, um Alberts Wahl für ungültig erklären zu lassen. Aber H. ernannte auf dem Reichstage zu Worms (1192) Lothar van Hostade zum Bischof. Heinrichs Bruder Albert begab sich zwar nach Rom, wo der Papst Cölestin III. seine Wahl bestätigte und ihn sogar zum Cardinal ernannte, aber weder er noch sein Bruder konnten zu ihrem Ziel gelangen und Albert begab sich nach Rheims, wo er die Priesterweihe empfing, während der Kaiser den neuen Bischof Lothar in Lüttich einsetzte und gegen das widerspenstige Domcapitel kräftig handhabte; Albert wurde aber von drei deutschen Rittern, die dem Kaiser einen großen Dienst zu erweisen glaubten, am 24. Novbr. 1192 ermordet. H. sann jetzt auf Rache und fast alle Fürsten des Niederrheins sagten ihm ihre Hülfe zu. Zunächst wurde die Herrschaft Hostade, die dem Bruder des Bischofs Lothar gehörte, mit Feuer und Schwert verwüstet. H. ließ sich aber bald auf Unterhandlungen ein, die von dem Kaiser eingeleitet wurden, er begab sich nach Coblenz und es kam hier auch wirklich ein Friede zu Stande. Dagegen wandte er alsbald seine Waffen gegen den ihm verhaßten Grafen Balduin von Hennegau, aber das Kriegsglück war ihm nicht günstig; er wurde bei Noville-sur-Mehaigne geschlagen und sein Oheim, der Herzog von Limburg, sein Bundesgenosse, fiel mit seinem Sohne in hennegauische Gefangenschaft. Da er mit allen seinen Nachbarn nunmehr in Frieden lebte, beschloß er an dem eben in Vorbereitung begriffenen Kreuzzug Theil zu nehmen und half Beirut erobern. Indessen war Kaiser Heinrich VI. in Messina gestorben und bei dem in Deutschland ausgebrochenen Streit zwischen Hohenstaufen und Welfen hatte sich Heinrichs Gemahlin für Otto IV. erklärt, H. selbst trat nach seiner Rückkehr auf dessen Seite und verlobte seine zehnjährige Tochter mit dem eben in Aachen gekrönten Kaiser. Die folgenden Jahre benützte er zur Befestigung und Ausbreitung seiner Herrschaft. brachte verschiedene ansehnliche Lehen an sich und half dem von Geldern und Holland bedrängten Bischof von Utrecht, wobei die Grafen von Geldern und Holland in seine Gefangenschaft geriethen. Indessen hatte die ghibellinische Partei unter Philipp von Schwaben wieder ihr Haupt erhoben und H., der den Niedergang der welfischen Partei ziemlich deutlich ankommen sah, begab sich im November 1204 nach Coblenz, um sich von Philipp belehnen zu lassen, bei welcher|Gelegenheit er mit Ehren- und Gunstbezeugungen des Kaisers überladen wurde; Heinrichs ältester Sohn bekam die Hand von Maria, Philipps Tochter. Als aber Philipp am 22. Juni 1208 in Bamberg ermordet worden war, ohne männliche Erben zu hinterlassen, wurde Otto von Braunschweig zum zweiten Male zum Reichsoberhaupt gewählt (November 1208). Auch Herzog H. schlug sich auf dessen Seite, während Lüttich mit seinem Bischof Hugo von Pierrepont, den vom Papst auf den Schild erhobenen Friedrich II. von Hohenstaufen anerkannte. Otto beauftragte daher den brabantischen Herzog, Lüttich zu züchtigen und auf seine Seite zu bringen. Die Stadt wurde denn auch überfallen, geplündert und fast vollständig ausgemordet; von dem ihr vom Herzog zugedachten Schicksal, an vier Ecken in Brand gesteckt zu werden, wurde sie nur durch die Fürsprache des Kastellans von Brüssel gerettet. Vor der Rache des Bischofs bewahrte ihn der Einfluß des Königs Philipp August von Frankreich, dessen Tochter, die verwittwete Gräfin von Namur, er 1213 geheirathet hatte. Seinem Schwiegervater leistete er in dessen Kriege mit Flandern treffliche Dienste, wurde aber von den Lüttichern, die sich für die Behandlung ihrer Stadt rächen wollten, bei Steps in der Nähe von Montenaken vollständig geschlagen, worauf Brabant von den bischöflichen Banden gräulich verwüstet wurde, während auch der Graf von Flandern die Gelegenheit benützte und alles verwüstend und plündernd bis Brüssel vordrang. H. mußte nicht nur für die Behandlung Lüttichs Schadenersatz leisten und sich vor dem Bischof demüthigen, sondern war auch gezwungen, der Bundesgenosse Flanderns gegen seinen Schwiegervater Philipp August zu werden. Indessen war Otto von Braunschweig am 28. Juli 1214 in der Schlacht bei Bovines, an der auch H. Theil nahm, geschlagen worden, worauf sich der Herzog dem Kaiser Friedrich II. von Hohenstaufen unterwarf. Er starb am 5. Novbr. 1235. Während der letzten 21 Jahre seiner Regierung griff er nicht mehr zu den Waffen, sondern beschäftigte sich mit der Regierung seines Landes, er verlieh den Städten viele Privilegien und Keuren und war äußerst wohlthätig gegen Kirchen und Klöster.

  • Autor/in

    T h. Wenzelburger.
  • Empfohlene Zitierweise

    Wenzelburger, Theodor, "Heinrich I." in: Allgemeine Deutsche Biographie 11 (1880), S. 480-481 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118836226.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA