Lebensdaten
1833 bis 1913
Geburtsort
Berlin
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
preußischer Generalfeldmarschall ; Chef des Generalstabs der Armee
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 118759396 | OGND | VIAF

Porträt(nachweise)

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Zitierweise

Schlieffen, Alfred Graf von, Indexeintrag in: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd118759396.html [28.07.2016].

CC0

Schlieffen, Alfred Graf von|

preußischer Generalfeldmarschall, Chef des Generalstabs der Armee, * 28.2.1833 Berlin, 4.1.1913 Berlin. (lutherisch)

  • Genealogie

    Aus seit d. 14. Jh. in Kolberg nachweisbarer Fam., d. zu d. Sülzgilde gehörte; V Magnus (1796–1864), aus Königsberg (Pr.), Erbherr auf Gr.-Krausche, preuß. Major, S d. Karl (1763–1840, preuß. Gf. 1812), aus Köslin, preuß. Oberst, Stifter d. jüngeren Linie d. Grafen v. S., u. d. Philippine v. Natzmer aus d. Hause Rützenhagen (1771–1828); M Auguste (1808–90), T d. Moritz Haubold v. Schönberg (1770–1860) u. d. Luise Gfn. v. Stolberg-Wernigerode (1787–1856); Ur-Gvv Johann Leo v. S. (1719-77), preuß. Hof- u. Kammerger.rat; 3 B Theodor (1831-|1900), preuß. Gen.lt. d. Kav., Vors. d. Heroldsamts in B., Arthur (1844–1914), preuß. Gen. d. Kav., Henrich (1848–70 ⚔), preuß. Gardeoffz.; 3 Schw Luise (1829–1900, Friedrich Gf. Egloffstein), Marie (1834–1902), Äbtissin v. Drübeck, Katharina (1836–74, Heinrich v. Welck, auf Riesa); – Hannover 1868 Anna (1840–72), aus B., T d. Albert Gf. v. Schlieffen (Ov) u. d. Marie Gfn. v. Stolberg-Wernigerode (1813–79), 2 T u. a. Elisabeth (* 1869, Wilhelm v. Hahnke, 1867–1931, preuß. Gen.major, s. NDB VII*, S d. Wilhelm v. Hahnke, 1833–1912, preuß. Gen.lt., Chef d. Mil.kab., s. NDB VII), Stiftsdame v. Drübeck.

  • Leben

    Nach Gymnasialausbildung in Niesky und Abitur 1853 am Joachimsthalschen Gymnasium Berlin begann S. ein Jurastudium und den Einjährigen-Freiwilligen-Dienst in Berlin, trat aber noch 1853 zur Kavallerie über, wurde 1854 Leutnant und erst 1881 Oberst. Nach Truppendienst und Studium an der Kriegsakademie 1858-61 wurde er im Topographischen Bureau der Armee eingesetzt. 1865-76 diente er, von kurzem Einsatz 1869-70 als Eskadronchef abgesehen, in höheren Stäben. S. war Gefechtsteilnehmer 1866 von Münchengrätz, Gitschin, Königgrätz und 1870/71 von Noisseville, Toul, Soissons und des Winterfeldzugs an der Loire. 1876-84 Kommandeur des 1. Garde-Ulanen-Rgt. Potsdam, diente er seit 1884 nur noch im Generalstab der Armee. Zunächst Chef der Frankreich-Abteilung, war er 1889 stellv. Generalstabschef, 1886 Generalmajor, 1888 Generalleutnant. 1891-1906 war S. als Chef des Generalstabs der Armee der faktische Oberbefehlshaber im Kriegsfall, dessen Friedensaufgabe darin bestand, einen reibungslosen Aufmarsch vorzubereiten; 1893 wurde er General der Kavallerie, 1903 Generaloberst, 1911 Generalfeldmarschall.

    S. war von Pietismus und Adelsstolz geprägt und für seinen scharfen und sarkastischen Ton bekannt. Wilhelm II. wählte S. als Nachfolger des Generalstabschefs Gf. v. Waldersee. Sein erster Auftrag 1891 bestand in der Beendigung der politischen Querverbindungen des Generalstabs, z. T. auf dem Disziplinarweg. Der Abschluß der franz.-russ. Militärkonvention 1892 bestätigte den Zweifrontenkrieg als wahrscheinlichste Form eines möglichen Krieges. Die quantitative Überlegenheit der Gegner, die der dt.-österr. Zweibund (1879) nicht kompensierte, veranlaßte Kriegsminister und Generalstabschef zu Maßnahmen zum Gewinn einer qualitativen Überlegenheit, wie sorgfältige Auslese und Ausbildung des Offizierkorps, das Wilhelm II. 1894 für das breitere Bürgertum öffnete, sowie durch die Modernisierung von Taktik, Waffen und Logistik. Die Analyse der Schlacht von Ulm, die Napoleon 1805 dank kaltblütigen Durchmarschs durch das neutrale preuß. Mittelfranken gewonnen hatte, veranlaßte S., ansatzweise schon seit 1891, den militärischen Planungen anstelle der bis dahin in den strategischen Überlegungen des Generalstabs vorherrschenden Offensive gegen Rußland die Westoffensive und die Umgehung franz. Festungen durch das neutrale Belgien zugrundezulegen, wobei er die möglichen außenpolitischen Folgen ignorierte. Das seit Königgrätz, Metz und Sedan selbstverständliche und von S. in seinen Cannae-Studien erläuterte Ideal der Vernichtungsschlacht durch Umfassung übersteigerte er zum Ideal des Umfassungs- und Vernichtungsfeldzugs gegen Frankreich. Politische Zielsetzungen, Völkerrecht und Kriegsbrauch hatten, wie S.s Rahmenanweisungen erkennen lassen, gegebenenfalls hinter den strategisch-operativen Erfordernissen zurückzutreten. 1904/05 entwickelte er den „Schlieffen-Plan“ zur Vernichtung des franz. Heeres mit fünf auf einen Schlag durch Belgien vorstoßenden dt. Armeen unter Vernachlässigung der Ostfront; diese Strategie bestimmte seitdem die Planungen des Generalstabs. S.s Nachfolger als Generalstabschef, Helmuth v. Moltke (1848–1916), wandte bei Kriegsausbruch 1914 diesen oft als Siegesrezept gefeierten, aber mit vielen Risiken behafteten Plan in modifizierter Form an, was in der Marneschlacht (5. – 12.9.1914) zum Stoppen des dt. Vormarsches und zu großen Verlusten führte.

  • Auszeichnungen

    E. K. I.(1871); Schwarzer Adler-Orden mit Kette u. Brillanten (1897); Großkreuz d. Roten Adler-Ordens mit Eichenlaub u. Schwertern am Ring; Kronenorden I. Kl.; franz. Offz. d. Ehrenlegion; ital. Mauritius-Orden; österr. Leopold-Orden; russ. Alexander-Newski-Orden; türk. Osmanié-Orden; Mitgl. d. Preuß. Herrenhauses auf Lebenszeit (1904); Dr. h. c. (Berlin 1910).

  • Werke

    Briefe, hg. v. E. Kessel, 1958;  Cannae, hg. v. H. v. Freytag-Loringhoven, 1925;  Dienstschrr., hg. v. Gen.stab d. Heeres, 2 Bde., 1937/38;  Friedrich d. Gr., 1912;  Ges. Schrr., 2 Bde., 1913;  Gneisenau, 1933;  A. v. S.s Military Writings, hg. v. R. T. Foley, 2003 (P).

  • Literatur

    W. Groener, Das Testament d. Gf. S., 1927;  G. Ritter, Der Schlieffenplan, 1956;  Y. Wallach, Das Dogma d. Vernichtungsschlacht, 1967;  F. v. Boetticher, S., 1973 (P)ders., S., Viel leisten, wenig hervortreten, 1996 (P);  Operatives Denken u. Handeln, hg. v. Mil.geschichtl. Forsch.amt, 1988;  A. Bucholz, Moltke, S., and prussian war planning, 1991;  R.-J. Eibicht, S., Strategie u. Pol., 1991;  Führungsdenken, hg. v. Mil.geschichtl. Forsch.amt, 2001;  M. Behnen, in: M. Fröhlich (Hg.), Das Kaiserreich, 2001, S. 120-30;  T. Zuber, Inventing the Schlieffen Plan, German War-Planning 1871-1914, Diss. Würzburg 2002;  Der Schlieffenplan, Analysen u.|Dokumente, hg. v. H. Ehlert, M. Epkenhaus u. P. G. Groß, 2006;  A. A. Stahel, Klassiker d. Strategie, 32003.

  • Autor

    Wolfgang Petter
  • Empfohlene Zitierweise

    Petter, Wolfgang, "Schlieffen, Alfred Graf von" in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 81-83 [Onlinefassung]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd118759396.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

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