Lebensdaten
1858 bis 1916
Geburtsort
Düsseldorf
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Architekt
Konfession
-
Normdaten
GND: 118819453 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schmitz, Bruno Georg
  • Braun, Georg (Pseudonym)
  • Schmitz, Bruno
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Zitierweise

Schmitz, Bruno, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118819453.html [19.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Carl Theodor (1826–77), aus Rheydt/Rhein, Kleidermacher u. Tuchhändler in D., S d. Daniel Leonhart (1799–1865), aus Lennep, u. d. Anna Maria Hirckes (1793–1832);
    M Henriette Rodenberg (1832–68);
    1) 1891 Lucia Wanda Genelli ( 2] Otto Hamann), T d. Camillo Genelli (1840–67), aus München, Maler, Zeichner in Weimar (s. ThB), 2) Hedwig Schweicker;
    2 T aus 1) Gabriele (1892–1962), Angelika Bruno-S. (Gela Forster) (1893–1957, 1] Robert Forster[-Larrinaga], 1880–1932, Schausp., s. Kosch, Theater-Lex., 2] 1921 Alexander Archipenko, 1887–1964, aus Kiew, Bildhauer, ab 1908 in Paris, 1921-23 in B., dann in d. USA, Nachlaß in d. Archives of American Art, Smithsonian Institution, Washington, D. C., s. Munzinger; AKL, 2] 1960 Frances Gray, Bildhauerin), Bildhauerin, Gründungsmitgl. d. Dresdner Sezession, seit 1923 in d. USA (s. AKL), beide adoptiert v. Otto Hamann (s. o.); Gvv d. Ehefrau B(u)onaventura Genelli (1798–1868), Zeichner (s. NDB VI); Verwandter Jan Robert Schmitz-Hillebrecht, Gynäkol. in D.

  • Leben

    S. studierte 1874-78 an der Kunstakademie seiner Heimatstadt bei Hermann Riffart (* 1840) und gewann bereits 1883 beim dreimaligen Wettbewerb zum Denkmal Vittorio Emanuele II. in Rom jeweils den 1. Preis (Entwurf). Seit 1886 in Berlin, begann er seine Karriere als Erbauer der wichtigsten Kaiser-Wilhelm- und Nationaldenkmäler. Nach dem Siegesdenkmal für den Staat Indiana in Indianapolis (1888–93) – einem den Soldaten und Seeleuten gewidmeten Pfeilermonument mit Victoria als Bekrönung – realisierte er gemeinsam mit dem Bildhauer Kaspar v. Zumbusch (1830–1915) das Kaiser-Wilhelm-Denkmal der Provinz Westfalen (1892–96) an der Porta Westfalica bei Minden. Erst danach entwickelte er in Zusammenarbeit mit Bildhauern den zeittypischen Stil monumentaler Architektur und Plastik als herausragendes Denkmal in der Landschaft. Die in baulicher Anlage und bildhauerischem Programm (Emil Hundrieser, 1846–1911) komplexeste Lösung gelang ihm 1892-97 mit dem Berg- und Turmdenkmal am Kyffhäuser in Thüringen, bei dem die Barbarossa-Sage des alten Reichs das Fundament für das neue unter Wilhelm I. abgab. Der dabei entwickelte Kanon von Terrassen, Ehrenhalle oder -hof und Turm mit Fels- und Zyklopenmauerwerk gehörte alsbald zum Stiltypus v. a. der in großer Zahl parallel entstehenden Bismarck-Nationaldenkmäler, insbesondere bei Wilhelm Kreis (1873–1955). Auch wenn S. der Erfolg bei der Ausschreibung für das Berliner Kaiser-Wilhelm I.-Denkmal 1897 versagt blieb (Realisierung durch Reinhold Begas), so obsiegte er in der Rheinprovinz mit dem im selben Jahr zum 100. Geburtstag des Kaisers eingeweihten Sockelmonument mit Reiter und Pfeilerarkaden am Deutschen Eck bei Koblenz (mit Hundrieser; Skulpturengruppe 1945 zerstört; Nachbildung 1993). Den mächtigsten Ausdruck erfuhr S.s Denkmalschaffen schließlich in dem gegen den 1. Preis von Wilhelm Kreis durch Ks. Wilhelm II. selbst zur Ausführung angeregten Entwurf zum Völkerschlachtdenkmal (1898–1913) in Leipzig. Mit Wasserbecken und Ehrenhof, Treppen, Terrassen, Halle, Turm und Monumentalskulpturen von Franz Metzner (1870–1919) und Christian Behrens (1852–1905) wurde das Monument hundert Jahre nach dem Sieg|von 1813 zu einer megalomanen Gedächtnisarchitektur von Volk und Nation. Der während dieser Zeit ebenfalls entstandene Entwurf für das letzte (schließlich ungebaut gebliebene) Bismarcknationaldenkmal bei Bingerbrück (1910), ein überdimensionierter Rundbau mit Statue, wurde zurückgezogen. Von S.s vielen Bismarckturmentwürfen wurde einzig der von Unna 1899/1900 realisiert.

    Daneben widmete sich S. in Entwurf und Ausführung einer Vielzahl anderer Bauaufgaben, die ebenfalls seinen monumentalplastischen Stil in Baukörper und dekorativer Gliederung zeigen. Neben Grabmälern, Land-, Wohn- und Geschäftshäusern wie in Berlin 1906 (sog. „Papierhaus“, „Automatenhaus“) und Köln (Palais, Villa u. Warenhaus Stollwerck, 1899–1907) entstanden große Saalbauten für Konzert und Gesellschaft in Zürich (Tonhalle, 1888 ff.), Mannheim (Rosengarten, 1903 ff.) und Berlin (Weinhaus Rheingold, 1907 ff.), Museumsbauten für Linz (Landesmus. Francisco Carolinum, 1895 ff.) und Mannheim (Reiss-Mus., 1907 ff., nicht ausgeführt) bis hin zum Opern- und Theaterbau (unrealisiert: Stuttgart 1908, Charlottenburg 1909, Berlin 1912). Platz- und Stadtplanungen für Mannheim (Friedrichsplatz, 1900), Düsseldorf (1911) und Groß-Berlin (1911), letztere im Planungsstatus verblieben, runden ein Schaffen ab, das in tektonisch vereinfachten historisierenden Formen eine baumeisterlich materialgeprägte Massigkeit in Stein mit einer gliedernden Vertikalrhythmik von Block und Fassade versieht. Im Übergang von Ernst v. Ihne (1848–1917) und Paul Wallot (1841–1912) zu Wilhelm Kreis und Peter Behrens (1868–1940) verkörpern S.s Bauten und Werke damit repräsentativ den sich modernisierenden Monumentalstil der Jahrhundertwende und des ausklingenden Zweiten Kaiserreichs vor dem 1. Weltkrieg.

  • Auszeichnungen

    Mitgl. d. Ak. d. Künste in Berlin (1894) u. Dresden (1894); Prof. (1896); Dr.-Ing. E. h. (TH Dresden 1905); Geh. Baurat.

  • Werke

    Weitere W Hotel Imperial, Dresden, 1885;
    Kantonalbank, St. Gallen, 1885/86;
    1. Pr. Wettbewerb Finanzmin., Dresden, 1887;
    Denkmal d. Ksn. Augusta, Koblenz, 1896;
    Ks.-Wilh.-Denkmal, Halle/Saale, 1901;
    Anlage d. Berliner Gewerbeausst., 1896;
    Dt. Haus auf d. Weltausst. Saint Louis, 1903-04;
    Wohnhaus Bruno Schmitz, Charlottenburg, 1904;
    Konzertpavillon im Kurpark Luzern, 1908;
    |

  • Nachlaß

    Nachlaß: StadtA Düsseldorf.

  • Literatur

    H. Schliepmann, B. S., XIII. Sonderh. d. Berliner Architekturwelt 1913;
    Nekrologe:
    Die Kunst, 34, 1915/16, Beil. z. H. 9, S. IV;
    Kunst u. Künstler, 14, 1916, S. 460;
    Der Türmer, 18/II, 1916, S. 271 f.;
    Kunstchronik, NF 27, 1916, S. 299;
    M. Arndt, Das Kyffhäuser-Denkmal, Ein Btr. z. pol. Ikonogr. d. Zweiten Ks.reiches, in: Wallraf-Richartz-Jb., XL, 1978, S. 75-127;
    P. Hutter, „Die feinste Barbarei“‚ Das Völkerschlachtdenkmal b. Leipzig, 1990;
    Vom Kult zur Kulisse, Das Völkerschlachtdenkmal als Gegenstand d. Gesch.kultur, hg. v. Katrin Keller, 1995;
    Das Kyffhäuser-Denkmal 1896-1996, Ein nat. Monument im europ. Kontext, hg. v. G. Mai, 1997;
    Völkerschlachtdenkmal, hg. v. V. Rodekamp, 2003;
    H. A. Pohlsander, Ein amerik. Civil War-Denkmal u. sein dt. Erbauer, in: Magazin f. Amerikanistik, 2004, H. 1, S. 26-29;
    DBJ I, S. 259-62 u. Tl.;
    ThB;
    Dict. of Art.;
    zur Fam.:
    Emil Schmitz-Hillebrecht, Gedanken u. Btrr. z. Aufstellung e. Ahnentafel f. Jan Robert u. Annette Adriane Schmitz-Hillebrecht, 1986 (StadtA Düsseldorf);
    O. Starck, [Findbuch] 4-21-0, B. S., 1856-1916, Zeichnungen, Pläne, Materialien zu seinen Werken u. seiner Person, 1986 (StadtA Düsseldorf, SigKorr HRP 05-2004).

  • Autor/in

    Ekkehard Mai
  • Empfohlene Zitierweise

    Mai, Ekkehard, "Schmitz, Bruno" in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 250-251 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118819453.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA