Lebensdaten
640 oder 650 bis 714
Sterbeort
Jupille/Maas
Beruf/Funktion
fränkischer Hausmeier
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 115612041 | OGND | VIAF: 264640203
Namensvarianten
  • Pippin II.
  • Pippin von Heristal
  • Pippin der Mittlere
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Zitierweise

Pippin der Mittlere, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd115612041.html [21.09.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Ansegisel ( nach 662), S d. Arnulf, Bf. v. Metz ( 640, s. NDB I);
    M Begga ( um 693), T d. Pippin d. Ä., Hausmeier ( 639/40, s. NDB 20);
    Om Grimoald. Hausmeier ( 662, s. NDB VII);
    1) Plektrud ( n. 717, s. NDB 20), 2) Chalpaida, 3) N. N.;
    2 S aus 1) Drogo, dux ( 708), Grimoald, Hausmeier ( 714), 1 S aus 2) Karl Martell, Hausmeier ( 741, s. NDB XI), 1 S aus 3) Childebrand, Gf. ( 751), Betreuer d. karoling. Hauschronik „Continuatio Fredegarii“.

  • Leben

    P. ging aus der bedeutsamen Verbindung von Arnulfingern und Pippiniden hervor, wuchs aber in einer Krisenzeit auf, als nach dem Sturz seines Oheims Grimoald (662) die Gegner der Familie in Austrasien die Oberhand hatten und sein Vater Ansegisel von einem gewissen Gundewin erschlagen wurde. Wesentlich für P.s Aufstieg scheint die um 670 anzusetzende Eheschließung mit Plektrud aus einem vermögenden Geschlecht des Eifel-Mosel-Raums gewesen zu sein, die zeitlebens an seiner Seite eine herausgehobene Stellung einnahm. Jedenfalls vermochte P. durch Blutrache an Gundewin seinem Hause neuen Respekt zu verschaffen und stand seit 675 zusammen mit dem dux Martin an der Spitze des austras. Widerstandes gegen den neustr. Hausmeier Ebroin. Aus einem verlorenen Gefecht unweit von Laon, bei dem Martin umkam, rettete er sich 679 nur durch Flucht, doch kam ihm zustatten, daß wenig später (680) auch Ebroin der Bluttat eines Neustriers anheim fiel. Der neue Hausmeier Waratto erkannte P.s Vormacht in Austrasien (ohne förmliches Amt) an, wurde aber 681/83 von seinem aggressiveren Sohn Gislemar verdrängt, der P. eine weitere Niederlage beibrachte, kurz darauf jedoch starb. Waratto setzte die versöhnliche Linie bis zu seinem Tod (686) fort, und erst danach gewann P. das Übergewicht, weil der Nachfolger Berchar, Warattos Schwiegersohn, mächtige Gegner im neustr. Adel hatte, die sich P. zuwandten.|So gelang ihm 687 bei Tertry an der Somme der epochemachende Sieg über Berchar und dessen Kg. Theuderich III., der im Bewußtsein der späteren Karolinger den Beginn der Vorherrschaft ihrer Familie im gesamten Frankenreich bezeichnete.

    Die unmittelbare Folge bestand darin, daß P. den machtlosen merowing. König in seine Gewalt brachte, aber dem bezwungenen Berchar das Amt des Hausmeiers beließ. Erst als dieser Ende 688 einem Anschlag zum Opfer gefallen war, verschaffte er sich auch förmlich den höchsten Rang nach dem König und verheiratete seinen Sohn Drogo mit Berchars Tochter Adaltrud, was die Verbindung mit einer mächtigen Adelssippe an der unteren Seine einbrachte. Selbst zog er es jedoch vor, sein Regiment vom heimischen Austrasien her zu führen, ohne dort das frühere Sonderkönigtum wiedererstehen zu lassen. Kennzeichnend für seine innere Politik wurde ein Geflecht persönlicher Bindungen, das vor allem den eigenen austras. Parteigängern dazu verhalf, weiträumig Machtpositionen aufzubauen, und zugleich die Führungsschichten Neustriens und Burgunds zu durchdringen versuchte. Dazu diente auch die Dezentralisierung der Familienherrschaft, sobald dazu die personellen Voraussetzungen bestanden. P.s ältester, nach Neustrien verheirateter Sohn Drogo, der schon um 690 als dux in der Champagne aufgetreten war, wird nach 697 als dux der Burgunder bezeugt, während der jüngere Grimoald um dieselbe Zeit sogar das Hausmeieramt des Vaters übernahm und nach Neustrien ging, wo er den unmittelbaren Zugang der anderen Großen zu den Merowingern weiter einengte. P. konnte sich daher nach 700 darauf beschränken, in der ganz informellen Stellung eines princeps Francorum seine persönliche Autorität einzusetzen, was den dynastischen Anspruch einschloß, die Macht unter seinen Nachkommen aufzuteilen.

    Auf P. geht auch das Bestreben der Karolinger zurück, ihre neu fundierte Zentralgewalt über den engeren Bereich der Francia hinaus bis an die äußeren Grenzen des Merowingerreiches auszudehnen, also sich die Machthaber der nicht-fränk, regna gleichfalls botmäßig zu machen, womit P. allerdings nur begrenzten Erfolg hatte. Weithin unbehelligt blieb das aquitan. Herzogtum im Süden Galliens, während P. rechtsrheinisch mehrere Feldzüge nach Alemannien (709–12) unternahm, Bayern jedoch noch verschonte. In Hessen, Thüringen und Mainfranken begnügte man sich mit dem anscheinend kampflosen Vordringen fränk. Siedlung unter dem Schutz regionaler Befehlshaber. Sachsen lag außerhalb von P.s Reichweite, aber alle Energie richtete er gegen die Friesen, die unter ihrem Hzg. Radbod über Rhein und Maas hinweg nach Süden vorgedrungen waren. P. bezwang sie in zwei Kriegszügen 690 und 695 und förderte gleichzeitig die Mission des Angelsachsen Willibrord (658–739) in ihrem Gebiet, was nach 700 zur Einrichtung eines neuen Bischofssitzes in Utrecht und zur Heirat des Hausmeiers Grimoald mit einer Tochter Radbods führte. Als rückwärtige Stütze des Friesenmissionars diente die von Plektruds Familie getragene Klostergründung in Echternach (um 698), die P. gemeinsam mit seiner Gattin Willibrord unter Loyalitätsvorbehalt übertrug.

    Nach dem frühen Tod des Sohnes Drogo (708) setzte P. seine Hoffnungen auf Grimoald und hielt auch nach dessen Ermordung (April 714) in seinen letzten Monaten am Erbvorrang von Plektruds Deszendenz fest, indem er Grimoalds jugendlichen Sohn Theudoald zum Hausmeier aufrücken ließ. Das war gegen den eigenen, einer Nebenehe entstammenden Sohn Karl Martell gerichtet und begründete einen dynastischen Zwiespalt, der bald nach P.s Tod die von ihm begründete gesamtfränk. Suprematie der Familie in eine existenzbedrohende Krise stürzen sollte.

  • Quellen

    Qu Fünf echte, vier gefälschte Urkk. sowie 20 Deperdita P.s in Edition v. I. Heidrich (Univ. Bonn) seit 1998 im Internet.

  • Literatur

    ADB 26;
    E. Hlawitschka, Die Vorfahren Karls d. Gr., in: W. Braunfels (Hg.), Karl d. Gr., Lebenswerk u. Nachleben I, 1965, S. 51-82;
    M. Werner, Der Lütticher Raum in frühkaroling. Zeit, 1980;
    R. Schieffer, Die Karolinger, 1992, 21997, S. 22-33;
    1. Heidrich, Die Urkk. P.s u. Karl Martells, in: J. Jarnut u. a. (Hg.), Karl Martell in seiner Zeit, 1994, S. 23-33;
    B. Kasten, Königssöhne u. Königsherrschaft, 1997;
    Lex. MA;
    LThK3.

  • Autor/in

    Rudolf Schieffer
  • Empfohlene Zitierweise

    Schieffer, Rudolf, "Pippin der Mittlere" in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 468-469 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd115612041.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Pippin der Mittlere, nach später und irriger Quelle öfters „von Heristal“ genannt, der Wiederhersteller der Pippinidenmacht und der fränkischen Reichseinheit und insofern der rechte Erbe des Werkes von Chlodwig I. Er ist ein Sohn des Ansgisel und einer Tochter Pippins des Aelteren, also aus der Verschmelzung der Arnulfingischen und Pippinischen Familie hervorgegangen und selbst der Stammvater der Karolingischen. Zur Feststellung seines Geburtsjahres fehlen sichere Anhaltspunkte. Angaben über seine Jugenderlebnisse sind sagenhaft. Geschichtlich tritt er erst 680 in dem heißen Ringen Austrasiens und Neustriens um die Vorherrschaft hervor Da zieht er und Martin, beides Häupter der vornehmsten Familien Austrasiens und Führer der nach der Unabhängigkeit ihres Landes strebenden Partei gegen den neustrischen Majordomus Ebroin, der durch seine Schreckensherrschaft im Namen des Königs den inneren und äußeren Zerfall des Frankenreichs eher beförderte, als hinderte. Der blutige Kampf bei Lucofago (Bois du Fays?) in der Nähe von Laon endete mit ihrer Niederlage und mit Martins Tod. Der gerettete P. aber behauptete seine Stellung in der Heimath. Nach Ebroins Tode, der wilde Verwirrung in den Herrschaftsverhältnissen Neustriens herbeiführte, suchten die Gegner des Gemordeten Zuflucht bei P. Er schließt aber mit Ebroins Nachfolger Waratto Frieden, stellt Geiseln und erkennt Theuderich III. als seinen Herrn an. Bei dem weiteren Parteikampfe zwischen Waratto und seinem Sohne Gislemar hält er dem ersteren die Treue und nimmt Partei gegen den letzteren; doch unterlagen seine Austrasier dem Verrathe desselben. Mehr Erfolg hatte er, als der unfähige und mißachtete Schwiegersohn Warattos Bertharius nach dem Tode des Schwagers in den Besitz des Hausmeieramtes gelangte und er nun, dem Rufe der Gegenpartei folgend, den austrischen Heerbann gegen Theuderich und Bertharius führte. Bei Testri (Tertri? am Omignon, Departement Somme, Arrondissement Peronne), in der Nähe von St. Quentin gewann er (687) einen durch die Spaltung der Neustrier vielleicht erleichterten, jedenfalls glänzenden Sieg, nach dem er unter Gefangennehmung Theuderichs und Besitznahme seiner Schätze nach Austrasien zurückkehrte. Durch diesen Sieg war die Einheit des Frankenreichs wiederhergestellt, die Machtstellung desselben angebahnt, seine Geschicke auf Jahrhunderte hinaus mit denen der karolingischen Familie verknüpft, die dadurch den Grundstein zu ihrer späteren Größe legte. Zur Kraft gesellte P. aber auch politische Klugheit und Mäßigung, das Erbtheil seines mütterlichen Großvaters; denn noch ließ er trotz des Sieges Bertharius in seiner Würde. Nach dessen Tode aber wurde er Majordomus und Fürst des Gesammtreichs und befestigte seine Macht durch Verschmelzung seiner Familie mit der des Neustriers Waratto. Er gewann Ansfled, die Gemahlin desselben für sein Interesse und ihre Zustimmung dafür, daß sein Sohn Drogo|sich mit ihrer Tochter vermählte. Vorläufig ließ er einen seiner Vertrauten als seinen Vertreter in Neustrien zurück, machte später seinen Sohn Grimoald, der vielleicht auch Graf von Paris war, zum Statthalter, und seinen Sohn Drogo zum Herzog von Champagne. In Austrien schaltete er selbst als Herzog. So behandelte er das Frankenreich wie ein Erbgut seiner Familie. Das spätere Königthum kündigt sich bereits an. In den Fehler des älteren Grimoald zu verfallen, hinderte ihn seine politische Vorsicht. Auch in kriegerischer und kirchlicher Beziehung ist er der Vorläufer der späteren Karolinger. Er nimmt den Kampf gegen die feindlichen Grenzvölker und gegen aufständische Herzöge auf, erweitert das Reich und breitet das Christenthum unter den germanischen Stämmen aus, indem er die Glaubensboten unterstützt. So siegt er (689?) über den Friesenfürsten Ratbod bei Wyk-te-Duerstede, südöstlich von Utrecht, gewinnt wahrscheinlich einen Theil seines Landes und befestigt den abgeschlossenen Frieden durch die Vermählung seines Sohnes Grimoald mit Teutsinda, der Tochter Ratbods. Die dem Reichsverbande sich entziehenden Alemannen bekämpft er wiederholt zwischen 709 und 712. In die neu gewonnenen Gebiete sendet er Willibrord als Missionar; auf seinen Antrieb wird dieser vom Papst Sergius zum Bischof für Friesland geweiht, vielleicht in dem Bischofssitz Utrecht. Auch macht er denselben Mann zum Abt seines Stiftes Echternach am Flüßchen Sauer, stattet diesen eigentlichen Mittelpunkt von Willibrords Missionsthätigkeit mit vielen Besitzungen aus, ebenso wie er den heiligen Suidbert, den Bekehrer der Gegend um die mittlere Ems, mit Kaiserswerth beschenkt. Endlich begabt er auch die Grabkirche seines Großvaters zu Metz, die Klöster St. Wandrille, St. Trond u. a. Stifter reichlich. Seine letzten Lebensjahre sind getrübt. Der Tod tritt seinen politischen Plänen hindernd in den Weg. Sein Sohn Drogo erliegt 708 dem Fieber. Grimoald wird bei einem Besuch des todkranken Vaters in Jüpille an der Maas von einem rachsüchtigen Friesen ermordet. Sterbend versucht P. die Erblichkeit der Majordomuswürde durch Einsetzung seines unmündigen Enkels Theudoald als Hausmeier unter Vormundschaft seiner Großen und seiner Gemahlin Plektrud in seiner Familie zu begründen, ruft aber durch diesen Widerspruch gegen den Begriff des Amtes nur den Widerstand der Neustrier und den Kampf in seiner eigenen Familie mit seinem dritten Sohne Karl von seiner Nebengemahlin Alpheida hervor und stellt dadurch sein eigenes Lebenswerk in Frage. Glücklicherweise erlebt er diese Wirren nicht mehr, freilich auch nicht mehr die glänzende Entfaltung des Reiches durch Karl, auf den die Heldenkraft der Familie übergegangen ist; denn er erliegt am 16. Dec. 714 zu Jüpille langer Krankheit nach 27jähriger Leitung des Gesammtreichs.

    • Literatur

      Vgl. Bonnell l. c. (bei Pippin dem Aelteren), S. 118—133. — Richter l. c., 179—183. —
      Mühlbacher, S. 4—11. —
      Waitz l. c., 702 ff. und III, 7 ff. (2. Aufl.). — Ranke l. c. V, 2, 267 ff.

  • Autor/in

    H. Hahn.
  • Empfohlene Zitierweise

    Hahn, H., "Pippin der Mittlere" in: Allgemeine Deutsche Biographie 26 (1888), S. 154-155 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd115612041.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA