Lebensdaten
1848 bis 1916
Geburtsort
Gersdorf (Mecklenburg)
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
preußischer General ; Generalstabschef
Konfession
evangelisch?
Normdaten
GND: 118854801 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Moltke, Helmuth Graf von

Verknüpfungen

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Zitierweise

Moltke, Helmuth Graf von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118854801.html [11.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Adolf (1804–71), dän. Beamter, Deputierter d. schleswig-holstein-lauenburg. Kanzlei in Kopenhagen, seit 1867 preuß. Landrat in Pinneberg, S d. Friedrich (s. Gen. 1);
    M Auguste (anhalt-bernburg. Adel 1834, 1814-1902), T d. August v. Krohn (dän. Personaladel, 1782–1856), schleswig. Gen. u. Kriegsmin., u. d. Charlotte Thomsen (1789–1885);
    Urur-Gvm Johann Leonhard Callisen (1738–1806), luth. Theologe (s. NDB III);
    Ov Helmuth Gf. (s. 1);
    B Wilhelm Gf. (1845–1905), Majoratsherr auf Kreisau, Mitgl. d. preuß. Herrenhauses, Gen.-Lt. (s. BJ X, Tl.);
    Quäsarum (Schonen) 1878 Eliza (1859–1932), T d. Wladimir Gf. v. M.-Hvitfeld (1834–94), auf Quäsarum, dän. Hofjägermeister, u. d. Oktavia Hjelm (1834–1918);
    2 S, 2 T;
    Gr-N Helmuth James Gf. (s. 3).

  • Leben

    M. trat nach bestandener Fähnrichsprüfung 1869 als Fahnenjunker in das Füsilier-Rgt. 86 ein und kam 1870 zum Grenadier-Rgt. Kg. Wilhelm I. (2. Westpreuß.) Nr. 7 in Liegnitz. Damit befand er sich in der Nähe von Kreisau und diente im Regiment, dem auch der Jugendfreund seines Onkels, v. Wartensleben, angehört hatte. Als Sekonde-Leutnant nahm er am Deutsch-Franz. Kriege teil und wurde mit dem Eisernen Kreuz II. Kl. ausgezeichnet. 1872 wurde er zum 1. Garde-Rgt. zu Fuß nach Potsdam versetzt. 1875-78 absolvierte er an der Kriegsakademie Berlin die Ausbildung zum Generalstabsoffizier (1877 Premier-Leutnant). 1880 wurde er zum Großen Generalstab kommandiert (1881 Hauptmann). Nachdem er von seinem Onkel, dem Chef des Großen Generalstabes, bereits gelegentlich zu Adjutantendiensten herangezogen worden war, wurde er 1882 zum 2. Adjutanten des Chefs des Generalstabes der Armee ernannt und löste damit seinen Vetter Henry Burt ab. 1888 rückte er zum 1. Adjutanten des Generalfeldmarschalls Gf. v. Moltke auf und wurde zwei Monate später zum Major befördert. Er begleitete seinen Onkel auf dessen zahlreichen Reisen und bei Einladungen. Hierbei lernte er auch den nachmaligen Kaiser Wilhelm II. kennen, der im 1. Garde-Regiment zu Fuß diente, M.s letztem Truppenkommando. Nach dem Tode des Onkels ernannte ihn Kaiser Wilhelm II., zu dem M. freundschaftliche Beziehungen unterhielt, 1891 zum diensttuenden Flügeladjutanten. 1893 wurde er zum Oberstleutnant befördert und zum Kommandeur der Schloßgarde-Kompanie ernannt. Für die nächsten elf Jahre gehörte M. somit zur unmittelbaren Umgebung des Kaisers. Seit 1895 Oberst, wurde er im folgenden Jahr Kommandeur des Kaiser Alexander Garde-Grenadier-Rgt. Nr. 1 in Berlin. 1899 erfolgte die Beförderung zum Generalmajor und die Ernennung zum Kommandeur der 1. Garde-Infanterie-Brigade sowie die Beauftragung zur Wahrnehmung der Geschäfte des Kommandanten von Potsdam. 1902 wurde er zum Generalleutnant befördert und erhielt das Kommando über die 1. Garde-Infanterie-Division, gleichzeitig wurde er zum Generaladjutanten des Kaisers ernannt. Der Kaiser kommandierte M. 1904 zur Dienstleistung beim Chef des Generalstabes der Armee und ernannte ihn am 16.2.1904 zum Generalquartiermeister. M. war damit zum Kandidaten für die Nachfolge des Generalobersten Alfred Gf. v. Schlieffen aufgerückt, der seit 1891 Chef des Generalstabes der Armee war. Nach einem Reitunfall M.s im August 1905 entsprach Kaiser Wilhelm II. seinem Abschiedsgesuch und ernannte ihn am 1.1.1906 zum Chef des Generalstabes der Armee (General der Infanterie 16.10.1906). Im folgenden Jahr wurde M. à la suite des Kaiser Alexander Garde-Grenadier-Rgt. Nr. 1 gestellt, 1913 erhielt er das Füsilier-Rgt. General-Feldmarschall Gf. Moltke (Schlesisches) Nr. 38 verliehen. Am 27.1.1914 wurde M. zum Generaloberst befördert.

    Im Gegensatz zu seinen Vorgängern verfügte der neue Generalstabschef nur über wenig Erfahrung in der Arbeit des Großen Generalstabes. M. wurde in erster Linie aufgrund seiner freundschaftlichen Beziehungen zu Wilhelm II. von diesem für dieses Amt ausgesucht. M. war ein kultivierter Mann von hoher Intelligenz und großer Bildung. Ein Anhänger der theosophischen Lehren von Rudolf Steiner, war er an Kunst und Musik, Literatur und Philosophie interessiert. Die Zeitgenossen schätzten sein verbindliches Wesen, seine Bescheidenheit und seinen anständigen Charakter. Allerdings besaß M. weder das Charisma eines Feldherren, der seine Truppen mit Siegeszuversicht erfüllen konnte, noch war er der geborene Administrator einer komplexen Bürokratie, zu welcher sich der Große Generalstab inzwischen entwickelt hatte. Hinzu kam, daß seit 1911 seine Gesundheit ernsthaft angeschlagen war.

    Als Chef des Generalstabes der Armee oblag ihm seit Kriegsbeginn 1914 die Leitung der Operationen des deutschen Feldheeres. Der deutsche Operationsplan gegen Frankreich basierte auf den Studien seines Vorgängers Schlieffen, die eine gigantische Umfassungsbewegung zur Einschließung der franz. Armee mit einem Durchmarsch durch das neutrale Belgien vorsahen und die Vernichtung der gegnerischen Streitmacht in einer einzigen gewaltigen Schlacht zum Ziel hatten. Ob dieser zahllose Risiken enthaltende „Schlieffenplan“ und das von ihm intendierte „Cannae“ mit einer Armee, die noch nicht über motorisierte Truppen und Panzerverbände verfügte, technisch realisierbar war, ist heute noch umstritten. Die Zeitgenossen und die Kriegsgeschichtsschreibung nach dem 1. Weltkrieg warfen M. die Verwässerung des Schlieffenplanes vor, weil durch Schwächung des rechten Flügels die große, weit nach Westen ausholende Umgehung vereitelt worden sei. Als am 9.9.1914 den bis zur Marne etwa 50 km vor Paris vorgedrungenen deutschen Verbänden die Einschließung durch die Franzosen drohte, erteilte M. den Befehl zum Rückzug hinter die Aisne. Das „Wunder an der Marne“, wie die Franzosen dieses Ereignis bezeichnen, war ein Meilenstein für die militärische Niederlage Deutschlands im 1. Weltkrieg. Ursachen für den militärischen Mißerfolg waren unbestreitbar die technische Unzulänglichkeit der damaligen Fernmeldemittel zwischen dem Großen Hauptquartier und der Front sowie die weitgehende Selbständigkeit, die M. seinen Armeeführern einräumte, und sein Zögern, rechtzeitig in die Operationen einzugreifen, wenn diese vom Gesamtplan abwichen. Durch den Rückschlag vom September 1914 ein seelisch gebrochener Mann, mußte M. am 14.9.1914 die Leitung der Operationen an General Erich v. Falkenhayn abgeben, blieb aber bis zum Jahresende nominell noch Chef des Generalstabes des Feldheeres im Großen Hauptquartier. 1916 erlag er einem Schlaganfall.|

  • Auszeichnungen

    Schwarzer Adlerorden (1909), Pour le mérite (1915).

  • Werke

    Gen.oberst H. v. M., Erinnerungen, Briefe, Dokumente 1877-1916, hrsg. u. mit e. Vorwort versehen v. Eliza v. Moltke, 1922.

  • Literatur

    Die Grenzschlachten im Westen (Der Weltkrieg 1914 bis 1918, bearb. im Reichsarchiv, I), 1925;
    H. Rochs, Ärztl. Betrachtungen d. Schweizer Chirurgen u. Oberstlt. Bircher z. Weltkrieg, in: Dt. med. Wschr. 1927, Nr. 33;
    W. Gröner, Das Testament d. Gf. Schlieffen, 1927;
    ders., Feldherr wider Willen, Operative Stud. üb. d. Weltkrieg, 1931;
    H. Möller (Hrsg.), Gesch. d. Rr. d. Ordens „pour le mérite“ im Weltkrieg II, 1935, S. 48-50;
    G. Ritter, Der Schlieffenplan, Kritik e. Mythos, 1954;
    F. Frhr. Hiller v. Gaertringen (Hrsg.), Gröner, Lebenserinnerungen, 1957;
    Das Tagebuch d. Baronin Spitzemberg, Aufzeichnungen aus d. Hofges. d. Hohenzollernreiches, hrsg. v. R. Vierhaus, 31963;
    I. Geiss, Julikrise u. Kriegsausbruch 1914, 2 Bde., 1963;
    E. Hull, The Entourage of Kaiser Wilhelm II., 1888–1918, 1982;
    S. Förster, Der doppelte Militarismus, Die dt. Heeresrüstungspol. zw. Status-quo-Sicherung u. Aggression 1890-1913, 1985;
    ders., H. v. M. u. d. Problem d. industrialisierten Volkskrieges im 19. Jh., in: GFM v. M., Bedeutung u. Wirkung, Im Auftrag d. Militärgeschichtl. Forschungsamtes hrsg. v. R. G. Foerster, 1991, S. 103-15;
    A. Bucholz, M., Schlieffen, and Prussian War Planning, 1991.

  • Autor/in

    Heinrich Walle
  • Empfohlene Zitierweise

    Walle, Heinrich, "Moltke, Helmuth Graf von" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 17-18 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118854801.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA