Wolff, Julius

Lebensdaten
1836 – 1902
Geburtsort
Märkisch Friedland (Westpreußen)
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Chirurg ; Professor der Chirurgie und Orthopädie in Berlin ; Arzt
Konfession
keine Angabe
Normdaten
GND: 117441295 | OGND | VIAF: 790151
Namensvarianten

  • Wolff, Julius
  • Wolff, Iulius

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Zitierweise

Wolff, Julius, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117441295.html [06.02.2026].

CC0

  • Wolff, Julius

    | Chirurg, * 21.3.1836 Märkisch Friedland (Westpreußen), † 18.2.1902 Berlin, ⚰ Berlin-Weißensee, Jüdischer Friedhof. (jüdisch)

  • Genealogie

    V Bernhard Borchard (1798–1869), aus M. F., Inh. d. Kaufhauses „Fa. Borchard Wolff &
    Sohn“, Vizebgm. v. M. F., S d. Hirsch Hillel Aron (1764–1840) u. d. Caecilie Zirel Wolff (?) (um 1780–1842);
    M Sara Hoffstaedt (1800–1882), in Stargard (Pommern);
    Schw Friederike (1825–1900, Julius Joachimsthal, Kaufm. in Stargard);
    1869 Anna Sophie (1847–1925),|T d. Salomon Weigert (1813–1893), Inh. d. Fa. „Weigert &
    Co.“ in B., KR, u. d. Auguste Bruck (* 1817);
    4 K u. a. S Bruno (1870–1918), Gynäkol., Pathol. in B., T Toni (* 1872, Leopold Spiegel, 1865–1927, ao. Prof. d. Chemie in B., Stadtrat, 1920 Stadtältester v. Charlottenburg, s. Pogg. IV–VI; M. u. B. Engel, Chemie u. Chemiker in Berlin, 1992);
    E Hans (s. 2);
    N Georg Joachimsthal (1863–1914), orthopäd. Chirurg (s. NDB X);
    Schwager Max Otto Weigert (1842–1920), Dr. phil., Inh. d. Fa. „Weigert &
    Co.“, Stadtrat, 1910 Stadtältester in B.;
    N d. Ehefrau Helene Ottilie Weigert (1875–1969?, Richard Mühsam, 1872–1938, Dr. med., Prof. f. Chirurgie in B., s. R. Winau, Chirurgen in Berlin, 1983).

  • Biographie

    Nach dem Abitur am Gymnasium Zum Grauen Kloster in Berlin 1855 studierte W. Medizin an der Univ. Berlin. 1860 wurde er bei Bernhard v. Langenbeck (1810–87) mit der Arbeit|„De Artificiali Ossium Productione in Animalibus“, in der er physiologische und pathologische Veränderungen am Knochen experimentell erforschte, zum Dr. med. promoviert. 1868 für Chirurgie habilitiert, bot er an der Univ. Berlin chirurgische und orthopädische Vorlesungen an. 1884 wurde er zum Extraordinarius für Chirurgie ernannt. W.s finanzielle Grundlage bildete seit 1861 seine Tätigkeit als praktischer Arzt. 1882 gründete er eine chirurgische Privatklinik mit 47 Betten, in der er auch orthopädische Dienstleistungen anbot. 1889 begann W. auf eigene Kosten den ambulanten Teil seiner chirurgischen Privatklinik in ein chirurgisch-orthopädisches Ambulatorium für unbemittelte orthopädische Patienten umzubauen; 1890 wurde die Poliklinik für orthopädische Chirurgie als Provisorium eröffnet und 1894 in eine etatmäßige Einrichtung der Universität umgewandelt. Mit der 1901 erfolgten Aufnahme in den Charitéverbund als Kgl. Universitäts-Poliklinik für orthopädische Chirurgie wurde W. zu deren Direktor ernannt, wobei er sich nicht als Spezialist, sondern als Chirurg im weitesten Sinne verstand und auch Lippen-Kiefer-Gaumenspaltenkorrekturen und Strumektomien durchführte. Zu seinen Schülern zählen neben orthopädischen Chirurgen wie sein Neffe Georg Joachimsthal Chirurgen mit anderen Schwerpunkten, wie der plastische Chirurg Jacques Joseph (1865–1934).

    W. gehört zu den Wegbereitern der Orthopädie; 1892 faßte er seine Forschungsergebnisse in seinem Hauptwerk „Das Gesetz der Transformation der Knochen“ zusammen. Das in regem Austausch mit Wissenschaftlern wie dem Biologen Wilhelm Roux (1850–1924), dem Physiologen Emil Du Bois-Reymond (1818–1896), dem Anatomen Georg Hermann Meyer (1815–1892), dem Ingenieur Karl Culmann (1821–1881) und dem Professor für technische Mechanik Christian Otto Mohr (1835–1918) entstandene „Wolffsche Gesetz“ führte erstmalig die Mechanik und damit physikalische Faktoren in die Biologie und Physiologie des Knochens ein. Die formbestimmenden Kräfte, die über Jahrzehnte außerhalb des Knochensystems gesucht worden waren, verlegte W. in die Knochensubstanz. Dabei sah er die Gestalt der Knochen durch mechanische Gesetze bestimmt; bei Änderung der biomechanischen Bedingungen passe sich die innere Architektur des Knochens und die äußere Form den neuen Verhältnissen an. Die Entdeckung der Anpassungsfähigkeit des Knochens, generell der Gewebe und Organe im Organismus, betrachtete W. als Erweiterung der Darwinschen Evolutionslehre.

    Das „Wolffsche Gesetz“ ermöglichte es, die verschiedenen, bis dahin weitgehend unverbundenen therapeutischen Ansätze (wie Bandagistik, Chirurgie, Medikomechanik) unter einem systematischen Einheitsprinzip, dem der mechanischen Behandlung der Stellungsund Gestaltabweichungen des Skelettsystems, zusammenzufassen und somit Inhalt und Grenzen der sich herausbildenden Disziplin Orthopädie klar erkennbar zu machen. Eine konsekutive Schulenbildung setzte erst unter W.s Nachfolger Albert Hoffa (1859–1907) ein.

  • Auszeichnungen

    |E. K. (1864, 1866 u. 1870/71);
    Mitbegr. u. Vorstandsmitgl. d. Freien Vereinigung d. Chirurgen Berlins (1886);
    Mitgl. d. Leopoldina (1892);
    Geh. Med.rat (1899);
    Mitbegr. d. Dt. Ges. f. orthopäd. Chirurgie (1901);
    – J. W. Inst. f. Biomechanik u. Muskuloskeletale Regeneration d. Charité Berlin.

  • Werke

    Weitere W Die Osteoplastik in ihren Beziehungen z. Chirurgie u. Physiol., in: Archiv f. klin. Chirurgie 4, 1863, S. 183–296;
    Die Lehre v. d. functionellen Pathogenese d. Deformitäten, ebd. 53, 1896, S. 831–905;
    Ueber Knochenwachsthum, in: Berliner Klin. Wschr. 5, 1868, H. 6, S. 62–64, 76 f. u. 110–12;
    Ueber troph. Störungen b. primären Gelenkleiden, ebd. 20, 1883, S. 422, 439, 449;
    Ueber d. Ursachen u. d. Behandlung d. Deformitäten, ebd. 22, 1885, S. 161–66 u. 182–86;
    Über d. innere Architektur d. Knochen u. ihre Bedeutung f. d. Frage v. Knochenwachsthum, in: Virchows Archiv 50, 1870, H. 3, S. 389–453;
    Zur Lehre d. Fracturheilung, in: Dt. Zs. f. Chirurgie 2, 1873, H. 6, S. 546–51, Das Gesetz d. Transformation d. inneren Architektur d. Knochen b. pathol. Veränderung d. äusseren Knochenform, in: SB d. Preuß. Ak. d. Wiss., Physikal.-Math. Kl. 22, 1884, S. 475–96;
    Ueber d. Wechselbeziehung zw. d. Form u. d. Function d. einzelnen Gebilde d. Organismus, in: Verhh. d. Ges. dt. Naturforscher u. Ärzte 72, 1901, S. 82–114;
    Ursachen, Wesen u. Behandlung d. Klumpfusses, 1903.

  • Literatur

    |H. E. Fischer, Dt. med. Wschr. 28, 1902, S. 160;
    G. Bergmann u. G. Duda (Hg.), J. W., d. Gesetz d. Transformation d. Knochens, 1892, Nachdr. 2010 mit Nachworten v. K. Nick, J. H. Wolf u. L. Claes;
    D. Wessinghage, Hundert J. W.sches Transformationsgesetz, in: Würzburger med.hist. Mitt. 11, 1993, S. 27–43 (P);
    D. Schwarzmann-Schafhauser, Orthopädie im Wandel, d. Herausbildung v. Disziplin u. Berufsstand in Bund u. Ks.reich (1815–1914), 2004;
    BJ VII, S. 98 u. Tl.;
    BLÄ;
    Wininger.

  • Porträts

    |Photogrr. (Jüd. Mus. Frankfurt/M. u. J.-W.-Inst. d. Charité Berlin), Abb. in: D. Wessinghage (s. L), S. 31.

  • Autor/in

    Doris Schwarzmann-Schafhauser
  • Zitierweise

    Schwarzmann-Schafhauser, Doris, "Wolff, Julius" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 422-423 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117441295.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA