Lebensdaten
1780 bis 1861
Geburtsort
Marburg/Lahn
Sterbeort
Göttingen
Beruf/Funktion
Mediziner
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 116655372 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Conradi, Johann Wilhelm Heinrich
  • Conrad, Johann Wilhelm Heinrich
  • Conradi, Ioannes G.
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Zitierweise

Conradi, Johann Wilhelm Heinrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116655372.html [12.12.2017].

CC0

  • Genealogie

    Altes Pfarrergeschlecht aus Schlitz in Oberhessen;
    V Joh. Ludw. (1730–85), Prof. der Rechte in Marburg (s. ADB IV), S des Joh. Ludw. (1702–73), praktischer Arzt in Marburg, u. der Elis. Marg. Clemens;
    M Anna Florentine ( 1835), T des Solmsschen Rentmeisters Phil. Seip in Hungen;
    1) Joh. Friederike Schreidt ( vor 1824) aus Hanau, 2) Göttingen 1824 Joh. Marie Ernestine (1799–1857), T des Prof. der Philos. Gottlob Ernst (Änesidem-) Schulze (1760–1833, s. ADB XXXII) u. der Isabella ( 1814), T des Pädagogen Joh. Gg. Heinr. Feder (1740–1821, s. ADB VI);
    5 S, 1 T aus 1), 2 S aus 2).

  • Leben

    C. erhielt ab Ostern 1797 seine medizinische Ausbildung in Marburg, wo er 1802 promovierte. 1803 wurde er zum außerordentlichen Professor und 1805 zum ordentlichen Professor ernannt. 1809 wurde ihm die Leitung der Poliklinik und 1812 diejenige der stationären Klinik übertragen. In derselben Eigenschaft siedelte er 1814 nach Heidelberg über, um sich hier besonders um die Einrichtung der medizinischen Klinik zu bemühen, über die er in der Schrift „Über das medizinisch-klinische Institut in dem akademischen Hospital zu Heidelberg“ eingehend berichtete. Eine 1818 erfolgte Berufung nach Bonn lehnte C. ab, folgte aber 1823 einem wiederholten Ruf nach Göttingen. Zunächst übernahm er dort das Direktorat der Poliklinik, bis er 1837 nach K. Himlys Tod die Leitung der stationären Klinik erhielt, die er 1853 anläßlich seines 50jährigen Professorenjubiläums niederlegte, ohne jedoch seine Lehrtätigkeit aufzugeben. C.s literarische Tätigkeit war umfangreich. Seine Lehrbücher über allgemeine und spezielle Pathologie und Therapie erfreuten sich großer Beliebtheit und erschienen in mehreren Auflagen. Unter seinen kleineren Schriften verdient besonders seine „Kritik der medizinischen Lehre des Dr. Broussais“ (1821) genannt zu werden, worin er als einer der ersten Ärzte Deutschlands gegen dessen einseitige Betrachtung der Gastro-Enteritis als Krankheitsursache wie auch gegen die übertriebene Anwendung des Aderlasses und der Blutegelbehandlung Stellung nahm. Eine ablehnende Haltung nahm er aber auch gegen den Erfinder der Auskultation Laennec ein, den er als oberflächlichen Schwätzer und unwissenden Renommisten bezeichnete. Im allgemeinen kann er aber als vorsichtiger Eklektiker gelten, der im Beginn der naturwissenschaftlichen Periode der Medizin stand.

  • Werke

    s. W. Engelmann, Bibl. medico-chirurgica et anatomico-physiologica, 1848, Suppl. 1868, S. 46.

  • Literatur

    ADB IV;
    F. Wöhler, in: Göttinger Gelehrte Nachrr., 1861, S. 60;
    E. Stübler, Gesch. d. med. Fak. d. Univ. Heidelberg, 1926, S. 239-42 (Lithogr. v. Altenrath nach Xeller [Univ.-Bibl. Heidelberg]);
    BLÄ II, 1930. - Zu V Joh. Ludw.:
    Strieder II, Göttingen 1782, S. 265.

  • Portraits

    Stich v. L. E. Grimm, Abb. in: M. Voit, Bildnisse Göttinger Professoren, 1937.

  • Autor

    Eberhard Stübler
  • Empfohlene Zitierweise

    Stübler, Eberhard, "Conradi, Johann Wilhelm Heinrich" in: Neue Deutsche Biographie 3 (1957), S. 340 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116655372.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Conradi: Johann Wilhelm Heinrich C., durch große Gelehrsamkeit ausgezeichneter Arzt und Kliniker, geb. zu Marburg, wo sein Vater, Johann Ludwig C. (s. o.) als Professor der Jurisprudenz wirkte, 17. Juni 1861. Auf dem Gymnasium zu Hanau vorgebildet, bezog er Ostern 1797 die Universität Marburg, wo er eifrig dem Studium der Medicin oblag. Am 13. Jan. 1802 auf Grund einer "Diss. de haemorrhoidibus" zum Dr. med. promovirt, habilitirte er sich Ostern desselben Jahres als Docent, wurde 1803 außerordentlicher und 1805 ordentlicher Professor, erhielt 1809 die Poliklinik und 1812 die Direction der stationären Klinik in dem unter seiner Leitung eingerichteten akademischen Krankenhause. Im Herbst 1814 folgte er einem Rufe als Professor der Medicin und Director der medicinischen Klinik nach Heidelberg, dessen Krankenhaus durch ihn wesentliche Verbesserungen erfuhr, wie Conradi's Berichte über dasselbe (1817 u. 1820) beweisen. In diese Zeit fällt die Glanzperiode seiner Thätigkeit, die ihm mehrfach Berufungen (nach Bonn, Berlin und Göttingen) zuzog, welche er, in einem angenehmen Kreise von Freunden und Collegen, wie Nägeli, Tiedemann, dessen Berufung nach Heidelberg besonders Conradi's Verdienst ist, Leonhard, Voß und Schlosser lebend, ablehnte, bis er 1823 einem wiederholten Rufe nach Göttingen folgte. In Göttingen leitete er zuerst ein poliklinisches Institut und übernahm dann nach Himly's Tode die Direction des akademischen Krankenhauses, die er erst 1853 bei Gelegenheit seines 50jährigen Professorjubiläums niederlegte. Conradi's Wirken als Arzt, Universitätslehrer und Kliniker fand die verdiente Anerkennung nicht nur bei seinen Schülern, denen er durch die treueste Pflichterfüllung ein leuchtendes Vorbild war, sondern auch bei den Regierungen, die ihm Titel (1812 Hofrath, 1819 Geh. Hofrath, 1852 Obermedicinalrath) und hohe Orden verliehen. Die philosophische Facultät zu Göttingen verlieh ihm 1853 die Doctorwürde honoris causa. Von seiner außerordentlichen Arbeitskraft zeugt die Menge wissenschaftlicher Abhandlungen über einzelne Krankheiten, von denen die meisten in den Abhandlungen der Göttinger Gesellschaft der Wissenschaft, der er angehörte, veröffentlicht sind, und welche er inmitten seiner bedeutenden ärztlichen Praxis verfaßte. Der Standpunkt, den er in ihnen wie in seinen klinischen Vorträgen einnimmt, ist der eines auf tiefes Studium der Litteratur, insbesondere der alten und reiche eigene Beobachtung sich stützenden Eklektikers. Als solchen finden wir ihn auch wiederholt im Kampfe gegen auftauchende Schulen, so des Broussais'schen Systems und später der naturhistorischen Schule, gegen welche er mehrere polemische, durch strenges Festhalten an der Sache sich auszeichnende Schriften richtete. Der von ihm verfaßte und 1812 herausgegebene zweibändige Katalog der Bibliothek Baldinger's, dessen Lieblings schüler er gewesen, zeigt die gründlichen historischen Kenntnisse Conradi's, und bildet einen werthvollen Beitrag zur medicinischen Litterärgeschichte. Am bekanntesten sind Conradi's Handbücher der von ihm vertretenen Disciplinen geworden, welche fast sämmtlich mehrmals aufgelegt wurden ("Einleitung in das Studium der Medicin". 3. Aufl. 1828. — "Handbuch der allgemeinen Pathologie". 6. Aufl. 1841. — "Handbuch der speciellen Pathologie". 4. Aufl. 1831. — "Handbuch der allgemeinen Therapie". 1833).

    • Literatur

      Schriftenverzeichniß in Engelmann, Biblioth. med. chir. Kurzer Nekrolog in Gött. Nachr. 1861 Nr. 20.

  • Autor

    T. Husemann.
  • Empfohlene Zitierweise

    Husemann, Theodor, "Conradi, Johann Wilhelm Heinrich" in: Allgemeine Deutsche Biographie 4 (1876), S. 445 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116655372.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA