Lebensdaten
1546 oder 1547 bis 1621
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
österreichischer Staatsmann ; Reichshofrat ; Kunstmäzen
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 115540040 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Trauthson, Paul Sixt Graf von
  • Trautzen, Paul Sixt Graf von
  • Trautson von Falkenstein, Paul Sixt
  • mehr

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Zitierweise

Trautson, Paul Sixt Graf von (seit 1598), Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd115540040.html [22.02.2020].

CC0

  • Genealogie

    Aus vorwiegend tirol. Ministerialenfam., die spätestens seit etwa 1190 nachweisbar ist u. 1541 in d. Freiherrenstand erhoben wurde; V Hans (Johann) (II) (um 1507–89), zuletzt Geh. Rat Ks. Rudolfs II. (s. ADB 38), S d. Hans (Johann) ( 1531), Erbmarschall v. Tirol, u. d. Maria Sigwein auf Bidenegg ( 1544); M Brigida (Brigitta) Maria Susanna (1501–76), T d. Giangaudenzio Madruzzo (1486–1550), Hofmeister d. Söhne Kg. Ferdinands I., u. d. Eufemia v. Sporemberg ( 1557); Tante-v Eleonora ( 1566), Obersthofmeisterin d. Ehzgn. Eleonora; Om Kard. Cristoforo Madruzzo, Bf. v. Trient (1512–78, s. NDB III); 5 Geschw (3 früh †), B Balthasar (um 1535–94, ⚭ Susanna Fugger, Gfn. v. Kirchberg u. Weissenhorn, 1539–88, T d. Anton Fugger, Gf. v. Kirchberg u. Weissenhorn, 1493–1560, Reichsgf. 1526, Handelsherr, s. NDB V), Hofmeister d. Ksn. witwe Maria, Hptm. v. Rovereto u. Castel Pietra, Hans (n. 1535–66), ksl. Truchseß; – 1) 1573 Anna (1542–90), T d. Ulrich Frhr. v. Eitzing auf Kaja (1499–v. 1573), u. d. Scholastica Freifrau v. Katzian ( n. 1573), 2) 1591 Anna ( 1604, 1] Georg IV. Gf. v. Montfort-Bregenz-Peckach-Tettnang, 1590, s. NDB 18, Fam.art.), T d. Mikuláš Popel z Lobkovic (um 1528–88), ksl. Rat, Hptm. d. Prager Altstadt, u. d. Agnes Gfn. v. Gutštejn (Guttenstein) ( 1581), 3) 1604 Susanna Veronika (um 1580–1648), Obersthofmeisterin d. Kinder Kg. Ferdinands III., T d. Ferdinand Helfried Frhr. v. Meggau (um 1539–85), Landeshptm. v. Österr. ob der Enns, u. d. Susanna Veronika Freifrau v. Harrach (1558–1617); 4 K aus 1) (3 früh †) S Maximilian ( 1599?), 1591 am Clementinum in Prag, Kämmerer Ks. Rudolfs II., 1 K aus 2) (früh †), 4 K aus 3) (2 früh †) S Johann Franz (1609–63, 1] Maximiliana Walburga Reichsgfn. zu Hohenzollern-Hechingen, 1639, 2] Christina Elisabeth Reichsgfn. zu Mansfeld-Bornstedt, 1621–48, 3] Maria Margareta Freifrau v. Rappach, 1620/21–1705), Mitschüler d. späteren Ks. Ferdinand III., Rr. d. Ordens v. Goldenen Vlies, ksl. Geh. Rat, Landmarschall u. Statthalter v. Niederösterr., T Maria Elisabeth (1605–79, Johann Rudolf v. Puchheim-Göllersdorf, 1600–51, Oberstkämmerer Ks. Ferdinands III.); Vt Ludovico Frhr. v. Madruzzo, Kard., Bf. v. Trient (1532–1600, s. Gatz III); N Anton ( 1609, ⚭ Maria Villinger, Freifrau zu Schönberg, * 1570, aus Augsburg), Oberstkämmerer Ehzg. Maximilians III., Ferdinand, 1598/99–1604 Reichshofrat.

  • Leben

    T. wuchs v. a. in Wien und Prag, im Umfeld des ksl. Hofes auf, wobei ihm sein Vater, ein langjähriger enger Vertrauter Ks. Ferdinands I. und seiner beiden Nachfolger, den Weg in höchste Ämter ebnete. Laut Franz Christoph Khevenhüller (1588–1650) genoß T. eine sehr sorgfältige Ausbildung, auch in Fremdsprachen. Als Edelknabe am Hof Ferdinands war T. ein (älterer) Jugendgefährte seines späteren Dienstherren, Ks. Rudolfs II. Seit 1562 diente er Ks. Maximilian II. Offenbar in rascher Folge übte er Hofämter als Truchseß, Panetier, Vorschneider und Mundschenk aus. Beim Tod Maximilians 1576 auf dem Regensburger Reichstag war er Kämmerer Kg. Rudolfs. Dieser berief T. noch im Dez. in den Reichshofrat, dessen Vizepräsident und 1582–94 Präsident er war. T. war der letzte, der dieses Amt nicht nur repräsentierte, sondern auch mit Arbeitsleistung ausfüllte (Ehrenpreis). Bereits 1581 wird er als Oberststäbelmeister, Verwalter des Obersthofmarschallamtes und fallweise als Geheimer Rat genannt. Als solcher fungierte er auch auf dem Augsburger Reichstag 1582. Aufgrund der Ämterkumulation hatte er schon in den 1580er Jahren, noch zu Lebzeiten seines Vaters, wesentlichen Einfluß auf den ksl. Hof und dessen Geschäfte, später v. a. zusammen mit dem Oberstkämmerer und -hofmeister, dem älteren Wolf Rumpf (1535/36–1605).

    Im Sept. 1600 wurde T. mit Rumpf überraschend entlassen und zog sich auf seine Güter zunächst in Mähren, dann in Niederösterreich und Wien zurück. Wahrscheinlich waren die Klärung der dynastischen Sukzessionsfrage zusammen mit den jüngeren Brüdern Rudolfs und eine zu spanienfreundliche Politik hierfür ausschlaggebend. T. näherte sich in der Folge Ehzg. Matthias, als dessen vermittelnder Rat er auf dem Regensburger Reichstag 1603 erschien. Am Friedensschluß von Wien 1606 mit Stefan Bocskai, einem Verbündeten der Osmanen, sowie an späteren Vergleichsverhandlungen zwischen Rudolf und Matthias war er maßgeblich beteiligt. 1609 ist T. als Direktor des Geheimen Rats des Ehzg. Matthias erwähnt; dieser ernannte ihn im selben Jahr zum Statthalter Österreichs ob und unter der Enns; dieses Amt behielt er lebenslang, also auch noch unter Ferdinand II. Nach 1612 zog er sich zugunsten von Melchior Klesl (1552–1630) zurück. Als die Erzherzöge Maximilian und Ferdinand Kard. Klesl 1618 gefangensetzten, ernannte Matthias erneut T. zum Direktor des Geheimen Rats, was er auch unter Ferdinand blieb.

    Aufgrund seiner Heiraten eng mit dem österr. und böhm. Adel verbunden, erhielt T. 1583 auch das böhm. und 1609 das ungar. Indigenat. Sein teils vom Vater erworbener Besitz umfaßte v. a. die Herrschaften Falkenstein, Poysbrunn, Laa an der Thaya, Kaja und St. Pölten sowie Häuser in Wien und Prag. Rudolf II. erhob die Familie 1598/99 in den Reichsgrafenstand. 1615 erhielt er das Münzrecht; Ferdinand II. übertrug ihm 1620 das Amt des niederösterr. Erbhofmeisters, welches zuvor die Roggendorf inngehabt hatten.

    Obwohl T., wie seine Familie, altgläubig blieb, protegierte er den ref. Hugo Blotius (1533– 1608) als Hofbibliothekar sowie den luth. Reichspfennigmeister Zacharias Geizkofler (1560–1617). Seit seiner Jugend sammelte T. Bücher, Kunst und Reliquien. Hierdurch und wohl auch durch seine astronomischen Interessen paßte er sich Ks. Rudolf an. Der Wiener Arzt und Hofmathematiker Wilhelm Rechperger ( 1657) widmete ihm 1611 eine Publikation zum Astrolabium. Der Bankettsaal von T.s Prager Haus war 1600 mit über 400 Porträts der großen Männer seines Jahrhunderts ausgestattet. T. erwarb in großem Stil Kunstobjekte, neben Gemälden und Skulpturen auch antike Münzen und Raritäten wie „Indianische Sachen“ sowie Abgüsse von Tieren. Die Schlösser Falkenstein und Poysbrunn ließ er erheblich erweitern. In der Wiener Michaelerkirche, der nunmehrigen Familiengrabstätte, ließ er den Apostelaltar neu ausstatten. Ehzg. Maximilian III. schenkte T. 1614 seine lebensgroße, von Caspar Gras (1585–1674) bossierte Porträtfigur. T.s gleichnamiger Enkel ließ diese Statue 1663 in das triumphpfortenartige Familienmonument in der Michaelerkirche einbauen.

    T. gestaltete meist kontinuierlich und wesentlich die ksl. Politik mit, wobei er in einem Zeitalter religiöser Polarisierung, auch aus familiärem und humanistischem Interesse, einen eher pragmatischen Ausgleich in der Konfessionspolitik suchte. Bemerkenswert ist, daß T. sich im Alter mit orientalischer Kopftracht darstellen ließ.

  • Auszeichnungen

    A Rr. d. Ordens v. Goldenen Vlies (1612).

  • Quellen

    Qu Tiroler Landesarchiv Innsbruck, Trautson-Archiv; Staatl. Gebietsarchiv Litoměřice, Zweigstelle|Žitenice, Fam.archiv Lobkovic; Österr. Nat.bibl., Slg. v. Hss. u. alten Drucken; Tiroler Landesmus. Ferdinandeum, Dipauliana 1117, fol. 536 r–v (lat. Gedicht d. Zacharias Geizkofler an T.); – gedr.: G. Rechperger, Astrolabium eiusque usus tam astronomicus, quam geometricus, brevibus, dilucidis ac facilibus regulis explicatus, 1611 (mit Widmung u. zwei Gedichten an T.); F. Ch. Khevenhüller, Annales Ferdinandei, T. 1, 1721, Sp. 189 u. 229; ders., Annales Ferdinandei, Conterfet, T. 2, 1721, S. (65–67); (A. Emmert), Die Fürsten v. T., in: Alm. f. Gesch., Kunst u. Lit. v. Tirol u. Vorarlberg 1, 1836, S. 172–200; (J.) Chmel, Die Rgt.räthe d. Nieder-Oesterr. Rgt., in: Notizenbl., Beil. z. Archiv f. Kunde österr. Gesch.quellen 1, 1851, S. 228–51 u. 263–68, v. a. S. 243 f.; J. Fiedler (Hg.), Die Relationen d. Botschafter Venedigs über Dtld. u. Österr. im 17. Jh., 1, 1866, S. 21; Anzeiger f. Kunde d. dt. Vorzeit 22, 1875, Sp. 341–44 u. 374; J. Rainer, Der Prozeß gegen Kard. Klesl, in: Röm. Hist. Mitt. 5, 1961/62, S. 35–163, v. a. S. 88; M.Truc (Hg.), Album Academiae Pragensis Societatis Iesu 1573–1617, 1968, S. 15; R. Schober, Die Urkk. d. T.-Auersperg-Archivs, 1996; J. Hausenblasová (Hg.), Seznamy dvořanu ˚ císaře Rudolfa II. z let 1580, 1584 a 1589, in: Paginae Historiae 4, 1996, S. 39–151.

  • Literatur

    L ADB 38; A. Starzer, Btrr. z. Gesch. d. niederösterr. Statthalterei, 1897 (P); R. J. W. Evans, Rudolf II., 1980, bes. S. 54; F.-G. Pariset, Pierre Bergeron à Prague, in: Relations artistiques, Études dediées a Suzanne Sulzberger, 1980, S. 185–98; I. Unterpertinger, Notizen zu Balthasar (II.) T., in: Tiroler Heimat 57, 1993, S. 115–25; F. Stubenvoll, Poysbrunn, 2 Bde., 1994 (masch.) (P) (Bibl. d. Niederösterr. Landesarchivs); F. Hadriga, Die T., Paladine Habsburgs, 1996 (P); K. Keller, Hofdamen, 2005; H. Noflatscher, Monarch. Willkür? Zur Demission d. Wolf Rumpf u. P. S. T. am Hof Ks. Rudolfs II. (1600), in: Tirol, Österr., Italien, FS f. Josef Riedmann, hg. v. Kl. Brandstätter u. J. Hörmann, 2005, S. 493–516 (Qu, L); I. Schemper-Sparholz, GrabDenkmäler d. Frühen Neuzeit, in: Macht u. Memoria, hg. v. M. Hengerer, 2005, S. 347–80; St. Ehrenpreis, Ksl. Ger.barkeit u. Konfessionskonflikt, 2006; M. Haberer, Ohnmacht u. Chance, 2011; Wurzbach.

    P-Verz. J. Bergmann, Medaillen auf berühmte u. ausgezeichnete Männer d. Oesterr. Ks.staates, Bd. 2, 1857, S. 227–31; Starzer, 1897 (s. L), S. 213 f. u. 409 f.; Stubenvoll, Bd. 2, 1994 (s. L), S. 677, 702 f. u. 705; – Kupf., n. 1609 (Österr. Nat.bibl., Porträtslg.).

  • Autor/in

    Heinz Noflatscher
  • Empfohlene Zitierweise

    Noflatscher, Heinz, "Trautson, Paul Sixt Graf von" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2016), S. 374-376 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd115540040.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Trautson: Paul Sixt Freiherr und erster Graf v. T., geb. um 1550, am 30. Juli 1621, österreichischer Staatsmann. Als Sprößling eines einflußreichen Vaters (Johann II. s. o.) konnte es ihm an Gunst des Hofes und raschem Emporkommen nicht fehlen. Schon Ende 1576 erscheint er unter den Hofräthen Kaiser Rudolf's II. und zwei Jahre später bezeugen Urkunden die an ihm geübte kaiserliche Freigebigkeit. Bereits acht Jahre vor dem Ableben seines Vaters ( 1589) — 1581 — kennen wir ihn als Geheimrath und 1582—1594 als Reichshofrathspräsidenten, dessen kostspielige Tafeleien zur Zeit der in Regensburg abgehaltenen Reichstage bewiesen, daß er auf anderem Fuße als sein sparsamer Vater zu leben bedacht war, allerdings auf kaiserliche Kosten. Ueberdies bekleidete er das Amt eines Obersthofmarschalls, wie wir dies dem von Khevenhüller z. J. 1589 berichteten Rangstreit zwischen T. und dem Oberststallmeister Claudio Ritter v. Triulzi entnehmen, welcher mit der Entscheidung ausgetragen wurde, daß der Oberststallmeister nur im Felde vorangehe, sonst aber stets nachstünde. Nach dem Ableben seines Vaters rückte T. in seine Vertrauensstellung bei der Krone vor. Er und Wolfgang Sigmund Freiherr v. Rumpf (s. A. D. B. XXIX, 668—9) wurden die eigentlichen Minister Kaiser Rudolf's II., und zwar Rumpf als Oberstkämmerer und Verweser des Obersthofmeisteramtes an erster, T. als Obersthofmarschall an zweiter Stelle. 1594 hatten sie besonders für die Türkenhülfe der Reichsstände sich als Vertrauenspersonen des Kaisers einzusetzen. Daß T. die Gunst des Kaisers genoß, bezeugt die am 1. Februar 1598 von Rudolf II. vollzogene Erhebung der Hauptherrschaft Falkenstein zu einer freien Grafschaft und die Rangerhöhung seines Günstlings und der ganzen Familie, die nunmehr dem Grafenstande angehörten. Auch brachte T. die von Passau längst getrennte, landesfürstlich gewordene Herrschaft St. Pölten an sich, die er seit 1610 freierblich machte. — Bald aber mußte er (1600) den Sturz seines Amtsgenossen Rumpf theilen, der allerdings schon seit 1596 Anzeichen der krankhaften Uebellaunigkeit des kaiserlichen Sonderlings zu verspüren Gelegenheit hatte, schon im April 1599 um die Entlassung einkam und auch die Enthebung vom Oberstkämmereramte erhielt. Solche Anzeichen der Ungnade scheinen bei T. auch damals noch nicht vorhanden gewesen zu sein. Die Krise, welche ziemlich gleichzeitig (1600) beide ereilte, hing jedenfalls mit dem vom Gesandten Spaniens, San Clemente, im geheimen Auftrage seines Herrn verfolgten Plane zusammen, den gemüthskranken, regierungsunfähigen Kaiser zur Thronentsagung zu bewegen, einem Plane, dem auch der Papst hold war, und den vor allen die Erzherzöge, Rudolf's II. Brüder, voran Mathias und Maximilian III., zu verwirklichen strebten. Der Kaiser argwöhnte, daß Rumpf und T. dem Complotte nahe stünden. So erhielt er am 26. September und gleich darauf auch|T. die Entlassung. Deßungeachtet scheint dann wieder der in seinen Ansichten und Launen unberechenbare Herrscher diesen Schritt bereut zu haben, denn er zog sie später in der einen und andern Angelegenheit zu Rathe. Ja, als T. nach dem Ableben (1590) seiner ersten Frau, Anna, Tochter Ulrich's II., Freiherrn v. Eitzing, deren erstes Kind, einen Sohn, Kaiser Maximilian II. (1575) durch seinen Stellvertreter aus der Taufe heben ließ, und nach dem Tode der zweiten, kinderlosen, Gattin, Anna Poppelin, Freiin v. Lobkowitz, T. 1604 (30. April) zu seiner dritten Ehe mit Susanna Veronica Freiin v. Meggau schritt, erschien sein Freund Rumpf, Freiherr v. Weitra, als Sendbote Kaiser Rudolf's II. und überbrachte dem Hochzeitspaare ein Kleinod des Kaisers. Rumpf starb 1606, T. erlebte aber noch die Kaiserzeit Mathias' und Ferdinand's II. und gewann eine neue Vertrauungsstellung bei Hofe. Rudolf II., 1606 bereits von seinem Bruder Mathias und der protestantischen Ständeschaft Ungarns, Oesterreichs und Mährens zur allmählichen Entthronung ausersehen und zur Friedensnegotiation mit dem ungarischen Aufstande gezwungen, sah nun in T. einen Parteigänger seines Bruders. „Item Klesl, Rumpf und Trautson sein an all J. Mt. Unglick schuldig“ heißt es in einem „Zettel“ an den bairischen Hof aus Prag vom 8. September 1606, anläßlich der österreichischen Protestantenfrage. Jedenfalls war T. längst schon eine Vertrauensperson Erzherzog Mathias'. Denn als dieser im Februar 1603 an den deutschen Reichstag als Vertreter seines kaiserlichen Bruders abgegangen war, folgte ihm Mitte März dahin als einer der „Assistenzräthe“ auch T. und spielte bei den Unterhandlungen eine wichtige Rolle. Im October 1603 pflog er Berathungen mit Rumpf und Hannewald zu Wien mit Erzherzog Mathias in Reichssachen. Allerdings war dies zur Zeit vor dem Bruche zwischen den zwei habsburgischen Brüdern. Bemerkenswerth ist die Angabe des venetianischen Geschäftsträgers Soranzo vom 25. Juni 1606, Kaiser Rudolf II. wolle T. wieder in den Rath der Krone berufen; dieser erkläre aber unverholen, er wolle sich in solchen Geschäften weder von Philipp (Lang, der berüchtigte Kammerdiener und spiritus regens Rudolf's II.) noch von andern am Gängelbande führen lassen. Sicher ists aber anderseits, daß T. damals, als der Kaiser zur freiwilligen Abdankung — nach Klesl's Plane — vermocht werden sollte, auch seine diplomatischen Künste versuchte. So erklärt sich auch, daß 4. November 1607 der bairische Resident Boden aus Wien an seinen Hof berichtet: „Sonsten laufen abermal neue Handel zwischen J. Majestät und J. Durchl. Erzh. Mathiasen, und will man etlichen Räten solches zuemessen, deßwegen Herr Glesel (Klesl), Trautson, Govrian (Covriani) und andere (auf Weisung des Kaisers) von Wien sollen geschafft werden.“ Sicher ist, daß T. sich bald vom Wiener Hofe ganz zurückzog. Ueber seine Rolle in den Tagen der Depossedirung Rudolf's II. (1608) und dessen völliger Entthronung (1611) sind wir nicht näher unterrichtet. Die Kaiserzeit Mathias' (1612—1619) läßt ihn in den Vordergrund treten. Der venetianische Gesandtschaftsbericht (Soranzo's) vom September 1614 führt ihn unter den Staatsräthen (consiglieri di stato) an zweiter Stelle, unmittelbar nach Klesl, an und bemerkt über ihn: T. sei lange der Principalminister Kaiser Rudolf's II. gewesen, aber in Ungnade gefallen, weil er im Verdachte war, die Endzwecke und Interessen Mathias' zu begünstigen, daher habe er sich auch nach Wien zurückgezogen. Er stünde in dauernder Gunst bei dem Kaiser (Mathias), sei sehr geschäftskundig, denke aber an seinen eigenen Vortheil und sei sehr reich geworden. Die Zügel der Verwaltung überlasse er dem Cardinal Klesl und wende mehr seinen Privatangelegenheiten als den Staatssachen sein Augenmerk zu. Dieser Bemerkung des fremden Gesandten entspricht auch die Thatsache, daß T. a. 1615 die mündliche Zusage des Kaisers, das Münzrecht ausüben zu dürfen, erlangte|und dasselbe trotz der Zurückweisung durch die Hofkammer wirklich ausübte. 6. April 1615 errichtete er auch das große Majorat seiner Familie mit kaiserlicher Genehmigung. Er erlebte noch die Thronfolge Kaiser Ferdinand's II., der ihm das durch den „Hochverrath“ Georg's E. v Roggendorf verwirkte Erblandhofmeisteramt von Niederösterreich (1620, 23. Oct.) übertrug, und starb am 30. Juli 1621. Sein Grabmal erhebt sich in der Michaelerkirche Wiens. Aus der dritten Ehe überlebte ihn ein Sohn, Johann Franz Graf v. T. (geb. 1609, 1663 als Statthalter von Niederösterreich).

    • Literatur

      Khevenhüller, Ann. Ferd. I—IV. — Relationen venet. Botschafter herausg. von Fiedler a. a. O. 2. A. XXVI. (2. Bd.) 1866. —
      Bergmann a. a. O. 226—232 (danach der Art. in Wurzbach's österr. biogr. Lexikon XLVII, 51—53). —
      Hammer, Card. Khlesl 1—4. —
      Hurter, G. Kaiser Ferdinand II. u. s. Eltern. —
      Gindely, Kaiser Rudolf II. — Stieve, Die Politik Baierns 1591—1607. 2. Hälfte (1883).

  • Autor/in

    Krones.
  • Empfohlene Zitierweise

    Krones, Franz von, "Trautson, Paul Sixt Graf von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 38 (1894), S. 522-524 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd115540040.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA