Lebensdaten
erwähnt vermutlich 993 oder 1024 , gestorben 1078
Sterbeort
auf der Limburg bei Weilheim/Teck
Beruf/Funktion
Herzog von Kärnten ; alemannischer Graf
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 13614909X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Berthold mit dem Barte
  • Berthold I.
  • Berthold mit dem Barte

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Zitierweise

Berthold I., Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd13614909X.html [16.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Graf Berthold ( 1024);
    M unsicher, vielleicht aus dem Hause der Nellenburger;
    1) Richwara, vielleicht T Herzog Konrads II. von Kärnten und der schwäbischen Herzog-T Mathilde, 2) Beatrix ( 1092), T des Grafen Ludwig von Mömpelgard ( nach 1070);
    K aus 1) Hermann I. ( 1074), Markgraf von Verona (Baden), Gebhard ( 1110), Bischof von Konstanz, Berthold II. ( 1111), Liutgard ( 1119, ⚭ Markgraf Theobald von Vohburg, 1078).

  • Leben

    Der Ursprung des Geschlechtes der Herzöge von Zähringen und der Markgrafen von Baden ist noch ungeklärt, doch ist ein gewisser Zusammenhang mit der alten alemannischen Herzogsfamilie der „Alaholfinger“ wahrscheinlich. B. und sein Vater Berhtold, Birhtilo, Pirihtilo, Bezelin - ob es sich bei der Nennung dieser Namen zwischen 993 und 1024 nur um den Vater oder auch um den Großvater handelt, ist strittig - werden bereits als Grafen im Thurgau, Albgau, Breisgau und in der Ortenau erwähnt. Sie zeichnen sich vor den meisten schwäbischen Adelsgeschlechtern durch Besitzungen auf beiden Seiten des Schwarzwaldes aus. Graf Berthold erhielt 999 ein Marktprivileg für Villingen. Wohl schon durch Heinrich II. haben die Bertholde die Vogtei über einen großen Teil der bambergischen Güter in Schwaben erhalten. Um die Jahrhundertmitte rückte Berthold in die höchste Adelsschicht des Reiches auf, vielleicht infolge einer vornehmen Heirat, wahrscheinlicher durch eingreifende Veränderungen im schwäbischen Stammesherzogtum. 1061 erhielt er das Herzogtum Kärnten, das ihm herzoglichen Rang und Titel einbrachte, obwohl er als tatsächlicher Inhaber nie nachzuweisen ist. Aber in Schwaben wurde sein Haus nun neben den Rheinfeldenern, Staufern und Welfen führend. Die Herrschaft der Zähringer ist eine Ursache der nie mehr zu überwindenden Zersplitterung und Schwäche des schwäbischen Stammesherzogtums geworden. Ferner sind die Zähringer - und das macht ihre eigentliche historische Bedeutung aus bedeutende Vorbereiter einer neuartigen Staatlichkeit in Deutschland. - Berthold leistete trotz seiner Teilnahme an der Opposition gegen Erzbischof Adalbert von Bremen (1066) bis 1076 Heinrich IV. wertvolle Dienste, besonders in den Auseinandersetzungen mit den Sachsen, wurde dann aber eines der Häupter der mit Gregor VII. verbundenen, dem König feindlichen Partei in Oberdeutschland und nahm 1077 an der Erhebung Rudolfs von Rheinfelden zum Gegenkönig teil. Nach Canossa wurde er deshalb von Heinrich IV. aller seiner Würden beraubt. Bald nach Beginn der daraus folgenden langjährigen Kriege starb Berthold, der nicht in der von ihm gestifteten Propstei Weilheim, sondern in dem befreundeten Hirsau bestattet wurde. Daß zwei seiner Söhne in Reformklöster eingetreten waren, Markgraf Hermann in Cluny, Gebhard, der spätere Bischof von Konstanz, in Hirsau, läßt vermuten, daß Berthold zu jener Gruppe der früheren Investiturstreitszeit gehört, die innerlich von den neuen kirchlichen Bestrebungen ergriffen war.

  • Autor/in

    Gerd Tellenbach
  • Empfohlene Zitierweise

    Tellenbach, Gerd, "Berthold I." in: Neue Deutsche Biographie 2 (1955), S. 159 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd13614909X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Bertold I., Herzog von Zähringen, 1078. Um die Mitte des eilften Jahrhunderts Stifter eines sich erhebenden neuen Fürstenhauses im südwestlichen Deutschland: der Herzoge von Zähringen (Burg im Breisgau). Die Geschichte des Geschlechtes, aus dem B. I. stammte, läßt sich nicht über den Schluß des zehnten Jahrhunderts, mit Sicherheit, hinaufführen. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß die im Breisgau und benachbarten Gauen im zehnten Jahrhunderte vorkommenden Berchtolte und Birchtilone gräflichen Standes unter die Ahnen desselben gehören, und verschiedene Genealogen reihen diese an den alemannischen Herzog Berchtolt an, der 724 als Enkel des Herzogs Gotfrid ( 708) genannt wird. Urkundlich sicher ist nur, daß B. I. von Zähringen der Sohn eines Grafen Berchtolt war, der im J. 999 von Kaiser Otto III. Markt, Zoll und Münze in seinem Flecken Villingen an der Brigach geschenkt erhielt, einer spätern Zeit noch unter dem Namen „Bezelin von Villingen“ in Erinnerung und Sohn von Berchta, der Schwester Friedrichs, des ersten bekannten Ahnen der Staufer (Hohenstaufen) war. B. I. von Zähringen und Herzog Friedrich I. von Schwaben aus dem Hause Staufen waren Enkel dieser beiden Geschwister. Geboren um den Anfang des eilften Jahrhunderts erscheint B. I. im ersten Drittel dieses Zeitraumes in der angesehenen Stellung eines Grafen im Breisgau, in der Ortenau, im Albgau (vielleicht auch im Thurgau). In den beiden erstgenannten Gauen und in der Baar lagen die hauptsächlichsten Güter des Hauses; von der Burg Zähringen, unweit dem später entstandenen Freiburg im Breisgau, erhielt B. I. seinen Zunamen und mag somit dieselbe erbaut oder doch zuerst zu Bedeutung und zum eigentlichen Sitze seines Geschlechtes erhoben haben. Um die Mitte des Jahrhunderts war er unter den Räthen Kaiser Heinrichs III. Er gewann dessen Vertrauen; der Kaiser eröffnete ihm Anwartschaft auf das Herzogthum Schwaben und soll ihm seinen Siegelring als Unterpfand des Versprechens eingehändigt haben; schon führte er herzoglichen Rang und Titel. Von seiner Gemahlin Richware stammte ein Sohn, Hermann, der schon um 1050 als Graf neben dem herzoglichen Vater genannt wird. Nach dem Hinscheiden ersterer, ungefähr um dieselbe Zeit, schloß B. eine zweite Ehe mit Beatrix, Tochter des Grafen Ludwig von Mousson und Mömpelgard.

    Der Tod des Kaisers (1056), die Regentschaft der Kaiserin-Wittwe Agnes vereitelten des Zähringers Aussicht auf Schwaben. Als der eigentliche Inhaber des Herzogthums, Herzog Otto III., 1057 starb, verlieh die Kaiserin dasselbe nicht an B., sondern an den Grafen Rudolf von Rheinfelden, bald darauf ihren Eidam und, in Folge ausgedehnter Besitzungen im burgundischen Lande zwischen der Aare und dem Jura, auch ihren Stellvertreter in diesen Gegenden. B. erhielt zwar 1061, als Entschädigung, das erledigte Herzogthum Kärnthen mit der Markgrafschaft Verona. Allein er war nicht im Stande, in der entfernten Provinz zu wirklicher Macht zu gelangen; sein Anspruch blieb ein bloßer Titel, wie das Markgrafenthum von Verona, das er auf seinen Sohn übertrug und Hermanns Nachkommen später mit dem Namen ihres Sitzes im rheinischen Ufgau, Baden an der Oos, verbanden. Das Geschehene blieb nicht ohne Einfluß auf Berchtolts I. Verhältniß zum Hofe wie zu Herzog Rudolf; er suchte sich auf ihre Kosten, wo er konnte, Genugthuung zu verschaffen. Indessen traten bald Ereignisse von weit größerm Belang ein, welche die Stellung der Fürsten und Großen zu dem jungen Könige Heinrich IV. nach dessen Regierungsantritt und ihre gegenseitigen Beziehungen tief betrafen und wobei dem durch Klugheit und Energie ausgezeichneten Zähringer eingreifende Mitwirkung beschieden war. Durch|seine Leidenschaftlichkeit gerieth der König in heftigen Zwiespalt mit den Fürsten, die ihn umgaben; insbesondere gegen Herzog Rudolf faßte er tiefen Groll. Mit diesem und mit Herzog Welf von Baiern, der das Schicksal seines vom Könige in einer Aufwallung des Herzogthums beraubten Amtsvorfahren fürchtete, trat auch B. I. zu gegenseitigem Schutze in Verbindung. Anfangs 1073 verließen sie den König, der ihnen sein Vertrauen entzogen, und nun vorzüglich wider den Zähringer erzürnt, entsetzte Heinrich diesen des Herzogthums Kärnthen und übertrug dasselbe an Marquard von Eppenstein. Diese Verfügung traf B. I. um so empfindlicher, als ihm bereits für seinen Sohn Berchtolt (Markgraf Hermann trat um diese Zeit ins Kloster Clugny ein, wo er schon 1074 starb) die Erbfolge im Herzogthum zugesichert war. Dennoch erfolgte im März 1073 eine zeitweilige Aussöhnung der Fürsten mit dem Könige. B. begleitet den König nach Sachsen und stand ihm treu zur Seite, als das Land sich wider Heinrich erhob und dieser heimlich aus der Harzburg entweichen mußte. Enger aber blieb doch und ward immer mehr das Verhältniß Berchtolts zu Herzog Rudolf; gegen Beide richtete sich des Königs Mißtrauen wieder so sehr, daß er sogar eines Anschlages auf ihr Leben bezichtigt wurde. Als dann Heinrichs Streit mit Papst Gregor begann (1076), der päpstliche Bannfluch über den König erging und Herzog Rudolf an die Spitze von Heinrichs Gegnern im Reiche trat, schloß B. sich ihm aufs entschiedenste an und wirkte bei der Erhebung Rudolfs zum Gegenkönig in Forchheim (15. März 1077) mit. In dem nun entstehenden Kriege um das Reich führten Herzog Welf von Baiern und die beiden Zähringer, B. I. und sein Sohn Berchtolt, im südwestlichen Deutschland die Sache des Gegenkönigs, während dieser selbst in Sachsen und Thüringen stritt. B. I. sah indessen nur die Anfänge des zwanzigjährigen erbitterten Krieges, der das Reich zerriß. Schon die ersten Auftritte desselben waren für ihn von schweren Folgen begleitet. König Heinrich, nach den Vorgängen in Canossa aus Italien zurückgekehrt, um seine deutschen Gegner zu bekämpfen, erschien im Frühjahr 1077 an der Spitze bairischer und böhmischer Heerschaaren in Alemannien, verwüstete die welfischen und die zähringischen Besitzungen zwischen der Donau, dem Neckar und Main in gräulicher Weise, ließ zu Pfingsten (4. Juni) auf einer Reichsversammlung zu Ulm die Herzoge Rudolf, B. I. und Welf aller ihrer Würden, Güter und Lehen verlustig, ihr Leben als verwirkt erklären, übertrug diese Lehen an seine Anhänger und suchte nun wiederholt die verurtheilten Gegner mit aller Macht der Waffen heim. Diese behaupteten sich aber, wenn auch mit abwechselndem Glücke, standhaft und erfolgreich. 1078 kämpften B. I. und Welf in den fränkischen Gegenden zwischen dem Main und Rhein mit Glück, und Berchtolts gleichnamiger Sohn schlug die Bischöfe von Straßburg und von Basel, König Heinrichs vornehmste Anhänger am Oberrheine, aufs empfindlichste, so daß sie ihm kaum entrannen. Allein der Anblick neuer schrecklicher Verwüstungen, die ein zweiter Einfall König Heinrichs in Alemannien Ende October 1078 über die zähringischen Güter brachte, machte einen so tiefen Eindruck auf den in der Veste Lintburg (Limburg bei Weilheim unweit Teck; — eher, als Limburg im Breisgau am Rhein unweit Sasbach) wohnenden betagten Herzog B. I., daß er darüber in Irrsinn fiel und nach siebentägiger Krankheit am 6. November 1078 starb. Seine Leiche wurde nach dem Kloster Hirschau gebracht, dem Mutterkloster des Stiftes St. Peter in Weilheim, welches letztere Herzog B. mit seiner Gemahlin Richware gegründet hatte, und dort bestattet. Er hinterließ, zumal bei seiner Partei, den Ruhm eines tapfern, gerechten und frommen Fürsten. Ihn überlebten zwei Söhne, Berchtolt II., Herzog von Zähringen, und Gebhard, 1084—1110 Bischof von Konstanz, sowie ein Enkel, Hermann II., Markgraf von (Verona) Baden, der Sohn des 1074 in Clugny verstorbenen Markgrafen Hermanns I. Von einer Tochter Berchtolts I., Liutgard, Markgräfin von Vohburg, stammte als Enkelin Adelheid von Vohburg, die erste Gemahlin Kaiser Friedrichs I. des Rothbarts.

  • Autor/in

  • Empfohlene Zitierweise

    Wyß, Georg von, "Berthold I." in: Allgemeine Deutsche Biographie 2 (1875), S. 534-536 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd13614909X.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA