Lebensdaten
1898 bis 1981
Geburtsort
Wien
Sterbeort
New York
Beruf/Funktion
Sängerin ; Schauspielerin
Konfession
keine Angabe
Normdaten
GND: 118779486 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Blamauer, Karoline (eigentlich)
  • Blamauer, Karoline Wilhelmine Charlotte
  • Weill, Karoline (verheiratete, in 1. Ehe)
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Zitierweise

Lenya, Lotte (Künstlername), Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118779486.html [16.12.2019].

CC0

  • Genealogie

    V N. N. Blamauer, Fiakerkutscher in W.;
    M N. N., Wäscherin;
    1) 1926 Kurt Weill (1900–50), Komponist, 2) 1951 George Davis ( 1957), Chefredakteur v. „Harper's Bazaar“, 3) London 1963 Russell Detwiler (1928–69), Maler.

  • Leben

    L. wuchs in Penzing, Wiens damaligem Elendsviertel, auf. Mit acht Jahren zeigte sie in einem Zirkus kleine Kunststücke, die sie bei einem Schausteller gelernt hatte. Nach Absolvierung der Bürgerschule wurde sie 1914 in Zürich bei Steffie Herzig, der Ballettmeisterin des Zürcher Stadttheaters, zur Tänzerin ausgebildet. 1916-20 gehörte sie dort zum festen Ensemble. 1920 zog L. nach Berlin und spielte, obschon sie nie eine Schauspiel- oder Gesangsausbildung erhalten hatte, auf nahezu allen kleinen Bühnen der Stadt. Über den Dramatiker Georg Kaiser lernte sie 1923 Kurt Weill kennen, den ihre unverbildete Stimme faszinierte: 1927 sang sie die Betty in Brecht/Weills „Kleinem Mahagonny“ beim Baden-Badener Musikfestival, 1928 errang sie als Seeräuber-Jenny in der „Dreigroschenoper“ von Brecht und Weill ihren ersten großen Erfolg. Ihre Stimme wurde als überraschend neu empfunden, sie war ebenso zart wie robust, im Volumen nicht groß, manchmal brüchig und|rauchig, für alle Nuancen der typischen Großstadtfiguren geeignet, die L. vorzugsweise verkörperte. Ob sie sich görenhaft-frech und dennoch mit leicht verächtlicher Wehmut ihres „Surabaya-Johnny“ (in „Happy End“) erinnerte oder sich eindeutig vulgär gab: Ihr gesungener Vortrag war immer auch die unmittelbare Vergegenwärtigung von Seelenzuständen. Hatte Brecht vom Schauspieler das „gestische Sprechen“ verlangt, so erfand L. den „gestischen Gesang“, mit dem sie die feinsten Nuancen der Musik ihres Mannes Kurt Weill auszudrücken vermochte. L.s Stimme und Weills Musik entsprachen Brechts Forderungen nach einer neuen Einfachheit. Nach ihrem Erfolg in der „Dreigroschenoper“ spielte L. vornehmlich Theater: in Feuchtwangers „Petroleuminseln“ (1929/30, Regie: Jürgen Fehling), in. Wedekinds „Frühlings Erwachen“ (1929/30), in Marieluise Fleißers „Pioniere in Ingolstadt“ (1929/30) und in Leopold Jessners aufsehenerregender „Ödipus“-Inszenierung (1929). In G. W. Papsts Verfilmung der „Dreigroschenoper“ (1930) übernahm sie die Rolle der Seeräuber-Jenny. Im selben Jahr trat sie in Leipzig bei der Uraufführung von „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“ auf. 1933 emigrierte sie mit Weill zunächst nach Paris. Dort wurde mit ihr als Protagonistin sein szenisches Ballett „Die sieben Todsünden“ von der Gruppe „Les Ballets 1933“ unter der choreographischen Leitung Georges Balanchines uraufgeführt. Seit 1935 lebten L. und Weill in New York. Dort spielte sie unter Max Reinhardts Regie in Franz Werfels „The Eternal Road“ (1937), in Maxwell Andersons „Candle of the Wind“ (1941) und in Weills „The Firebrand of Florence“ (1945). Nach Weills Tod zog sie sich vorübergehend vom Theater zurück. Sie sorgte mit einer Reihe von Weill-Gedächtniskonzerlen für das Ansehen ihres Mannes. Mit heute legendären Aufführungen setzte sie dessen Werk in Amerika durch: mit der „Dreigroschenoper“, die in New York sieben Jahre lief, den „Sieben Todsünden“, abermals in Zusammenarbeit mit Balanchine, und mit „Mahagonny“ in San Francisco und New York. Zugleich wurden die deutschen Originalversionen der Brecht/Weilischen Opern als Schallplattenaufnahmen mit L. herausgebracht. 1960 trat sie zum erstenmal seit 1933 wieder auf einer deutschen Bühne in Frankfurt bei der deutschen Erstaufführung der „Sieben Todsünden“ auf. Mit „Brecht on Brecht“, einer Zusammenstellung von Gedichten, Szenen und Songs, unternahm sie 1963 eine Tournee durch die Vereinigten Staaten. Bei den Ruhrfestspielen in Recklinghausen spielte sie 1965 die Titelrolle in Brechts „Mutter Courage“, wie 1973 auch in Los Angeles. In John Kanders und Fred Ebbs Musical „Cabaret“ kehrte sie 1966 an den Broadway zurück. Gelegentlich spielte L. jetzt in Filmen mit: 1961 in der Verfilmung des Tennessee Williams-Romans „Mrs. Stone und ihr röm. Frühling“ (sie wurde für den „Oscar“ vorgeschlagen), 1964 in „James Bond – Liebesgrüße aus Moskau“ und 1967 in „Semi-Tough“. Seit 1973 beschäftigte sie sich fast ausschließlich mit der Verwaltung und Ordnung des künstlerischen und privaten Nachlasses von Kurt Weill; sie war Präsidentin der „Kurt Weill-Foundation“.|

  • Auszeichnungen

    Gr. Bundesverdienstkreuz; Tony-Award.

  • Werke

    That Was a Time, in: Theater Arts, Mai 1956;
    August 28, 1928 (Vorwort z. „Dreigroschenoper“, übers. v. E. Bentley u. D. I. Vesey) 1964;
    Kurt Weill's Universal Appeal, in: Music Journal 17, Jan. 1959.

  • Literatur

    G. Stern, Woman With a Mission: L. L. Stands Guard Over Kurt Weill's Music, in: The Theatre, A Magazine of Drama-Comedy-Music, July 1959;
    I. Nagel, Das schmerzvolle Privileg, Ein Gespräch mit L. L., in: Dt. Ztg. u. Wirtsch.-ztg. v. 5.4.1960;
    R. Reed, The Lady Known as L., in: New York Times v. 22.11.1966: G. Wagner, in: Neue Zürcher Ztg. v. 19.10.1978;
    G. Rühle, Der Auftritt d. Jenny, in: Frankfurter Allg. Ztg. v. 14.10.1978 (P);
    ders., Die Frau mittendrin, ebd. v. 30.11.1981;
    K. H. Kowalke, Kurt Weill in Europe, 1979;
    R. v. Berg, L. L. plaudert aus d. 20er J., in: Süddt. Ztg. v. 21.12.1979;
    St. Wadsworth, Zeitgeist, in: Opera News v. 1.12.1979;
    F. J. Raddatz, Gestischer Gesang, in: Die Zeit v. 4.12.1981.

  • Autor/in

    Manfred Kreckel
  • Empfohlene Zitierweise

    Kreckel, Manfred, "Lenya, Lotte" in: Neue Deutsche Biographie 14 (1985), S. 221-222 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118779486.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA