Lebensdaten
unbekannt
Beruf/Funktion
bayerische Adelsfamilie
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118729691 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Liutpoldinger
  • Luitpoldinger
  • Liutpoldinger

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Zitierweise

Luitpoldinger, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118729691.html [17.11.2018].

CC0

  • Leben

    Das bayer. Adelsgeschlecht hat seinen Namen nach dem ersten bekannten Angehörigen, dem Mgf. Luitpold ( 907). Daß die L. mit den Karolingern verwandt waren, wird von diesen selbst bezeugt, doch ist der genealogische Zusammenhang im einzelnen nicht nachweisbar; vielleicht ging er über Luitswinde, die Mutter Kaiser Arnulfs. Eine Abkunft von den in der Lex Baiuvariorum genannten genealogiae der Huosi und Fagana sowie von den (schwäb.) Welfen, die man erwogen hat, ist in den Einzelheiten ebenfalls nicht zweifelsfrei zu belegen. Luitpold, der als Markgraf, als Graf im Nord- und Donaugau sowie als Graf von Karantanien erscheint, stieg im Dienste Kaiser Arnulfs auf. Er spielte auch während der Minderjährigkeit Ludwigs des Kindes bei der Regentschaft eine große Rolle und war wesentlich an der Niederwerfung Adalberts von Babenberg beteiligt. Er scheint militärische Befugnisse für ganz Bayern gehabt zu haben. Insbesondere war er in Kämpfe gegen das Reich der Mährer sowie gegen die erstmals im Abendland erscheinenden Ungarn verwickelt; gegen diese erlitt er 907 bei Preßburg eine Niederlage, wobei er selbst fiel.

    Sein Sohn Arnulf ( 937, s. NDB I) richtete beim Niedergang der ostfränk. Karolinger in Bayern eine eigene stabile politische Macht ein; er urkundete als „von Gottes Gnaden Herzog der Bayern und auch der angrenzenden Gebiete“. An der Wahl Konrads I. 911 war er offenbar beteiligt, doch hat er später gegen den König gekämpft. Bei der Erhebung Heinrichs I. 919 ging er jedoch von vornherein eigene Wege und ließ sich selbst zum König wählen, vielleicht als Konkurrent gegen den Sachsen, vielleicht auch nur für ein bayer. Reich. Im Vertrag von Regensburg (921) kam es zu einer Einigung: Arnulf unterwarf sich Heinrich gegen das Zugeständnis weitgehender innen- und außenpolitischer Unabhängigkeit. Der bayer. Herzog erhielt das Recht der Bischofsernennung; während seiner Regierung weiß man von zwei Synoden der bayer. Landeskirche. Umfangreiche Säkularisationen von kirchlichem Besitz haben ihm in der klösterlichen Geschichtsschreibung den Namen „der Böse“ eingetragen. Er kämpfte mit Hilfe des neu formierten bayer. Heeres gegen die Ungarn, mit denen er nach mehreren Siegen zu einem Abkommen gelangte, das Bayern jahrelang von ihren Einfällen verschonte. Arnulf griff auch über die Grenzen Bayerns hinaus, er kämpfte in Böhmen und suchte 933/34 für seinen Sohn Eberhard, allerdings vergeblich, die langobard. Königskrone zu erwerben. Die Nachfolge im bayer. Herzogtum hat er jedoch für Eberhard noch regeln können (935), vielleicht als Zugeständnis der sächs. Herrscher für seine eigene Zustimmung zur Nachfolge Ottos I., an dessen Königserhebung 936 er persönlich beteiligt war.

    Eberhard konnte jedoch die Machtstellung des Vaters nicht halten, er wurde 938 von Otto I. abgesetzt. Seither spaltete sich die Familie. Eine prosächs. Partei kam mit Hzg. Berthold ( 947), dem Bruder Arnulfs, zur Regierung und war in Bayern bis zum Tode Heinrichs III. ( 989, s. NDB VIII) an der Macht. Sie hat sich auch mit den Ottonen verschwägert. Auf der anderen Seite stand eine|oppositionelle Gruppe, insbesondere die Söhne Hzg. Arnulfs; sie wurde nach einem Aufstandsversuch im Zusammenhang mit dem Ungarneinfall 954/55 zerschlagen und spielte seither politisch keine Rolle mehr. Otto von Freising berichtet, daß aus dieser Linie die Grafen von Scheyern-Wittelsbach stammten, doch ist die exakte genealogische Abfolge nicht mehr zu rekonstruieren.

  • Literatur

    K. Reindel, Die bayer. L. 893-989, Slg. u. Erl. d. Quellen, 1953;
    ders., Bayern unter d. L., in: Hdb. d. bayer. Gesch., hrsg. v. M. Spindler, I, 21981, S. 277-302 (L);
    P. Fried, Die Herkunft d. Wittelsbather, in: Wittelsbach u. Bayern, Die Zeit d. frühen Herzöge, Von Otto I. zu Ludwig d. Bayern, 1980, S. 29-41;
    G. Wolf, Das sog. „Gegenkönigtum“ Arnulfs v. Bayern 919, in: MIÖG 91, 1983, S. 375-400;
    H. C. Faussner, Zum Regnum Bavariae Hzg. Arnulfs (907–938), in: Österr. Ak. d. Wiss., Phil.-Hist. Kl., SB, 426. Bd., 1984, S. 1-33.

  • Autor/in

    Kurt Reindel
  • Empfohlene Zitierweise

    Reindel, Kurt, "Luitpoldinger" in: Neue Deutsche Biographie 15 (1987), S. 508-509 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118729691.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA