Lebensdaten
1840 bis 1915
Geburtsort
Wels (Oberösterreich)
Sterbeort
Bad Kissingen
Beruf/Funktion
Rechtshistoriker
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 11866770X | OGND | VIAF

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Zitierweise

Brunner, Heinrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd11866770X.html [22.11.2017].

CC0

  • Genealogie

    V Wenzel ( 1856), Statthaltereirat in Wels, stammte aus Deutsch-Böhmen;
    M Josepha Sturm, aus Nordtiroler Familie;
    1876 Anna ( 1912), T des Geheimen Regierungsrats Hermann von Tiedemann in Merseburg; 8 K.

  • Leben

    Durch H. Siegel während des Wiener Studiums der deutschen Rechtsgeschichte zugeführt und im Institut für österreichische Geschichtsforschung unter Th. Sickel vor allem in den historischen Hilfswissenschaften ausgebildet, gelangte B. früh auf die ihn bestimmende Lebensbahn: mit scharfer, juristischer Präzision die Tatsachen der germanisch-deutschen Rechtsentwicklung zu untersuchen und darzustellen. Die ersten größeren Arbeiten sind ganz von der Wiener Schule bestimmt. Als Stipendiat erweiterte B. 1864 bei G. Waitz sein Blickfeld nach der verfassungsgeschichtlichen Seite, habilitierte sich 1865 in Wien, wurde im folgenden Jahr außerordentlicher, 1868 ordentlicher Professor in Lemberg und 1870 in Prag. Der Ruf nach Straßburg (1872) entrückte ihn endgültig seiner österreichischen Heimat; 1874 wurde er C. G. Homeyers Nachfolger als Rechtshistoriker in Berlin, wo er fortan blieb und bis zu seinem Tode eine reiche literarische und Lehrtätigkeit entfaltete.

    Souveräne Stoffbeherrschung und juristische Systematik ließen B. zum eigentlichen Begründer der historisch-germanischen Rechtswissenschaft werden. Die durch die romanistische Richtung der historischen Schule (K. F. von Savigny, B. Windscheid) ausgebildete juristische Präzision übertrug er auf die germanistische Schwesterwissenschaft. Sie verleitete ihn aber zugleich, im Zeitgeist des jungen Bismarckschen Reiches das Rechtssystem eines modernen Staates auf die losen Gebilde der germanischen Zeit zu übertragen. Die später auch in der deutschen Rechtsgeschichte hervortretende positivistische Richtung ist bei B. jedoch gemildert durch seine allgemeinhistorische Schulung. Mehr als die z. T. überholten Einzelabhandlungen haben seine umfassende „Deutsche Rechtsgeschichte“ (Band 1, 1887, Band 2, 1892) und seine „Grundzüge“ die historische Forschung dauerhaft bestimmt und dem Fach sein „klassisches“ Gepräge gegeben, das noch heute, teilweise allerdings auf Kosten der tieferen Verbindung mit der allgemeinen Geschichtsforschung, der juristischen Germanistik die Richtung weist.

  • Werke

    Weitere W Landeshoheit u. Immunität… unter d. Babenbergern, 1864;
    Wort u. Form im altfranz. Prozeß, 1867;
    Die Entstehung d. Schwurgerichte, 1871;
    Grundzüge d. dt. Rechtsgesch., 1901, 71927 (hrsg. v. E. Heymann);
    Ges. Aufsätze, 2 Bde., hrsg. v. K. Rauch, 1932;
    s. a. DW.

  • Literatur

    U. Stutz, in: ZSRG 36, 1915;
    E. Seckel, Gedächtnisrede, in: SB d. Preuß. Ak. d. Wiss., phil.-hist. Kl., 1916, S. 760-68;
    ders., in: NA 40, 1916, S. 807 ff.;
    H. v. Voltelini, in: Alm. d. Wiener Ak. d. Wiss. 66, 1916, S. 407 ff.;
    A. Wretschko, in: HV 18, 1916, S. 345 ff.;
    K. v. Amira, in: Jb. d. Bayer. Ak. d. Wiss., 1916, S. 161 ff.;
    E. v. Schwind, in: MIÖG 37, S. 1 ff.;
    H. v. Srbik, Geist u. Gesch. v. dt. Humanismus bis z. Gegenwart II, 1951, S. 114 u. ö.;
    E. Heymann, in: DBJ I, S. 119-26 (u. Totenliste 1915, L);
    s. a. K. Rauch (vgl. W).

  • Portraits

    Bronzebüste v. F. Klimsch (im Besitz d. E Dr. Hellmut B., Tübingen); Altersbild in: ZSRG 36, 1915; Holzschnitt in: LIZ 108, 1897, S. 103.

  • Autor

    Karl S. Bader
  • Empfohlene Zitierweise

    Bader, Karl Siegfried, "Brunner, Heinrich" in: Neue Deutsche Biographie 2 (1955), S. 682 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd11866770X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

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