Lebensdaten
1719 bis 1799
Geburtsort
Casasco (Val d'Intelvi, Italien)
Sterbeort
Eichstätt
Beruf/Funktion
Architekt
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118739794 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Pedetti, Mauritio

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Zitierweise

Pedetti, Mauritio, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118739794.html [15.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Francesco Giuliano ( 1748), Marmorsteinmetz, seit 1722 in Mannheim;
    M Giovanna Caterina, T d. Lorenzo Mattia Retti (um 1664–1714), Architekt in Ludwigsburg (s. ThB);
    Om Leopoldo Retti (1704–51), Architekt in Ludwigsburg u. Stuttgart (s. ThB);
    Eichstätt 1752 Maria Anna Walburga (1727–90), T d. Stadtschreibers u. Zöllners Georg Andreas Hortis aus Herrieden;
    3 K (2 früh †); 1799 starb d. Fam. in E. aus, 1826 auch in Mannheim.

  • Leben

    P. verbrachte die Zeit bis zu seiner Anstellung als Hofbaudirektor in Eichstätt mit Reisen, Militärdienst und Ausbildungen zum Zeichner („Designateur“) und Ingenieur. Zunächst nutzte er die Gelegenheit, bei seinen Verwandten, den Architektenfamilien Retti und Frisoni, in Ludwigsburg und Ansbach zu lernen. Es folgten eine dreijährige Italienreise (Skizzenbuch d. Reise: Eichstätt, Diözesanarchiv) sowie Anstellungen an europ. Fürstenhöfen (Bruchsal, Kopenhagen, Dresden u. Nieswies [Litauen]), wo er auch erste Bauten entwarf (Umbauentwürfe f. d. Palais Radziwill in Warschau, 1747/48; unausgeführter Entwurf f. d. Residenz in Kopenhagen, 1750). 1750 bewarb er sich um die Stelle des fürstbfl. Hofbaudirektors in Eichstätt, die er dann von 1752 bis zu seinem Tod innehatte (seit 1752 auch Hofkammerrat). Vier Fürstbischöfe (Johann Anton Frhr. v. Freyberg 1736–57, Raimund Anton Gf. v. Strasoldo 1757–81, Johann Anton Frhr. v. Zehmen 1781–90, Joseph Gf. v. Stubenberg 1790-1802) folgten aufeinander in dieser Zeit, die für P. geprägt war von zahlreichen Aufträgen und Entwürfen, aber auch von kontinuierlicher Geldnot und Krankheit seiner Familie. Die großen Aufträge in Stadt und Hochstift Eichstätt waren zwar schon von seinen Amtsvorgängern Jakob Engel (1632–1714) und vor allem von Gabriel de Gabrieli (1671–1747) ausgeführt worden, doch konnte P. zahlreiche Um- und Neubauten vornehmen, wozu umfangreiches Planmaterial erhalten ist. Die meisten Pläne entstanden für ländliche Profangebäude, einige für Sakralbauten und Kirchenausstattungen in und um Eichstätt. Als Ingenieur fertigte P. auch Entwürfe für Militär- und Zweckbauten wie Brauereien, Hammerwerke|und Mühlen, ebenso für städtebauliche Anlagen (Eichstätter Residenzplatz mit Mariensäule u. Brunnen, ausgeführt 1777-80). In seinen Idealplänen für Schlösser, Kirchen und Brauereien konzipierte er großdimensionierter und ideenreicher. Bei diesen und den verwirklichten Hauptwerken wie Stiegenhaus und Spiegelsaal der Eichstätter Residenz (1767–69), aber auch bei den unausgeführt gebliebenen Entwürfen für Schloß (1750) und Marktplatz (1787–90) Karlsruhe bediente er sich des Formenguts von Barock und Rokoko. Modernere frühklassizistische Elemente finden sich bei P. vor allem in der Fassadengestaltung von Profanbauten. Hier wirken Anregungen nach, die er 1734-39 bei seinem Onkel Leopoldo Retti, dem Vorläufer des Frühklassizismus in Süddeutschland, in Ansbach erhalten hatte. P. selbst durchlief keine kontinuierliche Entwicklung vom Spätbarock zum Frühklassizismus, vielmehr war er ein typischer Barockklassizist auf der Suche nach dem Mittelweg. Seine mehrfarbig lavierten Tusche- und Bleistift-Planrisse, seine Stadtansichten, Karten und der Entwurf des Eichstätter Hochstiftskalenders sind ebenso locker wie technisch gekonnt, detailliert und häufig sehr malerisch.

  • Quellen

    Qu Lebenslauf u. Hofkammerprotokolle: Nürnberg, StA; Plane, Akten: Nürnberg, German. Nat.-mus., Eichstätt, Diözesanarchiv, München, Bayer. Staatsbibl., TU Architekturslg., Bayer. HStA, Karlsruhe, Gen.landesarchiv.

  • Werke

    Weitere W unausgeführt: Stuttgart, Schloßfassade, 1747;
    Pfünz, Schloß u. Garten, 1785-92;
    Nürnberg, St. Elisabeth, 1788;
    Regensburg, Freisinger Hof, 1794. – Auswahl d. Um- oder Neubauten im Hochstift: Berching, Stadtpfarrkirche, 1751-53;
    Beilngries, Frauenkirche, 1753;
    Eichstätt, Waisenhaus, 1758, ebd., Domdekanei, 1763–65, ebd, Dom, Entwürfe f. d. Grabdenkmäler f. Marquard Wilhelm Gf. v. Schönborn, 1770, u. f. Fürstbf. Raimund Anton Gf. v. Strasoldo, 1784, ebd., Hofgarten, 1779-81;
    Hirschberg, Schloß, 1760-65;
    Arnsberg, St. Sebastian, 1770.

  • Literatur

    H. u. K. Arndt, Ein „Chateau triangulaire“ d. M. P., in: Btrr. z. Kunstgesch., Festgabe f. H. R. Rosemann, 1960, S. 249-78;
    F. Cavarocchi, Artisti della Valle Intelvi e della Diocesi comense attivi in Baviera alla Luce di carte d'archivio del Ducato di Milano, in: Arte Lombarda X, 1965, S. 135-48;
    Klassizismus in Bayern, Schwaben u. Franken, Architekturzeichnungen 1775-1825, Ausst. d. Architekturslg. d. TU München u. d. Münchner Stadtmus. in Verbindung mit d. Zentralinst. f. Kunstgesch. u. d. Bayer. HStA, 1980;
    R. Fiedler, Der Residenzplatz in Eichstätt, Ein Btr. z. Qu.kritik, in: Sammelbl. d. Hist. Ver. Eichstätt, 1982, S. 179-210;
    P. Noll, M. P., der letzte Hofbaudir. d. Hochstifts Eichstätt, 1984 (L, Qu, W-Verz, Abb.);
    ThB.

  • Autor/in

    Petra Noll
  • Empfohlene Zitierweise

    Noll, Petra, "Pedetti, Mauritio" in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 157 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118739794.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA