Lebensdaten
um 1050 oder 1055 bis 1111
Beruf/Funktion
Markgraf ; Herzog von Kärnten, Schwaben und Zähringen
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 13615025X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Berhold II. von Zähringen
  • Berthold II.
  • Berhold II. von Zähringen

Verknüpfungen

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Zitierweise

Berthold II., Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd13615025X.html [13.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Berthold I. ( 1078);
    M Richwara;
    ⚭ Agnes ( 1111), T Rudolfs von Rheinfelden ( 1080);
    4 S, u. a. Berthold III. ( 1122/23), Herzog Konrad von Zähringen ( 1152);
    T Agnes ( Graf Wilhelm III. von Hochburgund, um 1125), Petrissa (⚭ Graf Friedrich von Pfirt, 1160), Liutgard (⚭ Graf Gottfried von Calw, 1131/32), Judith (⚭ Graf Ulrich von Gamertingen).

  • Leben

    Berthold erbte nur einen Teil der väterlichen Besitzungen und Rechte, da sein Bruder Markgraf Hermann I. und seine Nachfolger Grafen in der Ortenau und im Breisgau wurden und zahlreiche Güter und Lehen zwischen Rhein und Schwarzwald übernahmen. Seit 1079 mit Agnes von Rheinfelden vermählt, war Berthold treuester Anhänger des Gegenkönigs in Schwaben und führte auch nach dessen Tod mit Welf V. von Bayern die Heinrich IV.|feindlichen Kräfte in Süddeutschland. Sein Bruder Gebhard, seit 1084 Bischof von Konstanz, päpstlicher Legat, besaß offenbar großen Einfluß auf ihn. Nach Bernold wurde er ebenso wie Welf V. miles Sancti Petri. Nach dem Tod des jungen Berthold von Rheinfelden wurde Berthold Erbe der Rheinfeldener und begründete damit die bedeutende Stellung der Zähringer in der Schweiz. 1092 wurde er zum Gegenherzog von Schwaben erhoben. Seitdem sich jedoch Welf V. und Welf VI. nach dessen Trennung von Mathilde von Canossa mit dem Kaiser ausgesöhnt hatten, machte auch Berthold unter Verzicht auf das Herzogtum Schwaben seinen Frieden mit Heinrich IV. und dem staufischen Herzog Friedrich I. Dabei behauptete er den herzoglichen Rang und erhielt vom Reich Zürich, wobei allerdings zu beachten ist, daß die Zähringer dort erst nach dem Aussterben der Züricher Vögte, der Grafen von Lenzburg, mächtig wurden. Wenige Jahre nach dieser Übereinkunft kommt Berthold als Herzog von Zähringen vor, wie um diese Zeit auch andere Herzöge nach einer Burg oder einem Ort benannt wurden. Sein Verhältnis zu den salischen Königen war von nun an ungetrübt. - Mit Berthold begann wohl die planmäßige Kloster- und Vogteipolitik der Zähringer. Das Hauskloster Weilheim wurde an eine verkehrsgeographisch entscheidende Stelle verlegt und 1093 im Schwarzwald als St. Peter neubegründet. Das Kloster sollte den Weg vom Glottertal über Rohr und den Hohlen Graben nach Osten, der die Zähringerbesitzungen auf beiden Seiten des Schwarzwaldes verband, sichern und ein Mittelpunkt der den Schwarzwald wirtschaftlich und politisch erschließenden Kolonisation werden. Auch zu St. Georgen trat Berthold bereits in ein engeres Verhältnis. Er ist der erste der in St. Peter beigesetzten Herzöge von Zähringen.

  • Autor/in

    Gerd Tellenbach
  • Empfohlene Zitierweise

    Tellenbach, Gerd, "Berthold II." in: Neue Deutsche Biographie 2 (1955), S. 159 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd13615025X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Bertold II., Herzog von Zähringen, 1111. Nach Ansicht der meisten Genealogen der älteste, nach Fickler's nicht unwahrscheinlicher Annahme der zweite Sohn Herzog Berchtolts I.; geboren wenig vor Mitte oder um die Mitte des eilften Jahrhunderts. Als einstiger Nachfolger seines Vaters im Herzogthum Kärnthen zu der Zeit schon bezeichnet, als König Heinrich dasselbe B. I. und damit auch ihm absprach, nahm B. II. zuerst selbständigen Antheil an den Ereignissen bei Beginn des großen Thronstreites. Damals noch (wie sein in Clugny verstorbener Bruder) markgräflichen Titel führend, kämpfte er 1078 an der Seite seines Vaters und auch nach dessen Tode eifrig für König Rudolfs Sache. Auf seiner Feste Hohentwiel fand Rudolfs Gemahlin, Adelheid von Susa, ihre Zuflucht, als die burgundischen Hausgüter und Lehen ihres Gatten in die Hände seiner Gegner fielen, der Krieg Schwaben verheerte, Rudolf selbst in Sachsen kämpfte. Als sie zu Anfang 1079 starb, führten Herzog Welf und Markgraf B. Rudolfs jungen Sohn, Berchtolt von Rheinfelden, in den Osterfeiertagen nach Ulm, wo unter ihrem Einflusse eine große Parteiversammlung den Knaben zum Herzog von Schwaben proclamirte und Markgraf B. sich mit des jungen Herzogs Schwester, Agnes von Rheinfelden, vermählte, während gleichzeitig König Heinrich in Regensburg den Freien Friedrich von Staufen (den Verwandten Berchtolts I. von Zähringen) mit dem Herzogthum Schwaben belehnte und zu seinem Eidam erkor. Gegen Friedrich, gegen die königlich gesinnten Bischöfe von Straßburg und von Basel, gegen den mächtigen Abt von St. Gallen, Ulrich III., König Heinrichs Verwandten und Freund, führte jetzt die zähringisch-welfische Partei den Kampf in Alemannien, auch nachdem Rudolf 1080 in der Schlacht an der Elster gefallen und ein neuer Gegenkönig an seiner Statt, Graf Herrmann von Salm, aufgetreten war. Während König Heinrich in Italien weilte, 1081—1084, behaupteten Markgraf B. und Herzog Welf im südlichen Alemannien aufs entschiedenste die Oberhand. Abt Ulrich mußte aus dem Lande weichen; auch in die burgundischen Gegenden an der Aare unternahm B. II. im August 1084, als Kaiser Heinrich schon über die Alpen nach Baiern zurückgekommen, einen glücklichen Feldzug für seinen jugendlichen Schwager, den Rheinfelder. Allein mit des Kaisers Rückkehr trat auch Abt Ulrich wieder in St. Gallen auf, ergriff mit Nachdruck und Glück die Waffen wider seine und des Kaisers Gegner und bemächtigte sich 1085 vorübergehend selbst des festen Hohentwiel. Indessen brachte die Erhebung von Berchtolts II. Bruder Gebhard zum Bischofe von Constanz durch Papst Gregor VII. (1084) und zum päpstlichen Stellvertreter in Alemannien durch Papst Urban II. (1089) der zähringisch-welfischen Partei mächtigen Vorschub, und als 1090 Berchtold von Rheinfelden ohne Leibeserben starb und B. II. von Zähringen durch seine Gemahlin der alleinige Erbe des Hausbesitzes und aller Ansprüche des rheinfeldischen Hauses wurde, erwählte die päpstliche Partei, unter Bischof Gebhards bestimmendem Einflusse (1092) B. II. zum Herzoge von Schwaben und gelobte ihm (1093) Gehorsam; seitdem war das Ansehen der beiden Brüder von Zähringen im ganzen südlichen Theile Alemanniens, zumal in den linksrheinischen, jetzt schweizerischen Landschaften, so anerkannt und überwiegend, daß Herzog Friedrich hier nie zur Geltung kam. Mit großem Nachdruck handhabte B. II., von nun an stets herzoglichen Titel führend, seine Gewalt zur Aufrechthaltung des Landfriedens; um diese Zeit (1091) legte er in der Nähe seiner Burg Zähringen einen befestigten Platz, Freiburg an, den später (1120) sein Sohn Konrad mit Stadtrecht begabte. Den thatsächlichen Verhältnissen gab schließlich der Reichsfriede, in welchem 1096 u. 1097|der Kaiser und die Fürsten sich aussöhnten, rechtlichen Ausdruck und Bestand. Dem vom Kaiser ernannten Herzoge von Schwaben, Friedrich I. von Staufen, blieb diese Würde, in welcher ihn nun auch Herzog Welf und die Zähringer anerkannten; aber wie die welfischen, so waren fortan auch die zähringischen Besitzungen in Schwaben vom staufischen Herzogthum exempt, und B. II. erhielt überdieß Zürich als unmittelbares Lehen vom Reiche zugetheilt, wo ihm an des Kaisers Stelle die Schirmvogtei über die beiden geistlichen Stifte und die Stadt zustehen sollte. Vom Breisgau und vom Neckar herauf bis an den Bodensee, die Limmat, die Emme und die Aare sah er sich nun in unbestrittenem Besitze von Gütern, Macht und Rechten in einem Umfange, der fürstlichem Range aufs vollste entsprechend war; ein Besitz, der sich mit der Zeit auch gar wohl zu einem zusammenhängenden Gebiete, einem Fürstenthum im eigentlichsten Sinne des Wortes, gestalten konnte. Fortan blieb Herzog B. in gutem Vernehmen mit Kaiser Heinrich IV., ungeachtet des darüber gegen ihn ausgesprochenen Tadels von Papst Paschalis II. (1103); später mit Kaiser Heinrich V., dem 1106 durch seine Vermittlung das aufständische Köln sich unterwarf; ebenso auch mit den schwäbischen Herzogen Friedrich I. und II. von Staufen. Seine Thatkraft und sein Muth erwarben ihm Anerkennung und Ruhm auch bei Gegnern, wie Schriftsteller der staufischen Partei bezeugen. Otto von Freising erzählt von ihm: „Wenn Boten böse Zeitungen ungern und nur zögernd vorbrachten, pflegte der Herzog zu sagen: Sprich herzhaft; denn ich weiß, daß im Leben immer Sonnenschein mit finstern Wolken wechselt.“ Die Rede ist des Fürsten würdig, der nicht allein sein und seiner Gemahlin Erbe in zwanzigjährigem Kampfe nachdrücklich behauptete, sondern mit erhöhter Macht und Bedeutung aus diesen Wirren seiner Zeit hervorging. Herzog B. II. starb am 13. April 1111; acht Monate später, am 19. December des gleichen Jahres, folgte ihm seine Gemahlin Agnes ins Grab. Beide fanden ihre Ruhestätte im Kloster St. Peter im Schwarzwald, am Kandelberge unweit Zähringen, wohin B. II. im J. 1093 die väterliche Stiftung von Weilheim verlegt hatte. Von sieben Kindern, die ihm Agnes geschenkt, starb ein Sohn, Rudolf, in jugendlichem Alter, um 1111. Zwei Söhne, Berchtolt III. und Konrad, folgten dem Vater im Besitze der Herrschaften. Die vier Töchter waren durch Vermählung in die gräflichen Familien von Burgund, Pfirt, Calw und Gamertingen eingetreten.

  • Autor/in

  • Empfohlene Zitierweise

    Wyß, Georg von, "Berthold II." in: Allgemeine Deutsche Biographie 2 (1875), S. 536-537 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd13615025X.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA