Lebensdaten
1560 bis 1617
Geburtsort
Brixen
Sterbeort
Prag
Beruf/Funktion
Reichspfennigmeister ; kaiserlicher Rat
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 12449224X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Geizkofler, Zacharias
  • Geizkofler von Reiffenegg von und zu Gailenbach, Zacharias
  • Geizkofler von und zu Gailenbach, Zacharias
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Zitierweise

Geizkofler von Reiffenegg, Zacharias, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd12449224X.html [23.10.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Hans G. (1530-1581, s. Einl.);
    M Barbara Ettenhart;
    2.9.1591 Maria ( 1645), T d. Patriziers Marx Rehlinger (1539–1601), auf Kleinkitzighofen u. d. Juliane Roth aus Ulm (T d. Konrad Roth u. d. Katharina Welser).

  • Leben

    Auf Veranlassung seines Onkels Michael wurde G. im Alter von 6 Jahren in das Gymnasium von Sankt Anna zu Augsburg geschickt. Gefördert von hervorragenden Lehrern, wie unter anderem Matthias Schenk und Hieronymus Wolf, konnte der reich begabte Schüler mit 13 Jahren seine Schulzeit erfolgreich beschließen und zum Studium der Rechte die Universitäten Padua, Ingolstadt, Basel und Straßburg beziehen, wo er schließlich seine Prüfungen ablegte. In Bourges, unter anderem bei Cujacius, und am Reichskammergericht in Speyer vollendete er seine Ausbildung. 1584 trat er wie 4 Brüder seines Vaters in die Dienste der Fugger, wechselte jedoch schon 1585 mit ihrem Einverständnis zu Erzherzog Ferdinand von Tirol über. In dessen Vertretung war er seit 1587 an den Verhandlungen um den polnischen Königsthron beteiligt. Dabei wurde er mit allen führenden Habsburgern persönlich bekannt. G.s diplomatisches Geschick belohnte Kaiser Rudolf II., indem er ihn zu seinem Rat und Anfang 1589 zum Reichspfennigmeister ernannte. 1589-1603 hatte G. in Wahrnehmung dieses hohen Reichsamtes die vom Reichstag bewilligten Türkengelder und andere Reichshilfen von den Ständen einzutreiben. G.s Überredungskunst und Verhandlungsgeschick gelang es, die Stände zur Bezahlung der Türkensteuer zu bewegen und durch seine Verbindungen zu den führenden Bankhäusern Fürlehen oder Anticipationen zur Überbrückung von Zahlungsschwierigkeiten zu erhalten. 1594-1603 brachte G. rund 12 Millionen Gulden auf und sorgte schließlich 1597-1603 als oberster Proviantmeister in Ungarn gleichzeitig für deren ordnungsgemäße Verausgabung. Kaiserliche Gnadengeschenke sowie seine Ernennung zum miles et eques aureatus, zum kaiserlichen wirklichen Rat und schließlich zum Reichsritter wurden ihm dafür als äußere Anerkennung zuteil.

    Seine Härte bei der Einbringung der Gelder, sein glanzvoller Aufstieg in jungen Jahren und seine Erfolge brachten ihm viele Feinde ein, die ihn unter der Anführung des von Herzog Maximilian von Bayern beschützten Dr. Hämmerle der Unterschlagung und Selbstbereicherung bezichtigten. Länger als seine Tätigkeit als Reichspfennigmeister währte der Kampf um seine Rehabilitierung, die erst an seinem Todestag verkündet wurde. Sein Wahlspruch „Vincit tandem veritas“ hatte damit endlich die ersehnte Erfüllung gefunden. Nach 1603 lernen wir G., der sich auf sein 1601 erworbenes Rittergut Haunsheim bei Lauingen an der Donau in sein neu erbautes Renaissanceschloß zurückgezogen hatte, in erster Linie als Mitglied verschiedener kaiserlicher Kommissionen und als Verfasser von Gutachten zur Reichsfinanzpolitik wie zur allgemeinen Lage kennen. Als enger Ratgeber Kaiser Rudolfs II. und des Kaisers Matthias sowie des Kanzlers, des Wiener Kardinals Klesl, suchte er mit seinen Ratschlägen das aufziehende Unheil der Reichsfinanzen und des 30jährigen Krieges zu bannen. In einer Zeit des Verfalls der Ordnung im Reiche verstand es G., die Finanzierung des Türkenkrieges durch seine vorbildliche Einbringung der Reichssteuern zu sichern und ihre ordnungsgemäße Verausgabung zu überwachen. Seine reichen Erfahrungen stellte er auch nach seinem Rücktritt als Reichspfennigmeister in Rat und Tat den Herrschern zu Verfügung, um das Reich aus der von ihm vorausgesehenen Not retten zu helfen.

    In seinem Besitztum Haunsheim hatte er nicht nur die Reformation eingeführt, sondern auch die Leibeigenschaft abgeschafft, ja sogar fremde Leibeigene freigekauft. Reiche Stiftungen für die Armen seiner Herrschaft und die Stiftung des bekannten Brennerbades bezeugen, daß dieser selbstbewußte stolze Renaissancemensch wie in seinen Denkschriften so auch in seinem Privatleben fortschrittlich dachte und handelte.

  • Werke

    Gutachten „in allerlei Sachen d. Reiches u. d. Türkenkrieg betr.“, 1593;
    Gutachten üb. d. „Reformierung d. kaiserl. Hof-, Kriegs- u. anderer Wesen“, 1601;
    Ratschlag üb. „das gemeine Wesen, üb. d. Reich u. s. Zustand“, 1605;
    Gutachten üb. d. Erneuerung d. Münzwesens;
    Berr. üb. d. schwäb. Kreistage an d. Kaiser;
    Gutachten üb. d. Regelung d. Donauwörther Frage, 1613;
    Briefwechsel mit Kardinal Klesl (alles Staatsarchiv Ludwigsburg, G.sches Fam.archiv). - W z. Gesamtfam.: Lukas G.s Selbstbiogr., gedr. in: A. Wolf, Lucas G. u. s. Selbstbiogr. 1550-1620, 1873.

  • Literatur

    Th. Knapp, Das ritterschaftl. Dorf Haunsheim in Schwaben, in: Württ. Vj.hh., 1896, S. 1-62;
    |Joh. Müller, Die Verdienste Z. G.s um d. Beschaffung d. Geldmittel f. d. Türkenkrieg Kaiser Rudolfs II., in: MIÖG 21, 1900;
    ders., Die Vermittlungspol. Klesls v. 1613-16 im Lichte d. gleichzeitig zw. Klesl u. Z. G. geführten Briefwechsels, in: MIÖG, Erg.bd. 5, 1896-1903;
    ders., Z. G. 1560-1617, des Hl. Rom. Reiches Pfennigmeister u. oberster Proviantmeister im Kgr. Ungarn, in: Veröff. d. Wiener Hofkammerarchives 3, 1938 (mit Stammtafel u. Abdr. d. Reichspfennigmeisterinstruktion v. 1589);
    A. Sitte, Kunsthist. Regg. aus d. Haushaltungsbüchern d. Gütergemeinschaft der G. 1576-1610, in: Stud. z. dt. Kunstgesch. 101, 1908;
    F. Blendinger, in: Lb. a. d. Bayer. Schwaben VIII, 1961, S. 163-97 (Qu., L, P). Eigene Archivforschungen.

  • Literatur

    zum Gesamtartikel: ADB VIII;
    Stammbuch d. Fam. G. (Hs. W 467, VIII im Mus. Ferdinandeum Innsbruck);
    C. Fischnaler, Urkk.regg. a. d. Stadtarchive in Sterzing, Innsbruck 1902;
    Christ. Meyer, Lucas G., in: Altreichsstädt. Kulturstud., 1906, S. 161-80;
    A. Thaler, Die G. v. Sterzing, in: Schiern 6, 1925, S. 371;
    Dt. Lit. in Entwicklungsreihen, Dt. Selbstzeugnisse V, 1932, S. 273-86;
    H. Schrott-Pelzel, G., die Klein-Fugger in Tirol, 1938 (Roman);
    F. Blendinger, Michael u. Dr. Lukas G., in: Lb. a. d. Bayer. Schwaben VIII, 1961, S. 108-38 (P v. Michael). |

  • Quellen

    Qu.: Staatsarchiv Ludwigsburg, G.sches Fam.archiv, dazu Rep. v. K. O. Müller, 3 Bde. mit Reg. u. umfassender Einl.

  • Autor/in

    Friedrich Blendinger
  • Empfohlene Zitierweise

    Blendinger, Friedrich, "Geizkofler von Reiffenegg, Zacharias" in: Neue Deutsche Biographie 6 (1964), S. 167-168 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd12449224X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Geizkofler: Zacharias G. von Gailenbach und Haunsheim (1560 bis 1617), geb. in Brixen, Protestant, studirte in Straßburg und Basel, lebte in Augsburg, wurde königl. Rath, Reichsritter und Freiherr, Generalproviantmeister für die kaiserliche Armee und 1597 Reichspfennigmeister; er stiftete 1607 das Bad auf dem Brenner in Tirol und 1617.

    • Literatur

      Adam Wolf, Lucas G. etc. (s. o.). Vgl. Joh. Müller in den Mittheilungen des Instituts für österreichische Geschichtsforschung, Bd. 21.

  • Autor/in

    Wolf.
  • Empfohlene Zitierweise

    Wolf, Adam, "Geizkofler von Reiffenegg, Zacharias" in: Allgemeine Deutsche Biographie 8 (1878), S. 529 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd12449224X.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA