Lebensdaten
1864 bis 1946
Geburtsort
Baden-Baden
Sterbeort
Villeneuve am Genfersee
Beruf/Funktion
Dichterin
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 116648910 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Forbes-Mosse, Irene Anna Maria Magdalena Gisela Gabriele
  • Flemming, Irene Gräfin von (geborene)
  • Flemming, Irene Anna Maria Magdalena Gisela Gabriele Gräfin von (geborene)

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Zitierweise

Forbes-Mosse, Irene, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd116648910.html [20.11.2017].

CC0

  • Genealogie

    V Albert Gf. v. Flemming (1813–84), auf Buckow, preuß. WGR u. Gesandter in Karlsruhe, S d. Karl (1783–1866), preuß. Reg.präs. in Erfurt (E d. Carl Gg. Frdr., 1767, kursächs. Min., s. NDB V), u. d. Wilhelmine Gfn. v. Hardenberg (N d. preuß. Staatskanzlers Karl Aug. Fürst v. H., 1822);
    M Armgart (1821–80), T d. Dichters Achim v. Arnim ( 1831, s. NDB I) u. d. Bettina Brentano ( 1859, s. NDB I);
    Om Herm. Grimm (1828–1901), Kunsthistoriker u. Goethe-Biograph;
    Schw Elisabeth (1861–1925, 1] Stephan Gans Edler Herr zu Putlitz, 1854–83, Prof. d. Staatswiss. in Halle, 2] Edmund v. Heyking, 1850–1915, dt. Gesandter in Mexiko);
    1) Berlin 1884 ( 1895) Roderich Gf. v. Oriola (1860–1911, kath., Vt), preuß. Rittmstr., 2) London 1896 John Forbes-Mosse ( 1904), engl. Oberst; kinderlos.

  • Leben

    F., die nur kurze Zeit eine öffentliche Schule besuchte, wuchs in Baden-Baden und Karlsruhe auf; die Sommermonate verbrachte sie häufig auf dem väterlichen Erbgut Bukow;|1880 unternahm der Vater mit ihr und der Schwester eine Italienreise. Nach ihrer Heirat lebte sie in Rathenow und Brüssel, nach der 2. Eheschließung in Florenz. Dort schloß sie Freundschaft mit der englischen Schriftstellerin Vernon Lee, deren „Genius loci“ sie 1905 ins Deutsche übertrug. Seit dem Tod ihres Mannes befand sie sich viel auf Reisen. Nach dem Ausbruch des 1. Weltkriegs nahm sie die deutsche Staatsangehörigkeit wieder an, obwohl sie dadurch ihr Besitztum verlor, widmete sich an verschiedenen Orten in Deutschland sozialen Hilfsdiensten und später ganz ihren dichterischen Arbeiten. Erst 1931 ließ sie sich mit ihrer Freundin Berthy Moser dauernd in einem Landhaus in Chexbres über dem Genfer See nieder, ohne Deutschland nach 1933 noch einmal zu betreten. – Erst spät begann F. mit literarischen Veröffentlichungen. Das Werk ihrer Lebensmitte ist gekennzeichnet durch seinen lyrischen Grundton, auch dort wo sie in Prosaskizzen, Tagebuchblättern und Märchenphantasien nach der Kunst der Erzählung strebte. In dieser Phase war das Familienerbe der Empfindsamkeit Sophie von La Roches und der Romantik der Arnims und Brentanos am stärksten in ihr wirksam. Aber immer schon bildete sie die übernommenen Motive ihrer persönlichen Eigenart gemäß weiter. Sie vertiefte den schmerzlichen und verzichtenden Zug in ihnen, zugleich aber trat an die Stelle des belehrenden Beispiels oder der ironischen Glanzlichter der verstehende, anerkennende, versöhnende Humor. Das Freibleiben von weltanschaulichem Pessimismus, Spätzeitmüdigkeit und Entwertung des Lebens unterschied sie von E. von Keyserling, H. Bang und J. P. Jacobsen, mit denen sie sonst in der Kunst der Nuancierung und der vom Assoziativen her bestimmten Seelendeutung viel Gemeinsames hatte. Nach 10jähriger, durch Krieg und Nachkrieg veranlaßter Unterbrechung veröffentlichte sie als 60jährige ihren ersten Roman (Gabriele Alweyden oder Geben und Nehmen, 1924, 21949). Wegen ihrer späten Meisterschaft und der Wendung zu einem Anteilnahme und Überlegenheit vereinenden Realismus ist sie mit Fontane verglichen worden. Doch hat sie sich nur noch einmal, in „Kathinka Plüsch“ (1929), zur größeren Form des Romans entschlossen, sonst gehörte ihr Alterswerk der immer reineren Ausbildung ihrer spezifischen Begabung für erzählerische Studien, bei denen die äußere Handlung nicht mehr ist als nur der Anlaß zum Ausspinnen der Erinnerung, zur Vergegenwärtigung des Atmosphärischen, zur Landschafts- und Seelenschilderung, zum Mitfühlen und Miterleiden menschlicher Einzelschicksale. Mit hoher Musikalität der Sprache verband sie die Fähigkeit zur Wiedergabe in sich geschlossener, individueller Charakterbilder. Darin, daß diese trotz ihrer Unverwechselbarkeit sich als ins Objektive transponierte Selbstporträts der Dichterin erweisen, liegt die Wahrhaftigkeit, aber auch die Begrenzung ihrer Menschengestaltung. Den Zeitthemen, die sie persönlich stark bewegten, verschloß sie sich als Dichterin. Ihre Kunst war ein Abschiednehmen von Unwiederbringlichem.

  • Werke

    Weitere W Gedichte: Mezzavoce, 1901;
    Peregrinas Sommerabende, 1904;
    Das Rosentor, 1905;
    Ausgew. alte u. neue Gedichte, 1926;
    Erzz.: Berberitzchen u. a. Erzz., 1910;
    Der kleine Tod, 1912;
    Die Leuchter d. Kgn., Phantasien, 1913;
    Laubstreu, 1923;
    Don Juans Töchter, 3 Novellen, 1928;
    Das werbende Herz, Novellen, 1934;
    Mitleid, Wie es d. Kinder erlebten, Laubstreu, in: Stimmen d. Völker, Meisternovellen d. Weltlit. 2, 1947, H. 6;
    Ferne Häuser, Erzz., mit Vorwort v. I. Seidel, 1953. – Hs. Nachlaß im Bes. v. Frau Berthy Moser, Chexbres sur Vevey (Schweiz), bestimmt f. Freies Dt. Hochstift Frankfurt a. M.

  • Literatur

    E. Metelmann, I. F.-M.-Bibliogr., in: Die schöne Lit. 28, H. 8, Aug. 1927;
    Ina Seidel, I. F.-M. als Erzählerin, ebd., S. 337 ff., u. in: I. Seidel, Dichtung, Volkstum u. Sprache, 1934, S. 92 ff.;
    dies., I. F.-M., Zum 70. Geburtstag d. Dichterin, in: Frankfurter Ztg. v. 5.8.1934;
    J. Frerking, Enkelin d. Romantik, Zur Erinnerung an I. F.-M., in: Die Zeit v. 13.11.1947;
    A. Siemsen, Ungedr. Vorrede zu „Ferne Häuser“ (Ms.);
    I. Zeggert, I. F.-M., Eine Spätgestalt d. dt. Romantik, Diss. Freiburg i. Br. 1955 (ungedr.);
    Kosch, Lit.-Lex.

  • Portraits

    Phot. in: Die Ausfahrt, Hauszs. d. dt. Verlags-Anst. Stuttgart, Herbst 1953, u. im Nachlaß.

  • Autor

    Adalbert Elschenbroich
  • Empfohlene Zitierweise

    Elschenbroich, Adalbert, "Forbes-Mosse, Irene" in: Neue Deutsche Biographie 5 (1961), S. 293 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd116648910.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

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