Lebensdaten
1864 bis 1953
Geburtsort
Bonn
Sterbeort
Bonn
Beruf/Funktion
Geograph
Konfession
jüdische Familie
Normdaten
GND: 118791923 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Philippson, Alfred
  • Philippson, A.

Orte

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Zitierweise

Philippson, Alfred, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118791923.html [23.10.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Ludwig (s. 1);
    M Mathilde Hirsch;
    B Martin (s. 2);
    1) Leipzig (?) 1892 Anna Lina (1869–1906), aus Leipzig, T d. Louis Simoni (1826–82) u. d. Lina Ephraim, 2) Bonn (?) 1919 Margarete Kirchberger (1882–1953, jüd., seit 1897 ev.), aus Niederlahnstein, Geographin, wurde 1917 mit e. Arbeit „Der Nordwestabfall d. Rhein. Schiefergebirges zw. d. Reichsgrenze u. d. Rurtalgraben“ (1919) z. Dr. phil. promoviert (s. L);
    1 S, 3 T u. a. Dora (1896–1980, s. Fam.art., L), Eva (1899–1962), Dr. iur., ging vor 1933 in d. Niederlande, Sozialarbeiterin in Amsterdam.

  • Leben

    P. studierte seit 1882 Geographie, Geologie, Mineralogie und Nationalökonomie in Bonn und Leipzig. Dort wurde er 1886 mit der Arbeit „Studien über Wasserscheiden“ bei Ferdinand v. Richthofen (1833–1905) promoviert. Anschließend erforschte er das griech. Festland und habilitierte sich 1891 in Bonn mit einer Untersuchung über den Peloponnes. Mehrere deutsche Universitäten hatten mit formalrechtlichen Argumenten, die den Antisemitismus nur schwer verdecken konnten, die Eröffnung eines Habilitationsverfahrens abgelehnt. Erst das Eingreifen des Referenten im preuß. Kultusministeriums Friedrich Theodor Althoff (1839–1908) ebnete P. in Bonn den Weg. Bis zu seiner Berufung auf den geographischen Lehrstuhl an der Univ. Bern 1904 wirkte P. 13 Jahre als Privatdozent (seit 1899 Tit.- Prof.) in Bonn. 1906 übernahm er das Ordinariat für Geographie an der Univ. Halle-Wittenberg und folgte schließlich 1911 einem Ruf zurück nach Bonn, wo er bis zu seiner Emeritierung 1929 blieb.

    Auf ausgedehnten Forschungsreisen im Mittelmeerraum sammelte P. Material für seine Landeskunden von Griechenland und dem westlichen Kleinasien. Diese wurden wegen ihrer Vollständigkeit und Vielseitigkeit Grundlage und Vorbild für die Arbeiten weiterer Historiker und Archäologen zur Entwicklung des Siedlungsbildes von der Antike bis zur Gegenwart. Einen Überblick gab P. in der Monographie „Das Mittelmeergebiet“ (1904, 41922). Zusammen mit seinen Arbeiten über Rußland und Europa zählt sie zu den Klassikern der Länderkunde in der dt. Geographie. Mit Richthofen gehört P. zu den Begründern der beziehungswissenschaftlichen Geomorphologie. Wegweisend für die Allgemeine Physische Geographie wurde sein bis heute lesenswertes Lehrbuch „Grundzüge der Allgemeinen Geographie“ (3 Bde., 1921–24). Als Vorsitzender des Zentralausschusses des Deutschen Geographentages (1921–25) und des Fachausschusses Geographie bei der „Notgemeinschaft der Deutschen Wissenschaft“ (1920-28) war P. maßgeblich an der Entwicklung der deutschen Hochschulgeographie beteiligt.

    Der Geograph Ewald Banse (1883–1953) protestierte 1933 bei der „Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin“ und beim Kultusministerium gegen die Verleihung der Goldenen Ferdinand-von-Richthofen-Medaille an P. 1942 wurde P. mit seiner zweiten Frau Margarete und seiner Tochter Dora in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert. Auf Bitten von Kollegen und Verwandten P.s setzte sich der mit dem NS-Regime sympathisierende schwed. Asienforscher Sven Hedin (1865–1952) u. a. beim Reichsinnenminister für seinen früheren Studienkollegen ein. Die Intervention führte zu Hafterleichterungen für die Familie, so daß sie überleben konnte. 1945 kehrte P. in seine Heimatstadt zurück, wo er bereits im September 1946 „Land und See der Griechen“ publizierte. Er arbeitete an seiner Landeskunde Griechenlands weiter und lehrte erneut an der Univ. Bonn.|

  • Auszeichnungen

    Silberne Karl-Ritter Medaille d. Ges. f. Erdkde. Berlin (um 1893); Mitgl. d. Leopoldina (1907) u. d. Dt. Archäolog. Inst. (1913); Ehrenmitgl. d. Archäolog. Ges. Athen (1912); Dr. h. c. (Athen 1912, Bonn 1946); Geh. Reg.rat (1915); Mitgl. bzw. Ehrenmitgl. zahlr. dt. und internat. Geograph. Ges.; Gr. BVK (1952).

  • Werke

    u. a. Studien über Wasserscheiden, in: Mitt. d. Ver. f. Erdkde. in Leipzig 1886, S. 241-403;
    Der Peloponnes, Versuch e. Landeskde. auf geolog. Grundlage, 1892;
    Europa, in: W. Sievers (Hg.), Allg. Länderkde., 21906;
    Landeskde. d. europ. Rußland nebst Finnlands, 1908;
    Reisen u. Forschungen im westl. Kleinasien, 5 T., ersch. als Erg.h. 167, 172, 177, 180, 183 v. Petermanns Mitt., 1910-15;
    Das fernste Italien, 1925;
    Die preuß. Rheinlande, in: Zs. d. Ges. f. Erdkde. zu Berlin, 1925, S. 28-43;
    Das Byzantin. Reich als geograph. Erscheinung, 1939;
    Die Stadt Bonn. Ihre Lage u. räuml. Entwicklung, 1947, 21951;
    Die griech. Landschaften, Bd. 1, Tl. 1-3, 1951/52 (mit H. Lehmann u. E. Kirsten), Bd. 2, Tl. 1-2, 1956 (Mitvf. u. Hg. E. Kirsten), Bd. 3, Tl. 1-2, 1959 (Mitvf. u. Hg. E. Kirsten);
    Bd. 4, 1959 (Mitvf. u. Hg. E. Kirsten);
    H. Böhm u. A. Mehmel (Hg.), Wie ich zum Geographen wurde, Aufgezeichnet im KZ Theresienstadt 1942–45,1996, 22000 (W-Verz.).

  • Literatur

    F. Nussbaum, in: Der Schweizer Geograph 20, 1943, S. 145-47;
    J. Philippson, The Philippsons, A German-Jewish Family 1775-1933, in: Year-Book Leo Baeck Inst. 1962, S. 95-118;
    M. Richarz (Hg.), in: Jüd. Leben in Dtld., Selbstzeugnisse z. Sozialgesch., 1979-82, S. 462-65;
    E. Ehlers, in: Colloquium Geographicum 20, 1990 (P): H. Böhm, in: ders. (Hg.), Btrr. z. Gesch. d. Geographie an d. Univ. Bonn, ebd. 21, 1991, S. 205-25 (P);
    K. Gutzmer (Hg.), Die Philippsons in Bonn, in: Veröff. d. Stadtarchivs Bonn 49, 1991 (P);
    D. Philippson, Ber. über d. Deportation u. d. Überleben in Theresienstadt 1942–45, in: Frauenleben im NS-Alltag, Bonner Studien z. Frauengesch., hg. v. A. Kuhn, 1994, S. 303-20;
    A. Mehmel, in: Aschkenas, Zs. f. Gesch. u. Kultur d. Juden 8,1998, S. 353-79 (P). – Zu Margarete: A. Mehmel u. B. Brandenburg, in: 100 J. Frauenstudium, Frauen d. Rhein. Friedrich-Wilhelms-Univ. Bonn, hg. v. A. Kuhn u. a., 1996, S. 156-59;
    Zu Dora:
    A. Mehmel, ebd. S. 200-04. |

  • Quellen

    Qu: Archiv d. geogr. Institute d. Univ. Bonn; Univ.-archiv Bonn; Leo-Baeck-Inst. New York.

  • Autor/in

    Astrid Mehmel
  • Empfohlene Zitierweise

    Mehmel, Astrid, "Philippson, Alfred" in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 399 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118791923.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA