Lebensdaten
1894 bis 1943 oder 1944
Geburtsort
Magdeburg
Sterbeort
Konzentrationslager Auschwitz
Beruf/Funktion
Widerstandskämpfer
Konfession
evangelisch,Dissident
Normdaten
GND: 139175679 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Philippson, Julius

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Zitierweise

Philippson, Julius, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd139175679.html [15.07.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Robert (1858–1942 Theresienstadt), Dr. phil., Altphilologe, Gymnasialprof. in M., S d. Julius (1814–71), Kaufm. in M. (beide s. Einl.);
    M Franziska Pappenheim (1870–1943 Theresienstadt), aus Berlin;
    Gr-Ov Ludwig (s. 1);
    B Ernst (1897–1917 ⚔), Bildhauer. Werner (1908–58), Dr. iur., emigrierte nach Cookstown (Nordirland), Kaufm.; – ledig; Verwandte Martin (s. 2), Alfred (s. 3).

  • Leben

    Nach dem Abitur 1912 in Magdeburg studierte P. zunächst in Freiburg (Br.), seit 1913 in Göttingen Geschichte, Deutsch, Geographie und Philosophie. Während des Studiums kam er in Kontakt mit dem Göttinger Philosophen Leonard Nelson (1882–1927), dessen von Kant und Jakob Friedrich Fries beeinflußte Philosophie und Ethik prägend für sein Leben und Denken wurden. Nach der Teilnahme am 1. Weltkrieg als Kriegsfreiwilliger und mehrjähriger russ. Kriegsgefangenschaft kehrte P. 1920 nach Deutschland zurück und schloß 1922 sein Studium mit dem Staatsexamen für das Höhere Lehramt ab. Nach der pädagogischen Prüfung (1923) war er seit 1924 zunächst als Lehrer an der Polizeischule in Burg bei Magdeburg, seit 1926 an verschiedenen höheren Lehranstalten, zuletzt in Berlin, tätig.

    1921 schloß sich P. dem von Nelson 1917 gegründeten Internationalen Jugendbund (IJB) an und wurde im selben Jahr Leiter der Magdeburger IJB-Gruppe. Die intensive Schulungsarbeit im IJB, der die Heranbildung einer politischen Elite als Vorbereitung auf die Gründung einer „Partei der Vernunft“ anstrebte, wurde für den pädagogisch begabten P. zu einem wichtigen Betätigungsfeld. Zunächst in der USPD engagiert, gehörte er 1922-25 der SPD an. Im November 1925 schloß er sich dem Internationalen Sozialistischen Kampfbund (ISK) an, der damals von Nelson gegründet wurde (formelles Gründungsdatum 1.1.1926) und einen an der Philosophie und Ethik Nelsons orientierten nicht-marxistischen Sozialismus vertrat. Unmittelbar nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten wurde P. aus „rassischen“ Gründen für einige Monate vom Schuldienst suspendiert und im Juni 1934 endgültig entlassen. Er beteiligte sich nun aktiv an der Widerstandstätigkeit des ISK, der u. a. Flugblattaktionen gegen das NS-Regime organisierte und eine illegale Unabhängige Sozialistische Gewerkschaft (USG) aufbaute. P. übernahm die Leitung geheimer zentraler Schulungsveranstaltungen und war bis 1936 für die Untergrundarbeit im Bezirk „Ost“ des ISK (Berlin, Brandenburg, Sachsen u. Thüringen) verantwortlich. Die bereits geplante Flucht ins Ausland – P. stand schon seit Anfang 1937 unter polizeilicher Beobachtung – wurde durch seine Verhaftung am 5.8.1937 vereitelt. Nach seiner Festnahme hielt er monatelang schweren Folterungen stand, ohne wesentliche Aussagen zu machen; es gelang ihm sogar, politische Freunde zu warnen. In dem von den Nationalsozialisten wegen der jüd. Abstammung des Hauptangeklagten besonders sensationell, inszenierten „Philippson-Prozeß“, der gegen ihn und andere ISK-Mitglieder im Dezember 1938 stattfand, wurde er zu lebenslangem Zuchthaus verurteilt. Nach Aufenthalten in den Zuchthäusern Brandenburg, Hameln und Celle wurde P. im Sommer 1943 in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert, wo er 1943 oder 1944 ermordet wurde.

  • Literatur

    Johanna Philippson, The Philippsons, A Ger-raan-Jewish Family 1775-1933, in: Year Book Leo Baeck Inst. VII, 1962, S. 95-118;
    W. Link, Die Gesch. d. Internat. Jugend-Bundes (IJB) u. d. Internat. Sozialist. Kampf-Bundes (ISK), Ein Btr. z. Gesch. d. Arbeiterbewegung in d. Weimarer Rep. u. im Dritten Reich, 1964;
    J. Foitzik, Zw. d. Fronten, Zur Pol., Organisation u. Funktion linker pol. Kleinorganisationen im Widerstand 1933 bis 1939/40 unter bes. Berücksichtigung d. Exils, 1986;
    K. Gutzmer. Die Philippsons in Bonn, 1991;
    Susanne Miller, Krit. Philosophie als Herausforderung z. Widerstand gegen d. NS, in: dies., Demokratie als Lebenssinn, Aufss. zur Gesch. u. Gegenwart d. SPD, Zum 80. Geb.tag hg. v. B. Faulenbach, 1995, S. 230-45;
    Alfred Philippson, Wie ich zum Geographen wurde, hg. v. H. Böhm u. A. Mehmel, 1996, 22000;
    S. Lemke-Müller (Hg.), Ethik d. Widerstands, Der Kampf d. Internat. Sozialist. Kampfbundes (ISK) gegen d. NS. 1997;
    M. Rüther, U. Schütz u. O. Dann (Hg.), Dtld. im ersten Nachkriegsj., Berr. v. Mitgliedern d. Internat. Sozialist. Kampfbundes (ISK) aus d. besetzten Dtld. 1945/46, 1998. |

  • Quellen

    Qu u. P (Foto): Archiv d. soz. Demokratie d. Friedrich-Ebert-Stiftung (Bonn).

  • Autor/in

    Ilse Fischer
  • Empfohlene Zitierweise

    Fischer, Ilse, "Philippson, Julius" in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 400 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd139175679.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA