Lebensdaten
1854 bis 1945
Geburtsort
Ungarisch-Altenburg (Ungarn)
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Botaniker
Konfession
evangelische Familie
Normdaten
GND: 118973711 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Haberlandt, Gottlieb
  • Haberland, G.
  • Haberlandt, G.
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Zitierweise

Haberlandt, Gottlieb, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118973711.html [15.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus urspr. norddt. Handwerkerfam., seit Generationen in Preßburg ansässig;
    V Friedrich (1826–78), Prof. f. Landwirtsch. Pflanzenbau a. d. Hochschule f. Bodenkultur in Wien (s. ADB X; ÖBL), S d. Bürstenbindermeisters Joh. Gottlieb in Preßburg u. d. Therese Biermann;
    M Katharina (1828–96), T d. Handelsmanns Joh. Gottlieb Köhler in Wien u. d. Elisabeth Ernst;
    B Michael (s. 4);
    - 1) Stuttgart 1881 Charlotte (1858–1911), T d. Ludw. Haecker (1822–73), erzhzgl. Güterdir. in U.-A. (s. ÖBL), u. d. Julie Schübler, 2) Berlin 1914 Emma Klingenberg (* 1883); Schwager Valentin Haecker ( 1927), Zoologe (s. NDB VII);
    4 S, 1 T aus 1), u. a. Ludwig (s. 3), Richard (1890–1963) Maler u. Radierer, Edith (1882–1949), Malerin (s. ÖBL), 2 K aus 2);
    N Arthur (s. 1).

  • Leben

    H. wurde schon in früher Jugend durch seinen Vater zu botanischen Studien angeregt. Ausschlaggebend wurden indessen erst die Vorlesungen des Wiener Pflanzenphysiologen J. von Wiesner. Nach Promotion zum Dr. phil. (1876) wandte er sich als Staatsstipendiat nach Tübingen, wo S. Schwendener soeben durch eine Arbeit über das mechanische Prinzip im Bau der Pflanzenorgane einen völlig neuen Weg der Forschung angebahnt hatte, nämlich eine äußerst fruchtbare Verbindung von Anatomie und Physiologie der Pflanzen. H.s Plan, den Grundgedanken Schwendeners auf alle übrigen Gewebe der Pflanzen zu übertragen, das heißt, eine umfassende „Physiologische Pflanzenanatomie“ zu schaffen, war kühn, ebenso im Hinblick auf das enorme Arbeitspensum wie besonders auf den zu erwartenden Widerstand der hervorragendsten Fachkollegen J. von Sachs und A. de Bary, die für die Pflanzenanatomie ein rein deskriptiv-topographisches Schema festgelegt hatten. Nach Wien zurückgekehrt, habilitierte sich H. 1878 an der Universität und folgte 1880 einem Rufe an die TH Graz, wo er 1888 den Lehrstuhl für Botanik an der Universität erhielt. Auf Grund einer Fülle von Einzelstudien veröffentlichte er schon 1884 als Aufsehen erregendes Werk seine „Physiologische Pflanzenanatomie im Grundriß dargestellt“, die er später zu einem abgeschlossenen Werk ausbaute.

    Seit 1900 versuchte H., den Zusammenhang zwischen Anatomie und Physiologie im Bereiche der Reizphysiologie aufzuklären. Mit B. Nčmec wurde er der Begründer der Statolithentheorie des Geotropismus; Arbeiten über Sinnesorgane zur Wahrnehmung von Berührungsreizen und über Bewegungsgewebe folgten. 1909 auf den Lehrstuhl der Pflanzenphysiologie an der Universität Berlin berufen, wandte er sich einer neuen Arbeitsrichtung, nämlich der Entwicklungsphysiologie zu, und er gehörte zu den ersten, die Nachweise für die Existenz pflanzlicher Hormone und ihre Bedeutung für die Zellteilung, Embryoentwicklung und andere Prozesse führten. – H.s Ideen begeisterten einen großen Kreis von Schülern und wirken heute noch nach. Seine hohe musische Begabung, vor allem sein Talent als Zeichner und Maler überschritt erheblich das eines Amateurs.|

  • Auszeichnungen

    Mitgl. d. Ak. d. Wiss. Berlin, Wien, München u. d. Leopoldina, Geh. Reg.Rat.

  • Werke

    Weitere W u. a. Die Entwicklungsgesch d. mechan. Gewebesystems d. Pflanzen, 1879;
    Vgl. Anatomie d. assimilator. Gewebesystems d. Pflanzen, in: Jb. f. wiss. Botanik 13, 1881;
    Btrr. z. Physiol. u. Anatomie d. Laubmoose, ebd. 17, 1886;
    Zur Statolithentheorie d. Geotropismus, ebd. 38, 1903;
    Das reizleitende Gewebesystem d. Sinnpflanze, 1890;
    Anatom.-physiolog. Unterss. üb. d. trop. Laubblatt, I, II a, b, = SB d. Ak. d. Wiss. Wien 1/101, 1892, 1/103, 1894, 1/104, 1895;
    Eine botan. Tropenreise, 1893, 21910;
    Physiolog. Pflanzenanatomie, 1896, 61924 (engl. 1914);
    Über d. Perzeption d. geotrop. Reizes, in: Berr. d. dt. botan. Ges. 18, 1900;
    Sinnesorgane im Pflanzenreich, 1901;
    Die Lichtsinnesorgane d. Laubblätter. 1905;
    Zur Physiol. d. Zellteilung, 6 Mitt., in: SB d. preuß. Ak. d. Wiss. Berlin, 1914-21;
    Zur Zytol. u. Physiol. d. weibl. Gametophyten v. Oenothera, ebd. 1927;
    Das Wesen d. Crataegomespili, ebd. 1930;
    Erinnerungen, Bekenntnisse u. Betrachtungen, 1933 (Autobiogr.).

  • Literatur

    F. Weber, in: Alm. d. Wiener Ak., 1945, S. 372-80;
    O. Renner, in: Jb. d. Bayer. Ak. d. Wiss. 1944/48, 1948, S. 258-61;
    F. Knoll, in: Österr. Naturforscher u. Techniker, 1951, S. 111-13 (L S. 204, P);
    H. v. Guttenberg, in: Phyton, Ann. rei botanicae 6, 1955 (W-Verz., P);
    ders., in: Gesch. d. Mikroskopie I, Biologie, 1963 (P);
    ÖBL.

  • Portraits

    Bronzebüste v. Hertha v. Guttenberg-Cornilsen (im Bes. v. Frau E. Haberlandt, Berlin);
    Bildnisse berühmter Mitgl. d. Dt. Ak. d. Wiss. z. Berlin, 1950, S. 94.

  • Autor/in

    Hermann von Guttenberg
  • Empfohlene Zitierweise

    Brücke, Franz Th., "Haberlandt, Gottlieb" in: Neue Deutsche Biographie 7 (1966), S. 394-395 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118973711.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA