Lebensdaten
1814 bis 1903
Geburtsort
Konstanz
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
Kunstkritiker ; Lithograph ; Maler
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118592343 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Pecht, Friedrich

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Zitierweise

Pecht, Friedrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118592343.html [14.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus ostpreuß. od. schwed. Fam.;
    V Andreas (1773–1852), aus Haßfurt (Unterfranken), Lithograph, Buchhändler, studierte kath. Theol., verließ 1796 Würzburg, Buchhändler in d. Löbhardtschen Buchhandlung in Bamberg, dann in d. Riegerschen Buchhandlung in Augsburg, übernahm 1798 d. Filiale in K, errichtete 1801/02 mit Daniel Fehr e. Buchhandlung, Leihbibl. u. Druckerei in Frauenfeld u. redigierte ebd. d. „Thurgauer Ztg.“, ging 1812 nach Ausweisung aus Frauenfeld wieder nach K., wo er 1815/16 e. Steindruckerei eröffnete (s. L), S d. Vitus, soll d. Siedlung Neudorf b. Haßfurt gegründet haben, u. d Katharina Friedrich;
    M Susanna Gänsli (1786–1851), T e. Kantonsrats;
    Schw N. N., führte P.s Haushalt seit 1874;– Ulm 1852 Clothilde Clementine (1823–74), T d. Joseph v. Vogel (1847 württ. Personaladel), Hofkameralverw., Finanzrat, u. d. Anna Veronika Wechsler (* 1798);
    1 T, führte P.s Haushalt seit 1874.

  • Leben

    Auf der Basis lokaler künstlerischer Praxis (u. a. in d. väterl. Steindruckerei) arbeitete P. seit 1834 in München und Dresden als Lithograph für Franz Hanfstaengl (Bildnisse; Dresdner Gal.werk). Seit 1837 schuf er selbständig Porträts, Genre- und Historienbilder in Leipzig, Konstanz, Paris, München und Frankfurt (karikierende „Ätzbilder“ u. Gruppenbildnisse d. Paulskirchenparl. 1848/49). Höhepunkte seiner – 1883 aufgegebenen – künstlerischen Betätigung waren Gemälde aus dem Leben Goethes und Schillers, Historienbilder im Konstanzer Konzilsgebäude und die durch Bild und Text charakterisierten Gestalten der Dichtung (140 Stahlstiche) seiner Schiller-, Goethe-, Lessing- und Shakespeare-Galerie (Brockhaus, Leipzig 1859, 1864, 1868, 1876).

    Angeregt durch die zwischen 1835 und 1850 geschlossenen Bekanntschaften mit Künstlern, Schriftstellern und Journalisten wie Gottfried Semper, Richard Wagner, Heinrich Heine, Gustav Freytag, Heinrich Laube u. a. begann P. seit 1843 kurze Beiträge zur zeitgenössischen Kunst zu veröffentlichen. Die endgültige Hinwendung zum Beruf des|Kunstschriftstollers ergab sich jedoch aus dem Erfolg seiner lebendig und flüssig geschriebenen „Südfrüchte, Skizzenbuch eines Malers“ (2 Bde., 1853) über seine „italienische Reise“. 30 Jahre später wurde der höchst agile 71jährige P. auf dem Höhepunkt seiner Geltung als konservativ-kritische Instanz von Friedrich Bruckmann (1814–98) zum ersten Herausgeber und wichtigsten Autor der 1885 gegründeten, sofort sehr erfolgreichen Zeitschrift „Die Kunst für Alle“ berufen. P. dokumentierte und kommentierte bis 1901 als kritischer Beodbachter – in 1660 Artikeln führender Tageszeitungen (Allg. Ztg., Süddt. Presse, Neue Freie Presse Wien, Tägl. Rdsch. Berlin) und Zeitschriften – mehr als ein halbes Jahrhundert aktuellen Kunstgeschehens. Aus der Kunstmetropole München berichtete er v. a. über die süddeutsche und österr. „Kunstszene“, über Planungen, Neubauten, Kunstförderung, Museumspolitik, Ausstellungen, den Kunstmarkt und die Kunstliteratur. Auf häufigen Reisen und intensiver Korrespondenz beruhten seine abgewogenen Urteile über Künstlerpersönlichkeiten seiner Zeit und über das in nationalen und internationalen Ausstellungen präsentierte Niveau der konservativen „Moderne“.

    Seine traditionsverhafteten, besonders um 1870/71 nationalistisch verengten Kunstansichten wurden schon von Zeitgenossen kritisiert. Sie repräsentieren jedoch, zusammen mit der Fülle der von ihm gelieferten Informationen, das quantitativ dominierende „konservative“ Kunstschaffen seiner Zeit angemessener als jede nur die „fortschrittlichen“ Strömungen berücksichtigende wissenschaftliche Perspektive. Sein Respekt vor der Eigenart und Einmaligkeit älterer Kunsterzeugnisse veranlaßte den Kritiker, erstaunlich früh die otton. Wandmalerei und den barocken Schloßbau zu würdigen und vor unerprobten Restaurierungsverfahren (Gem. d. Alten Pinakothek) zu warnen.

  • Werke

    u. a. Künstlermonogrr. in Buchform teilweise wiederabgedr. u. d. T.: Dt. Künstler d. 19. Jh., 4 Bde., 1877-85;
    Gesch. d. Münchner Kunst im 19. Ih., 1888 (P);
    Ausst.berr.:
    München 1854, 1858, 1863, 1869, 1876, 1883 usw.;
    Weltausst. Paris 1867, Wien 1873, Paris 1878;
    – Aus meiner Zeit, Lebenserinnerungen, 2. Bde., 1894 (P).

  • Literatur

    M. Bringmann, F. P. (1814-1903), Maßstäbe d. dt. Kunstkritik zw. 1850 u. 1900, 1982;
    A. Strobl, Vielgescholten, gern benutzt u. doch kaum bekannt, Zum Stand d. Erforsch, d. dt. Kunstkritik, in: Kunstchronik 51, 1998, S. 389-101, bes. S. 394 ff.;
    1848 – Aufbruch z. Freiheit, Ausst.kat. Frankfurt 1998, S. 144 f., 213 f.;
    H. Holland, in: BJ VIII, S. 51-60 u. Tl.;
    Bad. Biogrr. VI, 1935;
    Kosch, Lit.-Lex.;
    Dict. of Art;
    Metzler, Kunsthist. Lex.Zu Andreas: Johann Meyer, in: Schrr. d. Ver. f. Gesch. d. Bodensees 18, 1889, S. 8-33;
    HBLS;
    ThB.

  • Portraits

    Selbstbildnis, Ölgem., undatiert (1856/57), (Konstanz, Wessenberg-Gal.);
    ganzfigurige Phot. in: Aus meiner Zeit, 1894, s. W.

  • Autor/in

    Michael Bringmann
  • Empfohlene Zitierweise

    Bringmann, Michael, "Pecht, Friedrich" in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 156 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118592343.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA