Lebensdaten
1895 - 1930
Geburtsort
Bozen (Südtirol)
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Raketentechniker ; Erfinder ; Astronom ; Schriftsteller
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118625993 | OGND | VIAF: 15562624
Namensvarianten
  • Valier, Maximilian
  • Valier, Max
  • Valier, Maximilian
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Zitierweise

Valier, Max, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118625993.html [25.09.2021].

CC0

  • Genealogie

    V Edmund (1867–95), aus Wien, Konditor in Bozen, S d. Gotthardt (1826–1902), auf Röfleuten (Allgäu), Bäcker in Bozen, u. d. Maria Rotter; seit 1900 Stief-V N. N. Renneberg, aus Lüneburg, Kaufm. in Bozen;
    M Olga Wachtler (* 1875);
    Ov Gotthard, Konditor, Gde.rat in Innsbruck;
    Tante-m Sophie Wachtler, erzog V. einige Jahre;
    1 Halb-Schw Martha Renneberg (* 1900, N. N. Zorbach), unterstützte V. b. astronom. Beobachtungen;
    Bozen (kirchl.) 1921 Hedwig (1875–1959, ev., 1] N. N. Bucek, Weinhändler in Wien), aus Breslau, während d. 1. Weltkriegs Krankenschwester, Sekr. v. V., T d. N. N. Alden, Dirigent, Musiklehrer;
    1 Stief-T Hanni (* um 1905);
    N Willy (1920–68), Künstler.

  • Leben

    Nach seinem Abitur am Franziskanergymnasium in Bozen 1913 studierte V. bis 1915 Astronomie, Physik, Mathematik und Meteorologie an der Univ. Innsbruck. Nach einer Unterbrechung durch den Kriegsdienst als Meteorologe bei der österr. Infanterie und Luftwaffe setzte er sein Studium 1918 in Wien fort, wo er den Ingenieur Hanns Hörbiger (1860–1931) kennenlernte und Anhänger von dessen Welteislehre wurde. V.s Dissertation über den Mond im Kontext der Welteislehre wurde 1919 von Samuel Oppenheim (1857–1928) an der Univ. Wien als pseudowissenschaftlich abgelehnt. 1921 zog V. mit seiner Frau nach München, wo er v. a. mit populärwissenschaftlichen Vorträgen seinen Lebensunterhalt bestritt und Vorlesungen des Astronomen Hugo v. Seeliger (1849–1924) besuchte. Seit Anfang der 1920er Jahre veröffentlichte V. neben Aufsätzen in der „Astronomischen Zeitschrift“ zahlreiche Artikel über okkulte Themen, wie Alchemie und Telepathie, in „Gartenlaube“ und „Psyche“, kurze Einzeldarstellungen bei kleinen Münchner Verlagen und 1924 die Monographie „Der Sterne Bahn und Wesen“. Zu jener Zeit unterhielt V. Kontakte zu völkisch-antisemitischen Kreisen und war einer der profiliertesten Fürsprecher der Welteislehre.

    1924 las V. Hermann Oberths „Die Rakete zu den Planetenräumen“, in der der rumäniendt. Physiker ein Jahr zuvor die wesentlichen Entwicklungsschritte der Raumfahrt mittels Flüssigtreibstoffrakete dargelegt hatte. Daraufhin initiierte V. eine Kooperation mit Oberth und dessen Verleger Wilhelm Oldenbourg (1875–1960), mit dem Ziel die komplexe Darstellung über die Möglichkeit der Raumfahrt um eine populäre Darstellung zu ergänzen. V.s „Der Vorstoß in den Weltenraum“ (1924) verkaufte sich äußerst erfolgreich ( ⁵1928, ⁶1930 u. d. T. Raketenfahrt) und zog eine überregionale Artikel- und Vortragsserie nach sich. Es gelang ihm, durch die Betonung eines mittelfristigen Nutzens der Raketentechnik das Interesse auflagenstarker Flug- und Motorsportzeitschriften zu sichern. Es entwickelte sich eine Freundschaft zu dem konservativen NS-Gegner Fritz Büchner (1895–1940), seit 1928 Hauptschriftleiter der „Münchner Neuesten Nachrichten“.

    1928 organisierte V. mit dem Unternehmer Fritz v. Opel (1899–1971) und dem Hersteller von Pulverraketen Friedrich Wilhelm Sander (1885–1938) Versuchsfahrten mit Raketenautos in Rüsselsheim und auf der Berliner Avus. Die von 2000 Zuschauern verfolgten Avusfahrten erfuhren auch durch eine Simultanübertragung im Radio viel Aufmerksamkeit, die jedoch v. a. Opel galt. Als es darüber zum Streit zwischen V. und Opel kam, führte letzterer ohne V.s Beisein Versuche mit Raketenflug- und -schienenfahrzeugen durch. V. präsentierte im Sommer 1928 zusammen mit der Pyrotechnikfirma Eisfeld ebenfalls Schienenfahrzeuge und im Febr. 1929 auf dem zugefrorenen Eibsee und dem Starnberger See Raketenschlitten, die z. T. von seiner Frau gesteuert wurden. Die Aufmerksamkeit um diese Versuche mit Pulverraketen ließ bald nach, woran auch Fritz Langs erfolgreicher Raumfahrtfilm „Die Frau im Mond“ (1929), an dem Oberth beratend mitgewirkt hatte, nichts ändern sollte. Bemüht um Seriosität und zunehmend auf der Suche nach militärischen Geldgebern, distanzierten sich die Enthusiasten um Oberth von V.s sensationalistischen Versuchen. 1930 begann V. eine Zusammenarbeit mit dem Industriegashersteller Paul Heylandt (1884–1947) in Berlin-Britz zur Entwicklung von Flüssigsauerstoff-Triebwerken, die eine bessere Kontrolle des Schubs als Pulverraketen erlauben sollten. Während eines Brennkammertests starb V. durch eine Explosion auf dem Werksgelände.

    Die NS-Propaganda instrumentalisierte V.s Tod, indem sie sich des damals in Ingenieurskreisen populären Mythos des vernachlässigten Erfinders annahm und den österr. Autor und Raketentechniker V. zu einem dt. Visionär verklärte, zuletzt in dem Kulturfilm „Weltraumschiff 1 startet“ (1940). Nach den ersten Raumfahrterfolgen in den 1950er Jahren wurde an V., weitgehend gelöst von diesem ideologischen Kontext, als „das erste Opfer der Raumfahrt“ erinnert. Heute gilt er als einer der einflußreichsten frühen Verfechter der Raumfahrtidee, der mit zahlreichen Zeitungsartikeln, Büchern und öffentlichen Raketentests wesentlich zur Popularisierung dieser Idee in der Weimarer Republik beitrug.|

  • Auszeichnungen

    A Gründungsmitgl. d. Ver. f. Raumschiffahrt, Breslau (1927);
    Benennung e. Mondkraters (1960) u. Sternwarte M. V. Südtirol;
    V.gasse in Wien (1971);
    Gedenktafel in Berlin, Gradestr. (1993);
    Technol. Fachoberschule M. V. in Bozen;
    M.-V.-Str. in München, Auer (Südtirol), Lana (Südtirol) u. a.

  • Werke

    W Das astronom. Zeichnen, 1915;
    Sternbüchlein f. jedermann, 1917;
    Spiridion Illuxt: Phantast. Erz., 1919;
    Die Grundlagen d. Kosmotechnik, 1919;
    Dinge d. Jenseits, 1921;
    Das transzendentale Gesicht, 1921;
    Des Urseins Dreifaltigkeit, 1921;
    Verborgene Gewalten im Weltgeschehen, 1921;
    Okkulte Welteislehre, Physik u. Metaphysik, 1922;
    Untergang d. Erde, 1922;
    Panik, 1923 (mit R. Eichacker);
    Anltg. z. Lesen kosmotechn. Zeichnungen, 1925.

  • Literatur

    L W. G. Brandecker, Ein Leben f. e. Idee, 1961;
    E. Attlmayr, in: Tiroler Pioniere d. Technik, hg. v. dems., 1968, S. 80–87 (L, P);
    I. Essers, M. V., e. Vorkämpfer d. Weltraumfahrt, 1968 (L, P);
    Qu Teilnachlaß, Photogrr. u. Raketenfahrzeuge im Dt. Mus., München.

  • Portraits

    P Photogrr. (Archiv d. Dt. Mus.); Gedenkmünze d. Numismat. Vereinigung Bozen, 1970.

  • Autor/in

    Daniel Brandau
  • Empfohlene Zitierweise

    Brandau, Daniel, "Valier, Max" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2016), S. 706-707 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118625993.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA