Wille, Ulrich
- Lebensdaten
- 1848 – 1925
- Geburtsort
- Hamburg
- Sterbeort
- Meilen (KantonZürich)
- Beruf/Funktion
- schweizerischer General ; Oberbefehlshaber der Bundesarmee im 1. Weltkrieg ; General ; Hochschullehrer
- Konfession
- reformiert?
- Normdaten
- GND: 118633198 | OGND | VIAF: 47555197
- Namensvarianten
-
- Wille, Conrad Ulrich Sigmund
- Wille, Ulrich
- Wille, Conrad Ulrich Sigmund
- Wille, Konrad Ulrich Sigmund
- Wuille de Bilee, Ulrich
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Personen in der NDB Genealogie
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- Wille, Ulrich
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Wille, Conrad Ulrich Sigmund
| General der Schweizer Armee, * 5.4.1848 Hamburg, † 31.1.1925 Meilen (KantonZürich), ⚰Zürich-Sihlfeld, später Umbettung nach Meilen. (reformiert)
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Genealogie
V →François (1811–96), aus H., Dr. phil., Journ., Mitgl. d. Vorparl. z. Frankfurter Parl., kehrte n. d. Rev. v. 1848 v. H. in d. Schweiz zurück u. erwarb 1851 Gut Mariafeld in Feldmeilen/Zürichsee (s. ADB 43; HLS), S d. →Jacques Arnold (1776–1845), aus Frankenthal (Pfalz), Uhrmacher, Kaufm. in H., u. d. Anna Friederike Christina Rühl (1786–1826), aus H.;
M →Eliza (eigtl. Gundeline Elisabeth) (1809–1893), Schriftst. (s. ADB 43; HLS), T d. →Robert Miles Sloman sen. (1783–1867), Reeder in H. (s. NDB 24), u. d. Gundalena Brarens (1784–1870), aus Oldsum (Insel Föhr);
Urur-Gvv →Henry Vuille (1714–1760), aus La Sagne (Neuenburger Jura), Schuhmachermeister, Anfang d. 18. Jh. in Zweibrücken (Pfalz);
Tante-v Katharina Friederike (1825–1882, ⚭ →Heinrich Freese, 1827–80, Holzwarenfabr. in H., Gutsbes., s. NDB V*);
1 B Robert Arnold, Landwirt, Papeterist;
– ⚭ Konstanz 1872 →Clara (1851–1946), T d. →Friedrich Gf. v. Bismarck (1783–1860, württ. Gf. 1816), nassau-using. Hofjunker, württ. Gen.lt. d. Kav., Mil.schriftst., Dipl. (s. NDB II; Nassau. Biogr.; Hess. Biogr.), u. d. →Augusta Amalia v. Nassau-Usingen (1778–1846, ⚭ 1] 1804–05 →Ludwig Wilhelm [Louis] Lgf. v. Hessen-Homburg, 1770–1839, s. Haus Hessen; Hess. Biogr.);
3 S →Friedrich (Fritz) (1874–1912), Dr. iur., →Arnold (Noely) Werner (1878–1968), Landwirt, Papeterist, →Ulrich (1877–1959), Dr. iur., Ausbildungschef d. schweizer. Armee, 2 T Elisabeth Henriette Clara (Isi) (1882–1958, ⚭ →Siegmund Friedrich [Fritz] v. Erlach, 1877–1959, Forsting., Kt.förster in Stans, Oberst), →Renée Schwarzenbach-W. (1883–1959, ⚭ →Alfred Schwarzenbach, 1876 –|1940, Dr. iur., Indust., Geschäftsführer d. Seidenhauses „Schwarzenbach-Landis, s. NDB 24* u. Fam.art.), Schriftst. (s. NDB 24* u. Fam.art.);
E →Annemarie Schwarzenbach (1908–1942), Schriftst. (s. NDB 24), →Gundalena (1908–2000, ⚭ →Carl Friedrich v. Weizsäcker, s. NDB 27), Dr. phil., Hist., Journ., →Hans Ulrich v. Erlach (1910–2005), Dr. iur., Brigadier, 1967 stv. Dir. d. Zentralstelle f. Gesamtverteidigung (s. HLS);
Verwandter d. Ehefrau →Otto Fürst v. Bismarck (1815–98), Reichskanzler (s. NDB II). -
Biographie
Prägend für W. wurden Kindheit und Jugend auf Gut Marienfeld, das sich nach 1848/49 durch seine Eltern zum Treffpunkt dt. Emigranten (u. a. →Georg Herwegh, 1817–75, →Johann Gottfried Kinkel, 1815–82, →Theodor Mommsen, 1817–1903, →Gottfried Semper, 1803–79) und zum Kulturzentrum (u. a. →Richard Wagner, 1813–83, →Mathilde Wesendonck, 1828–1902, →Conrad Ferdinand Meyer, 1825–98, →Franz Liszt, 1811–86, →Gottfried Keller, 1819–90) entwickelt hatte. Die Umgangssprache in seinem Elternhaus war Hochdeutsch, die Grundeinstellung dt.freundlich.
Nach Volksschule und Privatunterricht studierte W. seit 1865 Rechtswissenschaft in Zürich, Halle/Saale und Heidelberg, wo er 1869 zum Dr. iur. promoviert wurde (Mitgl. d. Corps Tigurinia 1865 u. d. Corps Borussia 1866).
Bereits seit dem Knabenalter Mitglied im Kadettenkorps von Meilen, wandte sich W. früh dem Militär zu. Seit 1867 besuchte er die Artillerie-Aspirantenschule (Lt. 1870). Gefördert durch den Oberinstruktor der Artillerie →Hermann Bleuler (1837–1912→) schlug W. die Laufbahn als Instruktionsoffizier ein (1872 Auslandkommandierung z. 1. Preuß. Garde-Artilleriergt. u. Besuch d. Instruktorenschule, 1873 Hptm., 1877 Major, 1881 Oberstlt.). In dieser Zeit setzte er sich intensiv mit den Verhältnissen in der schweizer. Milizarmee auseinander und entwickelte seine militärpädagogische Lebensaufgabe: die Formung der Miliz zu einem kriegstauglichen Instrument des Staats nach preuß. Vorbild; eine Berufsarmee lehnte er ab. Nach W.s Vorstellung sollte das Militär in der Basis zur Disziplin erziehen, darauf aufbauend zu militärischem Können anleiten und im oberen Teil materielle und organisatorische Kriegsvorbereitungen betreiben. Die Grundlage hierfür sah er im gegenseitigen Vertrauen zwischen Vorgesetzten und Untergebenen (z. B. Die Ausbildung der Armee [1892], in: Ges. Schrr., s. W, S. 133–50).
Dieser Vision folgte W. als Oberinstruktor (1883), Waffenchef/Oberinstruktor der Kavallerie (1891), Kommandant der 6. Division (1900) und des 3. Armeekorps (1904), als Organisator des sog. Kaisermanövers anläßlich des Staatsbesuchs Ks. →Wilhelms II. 1912 sowie als General während des 1. Weltkriegs, in dem die schweizer. Armee operationell nicht zum Einsatz kam, aber auf eine glaubwürdige Verteidigungsbereitschaft verweisen konnte.
Publizistisch vertrat W. sein Anliegen in Artikeln für die „Zeitschrift für Artillerie und Genie“, die er 1880 gekauft hatte, in der „Allgemeinen Schweizerischen Militärzeitschrift“, deren Redaktion er 1901 übernommen hatte, sowie in Briefen und Studien. Seit 1903 Dozent am Eidgenössichen Polytechnikum (heute ETH) Zürich, wurde er hier 1907 zum Professor für Militärwissenschaft berufen. Auf W.s Betreiben und zur Durchsetzung der Militärreform nach seinen Vorstellungen wurde 1911 innerhalb der militärwissenschaftlichen Abteilung eine Militärschule für Instruktionsoffiziere errichtet.
W.s Vision einer kriegstüchtigen Milizarmee und seine streitbare Persönlichkeit stießen auf Widerstand: Für die Vertreter der „Nationalen Richtung“ in Armee und Politik, die den „Sonderfall Schweiz“ auch im militärischen Sinne vertraten, wurde er ebenso zum Feindbild wie für Antimilitaristen und Sozialisten. Zudem gingen die Welschschweizer zunehmend auf Abstand zum dt.freundlichen W., besonders 1916 nach der „Oberstenaffäre“ um die Weitergabe von Informationen an Deutschland. Auch W.s Wahl zum General war umstritten und erfolgte erst, nachdem der Chef der Generalstabsabteilung, →Theophil Sprecher v. Bernegg (1850–1927), auf die Generalswürde verzichtet und sich bereit erklärt hatte, neben W. als Generalstabschef zu dienen. W. wurde zur Projektionsfläche für jede Art der Unzufriedenheit bei Soldaten und darbender Bevölkerung, die sich im Nov. 1918 in einem landesweiten Generalstreik entlud, in dem es eigentlich um die Durchsetzung sozialpolitischer Forderungen und eine angemessenere politische Vertretung der Arbeiterschaft ging. Vor dem Hintergrund einer drohenden Revolution nach bolschewistischem Muster vertrat W. eine konsequente Präventionsstrategie durch sichtbare militärische Stärke, Verbesserung des Dienstbetriebs und die Not dämpfende soziale Sofortmaßnahmen. Der Abbruch des Streiks am 14. Nov., den W. als Erfolg seiner Strategie wertete, brachte ihm die Dankbarkeit des verängstigten Bürgertums und bleibenden Zorn der Sozialisten ein. W. demissionierte am 11.12.1918 als General und trat 1919 letztmalig öffentlich in Erscheinung, als er sich v. a. aus neutralitätspolitischen Gründen und in Ablehnung des Vertragswerks von Paris|gegen den Beitritt der Schweiz zum Völkerbund einsetzte.
W.s Persönlichkeit und Leistungen polarisieren bis heute. Die einen schätzen ihn als Schöpfer einer glaubwürdigen Milizarmee, die anderen sehen in ihm den Verfechter einer sturen Drillschule und eines abstoßenden Männlichkeits- und Soldatenkults. Der Einfluß seiner Militärreform reichte bis zur sog. Oswald-Reform in den 1970er Jahren, seit der der Disziplinbegriff funktionaler und die Erziehung menschenorientierter gehandhabt werden.
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Auszeichnungen
|Ehrenbürger v. Meilen (1915);
– Gen.-W.-Str., Meilen;
U.-W.-Kaserne, Waffenplatz Bure (Kt. Jura) (seit 1968). -
Werke
|E. Schumacher (Hg.), Gen. W.s Ges. Schrr., 1941;
BA Bern;
Fam.archiv, Mariafeld/Feldmeilen. -
Literatur
|C. Helbling, Gen. U. W., Biogr., 1957 (P);
B. Letzi, 1914, Gen. U. W. u. d. Kriegsbereitschaft d. schweizer. Armee, 1975 (P);
H. Ch. Röthlisberger, Der pol. Standort v. U. W., 1975 (P);
N. Meienberg, Die Welt als Wille &
Wahn, Elemente z. Naturgesch. e. Clans, 1987 (P);
R. Jaun, Preussen vor Augen, Das schweizer. Offz.korps im mil. u. gesellschaftl. Wandel d. Fin de siècle, 1999 (P);
H. R. Fuhrer, Die Schweizer Armee im Ersten Weltkrieg, Bedrohung, Landesverteidigung u. Landesbefestigung, 2001 (P);
ders., Von d. Mil.schule z. Mil.ak., 125 J. mil.wiss. Unterr. an d. ETH Zürich, 2003 (P);
ders. u. a., Innere Sicherheit, Ordnungsdienst, Der Gen.streik im Nov. 1918, J.schr. Nr. 40, hg. v. GMS, 2018 (P);
ders. u. P. M. Straessle, Gen. U. W., Vorbild den einen, Feindbild den anderen, 2003 (P);
D. Rieder, Fritz Gertsch, Enfant terrible d. schweizer. Offz.korps, 2009 (P);
M. M. Olsansky (Hg.), Am Rande d. Sturms, Das Schweizer Mil. im Ersten Weltkrieg, 2018;
Gr. Schweizer;
HLS. -
Porträts
|5 Ölgem. v. F. Hodler, 1916 (Fam.bes.);
2 Porträts v. M. Rimboeck (Fam.archiv Schwarzenbach);
Plastik v. A. Heer (Kopie im Bundeshaus Bern;
Gipsvorlage im Fam.archiv Mariafeld/Feldmeilen). -
Autor/in
Hans Rudolf Fuhrer -
Zitierweise
Fuhrer, Hans Rudolf, "Wille, Conrad Ulrich Sigmund" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 181-183 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118633198.html#ndbcontent