Lebensdaten
1850 bis 1937
Geburtsort
Köln
Sterbeort
Bonn
Beruf/Funktion
Indologe
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118963112 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Jacobi, Hermann Georg
  • Jacobi, Hermann
  • Jacobi, Hermann Georg
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Zitierweise

Jacobi, Hermann, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118963112.html [23.02.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Friedrich Heinrich Otto (1803–80), Dampfmühlenbes. u. Mühlenbauer in K., dann in Boppard, S d. Gottlob (s. 1);
    M Caroline Zeiz;
    Vt Hugo (s. 3);
    Basel 1883 Elisabeth (1854–1928), T d. Carl Ludwig Friedrich Blanckarts (1827–1903), Dir. d. Transport-Versicherungsges. Baloise in Basel, u. d. Elisabeth Schultz;
    4 S, 1 T, u. a. Elisabeth|( Franz Oelmann, 1883–1963, Prof., Dir. d. Rhein. Landesmus. in B. 1930–49).

  • Leben

    In Berlin und Bonn studierte J. 1868-72 Mathematik, Sanskrit und Vergleichende Sprachwissenschaft; der Unterricht des vielseitigen Albrecht Weber machte ihn mit zahlreichen Gebieten der Indologie vertraut. Nach der Promotion in Bonn (1872 bei J. Gildemeister) folgte 1873/74 eine Reise nach Indien, wo sich J. unter der Leitung J. G. Bühlers die bemerkenswerte Vertrautheit mit Handschriften aneignete, die viele seiner Arbeiten erst ermöglichte. 1875 habilitierte sich J. in Bonn für Sanskrit und Vergleichende Sprachwissenschaft und wurde 1876 nach Münster berufen. 1885 folgte er einem Ruf nach Kiel und ging 1889 nach Bonn, wo er, 1922 emeritiert, bis zum Ende seines Lebens verblieb. 1913/14 unternahm er eine zweite Reise nach Indien, die wesentliche neue Materialien erbrachte (Apabhraṃśatexte).

    Dies an äußeren Ereignissen arme Leben umfaßt ein reiches wissenschaftliches Werk (ca. 200 Publikationen). Fast alle Arbeiten J.s demonstrieren seine profunde Kenntnis des Sanskrit: er beherrschte auch die schwierigen, hochstilisierten wissenschaftlichen und literarischen Spättexte zur Vollkommenheit. Zu seinen Hauptarbeitsgebieten gehörte der Jinismus. Die Kenntnis dieser Religion hat er nicht nur durch Editionen (Apabhramṃśatexte) und Übersetzungen gefördert, sondern ihm ist auch der Nachweis gelungen, daß der Jinismus eine unabhängige Religion, nicht eine buddhistische Sekte ist. Aus der Beschäftigung mit diesen Texten gingen sprachwissenschaftliche Arbeiten besonders zum Mittelindischen hervor: J.s Einführung ins Mittelprakrit ist bis heute Standardwerk. Grundlegend sind weiter die Arbeiten zur Indischen Poetik und Ästhetik, einem Gebiet, das J.durch Übersetzungen technischer Werke erschloß und in zusammenfassenden Abhandlungen durchdrang. Vertrautheit mit indischer Dichtungstheorie war eine Voraussetzung für J.s Aufsätze über die Indische Literaturgeschichte der Klassischen Zeit: Zu deren bleibenden Ergebnissen zählen auf minutiösen Textvergleich gegründete Ansätze zu relativer Chronologie. Die an der Beobachtung von Stileigentümlichkeiten entwickelte Methode wandte J. auf die Ideengeschichte an und suchte so u. a., eine gesicherte Chronologie der Indischen Philosophie zu begründen. Über lange Jahre begleiteten den astronomisch und mathematisch Geschulten schließlich Probleme der Chronologie: seine umfänglichen Kalkulationstafeln für indische Daten sind Handwerkszeug für den Inschriften- und Manuskriptforscher geblieben. – All das erarbeitete J. auf dem Hintergrund umfassender Kenntnis auch solcher Texte, die nicht über Dezennien seine Publikationen bestimmten: die unentbehrlichen Inhaltsangaben der beiden großen Epen Indiens z. B. scheinen fast aus beiläufiger Lektüre erwachsen.

    Charakteristisch für J.s wissenschaftliches Lebenswerk ist eine mit äußerster Akribie gepaarte ungewöhnliche Sensibilität, die sich in einer besonderen Art der Phantasie manifestierte. Diese Verbindung ließ ihn den Zugang zu neuen Fragestellungen finden. J. liebte es, Fakten auf ihre Implikationen hin zu durchdenken. Indem er seine Arbeiten paradigmatisch auffaßte, gelangte er in seinen Aufsätzen zu Gedankengängen von großer Kühnheit. Seine Freude am Extrapolieren, an – fast immer nur skizzenhaft hingeworfener – Zusammenschau hat nicht immer den Beifall weniger abstrakt argumentierender Fachgenossen gefunden.– Wie seine Ergebnisse, werden auch seine Anregungen noch lange fortwirken.

  • Werke

    De astrologiae Indicae, hora' appellatae originibus, Diss. 1872;
    The Kalpasūtra ot Bhadrabāhu ed. 1879, Nachdr. 1966;
    Jaina Sūtras transl. 2 Bde., 1884 f., Nachdr. 1964;
    Ind. Hypermetra u. hypermelr. Texte, in: Ind. Studien 17, 1885, S. 389-441;
    Ausgew. Erzz. in Māhārāşţrī, 1886, Nachdr. 1967;
    Das Rāmāyaņa, Gesch. u. Inhalt, 1893, Nachdr. 1970 (engl. Übers.: The Rāmāyaņa, übers. v. S. N. Ghosal, 1960);
    Der ved. Kal. u. d. Alter d. Veda, in: Zs. d. Dt. Morgenländ. Ges. 49, 1895, S. 218-30;
    Die ind. Logik, in: Nachrr. v. d. Ges. d. Wiss. zu Göttingen, phil.-hist. Kl., 1901, S. 460-84;
    Ānandavardhanas Dhvanyāloka, 1903;
    Mahābhārata, 1903;
    Eine Jaina-Dogmatik, 1906;
    The Dates of the philosophical Sūtras, of the Brahmans, in: Journal of the American Oriental Society 31, 1911, S. 1-29;
    Bhavisatta-Kahā v. Dhaņavāla, 1918;
    Sanatkumāracaritam, e. Abschnitt aus Haribhadras Nemināthacaritam, 1921;
    Die Entwicklung d. Gottesidee bei d. Indern u. deren Beweise f. d. Dasein Gottes, 1923;
    Über d. urspr. Yogasystem, 1929;
    Triṃśikāvijñapti d. Vasubandhu mit Bhāşya d. Ācārya Sthiramati, 1932;
    - Sammelbde.: Schrr. z. ind. Poetik u. Ästhetik, Mit e. Vorbemerkung v. H. Losch, 1969;
    Kleine Schrr. hrsg. v. B. Kölver, 1970 (W-Verz.);
    - W. Kirfel, Verz. d. b. z. 11.2.1920 ersch. Schrr. H. J.s, 1920.

  • Literatur

    H. v. Glasenapp, in: Zs. d. Dt. Morgenländ. Ges. 92, 1938, S. 1-14 (W-Verz.);
    L. Renou, in: Journal Asiatique 230, 1938, S. 129-43.

  • Portraits

    Phot. in: Btrr. z. Lit.wiss. u. Geistesgesch. Indiens, Festgabe H. J., hrsg. v. W. Kirfel, 1926;
    W. Rau, Bilder hundert dt. Indologen, 1965.

  • Autor/in

    Bernhard Kölver
  • Empfohlene Zitierweise

    Kölver, Bernhard, "Jacobi, Hermann" in: Neue Deutsche Biographie 10 (1974), S. 228-229 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118963112.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA