Lebensdaten
1831 bis 1911
Geburtsort
Berlin
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Bildhauer
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 119469081 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Begas, Reinhold

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Zitierweise

Begas, Reinhold, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119469081.html [24.08.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Karl Begas der Ältere (s. 1);
    Margarethe Philipp.

  • Leben

    Die erste bildhauerische Anleitung erhielt B. durch seinen Taufpaten, den Bildhauer L. Wichmann. Als Schüler der Berliner Akademie war er vorübergehend auch bei G. Schadow und von November 1848 bis gegen 1855 bei C. D. Rauch tätig. Die frühesten Arbeiten sind religiöse und mythologische Kompositionen. Mai 1856 bis gegen Ende 1858 hielt er sich in Rom als Stipendiat der Akademie auf, wo er sich dem Kreis um F. von Lenbach, A. Böcklin, K. H. Dreber und A. Feuerbach anschloß. Zu entscheidenden Erlebnissen wurden ihm hier die Persönlichkeit J. B. Carpeaux' und die Kunst Michelangelos. Im Atelier des Thorwaldsenschülers E. Wolff entwickelte er seinen eigenen, betont antiklassizistischen Stil, in dem sich barocke und realistische Elemente vereinigten. In Italien entstanden mythologische Szenen ausgeprägt sinnenfreudigen Charakters. 1858 kehrte er nach Berlin zurück, wo er – deutlich unter dem Eindruck A. Schlüters – die monumentale Borussia-Gruppe auf der Attika der von F. Hitzig neuerbauten Börse ausführte. Mit ihr wurde der Kampf gegen die idealisierende Auffassung der Rauchschule eröffnet. 1861 wurde B. an die im Vorjahr gegründete Weimarer Kunstschule berufen, an der auch Lenbach und Böcklin als Lehrer wirkten. Hier erhielt er den ersten Preis beim Wettbewerb für ein Reiterdenkmal Friedrich Wilhelms III. in Köln, dessen Ausführung jedoch am Widerspruch der alten Schule, namentlich P. Cornelius', scheiterte. Außerdem beteiligte er sich mit Erfolg an der Konkurrenz für das Schillerdenkmal am Gendarmenmarkt in Berlin. B. erhielt die Ausführung, doch konnte das Denkmal erst 1871 enthüllt werden. November 1863 bis Mai 1864 war er wieder in Rom. Die damals entstandenen Werke wurden als revolutionär empfunden. Ihre fast malerisch-sinnliche, temperamentvoll bewegte Haltung wurde ebenso heftig angegriffen wie – von Seiten der „modern“ Eingestellten – bewundert.

    1869/70 weilte B. wiederum in Berlin. In Berlin arbeitete er meist für sich selbst, hatte sich aber auch öffentlicher Aufträge zu entledigen. In den 60er und 70er Jahren widmete er sich auch der Malerei und schuf im Stile Lenbachs eine Reihe von Bildnissen. Seit 1880 führte er die Oberleitung über die Büstengalerie für die von Hitzig erbaute Ruhmeshalle im Berliner Zeughaus, für welche er selbst eine Reihe von Büsten anfertigte. Der erste Auslandsauftrag waren die zwei monumentalen Stiergruppen des Budapester Schlachthauses. Außerdem hatte er Mitglieder der Hohenzollernfamilie zu porträtieren und schmückte Privatvillen und öffentliche Gebäude plastisch aus. 1886 begannen die großen Monumentalaufgaben für B. mit dem Berliner Schloßbrunnen (fertiggestellt 1891). Es folgte (1892-97) das Kaiser-Wilhelm-Denkmal an der Schloßfreiheit in Berlin (1949/50 beide abgetragen). Bei letzterem beteiligten sich die Architekten H. F. Halmhuber und die Bildhauer Karl B. der Jüngere, P. Breuer, R. Cauer, A. Gaul. 1897-1901 schuf er das Bismarckdenkmal (erst vor dem Reichstagsgebäude, jetzt am Großen Stern im Tiergarten), bei dem Cauer und Gaul mitwirkten. Für das Grabdenkmal Strousberg, welches 1874 modelliert, 1900 in Bronze gegossen wurde, wurde er auf der Pariser Weltausstellung mit dem Grand Prix ausgezeichnet. Zuletzt schuf er eine Reihe von Statuen für die Siegesallee und führte das Denkmal Bismarcks im Dom zu Berlin aus. Im Frühsommer 1892 war er zum letztenmal in Italien.

    B. galt in den Zeiten seines ersten Ruhmes als ein Erneuerer der deutschen Bildhauerkunst, dem sich damals die fortschrittlichen Elemente anschlossen. Seine temperamentvolle, auf laute Effekte abzielende Art hatte es leicht, den Sieg über den spätklassizistischen Akademismus der Rauchschule davonzutragen. Im gleichen Maße aber, wie er sich die bewundernde Anerkennung der führenden Schichten errang, verlor sich die Anziehungskraft, die er auf die vorwärtsstrebende Kunst seinerzeit ausübte. Heute sehen wir in dem kolossalischen, innerlich hohlen Neubarock B.' nichts als die letzte Übersteigerung eines dekadenten Romantizismus.

  • Werke

    Weitere W Pan u. Psyche, 1857 (Neue Gal.);
    Merkur entführt Psyche, 1870 (ebenda);

    Raub d. Sabinerin, 1876 (Köln);

    Bildnisbüste Menzels, 1877|(Neue Gal.);

    Hermes, 1878, f. d. Hof d. Börse;

    Büsten Bismarcks u. d. Kronprinzen Friedr. Wilhelm, 1880 u. 1881, f. d. Ruhmeshalle d. Berliner Zeughauses;

    Grabmäler Friedrichs III., d. Prinzen Waldemar u. Sigismund u. d. Kaiserin Friedrich, zwischen 1892 u. 1903, f. d. Mausoleum b. d. Friedenskirche in Potsdam; Briefe, abgedr. in: Tagebuchbll. v. Böcklins Gattin Angela Böcklin, Mit d. gesamten briefl. Nachlaß hrsg. v. F. Runkel, 1910.

  • Literatur

    L. Pietsch, Künstlerfam. B., in: Westermanns Mhh., Januar 1886;
    K. Eggers, C. D. Rauch, 1887, IV;
    R. B., in: Die Kunst unserer Zeit, 1900, II;
    A. G. Meyer, R. B., 1901 (P);
    A. Heilmeyer, Moderne Plastik Dtld.s = Slg. ill. Monogrr., 1903;
    W. Gensel, in: Kunst f. Alle, 1906;
    Kat. d. Gedächtnisausstellung 1911 in d. Ak. Berlin;
    Künstler. Nachlaß, Auktionskat. Heilsborn 1912: F. Noack, Das dt. Rom, 1912;
    ders., Das Deutschtum in Rom, 1927.

  • Portraits

    Bildnis v. Karl B. d. Ä., 1853;
    Selbstbildnis, 1874;

    Bildnis v. F. Lenbach, 1893;
    s. a. Berliner Portraits, in: Kunst u. Künstler, Illustrierte Mschr. f. bildende Kunst u. Kunstgewerbe, Bd. 3, 1905, S. 330 f.

  • Autor/in

    Eberhard Ruhmer
  • Empfohlene Zitierweise

    Ruhmer, Eberhard, "Begas, Reinhold" in: Neue Deutsche Biographie 1 (1953), S. 746 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119469081.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA