Lebensdaten
1811 bis 1883
Geburtsort
Scheßlitz
Sterbeort
Würzburg
Beruf/Funktion
Arzt
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118601083 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Rinecker, Franz von
  • Rinecker, Franz
  • Rineker, Franz

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Zitierweise

Rinecker, Franz von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118601083.html [13.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Heinrich Gallus (1772–1852, bayer. Rr. 1824), bamberg. Landrat, 1807 Landrichter in Burgebrach, 1808 in Sch., 1814 in B., 1820 Oberpolizeikommissär in München, 1823 Polizeidir., 1833 Reg.dir. d. Unterdonaukr., 1833-44 Min.rat im bayer. Innenmin. (s. Schärl);
    M Josephine, evtl. T d. Georg Frhr. v. Stengel (1721–98, bayer. Frhr. 1788), bayer. Wirkl. Geh. Staatsrat, u. d. Christine Freiin v. Hauer (1734–92), aus Düsseldorf;
    Geschw Friderike (1808–77, Karl August v. Abel, bayer. Adel 1844, 1837-47 bayer. Staatsmin. d. Inneren, s. NDB I), Stefan (1809–60), Dir. d. Obersten Ger.hofs, Georg (1812–59), Revierforstmeister in Forchheim;
    1843 Maria Magdalena Josepha Krätzer, verw. Mayer (1811-89), aus Mainz;
    2 S (1 früh †) Franz (1843–99), Eisenbahn-Ing. in W., 2 T Sophie (1845–80, Jakob de Ahna, Oberstlt. in W.), Therese (1848–80, Andreas Rosenberger, 1847–1915, Landger.arzt, Univ.prof. in W., Leiter e. chirurg. Privatklinik, Hofrat, s. Fischer; DBJ Überltg.bd. 1, Tl.); 1 Stief-T.

  • Leben

    R. durchlief bis 1820 die lat. Vorbereitungsschule in Bamberg, bestand 1826 das Abitur am Münchner Wilhelmsgymnasium und begann als 15jähriger in München das Medizinstudium, das er 1830 in Würzburg klinisch abschloß. 1831 ging er als Feldarzt-Freiwilliger nach Polen, wo er als Regimentsarzt das 10. poln. Linien-Infanterie-Rgt. übernahm und nach einigen Monaten kurzzeitig in russ. Gefangenschaft geriet, wo er sich als Seuchenspezialist bei der Cholerabekämpfung bewährte. Nach seiner Freilassung ließ er sich in Wien durch Carl v. Rokitansky in die Pathologie einführen, legte in München das Staatsexamen ab und wurde hier 1832 bei Ignaz Döllinger promoviert. Seine Medizinalpraktikantentätigkeit beendete R. 1834 in Würzburg bei Friedrich v. Marcus und übernahm im selben Jahr an der dortigen Chirurgischen Universitätsklinik die Stelle des Leitenden Oberarztes; wenig später wechselte er in gleicher Eigenschaft an die Innere Klinik. Die Med. Fakultät versuchte wiederholt, aber vergebens, den weiteren Aufstieg des allzu jungen Arztes zu hemmen. 1836 wurde R. Privatdozent, 1837 ao. Professor und 1838 Ordinarius „der Arzneimittellehre und dor Poliklinik“.

    1838 etablierte R. das Nominalfach Medizingeschichte, 1842 gründete er das Physiologische Institut, richtete den berühmten Würzburger Mikroskopierkurs mit auf Schienen fahrenden Mikroskopen ein und vertrat die Grundlagenfächer der Speziellen Pathologie (1837/38) und der Entwicklungsgeschichte (1846/47). 1837 übernahm R. die Direktion der Poliklinik und gründete 1850 die erste Universitäts-Kinderklinik der Welt, der er bis 1872 vorstand. Als Armenarzt dehnte er den Versorgungsbereich der Poliklinik mit seinen Medizinalpraktikanten weit über die Stadtgrenzen hinweg aus und machte Würzburg für Postgraduierte zum überregional führenden Ausbildungszentrum. R. schied schrittweise bis 1863 aus der Direktion der Poliklinik aus und übernahm in letzterem Jahr die Direktion der Psychiatrischen Klinik, die er aus der Zuständigkeit der „Julius-Spital-Stiftung“ herauszulösen suchte; 1872 wurde er zusätzlich als Vorstand der „Abtheilung für|Syphilitische und Hautkranke“ tätig, die er unter seiner Direktion zur Eigenständigkeit führte und zur Universitätsklinik für Haut- und Geschlechtskrankheiten ausformte.

    Mit diesen institutionellen Erfolgen im klinischen und vorklinischen Bereich korrelieren bemerkenswerte Leistungen in der Zentralverwaltung der Universität, die alle Fakultäten und – von den zentralen Einrichtungen – insbesondere das Martin-von-Wagner-Museum und die Universitätsbibliothek einschlossen. Seit 1838 in Gremien inner- wie außeruniversitärer Selbstverwaltung tätig, präsidierte R. zweimal dem Akademischen Senat, wurde sechsmal zum Dekan gewählt und diente der Universität 1845 und 1866 als Rektor. Mit seiner erfolgreichen Berufungspolitik sicherte er Würzburg für drei Jahrzehnte eine Führungsposition. R. holte u. a. Albert Kölliker, Rudolf Virchow, Franz Kiwisch, Friedrich Scanzoni und Friedrich v. Recklinghausen nach Würzburg. Die Med. Fakultät behauptete bei den Hörerzahlen bis zu R.s Tod ihre Spitzenstellung vor Berlin.

    R.s Schüler profilierten sich auf den Gebieten Physiologie, Pharmakologie (Rudolf Boehm), Innere Medizin bzw. Pädiatrie (Richard Geigel, Adolf Kußmaul, Carl Gerhardt, Hermann Emminghaus), v. a. aber Psychiatrie (Conrad Rieger, Hubert Grashey, Siegbert Ganser, Friedrich Siebert, Friedrich Jolly, Emil Kraepelin u. Anton Bumm). In der Dermatologie brachte R. keine namhaften Schüler hervor, obwohl den Haut- und Geschlechtskrankheiten die meisten von R.s Forschungen galten und er hier bei seinen Impfversuchen die Grenze des ethisch Zulässigen streifte. 1854 stellte sich die Fakultät gegen ihn und rügte ihn wegen Experimentierens mit einem nicht einwilligungsfähigen Patienten.

    Seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlaubten es R., die Burg Rieneck zu kaufen und als Burgherr denkmalpflegerisch in Erscheinung zu treten.|

  • Auszeichnungen

    poln. Tapferkeitsorden „Virtuti militari“ (1831); Rr. d. bayer. Michaelsordens (1850); bayer. GR (1880); Rinecker-Medaille d. Univ. Würzburg (seit 1890).

  • Werke

    Über d. Krankenkonstitution d. J. 1835, beobachtet im Juliushospitale zu Würzburg, 1836;
    Über akad. Studium u. akad. Leben, 1846;
    Med. Statistik d. poliklin. Anstalt an d. Univ. zu Würzburg 1837–47, 1847.

  • Literatur

    ADB 28;
    R. Pfeffer, F. v. R., Diss. Würzburg 1981;
    B. Elkeles, Syphilis, med. Forsch. u. Humanität, Neues zu R.s Prozeß (1854–1856), in: Würzburger med.hist. Mitt. 9, 1991, S. 57-72;
    G. Keil, in: P. Baumgart (Hg.), Lb. bed. Würzburger Professoren, 1995, S. 20-60 (L, P);
    BLÄ.

  • Autor/in

    Gundolf Keil
  • Empfohlene Zitierweise

    Keil, Gundolf, "Rinecker, Franz von" in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 628-629 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118601083.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Rinecker: Franz v. R., Arzt, geboren am 3. Januar 1811 zu Scheßlitz in Oberfranken und als Senior der medicinischen Facultät zu Würzburg am 21. Februar 1883 gestorben, begann das Studium der Medicin an der Universität in München bereits vor Zurücklegung seines 16. Lebensjahres, setzte es später in Würzburg fort, unterbrach aber dasselbe, diente seit 1831 während der polnischen Insurrection als Stabsarzt mit Majorsrang im 10. polnischen Infanterieregiment, erwarb das polnische Ehrenkreuz, wurde jedoch unter den Mauern von Warschau verwundet und gerieth nach dem Falle dieser Festung in russische Gefangenschaft. Aus dieser entlassen kehrte er nach vorübergehendem Aufenthalt in Wien zur Beendigung seiner Studien nach München zurück (1832), erlangte in demselben Jahre mit der 1833 zu Würzburg im Druck erschienenen Abhandlung „Die Entzündung der Gesäß-, Nerven- und Glashaut des Auges und ihre Ausgänge“ die Doctorwürde, siedelte 1833 als Assistent am Juliushospitale nach Würzburg über, wo er unter Marcus. Textor und Jaeger thätig war, habilitirte sich 1836 als Privatdocent an der dortigen Universität und erhielt schon nach 9 Monaten 1837 die außerordentliche Professur der ambulanten Klinik zugleich mit der Stellung als Armenarzt, sowie 1838 die ordentliche Professur der Arzneimittellehre und die Direction der Poliklinik. An der Würzburger Hochschule war R. seitdem mit Ausnahme eines Jahres, 1840/41, das er zu einer wissenschaftlichen Reise nach Frankreich und England benutzte, ununterbrochen als einer der beliebtesten, fleißigsten und anregendsten Lehrer thätig. Er las später noch über Kinderheilkunde, Microscopie, Experimentalphysiologie, gründete unter Beistand von Leydig ein physiologisches Institut, übernahm 1863 die psychiatrische Klinik am Juliushospital, 1872 die Abtheilung für Syphilis und Hautkrankheiten, für die er eine eigene Klinik errichtete und war auch sonst für das Gedeihen der Würzburger medicinischen Facultät in unermüdlicher Weise thätig. So war es ganz besonders ihm zu verdanken, daß Männer wie Kiwisch, Koelliker. Virchow u. A. Berufungen an die Würzburger Universität erhielten. Auch widmete er einen großen Theil seiner Lehrthätigkeit der Poliklinik, auf die er viele Zeit und Mühe verwendete, und trug durch Schaffung geeigneter Localitäten sehr viel zur Hebung des Unterrichts in der Psychiatrie, sowie in den Haut- und syphilitischen Krankheiten bei. 1864 erhielt R. den Titel als Hofrath, 1880 als Geheimer Hofrath; 1882 feierte er sein 50jähriges Doctorjubiläum. — R. war ein außerordentlich vielseitiger Mensch. Abgesehen von seiner angestrengten praktischen und Lehrthätigkeit — R. war ein besonders als Consiliarius sehr in Anspruch genommener Arzt — interessirte er sich auch für Kunst und Kunstgeschichte, für Landwirthschaft, für kirchliche und politische Angelegenheiten u. a. m. Seine eigentlichen Verdienste auf dem Gebiet der Medicin sind mannigfache. U. a. hat er die ersten Fälle von epidemischer Genickstarre (Meningitis cerebrospinalis epidemica) in Deutschland, jener zum Theil heute noch in ihrem Wesen räthselhaften Krankheit, zu Würzburg erkannt und publicirt, einen der ersten Fälle von Pseudohypertrophie der Muskeln in den Verhandlungen der Würzburger physikalisch-medicinischen Gesellschaft veröffentlicht, das Knotensyphilid der Kinder entdeckt u. a. m. In Folge einer zu großen Selbstkritik ist R. mit litterarischen Arbeiten nur sparsam hervorgetreten, die dafür um so sorgfältiger ausgeführt sind. Wir erwähnen u. a.: „Ueber die Krankheits-Constitution des Jahres 1835, beobachtet im Juliushospital zu Würzburg“ (Würzburg 1836); „Medicinische Statistik der poliklinischen Anstalt an|der .... Universität zu Würzburg in ihrem 4. Decennium 1837—47“ (Edendas. 1848). Uebrigens nahm R. noch in seinen letzten Jahren am wissenschaftlichen Leben regen Antheil, war ein ständiger Besucher der Naturforscher- und anderer gelehrter Fachversammlungen und hielt auf denselben nicht selten anregende Vorträge.

    • Literatur

      Vgl. Biogr. Lexikon hervorragender Aerzte, herausgegeb. von A. Hirsch, V, 33.

  • Autor/in

    J. L. Pagel.
  • Empfohlene Zitierweise

    Pagel, Julius Leopold, "Rinecker, Franz von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 28 (1889), S. 628-629 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118601083.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA