Lebensdaten
1448 bis 1517
Geburtsort
Hamburg
Sterbeort
Hamburg
Beruf/Funktion
Geistlicher ; Gelehrter ; hansischer Syndikus ; Humanist ; Chronist ; Jurist ; Historiker
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118777939 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Cranss, Albertus
  • Crantz, Albert
  • Crantz, Albertus
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Zitierweise

Krantz, Albert, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd118777939.html [30.03.2017].

CC0

Krantz, Albert

Geistlicher, Gelehrter, hansischer Syndikus, * 1448 Hamburg, 7.12.1517 Hamburg.

  • Genealogie

    Fam. stammt aus d. Altmark, seit Ende 14. Jh. lebte e. Zweig in H. als Schiffer u. Kaufleute; V Eggert (n. 1423-78), Schiffer, wohl auch Reeder u. Kaufm. in H., 1461-71 hamburg. Schloßhauptm. auf d. Moorburg, seit 1472 hamburg. Herrenschenk, S d. Albert ( 1452), Schiffer, wohl auch Reeder u. Kaufm., u. d. Abelke Beerboom; M Greta (um 1420-n. 1487), T d. Johs. Hovemann ( 1432) u. d. Gerburg Wedeghe; B Eggert ( 1524), 1502 Prokurator d. dt. Nation in Bologna, Dr., Domherr u. Dekan d. Domkapitels zu H. (s. L); N Johannes Oldendorp ( 1567), Prof. d. Rechte in Marburg (s. ADB 24); N Margarete ( Bernhard Langermann, Kaufm.); Ur-Groß-N Lorenz Langermann ( 1620), aszet. Schriftsteller (s. ADB 17), Margarete Langermann ( Anton v. Wietersheim, 1614, holstein. Kanzler, kaiserl. Rat).

  • Leben

    K. studierte seit Mai 1463 in Rostock, wo er – 1467/68 magister artium geworden – sein Studium bis zum Baccalaureat der Theologie und des kanonischen Rechts fortsetzte. 1481-86 bekleidete er wiederholt das Amt des Dekans der artistischen Fakultät; 1482/83 wurde er Rektor der Universität Rostock. Nach seinem September 1486 vollzogenen Übertritt in lübische Dienste als Syndikus bemühte er sich als einer der Wortführer der vermittelnden Hansestädte um eine Beilegung des langjährigen Rostocker Domstreites. Im Winter 1490/91 reiste er im Auftrage des lübischen Rates zur Vermittlung im Streite Rigas mit dem Deutschen Orden über Danzig und Königsberg nach Riga, Dorpat und Reval. Mai/Juni 1491 trat er als Wortführer der deutschen Hanse bei wichtigen Verhandlungen in Antwerpen den Vertretern des englischen Königs und der Stadt Brügge gegenüber: Verletzung der Hanseprivilegien in England und englische Übergriffe auf hansische Waren, Einhaltung des Stapels in Brügge und Einführung von neuen Zöllen. Wohl noch 1491 ging er nach Mainz und promovierte an der dortigen Universität zum doctor decretorum; er schloß sein Studium in Perugia mit der Erlangung der theologischen Doktorwürde ab. Im Mai 1493 übernahm K. das Amt eines lector primarius am Dom zu Hamburg. Als solcher verfaßte er in den folgenden Jahren Schriften theologischen und philosophischen Inhalts. Daneben war er ohne festes Dienstverhältnis auch weiterhin für Lübeck und nun auch für Hamburg tätig, so auf den Tagungen von Lüneburg, Braunschweig und Zerbst Juni/Juli 1493 in Sachen des Streites Braunschweigs mit seinem Herzog und 1494 bei mehreren Verhandlungen in niederdeutschen Städten und auf dem Hansetag zu Bremen. In Fortführung der Verhandlungen von 1491 bemühte er sich als hansischer Wortführer 1497, 1499 und 1504 in Antwerpen und Brügge um einen Ausgleich mit den Engländern, der Stadt Brügge und dem Herzog von Burgund. Juni 1497 verhandelte er als Abgesandter der Hanse erfolgreich mit dem Admiral von Frankreich in Paris wegen Übergriffen französischer Seeräuber auf hansische Schiffe. 1498-1500 vermittelte er im Streit des Herzogs Friedrich von Holstein und Schleswig mit Hamburg und Dithmarschen um den Heringsfang bei Helgoland sowie 1498 und 1500 als hamburgischer Gesandter im Streit des Erzbischofs von Bremen mit Magnus von Sachsen in Bremen und Buxtehude. 1500 war K. Obmann im Schiedsgericht nach der Schlacht von Hemmingstedt. Der Streit des hamburgischen Rates mit dem Domkapitel der Stadt unterbrach seine diplomatische Tätigkeit weitgehend und ermöglichte ihm 1500-04 die Abfassung seiner historischen Schriften. 1503 war er maßgebend an den Verhandlungen im dänisch-lübischen Konflikt in Stralsund und Rostock beteiligt, in dessen Verlauf er 1507 als Unterhändler der Städte auf einer Tagung mit dem dänischen König in Nyköping auf Falster auftrat. Nach seiner Wahl zum Domdekan in Hamburg 1508 unternahm er 1509 und 1514 Visitationsreisen durch den nordelbischen Kirchensprengel. In den letzten Jahren im festen Dienstverhältnis als Syndikus von Hamburg stehend, begab er sich noch 1511 in Sachen der von Maximilian erneut vertretenen Reichsunmittelbarkeit Hamburgs an den Kaiserhof in Süddeutschland, wo er eine Zurückziehung einer diesbezüglichen Klage des Kaisers gegen den hamburg. Rat beim Reichskammergericht erwirkte.

    Seine aus dem Nachlaß herausgegebenen historischen Werke bieten eine auf reichem|Quellenmaterialaufbauende Geschichte Nord-, Mittel- und Osteuropas in vier nebeneinander ausgearbeiteten Teilen: 1. der Saxonia (1520) als Geschichte des sächsischen Stammes und des deutschen Reiches, 2. der Metropolis (1548), eine niedersächsische Kirchengeschichte (in der Ausgabe von 1590 Widerlegung einer Legende über Papst Benedikt V.), 3. der Wandalia (1519), eine Geschichte der Wandalen, der Wenden und Osteuropas, 4. der Chronica regnorum aquilonarium (1546) in ihren Teilen Dania, Suecia und Norvagia als eine Geschichte Skandinaviens, der Goten und Normannen. In diesen Werken verbindet sich die Betrachtungsweise des überlegenen hans. Diplomaten mit einer breiten Verarbeitung wertvoller Anregungen italienisch Humanisten. Als methodische Vorbilder dienten Platinas Papstviten, Enea Silvios böhmische Geschichte und Flavio Biondos Dekaden. Letzterer gab mit seiner italienischen Geschichte das Vorbild für die den Werken zugrundeliegende Gesamtkonzeption einer Geschichte der „Germania magna“ ab. Mit einer Kritik an mittelalterlichen Fabeln verbindet sich eine tiefgehende Erschütterung des mittelalterlichen Weltbildes. Diese Werke fanden in der Folgezeit eine weitgehende Verbreitung und wurden von David Chytraeus fortgeführt.

  • Werke

    Weitere W Lat. Grammatik, hrsg. v. B. Moller, 1506; Zwei Lehrbücher d. Logik, 1504; Institutiones Logicae, 1517; Commentum seu expositio in libros Aristotelis de anima, Philosophia naturalis, Questiones super Ethicam et Metaphysicam Aristotelis (Hs., Leipzig, Univ.bibl.); Oratio in laudem divi Apostoli; Albert Crantzii Defensorium Ecclesiae seu Speculum hierarchiae Ecclesiasticae contra mendicantes Doctores, in: N. Wilkens, Leben d. berühmten Doct. Alberti Crantzii, 1729, S. 59-128; Spirantissimum opusculum in officium misse, 1506 hrsg. v. B. Moller; Cursus de Domina, ein Gebet- u. Erbauungsbuch, 1522; Ordo missalis secundum ritum Hamburgensis ecclesie, 1509; Breviarium, 1507.

  • Literatur

    ADB 17; P. Schaerffenberg, Die Saxonia d. A. K., Diss. Kiel 1893; C. Mönckeberg, Der theol. Charakter d. A. K., in: Zs. d. Ver. f. hamburg. Gesch. 3, 1851, S. 400; E. Schäfer, Zur Gesch.-schreibung d. A. K., ebd. 10, 1899, S. 385-484; H. Reincke, A. K. als Gesch.forscher u. Gesch.-schreiber, in: Festschr. d. Hamburg. Univ. f. Werner von Melle, 1933, S. 111-47; F. Röder, A. K. als Syndikus v. Lübeck u. Hamburg, Diss. Marburg 1910; V. A. Nordman, Die Wandalia d. A. K. - e. Unters., in: Ann. Academiae scientiarum Fennicae 29, 3, 1934; ders., Die Chron. regnorum Aquilonarium d. A. K. - e. Unters., in: Zs. d. Ver. f. hamburg. Gesch. 35, 1936; E. Waschinski, Der Hamburger Humanist u. Syndikus A. K. 1448-1517 als Päd., ebd. 39, 1940, S. 139-78. - Th. G. Werner, Die Fam. d. … A. K., in: Zs. d. Zentralstelle f. nd.sächs. Fam.kde. 8, 1926, S. 69-79. - Zu B Eggert: G. C. Knod, Dt. Studenten in Bologna, 1898.

  • Portraits

    Denkstein, 1569 (Hamburg, Mus. f. Hamburg. Gesch., ursprüngl. im Dom).

  • Autor

    Manfred Grobecker
  • Empfohlene Zitierweise

    Grobecker, Manfred, "Krantz, Albert" in: Neue Deutsche Biographie 12 (1979), S. 673 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd118777939.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

Krantz, Albert

  • Leben

    Krantz: Albert K., berühmter Theologe und Geschichtschreiber am Ausgange des Mittelalters, wurde vor der Mitte des 15. Jahrhunderts zu Hamburg (nicht zu Bamberg) geboren; die Familie war eine angesehene; sein Vater bekleidete mehrere Aemter in städtischen Diensten, unter anderem das des Herrenschenken. Im J. 1463 wurde er zu Rostock unter dem Rector Henricus van dem Werdere inscribirt; hier und in Köln studirte er zunächst Jurisprudenz und wandte sich dann der Theologie und der Geschichte zu. Er unternahm darauf zu seiner weiteren Ausbildung größere Reisen, auf welchen er auch noch andere Universitäten besuchte; in Mainz und in Perugia soll er sich akademische Grade erworben haben. Wir finden ihn dann als Docent in Rostock, hier war er im J. 1482 Rector und im J. 1486 Decan der philosophischen Facultät; bald hielt er auch theologische Vorlesungen und im J. 1490 ward er Doctor der Theologie. Obschon er so schnell die höchsten akademischen Ehren erlangte und als Docent sich eines großen Rufes erfreute, nahm er doch einen im J. 1492 aus seiner Vaterstadt an ihn ergehenden Ruf zum lector primarius am Dom, mit welcher Stellung ein Canonicat und der Genuß einer praebenda maior verbunden war, an und siedelte im J. 1493 nach Hamburg über. Schon während seines Aufenthaltes in Rostock war er mehrfach als Bevollmächtigter für politische Verhandlungen thätig gewesen; so war er z. B. im J. 1489 als Syndikus der Städte Lübeck und Hamburg zur Theilnahme an den Compromißverhandlungen, durch welche die Streitigkeiten zwischen den mecklenburgischen Herzögen und der Stadt Rostock beendigt werden sollten, nach Wismar entsandt worden. In Hamburg nahm seine politische Thätigkeit größere Dimensionen an; so wurde er in den ersten Jahren (1494—1499) mehrfach im Dienste der Stadt mit größeren Gesandtschaften betraut, die ihn unter anderem nach Köln, Brügge und Frankreich führten; und vom J. 1500 an scheint er mit seiner theologischen Stellung am Dom die eines ständigen Syndikus der Stadt Hamburg verbunden zu haben. In dem genannten Jahre übertrugen ihm auch der König Johann von Dänemark und der Herzog Friedrich von Holstein in ihren Streitigkeiten mit den Dithmarschen die schiedsrichterliche Entscheidung. Als er im J. 1508 die Stelle des Decans des Domcapitels erhalten hatte, drang er bei Geistlichen und Mönchen streng auf die Einhaltung der kirchlichen Observanzen und stellte eingerissene|Mißbräuche ab; zweimal (1508 und 1514) hielt er dann auch Kirchenvisitationen, bei welchen er namentlich bei den einzelnen Kirchen der Diöcese auf die Erhaltung und bestimmungsmäßige Verwendung der Kirchengüter sein Augenmerk richtete. — Krantz's kirchliche und theologische Stellung ist durchaus die vorreformatorische, obschon er sich der Erkenntniß des in der Kirche herrschenden Verderbens nicht verschließt. Die sichtbare Kirche in ihrer gegliederten Hierarchie ist ihm die Spenderin des Heils; aber er dringt dabei doch auf eine innere Aneignung der Gnadengaben der Kirche. So ist es denn völlig verständlich, daß er trotz seiner entschiedenen Verwerfung aller häretischen Richtungen, z. B. eines Wicles und Huß, doch in dem Auftreten Luther's gegen Tetzel etwas Berechtigtes erblickte, dem er seine Zustimmung nicht versagen konnte, obschon er das Vorgehen Luther's für ein aussichtsloses hielt. So wird nämlich das Wort zu verstehen sein, welches er nach beglaubigter Ueberlieferung gesprochen hat, als er während seiner letzten Krankheit, wenige Tage vor seinem am 7. December 1517 erfolgten Tode von Luther's Thesen hörte: "Bruder, Bruder, gehe in deine Zelle und sprich: Gott sei mir gnädig" (frater, frater, abi in cellam et dic: miserere mei, Deus). — Bei der Nachwelt ist K. besonders als Geschichtschreiber berühmt geworden. Während seines Lebens erschienen von ihm außer einigen grammatischen und philosophischen eine Reihe theologischer und kirchlicher Schriften; aus seinem Nachlaß wurden vier umfangreiche historische Arbeiten, die "Vandalia", die "Saxonia", die "Dania" und die "Metropolis", herausgegeben und erschienen dann theilweise bis in 17. Jahrhundert hinein in mehrfach wiederholten Auflagen. Sie beruhen auf umfassenden Studien, für welche er schon von früh an auf seinen Reisen Archive und Bibliotheken durchforschte. Daß sie vielfach einen compilatorischen Charakter tragen, hängt wol damit zusammen, daß er nicht immer, die letzte Hand an sie gelegt hatte. Hat er oftmals seine Quellen wörtlich aufgenommen, wie sich aus einer Vergleichung mit denselben ergibt, so darf er deshalb um so weniger für einen Plagiator gehalten werden, als nicht ersichtlich ist, was er selbst bei längerem Leben würde haben drucken lassen; zunächst hat er diese Werke sich zu seinem eigenen Gebrauche angelegt und es fehlt nicht in ihnen an Beweisen eingehender kritischer Forschung und Bearbeitung der ihm vorliegenden Quellen. Unläugbar haben aber seine Werke zur Verbreitung einer Kenntniß der Geschichte und Kirchengeschichte des nördlichen Deutschlands und des Nordens sehr viel beigetragen und sind wegen seiner Urtheile über Begebenheiten und Zustände, die bis in seine Zeit hineinragten, noch heute werthvoll. Insbesondere gilt das von der Metropolis, um derentwillen man ihn nicht mit Unrecht einen zweiten Adam von Bremen genannt hat; sie kann als eine Fortsetzung der klassischen Gesta hammaburgensis ecclesiae pontificum dieses Magisters angesehen werden.

    • Literatur

      Vgl. (Nic. Wilckens), Leben des Albert Krantz, Hamburg 1722, 2. Aufl. 1729. — Joh. Molleri Cimbria literata, I. p. 315 s.; III. p. 376 ss. — Lexikon der hamburgischen Schriftsteller bis zur Gegenwart. Bd. IV, S. 178 ff. — Otto Krabbe, Die Universität Rostock im 15. und 16. Jahrhundert, Rostock 1854 (an den im Register genannten Stellen, namentlich S. 224 ff.). — Herzog u. Plitt, Theologische Realencyklopädie, 2. Aufl., Bd. VIII. S. 261 ff.; hier findet sich unter Anderem der Nachweis über die Glaubwürdigkeit und den Sinn des angeführten Ausspruches von K. über Luther. — Ein im Wintersemester 1539 auf 1540 zu Wittenberg immatriculirter Albert Krantz aus Hamburg wird ein Neffe oder Großneffe unseres K. gewesen sein.

  • Autor

    Bertheau.
  • Empfohlene Zitierweise

    Bertheau, Carl, "Krantz, Albert" in: Allgemeine Deutsche Biographie 17 (1883), S. 43-44 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd118777939.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA