Lebensdaten
1512 bis 1578
Geburtsort
Castel Nano
Sterbeort
Villa d'Este in Tivoli
Beruf/Funktion
Kardinal ; Bischof von Trient und Brixen
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 12959203X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Christoph von Madruzzo
  • Christoph von Madrutz
  • Madrutz, Christoph von
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Objekt/Werk(nachweise)

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Zitierweise

Christoph von Madrutsch, Indexeintrag in: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd12959203X.html [29.07.2016].

CC0

Christoph von Madruzzo (Madrutsch)

Bischof von Trient und Brixen, Kardinal, * 5.7.1512 Castel Nano, 5.7.1578 Villa d'Este in Tivoli, Rom, S. Onofrio.

  • Genealogie

    Aus Südtiroler Adelsgeschlecht; V Johannes Gaudentius, Hofmeister der Söhne Kaiser Ferdinands I.; M Euphemia v. Sporenberg; B Nikolaus, Aliprandus, kaiserliche Obersten; N Ludw. (um 1530-1600), seit 1567 Bischof v. Trient, Legat auf dem Reichstag v. Augsburg, 1594 auf dem Regensburger Reichstag, seit 1573 Kard.-Protektor der dt. Nation (s. LThK), Christoph IV. (v. Spaur [ 1613]), Bischof v. Brixen (s. NDB III), Joh. Thomas (v. Spaur [ 1591]), Nachfolger seines Oheims als Bischof v. Brixen (s. Wurzbach); zur gleichen Fam. gehört auch der Bischof Carl Gaudentius (N v. Ludw.) v. Trient (seit 1604, 1629), 1613 Legat auf dem Regensburger Reichstag (Gegner Klesls), um die kirchliche Reform in Tirol verdient, bei den Deutschen aber wenig beliebt (s. LThK).

  • Leben

    Obwohl deutscher Muttersprache und durch seine Familie eng mit dem Hause Habsburg, durch seine Fürstbistümer (Trient seit 30.10.1538, Brixen seit 11.12.1542) und viele persönliche Beziehungen (besonders Kardinal Otto Truchseß von Augsburg) mit dem Reich verbunden, gehört der Kardinal (7.1.1545) kulturell durch die Freundschaft mit Männern der italienischen Reformpartei (Morone, Pole, Gonzaga) ebensosehr Italien und dem Papsttum an. Moralisch unantastbar und von vielseitigen geistigen und künstlerischen (besonders musikalischen) Interessen, entbehrte er doch gründlicher theologischer Bildung und politischer Begabung. Seine Vorliebe für fürstliche Repräsentation betätigte er als Gastgeber des Konzils von Trient 1545/47 und 1551/52 in dem von ihm erweiterten Renaissanceflügel des Castel del Buon Consiglio, trat aber auch energisch für die kirchlichen Anliegen Deutschlands, zum Beispiel die Übersetzung der Bibel in die Landessprache, und die kaiserlichen Interessen auf dem Konzil ein. Für die von ihm erstrebte Vermittlerrolle zwischen Karl V. und Paul III. reichten seine politischen Fähigkeiten nicht aus; so gelang es ihm nicht, Ende 1547 als kaiserlicher Unterhändler die Translation des Konzils nach Bologna rückgängig zu machen. Ende Juli 1548 vollzog er in Genua die Trauung Maximilians II. mit Maria, der Tochter Karls V. In den Konklaven von 1549 und 1555 setzte er sich für die Kandidaten Ferdinands I. ein; seine eigenen Bemühungen um die Tiara im Konklave von 1565 waren aussichtslos; ebenso mißlang seine Bewerbung um das Erzbistum Salzburg und um das Amt eines Kardinalprotektors von Spanien. Seit 1560 lebte er in Rom, wiederholt mit Verwaltungsämtern im Kirchenstaat betraut und an Deutschland betreffenden Entscheidungen beteiligt, doch ohne jemals maßgebenden Einfluß auf die päpstliche Politik zu gewinnen und durch Schulden bedrückt, in die er durch seinen von Pius IV. und Pius V. mißbilligten fürstlichen Aufwand geraten war.

  • Literatur

    B. Bonelli, Notizie istorico-critiche della Chiesa di Trento III, Trient 1762, S. 399-448, IV, 1765, S. 195-211; Ch. Scheurls Briefbuch, hrsg. v. F. v. Soden u. J. K. F. Knaabe, 1867–72, II, S. 236 (zeitgenöss. Charakteristik); Btrr. z. Reichsgesch. I-III, hrsg. v. A. v. Druffel, 1873-82; Nuntiaturberr. aus Dtld., IV-XII, hrsg. durch d. Preuß. Hist. Inst. in Rom, 1892-1912; Concilium Tridentinum, hrsg. v d. Görresges., 1901 ff.; A. Galante, La corrispondenza del Cardinale C. M., Innsbruck 1911; G. Buschbell, in: Qu. u. F aus ital. Archiven 23, 1932;  Moderne Biogr. fehlt; Charakteristik u. Verz. d. älteren L bei: H. Jedin, in: Gesch. d. Konzils v. Trient I, 21951, S. 450-56, 624 ff. (L); LThK (unter Madruzzo, P). - Qu.: Nachlaß im Staatsarchiv Trient (früher im Staatsarchiv Innsbruck); Hs. Materialslg. auch in Biblioteca Comunale in Trient.

  • Portraits

    Trient, Smlg. V. de' Salvadori; auf Gem. v. Tizian, 1541/42 (New York).

  • Autor

    Hubert Jedin
  • Empfohlene Zitierweise

    Jedin, Hubert, "Christoph von Madrutsch" in: Neue Deutsche Biographie 3 (1957), S. 247-248 [Onlinefassung]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd12959203X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

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