Lebensdaten
1830 bis 1911
Geburtsort
Bonn
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
klassischer Philologe
Konfession
-
Normdaten
GND: 117325279 | OGND | VIAF: 34531046
Namensvarianten
  • Vahlen, Johannes
  • Vahlen, Ioannes
  • Vahlen, Iohannes
  • mehr

Verknüpfungen

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Vahlen, Johannes, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117325279.html [10.08.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Dominikus Ignatius (1795–1871), aus Scherfede (Westfalen), Handwerksmeister in B., S d. Anton u. d. Anna Maria Thonemann;
    M Anna Fassbender (1799–1874);
    B Franz (s. 2);
    1) Breslau 1858/59 Sophie (* n. 1837), T d. Julius Ambrosch (1804–56), o. Prof. d. klass. Philol. u. Archäol. in Breslau, 1849/50 Rektor (s. NDB I; Biogr. Hdb. Frankfurter NV), 2) Breslau 1862 Amalie Ambrosch (1837–77), Schw d. Vorigen, 3) Wiesbaden 1883 Karoline (1831–1908, 1] Georg Heistermann v. Ziehlberg, 1823–76, aus Cottbus, RA in Stendal), aus Harburg b. Hamburg, T d. Carl Christian Ferdinand v. Nolting (1784–1856), hann. Hptm., u. d. Marianne v. der Wisch;
    1 T aus 1) (früh †), 4 S aus 2) (1 früh †) Alfred (1863–1944), Dr. phil., Hist., Oberbibl. an d. Staatsbibl. in Berlin (s. Lex. wiss. Bibliothekare I), Ernst (1865–1941, Gertrud, T d. Georg Cantor, 1845–1918, o. Prof. d. Math. in Halle, s. NDB III), Theodor (1869–1945, ⚭ Martha Elfriede v. Hausen, 1871–1952, T d. Max v. Hausen, 1832–1906, Kurator d. Univ. Greifswald), 1911–27 u. 1933 o. Prof. d. Math. in Greifswald, Rektor 1923, 1930–33 an d. TH Wien, 1934 in Berlin, Vertreter d. „Dt. Mathematik“, 1924–27 erster NSDAP-Gauleiter in Pommern, 1934–37 Leiter d. Amtes f. Wiss. im Min. f. Wiss., Erziehung u. Volksbildung, Min.dir., 1938–43 kommissar. Präs. d. Preuß. Ak. d. Wiss. (s. VfZ 49, 2001, S. 31–51; Biogr. Lex. NS-Wiss.pol.),|2 T aus 2) Hedwig (1865–96), Berta (1867–1920, Ernst Maaß, 1856–1929, o. Prof. d. klass. Philol. 1886 in Greifswald, 1895 in Marburg, s. NDB 15);
    Stief-T Christine v. Ziehlberg, pflegte V. in seinen letzten Lebensjahren;
    Ur-E Angelika (* 1946), Dr. phil., Archäol. in Halle/Saale.

  • Leben

    Nach dem Besuch des Bonner Gymnasiums studierte V. seit 1848 klassische Philologie und antike Philosophie in Bonn; seine prägenden Lehrer waren Friedrich Ritschl, Friedrich Gottlieb Welcker und Ludwig Schopen, daneben Christian August Brandis und Jacob Bernays. 1852 wurde er in Bonn mit einer Arbeit über die Annalen des Ennius zum Dr. phil. promoviert, legte anschließend die Lehramtsprüfung ab und absolvierte sein Probejahr am Bonner Gymnasium, wo er danach kurzzeitig als Lehrer wirkte. Bereits 1854 wurde er auf Vorschlag Ritschls mit der Gesamtausgabe der Fragmente des Ennius habilitiert. Nach kurzer Tätigkeit als Privatdozent und Hauslehrer folgte V. 1856 einem Ruf als ao. Professor nach Breslau, 1858 ging er als o. Professor der Klassischen Philologie nach Freiburg (Br.) und im folgenden Semester wechselte er an die Wiener Univ. (1873/74 Rektor). Von dort wurde er, obwohl Katholik, zum WS 1874/75 als Nachfolger von Moriz Haupt nach Berlin berufen (1886/87 Rektor).

    In Wien und Berlin entfaltete V. eine intensive und erfolgreiche Lehr- und Forschungstätigkeit und hatte fähige Schüler wie den späteren Unterrichtsminister Wilhelm v. Hartel in Wien sowie Otto Plasberg, Rudolf Helm, Emil Thomas und Wilhelm Heraeus in Berlin. Angeregt von Bernays und Ritschl, begründete V. im Rahmen der Wiener Akademie der Wissenschaften eine auf genauer handschriftlicher Grundlage beruhende Ausgabe kritisch berichtigter Texte der lat. Kirchenväter, das Corpus scriptorum ecclesiasticorum Latinorum (CSEL).

    V. war als Schüler Ritschls und entsprechend seiner Begabung ein Vertreter der Wortphilologie, der textphilologischen Forschung, deren Hauptanliegen darin bestand, literarische Texte der griech. und röm. Klassiker dem Verständnis zu erschließen. Seine Arbeiten zu Aristoteles und zu vielen anderen Autoren sind Glanzstücke der Interpretationskunst, die ganz auf die Erklärung und das Verstehen der zuvor einer kritischen Prüfung unterzogenen Texte ausgerichtet sind, die Eigenart des Schriftstellers herausarbeiten und vor übereiltem Konjizieren zurückschrecken. Damit leitete V. eine „Abwendung von der conjecturalen Fixigkeit zur hermeneutischen Richtigkeit“ (Wilamowitz) ein.

    Gleichwohl lehnte V. den universellen Charakter der von Friedrich August Wolf konzipierten Altertumswissenschaft, die alle Äußerungen des antiken Lebens in ihre Forschung einbezieht, nicht ab. Vielmehr sah er seine eigene Einseitigkeit dadurch gerechtfertigt, daß „die Wissenschaft (zwar) unermessliche Aufgaben stelle, der Mensch (aber) in seinem beschränkten Dasein seinem Forschen enge Grenzen setzen müsse.“ Für seine Vorlesungen edierte V. mehrere Texte, jeweils vorbereitet von eingehenden sprachlichen, stilistischen und interpretatorischen Untersuchungen, so die „Poetik“ des Aristoteles und Ciceros „De legibus“. Zu diesen beiden Schriften verglich V. selbst Handschriften und bereicherte den kritischen Apparat durch erklärende Anmerkungen und sprachliche Beobachtungen. In seiner Berliner Zeit schickte er 63 Semester hindurch den Vorlesungsverzeichnissen jeweils eine lat. Abhandlung (Prooemium) voraus, in denen er sprachliche und literarische Einzelprobleme der griech. und röm. Literatur behandelte (gesammelt in den Opuscula academica, 2 Bde., 1907–08). Die meisten seiner anderen Beiträge und Akademieabhandlungen, darunter ein Meisterstück wie die Erläuterung des Horazischen Säkulargedichts, sind in seinen „Gesammelte[n] philologische[n] Schriften“ (2 Bde., 1911–23) vereinigt. Zeitlebens befaßte sich V. mit der Sammlung der Fragmente des Ennius (1854), die er fast 50 Jahre nach seiner Dissertation in wesentlich erweiterter und verbesserter Form vorgelegt hat (1903). Diese ist bis heute nur teilweise ersetzt.

  • Auszeichnungen

    A Mitgl. d. Ak. d. Wiss. in Wien (korr. 1860, wirkl. 1862, korr. 1874, Sekr. d. phil.-hist. Kl. 1870), d. Preuß. Ak. d. Wiss. (o. 1874, Sekretar d. phil.-hist. Kl. 1893–1911), d. Göttinger Ges. d. Wiss. (korr. 1885, ausw. 1910) u. d. Bayer. Ak. d. Wiss. (korr. 1904); Ehrenmitg. d. Philol. Ges. in Budapest (1900); Pour le mérite f. Wiss. u. Künste (1908); Österr. Ehrenzeichen f. Kunst u. Wiss. (1910); – k. k. Reg.rat (1870); HR (1873); preuß. Geh. Reg.rat (1882); Dr. iur. h.c. Berlin (1902); – Kronenorden II. Kl. mit Stern; Roter Adlerorden IV. Kl. (1879), II. Kl. mit Eichenlaub u. mit Stern (1910).

  • Werke

    W u. a. Quaestiones Ennianae criticae, Diss. Bonn 1852;
    Ennianae poesis reliquiae, 1854, 21903, Nachdrr. 1928 u. 1967, hierzu Ioannis Vahleni Curae Ennianae ultimae in editionem alteram impensae, Edidit, adnotationibus instruxit, indices adiecit Aldo Lunelli (inedite postille di V. alla seconda edizione di Ennio), 1989;
    Naevi De bello Punico reliquiae, 1854;
    Ulpiani e libro regularum singulari excerpta, 1856;
    In M. Terentii Varronis Saturarum Menippearum reliquias coniectanea, 1858, Nachdr. 1974;
    Analectorum Nonianorum libri duo, 1859;
    Lorenzo Valla, Ein Vortr., 1864, 2 1870;

    Btrr. zu Aristoteles’ Poetik, 4 Hh., 1865–67, Neudr. besorgt v. H. Schöne, 1914, Mit e. Verz. d. Aristotelesarbb. V.s (S. VII–VIII), Nachdr. 1965; Aristoteles, De arte poetica. 1867, 21874, 3 1885, Nachdr. 1964; Laurentii Vallae Opuscula tria, 1869, erneut in: Laurentius Valla, Opera omnia, Con una premessa di Eugenio Garin, 2. Bd., 1962, S. 133–337; Cicero, De legibus, 1871, 2 1883; Aristotel. Aufss., 3 Hh., 1872–74, erneut in: Ges. philol. Schr. 1, S. 162–234; T. Macci Plauti Menaechmi, 1882; Über d. philol. Sinn, 1886; Über d. Säkulargedicht d. Horatius, SB Preuß. Ak. d. Wiss. 1891, S. 1005–21, erneut in: Ges. philol. Schr. 2, S. 369–87; Zur Erinnerung an Karl Lachmann, ebd. 1893, S. 615–23; Über d. Versschlüsse in d. Komödien d. Terentius, Abhh. d. Preuß. Ak. d. Wiss., 1900, erneut in: Ges. philol. Schr. 2, S. 537–98; Opuscula academica, 2 Bde., 1907–08, Nachdr. 1967 (W-Verz.); Ges. philol. Schr., 2 Bde., 1911–23, Nachdr. 1970 (W-Verz.); Hg.: C. Lucilii Saturarum ‹fragmenta› Carolus Lachmann emendavit, 1876; Karl Lachmann, Kleinere Schrr. z. class. Philol., 1876; Catulli Tibulli Properti carmina a Mauricio Hauptio recognita, 41879, 51885, 61904, 71912; Senecae Dialogorum libri duodecim, Ex recensione H. A. Koch. 1879; Q. Horatii Flacci Opera a Mauricio Hauptio recognita, 41881, 51908; Ps.-Longin, De sublimitate, Edidit Otto Jahn, 21887, 31905, 4 1910, Unveränd. Neudr. v. H.-D. Blume mit e. Conspectus librorum post a(nnum) 1910 editorum u. Indices verborum et nominum. 1967; Karl Lachmanns Briefe an Moriz Haupt, 1892; – WVerz. u. a.: O. Köhnke, Gesammtreg. über d. in d. Schrr. d. Ak. v. 1700 –1899 ersch. wiss. Abhh. u. Festreden, 1900, S. 271 f.; Nat. Union Catalog 627, 1979, S. 328–35; – Nachlaß: Staatsbibl. zu Berlin, Preuß. Kulturbes., Hss.abt.

  • Literatur

    L FS z. siebzigsten Geb.tag gewidmet v. seinen Schülern, 1900;
    E. Thomas, in: BJ 16, S. 236–47 u. Tl.;
    U. v. Wilamowitz-Moellendorff, in: SB Berliner Ak. d. Wiss. 1902, 2, S. 998–1000;
    ders., Gedächtnisrede auf J. V., ebd. 1912, S. 617–622, erneut in: ders., Kleine Schrr. VI, 1972, S. 53–58;
    ders., Erinnerungen, 1928, S. 173, 21929, S. 174;
    E. Hauler, in: Alm. Ak. d Wiss., Wien 63, 1913 (1914), S. 453–61;
    J. J. Hartmann, in: Mnemosyne N. S. 40, 1912, S. III f.;
    J. Székely, Emlékbeszéd J. V. fölött, in Egyetemes philologiai Közlöny 36, 1912, 2, S. 73–77;
    M. Dessoir, Buch d. Erinnerung, 1946, S. 185 f.;
    W. Unte, Berliner Klass. Philologen im 19. Jh., in: Berlin u. d. Antike, hg. v. W. Arenhövel u. Ch. Schreiber, 1979, S. 55 u. 63–67 (P), erneut in: ders., Heroen u. Epigonen, Gelehrtenbiogrr. d. klass. Altertumswiss. im 19. u. 20. Jh., 2003, S. 90–96 u. 485 (P);
    B. Biester u. St. E. Peck, The Purchase of the J. V. Library by the Univ. of Illinois in 1913 and the Role of William Abbott Oldfather, Unpublished Documents, in: Illinois Classical Studies 30, 2005 (2007), S. 213–28;
    Briefwechsel, Hermann Diels, Hermann Usener, Eduard Zeller, hg. v. D. Ehlers, 1992, passim;
    Wurzbach (W-Verz.);
    O. Wenig, Verz. d. Professoren u. Dozenten d. Rhein. Friedrich-Wilhelms-Univ. zu Bonn 1818–1968, 1968;
    Kosch, Lit.Lex. 3;
    eigene Archivstudien: StA Marburg;
    Univ.archive Wien, Freiburg (Br.) u. HU Berlin; – Mitt. v. Angelika Vahlen.

  • Portraits

    P Öl/Lwd. v. A. Hamacher, o. J., Abb. in: Gelehrtenbildnisse HU Berlin, S. 185; Büste v. A. Brütt (1911 in Privatbes.), Gipsabguß (Robertinum, Archäol. Mus. d. Martin-Luther-Univ., Halle/WittenbergSaale); Photogr., Abb. in: Die Rektoren d. HU zu Berlin, 1966, S. 118 f.; Photogrr., Abb. in: Orden Pour le mérite f. Wiss. u. Künste, Bd. 2, 1978, S. 227.

  • Autor/in

    Wilt Aden Schröder
  • Empfohlene Zitierweise

    Schröder, Wilt Aden, "Vahlen, Johannes" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2017), S. 687-689 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117325279.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA