Lebensdaten
um 1538 bis 1590
Geburtsort
Mecheln
Sterbeort
Köln (?)
Beruf/Funktion
Kupferstecher
Konfession
keine Angabe
Normdaten
GND: 118706217 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Hogenberg, Franz

Orte

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Zitierweise

Hogenberg, Franz, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118706217.html [10.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Nikolaus (s. 3);
    B Remigius (s. 4);
    - 1) Katharina von Bönen ( 1578), 2) 1578/79 (?) Agnes Lomar aus K.;
    1 S, 1 T aus 1), u. a. Hans (tätig 1594-1616), Kupferstecher in M. u. K., Merlo, der auch e. vollst. Verz. s. in K. entstandenen Werke - Einzelbll. mit Bildnissen, Folgen mit bibl. Stoffen, Bll. rel. Inhalts, Blumenbüchlein, allegor. Darst, Bll. mit Tieren, e. Karte Dtld.s -mit genauesten Angaben angelegt hat, rühmt s. Fleiß, s. Beteiligung an gr. Stichwerken (Merlo Nr. 33 u. 34) und weist als letztes Arbeitsdatum 1614 aus: Viridarium Regium Illustrium miraculorum … v. Val. Leychthius (mit Joh. Leypolt). Von seinen Porträtstichen nennt Hollstein (ohne Abb.) u. a. Philipp II. v. Spanien, Maria Stuart, EB Lothar v. Trier, Hzg. Karl Emanuel v. Savoyen, d. Bischöfe Schweickart in Mainz u. Radzivil in Krakau, dazu Geistliche u. Gel. d. Zeit in K., Mainz usw., 5 K aus 2), u. a. Abraham (s. 1).

  • Leben

    H., ein weitgereister und vielbeschäftigter Künstler, tritt mit seinem hinterlassenen Werke am deutlichsten aus der Familie hervor, besonders auch deswegen, weil Zeichnungen von ihm erkennbar geworden sind. Von dem etwa 20jährigen, von dem Gemälde nicht bekannt sind, stammt der 1558 datierte, an Breughel gemahnende Stich „Streit zwischen Karneval und Fasten“ (bezeichnet: Franz hoechghenberghe), ein närrisches Gegeneinanderwüten vor weit geöffneter Landschaft mit Dorf und Kirche. Ein Narrentanz mit vielen Beischriften, den man im Werke Callots vermutet, schmal und zierlich modelliert, ist ebenfalls ein Jugendwerk H.s, der diese Themen bald verläßt und als Porträtstecher für die Großen seiner Zeit, als Zeichner von Landschaften, als Kartenstecher und endlich als Stecherchronist zu Ereignissen seiner Tage, bald getreu, bald feierlich überhöhend, wie es von ihm gefordert wird, unermüdlich wirkt. Dabei ist er 1560 in Frankreich, 1568/69 in England, 1570 kurz in Antwerpen und noch im gleichen Jahre in Köln, wohin er wohl aus politischen Gründen als vom Herzog Alba Verfolgter flieht, nachweisbar. 1585 ist er in Hamburg, 1588 in Kopenhagen und noch einmal in Hamburg.

    Für H. wird bedeutungsvoll, daß er mit seinem Bruder Remigius von dem kunstsinnigen Matthew Parker, Erzbischof von Canterbury, eingeladen ist, in dessen Künstlerhaushalt in Lambeth Palace einzutreten, um an den vielfältigen und mächtigen Illustrationsunternehmungen dieses weithin wirkenden Mannes mitzuarbeiten, besonders an der „Bischofsfibel“, die 1563-68 entsteht. In die Bibel werden 3 H. zugeschriebene gestochene Bildnisse aufgenommen: als Titelbild dasjenige der Königin Elisabeth von England in Halbfigur mit reichdekoriertem Rahmen aus Band- und Beschlagwerk samt allegorischen Gestalten, dazu das Porträt des Lordsiegelbewahrers William Cecil Burgley (1568) in Pelzwerk vor einer Rundnische, und, wieder im gezierten hochovalen Bandwerkrahmen, der geharnischte Oberzeremonienmeister Leicester (Robert Dudley). Sie weisen H. als bedeutenden Porträtisten aus, von dem Bildnisse der Margarethe von Parma (bezweifelt von Hind), König Heinrichs III. von Frankreich, König Philipps II. von Spanien und von zahlreichen Zeitgenossen bei Hollstein aufgeführt werden.

    Schärfe und Präzision seiner Manier beweist H. aber ebenso an Architekturstich und Landkarte, Stadtbild und Landschaft. Für seinen zweiten Brotherrn in England, Sir Thomas Gresham, Finanzkaufmann und Nationalökonom, der auf eigene Kosten die Börse in London durch einen flämischen Architekten errichten läßt, fertigt H. 2 beträchtliche Ansichten von dem soeben (1569) vollendeten Bauwerk (nach A. M. Hind ihm noch vorangehend), und zwar die Fassade von Süden und den mit einem umlaufenden Wandelgang geschmückten Innenhof, wahre Schaublätter mit reich ornamentierten Widmungstafeln, Wappen und Devisen in den Lüften. Nahezu gleichzeitig ist seine Mitarbeit an dem großen Atlas des A. Ortelius: „Theatrum orbis terrarum“ (1570). Sie beendet seinen Aufenthalt in England vorzeitig. Aus zahlreichen weiteren graphischen Arbeiten, meist in Folgen, ragen 16 Blatt mit Taten Friedrichs II, Königs von Dänemark, (1589) hervor, dann 21 Blatt vom Leichenzug desselben Königs, 12 Blatt vom Leichenzug des Herzog Johann Wilhelm von Jülich (1593), alle so klar und durchlichtet wie seine Zeichnungen (Abbildungen in: Wallraf-Richartz-Jahrbuch 28, 1966; 2 weitere ebenda 32, 1970). Von geringerem Rang, aber nicht weniger um Vollendung bemüht, ist die belehrende Stichfolge H.s in Aitzings „De Leone Belgico eiusque topographia atque historica descriptione liber“ (um 1583), zu dem Auszug Erzherzog Matthias' von Österreich in die Niederlande, der sich als Generalstatthalter der Niederlande ausrufen läßt, samt Pomp, Gepränge, Heerschauen und glanzloser Heimkehr. Hier gelingt ihm die übersichtliche und nicht kleinliche Gliederung von Volksmassen und Heerhaufen.

    Endlich wird das Können H.s für das große Städtebuch Georg Brauns herausgefordert. Künstlerisch reicher und vollkommener angelegt als Sebastian Münsters Cosmographie, zu der Brauns Unternehmen in Konkurrenz steht, erscheint der 1. Band der „Civitates orbis terrarum“ (lateinisch 1572, später auch deutsch und französisch). Bis 1617 folgen 5 weitere Bände. H. ist bis zum 4. Band der Stadtansichten daran beteiligt, sein Sohn Abraham setzt die Arbeit fort.

  • Autor/in

    Horst Keller
  • Empfohlene Zitierweise

    Keller, Horst, "Hogenberg, Franz" in: Neue Deutsche Biographie 9 (1972), S. 472 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118706217.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Hogenberg: Franz H, Kupferstecher, geb. zu Mecheln, zu Köln 1590 (?), wie sein Zeitgenosse Matth. Quad mit dem Bemerken berichtet, daß er „ins Velt auff den Acker der Protestanten begraben worden“. Er soll sich mit seinem Bruder um 1560 in England aufgehalten und für dortige Buchhändler gearbeitet haben. Dann kam er nach Köln, wo ihn L. Thurneisser, nachdem er in Berlin eine Buchdruckerei angelegt, um 1577 aufsuchen ließ; doch ist nicht bekannt, daß H. für einige Zeit in dessen Dienst gestanden habe. In Köln hat er viele Jahre die Kupferstecherkunst ausgeübt, sowol mit der Radirnadel, als mit dem Grabstichel, und Bildnisse, historische Darstellungen, Kriegsscenen, Städteprospecte, Landkarten u. a. geliefert. Eine Hauptarbeit Hogenberg's sind seine zahlreichen Blätter zu dem Städtebuche von Georg Braun,|dessen Mitherausgeber er war. Vollständig besteht dasselbe aus 6 Folianten, wobei der Titel jedesmal verschieden lautet. Beim ersten Bande: „Civitate orbis terrarum“, ist die Dedication an Kaiser Maximilian II. unterzeichnet: „Georgius Bruin, Simon Novellanus, Franciscus Hogenbergius“. Derselbe erschien 1572 und in zweiter Ausgabe 1612; die übrigen Bände folgten von 1575—1618 und erhielten, mit Ausnahme des letzten, den Anton Hierat und Abraham Hogenberg herausgaben, ebenfalls jeder eine zweite Ausgabe. Von 1574 datirt eine deutsche und eine französische Ubersetzung des ersten Bandes. Die Zeichnungen wurden nach der Natur aufgenommen und von Georg Hoefnagel und dessen Söhnen besorgt. Dieses Städtebuch war ein Unternehmen, das der deutschen Nation zur Ehre gereicht und unter den älteren topographischen Werken die erste Stelle einnimmt. Matth. Merian hat eine Menge Blätter daraus für seine Topographien copirt. Von nicht geringerem Interesse ist die Bilderfolge ohne Titel, welche sich hauptsächlich mit den Kriegsbegebenheiten im Erzstift Köln und den benachbarten Niederlanden während des sogen. truchsessischen Krieges befaßt. Ursprünglich waren es mehrere getrennte Serien, deren eine die Begebenheiten aus den Religions- und Bürgerkriegen in Frankreich, England etc. von 1559—73 betrifft. Ganz vollständige Exemplare mit den bis nach 1620 reichenden Fortsetzungen zählen 429 nummerirte Blätter, während die erste Ausgabe von 1583 nur 112 enthält. Jedem Blatte sind unten deutsche Reime beigegeben, und nur wenige der frühesten tragen die Bezeichnung: Colon. exc. F. Hogenberg 1583“. In Herm. v. Weinsberg's Denkwürdigkeiten kommt mehrmals die Rede auf diese Kriegsbilder; so sagt er: „Anno 1585 den 7. Januarii hab ich lassen kaufen 21 figuren von des Erzstifts Köln Krieg und wie der Prinz von Oranien umgekommen, dafür 32 alb. current bezahlt, welche figuren Franciscus Hoichberger gar artig in Kupfer gestochen, sind verwahrens werth um der nachkommen willen“. Die Kupfer zu Aitsinger's Werk De leone Belgico sind dieser großen Folge entnommen, die unten beigestochenen Nummern und Reime wurden jedoch durch Verdeckung des betreffenden Plattentheiles in Wegfall gebracht. Man hat Ausgaben von 1583, 85 und 96 mit jedesmal bedeutend vermehrter Bilderzahl. Nach der Vorrede Aitsinger's läßt „Franciscus Hogenbergius Bibliopola“ eine Ansprache an den Leser folgen. Zu der 1587 von Graminäus herausgegebenen Beschreibung der in Düsseldorf am 16. Juni 1585 stattgehabten Hochzeitsfeier Johann Wilhelms, des Herzogssohnes von Jülich, mit der Markgräfin Jacoba von Baden hat H. 37 Kupfertafeln gestochen. Sie sind besonders wegen ihres heraldischen Interesses geschätzt. Zu nennen sind ferner: die zahlreichen Karten zu des Abrah. Ortelius Theatrum orbis terrarum. Antverpiae1572 — „Der Kriegszug Kaiser Karls V. zur Wiedererhebung Mulei Hassans auf den Thron von Tunis“, 8 Blätter — „Der Leichenzug König Friedrichs II. von Dänemark 1588“, 21 Blätter, an denen Simon Novellanus betheiligt ist — „Res gestae Friderici II. Daniae regis“,1589, 16 Blätter, ebenfalls mit Betheiligung des Simon Novellanus — „Die Kriegsthaten der Schweden vor dem J. 1589“, 11 Blätter, von Hartzheim angeführt'— 25 Blätter zu M. Aitsinger's (diesmal „Eyzinger") Belgici leonis chorographia,1587—31 Blätter: „Die Mythe der Psyche“, copirt nach A. Veneziano und M. di Ravenna, 1575. Fast unzählig sind die Einzelblätter des fleißigen Künstlers. Ein satirisches Blatt auf verschiedene Stände ist dadurch besonders interessant, weil es auch den Künstler selbst, bei seinen Arbeitswerkzeugen sitzend, darstellt mit der Ueberschrift: „Tota dies miseretur“ und unten mit dem Spruche:

    „Myn dingen maeck ick recht ende slecht Daer om blyf ick een arm knecht“.

    Das von M. Quad angegebene Todesjahr Hogenberg's (1590) erscheint um deßwillen nicht ganz zuverlässig, weil 1593 und 1594 in der ersten Ausgabe des 3. und 4. Bandes des Braun'schen Städtebuches die Dedicationen die Mitunterschrift Hogenberg's tragen. Zwei etwas jüngere kölner Kupferstecher, Abraham und Johann H., stehen sicher in genealogischer Verbindung mit Franz H., vielleicht waren sie seine Söhne.

    • Literatur

      M. Quad, Teutscher Nation Herligkeitt, S. 431. Moehsen, Gesch. d. Wissensch. in d. Mark Brandenb., S. 105. Fred. Müller, Hogenberg's en Perissin's Historieprenten, in d. Zeitschr. De Navorscher, 1860. Hartzheim, Biblioth. colon. Merlo, Nachrichten v. köln. Künstl.

  • Autor/in

    J. J. Merlo.
  • Empfohlene Zitierweise

    Merlo, J. J., "Hogenberg, Franz" in: Allgemeine Deutsche Biographie 12 (1880), S. 650-652 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118706217.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA