Lebensdaten
unbekannt
Beruf/Funktion
Dynasten
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118651412 | OGND | VIAF: 64800976
Namensvarianten
  • Popponen
  • Babenberger
  • Popponen

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Babenberger, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118651412.html [26.09.2020].

CC0

  • Leben

    Bezeichnung für das Geschlecht der Markgrafen und Herzöge, die die bayerische Ostmark und das Herzogtum Österreich von 976-1246, das Herzogtum Steiermark von 1192-1246 beherrschten und entscheidenden Einfluß auf die Geschicke und Gestaltung des deutschen Südostens und des römischen Reiches ebenso gewannen, wie sie die Begründer der Größe und Machtstellung Österreichs wurden. Der Name ist literarisch und tritt erst gegen Ende des 15. Jahrhunderts auf. Ungeklärt ist der Zusammenhang mit dem ostfränkischen Geschlecht der „alten Babenberger“ oder Popponen, die in der Fehde mit den Konradinern (902–06) Besitz und Rechte (um Bamberg, das Reichsgut wurde, im Grabfeld und Volkfeld) und Leben verloren hatten. Die Anknüpfung der österreichischen Babenberger an jenes Haus geschah durch Otto von Freising, den Sohn des Markgrafen Leopold III. von der Ostmark. Eine ältere Linie, nach ihrem Hauptsitz als „Schweinfurter“ bekannt und als Grafen im Nordgau und Radenzgau nachweisbar, starb 1057 aus, nachdem schon 1003/04 ein Aufstand gegen König Heinrich II. den Verlust ihrer beherrschenden Stellung in Ostfranken gebracht hatte. Die Herkunft dieser Babenberger-Schweinfurter ist nach wie vor umstritten, wahrscheinlich (schon nach den Vornamen der jüngeren Glieder) ist die Anknüpfung an das altbayerische Herzoghaus der Luitpoldinger (so schon Aventin). In der Ostmark sind die Babenberger seit 976 mit einem Luitpold nachweisbar, der zugleich Graf im unteren Donaugau (der später an die mit den Babenberger versippten Grafen von Bogen als Lehen überging) und im Traungau war. Militärische, kolonisatorische und rechtlich-wirtschaftliche Aufgaben waren ihnen gestellt (Vortragen und Sicherung der Reichsgrenze gegen Ost und Nord, Anlage von Burgen, „Marchfutter“; Besiedlung der östlichen und norddanubischen Landstriche über die heutige Landesgrenze hinaus in zeitlich geschichteten Siedlungs-, Rechts- und Wirtschaftsformen). Macht und Bedeutung des Geschlechtes, das ursprünglich bezüglich Besitz und Hoheitsrechten (in der Mark verwalteten sie auch eine Grafschaft) von vielen anderen in der Mark in den Schatten gestellt war, wuchs durch königliche Landschenkungen (vorwiegend in den östlichen und nördlichen Landstrichen), durch Familienverbindungen (zunächst mit angesehenen schwäbischen und bayerischen, seit der Mitte des 11. Jahrhunderts mit sächsisch-thüringischen Geschlechtern, seit Anfang des 12. Jahrhunderts mit böhmisch-mährischen|Fürstensprößlingen - dabei ist die sichere Herkunft der Frauen der Markgrafen selbst, mit einer Ausnahme, nicht bekannt bis zur zweiten Gemahlin Leopolds III.) und durch geistliche und weltliche Würden von Familienmitgliedern (Söhne des ersten Markgrafen: Erzbischof Poppo von Trier und vermutlich Leopold, Erzbischof von Mainz; Mitte des 12. Jahrhunderts Söhne Markgraf Leopolds III.: Otto Bischof von Freising und Konrad Bischof von Passau, bzw. Erzbischof von Salzburg; ein Sohn des ersten Markgrafen: Ernst Herzog von Schwaben, ebenso dessen beide Söhne und ein Großneffe des Markgrafen; die Söhne Leopolds III. bayerische Herzöge von 1139-56).

    Verdienste um Vergrößerung der Mark gegen Osten und Norden bis zur Leitha, March und Thaya erwarb sich der dritte Markgraf Adalbert ( 1055). Das traditionelle Treueverhältnis der Ostmarkgrafen zum deutschen König wurde von Leopold II. (1075–95) im Investiturstreit aufgegeben. Aber unter seinem Sohn Leopold III. (1096–1136), in dem die Babenberger ihren ersten Höhepunkt erreichten und der den entscheidenden Schritt zur Ausbildung des Territoriums, des „Landes“ Österreich machte, wurde die Bindung an das Kaiserhaus wieder hergestellt und gefestigt, indem er in zweiter Ehe Agnes, die Schwester des letzten Saliers und Witwe Friedrichs, des Stammvaters der Hohenstaufen, heiratete. Diese Beziehungen hielten an. Sein Sohn Heinrich II. heiratete Gertrud, die Tochter Kaiser Lothars von Supplinburg, in zweiter Ehe Theodora Komnena, eine byzantinische Prinzessin. Ebenso waren seine Enkel Leopold VI. und sein Urenkel Friedrich II. mit byzantinischen Prinzessinnen vermählt, was in politischer und kultureller Hinsicht bedeutungsvoll war. Eine spätere Nachkommin, Margaretha, Tochter Leopolds VI., heiratete König Heinrich (VII.). Erst infolge der Auflehnung des letzten Babenbergers gegen Friedrich II. wurden diese Beziehungen vorübergehend gestört.

    Eine Reihe von großen Erbschaften im Lande, darunter vermutlich auch die Stadtherrschaft von Wien fielen Leopold III. zu, der auch als Förderer der Kirchenreform und (als erster seines Hauses) als Klostergründer bzw. Erneuerer (Klosterneuburg, Heiligenkreuz, Mariazeil) aber auch als Wegbereiter eines landesherrlichen Kirchenregiments hervortrat. Sein Nachfolger und jüngerer Sohn, Leopold IV. (1136–41), wurde 1139 Herzog von Bayern. Das begründete einen Gegensatz zwischen Babenbergern und Welfen, der erst unter Leopolds Nachfolger Heinrich II. (1141–77), gleichfalls Herzog von Bayern, nach dessen Verzicht auf Bayern beigelegt wurde. Damals wurde Österreich zum Herzogtum erhoben (1156, Privilegium minus) und mit weit über das übliche hinausgehenden Rechten für den Babenberger und sein Land ausgestattet, das sich nun völlig zum modernen Flächenstaat und Territorialfürstentum entwickelte. Die Stellung im Südosten wurde im besonderen Maße verstärkt, als Leopold V. (1177–94) nach einem Erbvertrag mit dem letzten steirischen Markgrafen bzw. Herzog im Jahre 1192 die Steiermark samt dem damit verbundenen Traungau an sich nahm. Unter seinem zweiten Sohn Leopold VI. (1195 bzw. 1198-1230), der in politischer, wirtschaftlicher und kultureller Beziehung seinem Lande eine Hochblüte brachte, fielen auch Pordenone und die windische Mark an das Haus. Unter ihm wurden fast alle noch im Lande bestehenden fremden Hoheitsgebiete und Grafschaften nach Amtsrecht und Erbrecht eingezogen; auch das österreichische Wappen, der Bindenschild, wurde von einem der aussterbenden Geschlechter übernommen (1230 zuerst nachgewiesen, nicht im Zusammenhang mit der Waffentat vor Accon 1190/91). Sein Sohn, Friedrich II. (1230–46), hochbegabt und zielstrebig, aber in stetem Gegensatz zu inneren und äußeren Mächten, auch zum Kaiser, ist der letzte seines Geschlechts. Er fiel am 15.6.1246 an der Leitha im Grenzkampf gegen die Ungarn. Der Plan einer Erhebung Österreichs zum Königreich und der Vermählung seiner Nichte Gertrud mit Kaiser Friedrich II. hatte sich zerschlagen; Gertrud starb 1299 als letzte Babenbergerin. (Eine jüngere, durch den zweiten Sohn Heinrichs II. gegründete Linie auf Burg Mödling war schon 1234-36 ausgestorben.)

    Die Grabstätten der Babenberger sind in den Klöstern Melk, Klosterneuburg, Heiligenkreuz, Schotten (1156–58 von Heinrich II. gegründet) und in Lilienfeld (1202–09 von Leopold VI. gegründet). Die bis in die jüngste Zeit als Zusätze zu den Namen der babenbergischen Regenten gebrauchten Beinamen stammen erst aus dem Ende des 15. Jahrhunderts.

  • Literatur

    G. Juritsch, Gesch. d. B. u. ihrer Länder, Innsbruck 1894;
    M. Tangl, Die Fälschungen Chrysoslomos Hanthalers, in: MIÖG 19, 1898, S. 1 ff., 21 ff.;
    K. Uhlirz, Unterss. z.Gesch. Kaiser Ottos II., ebenda, Erg.-Bd. 6, 1901, S. 57 ff.;
    ders., Jbb. d. dt. Reiches unter Otto II. u. Otto III., Bd. 1, 1902, S. 228 ff., Exkurs III;
    M. Vancsa, Gesch. Nieder- u. Oberösterr.s I, Wien 1905;
    O. v. Mitis, Stud. z. älteren österr. Urkk.wesen, ebenda 1905-12;
    K. Lechner, Gfsch., Mark u. Hzgt., in: Jb. f. Landeskde, v. Niederösterr. 20/1, 1926, S. 32 ff.;
    ders., Die B. u. Österr., Wien 1947;
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    E. v. Guttenberg, Die Territorienbildung am Obermain, = Ber. d. hist. Ver. z. Bamberg, 79, 1925 26, Kap. 2 u. 3;
    H. Hirsch, Österr.s Werden|im dt. Reich, in: Dt. Archiv f. Landes- u. Volks-F 2, 1938, S. 640 ff.;
    E. Klebel, Zur Rechts- u. Verfassungsgesch. d, alten Niederösterr., in: Jb. d. Ver. f. Landeskde. v. Niederösterr. 28, 1939-43, S. 11 ff.;
    H. Fichtenau, Die Kanzlei d. älteren B., in: MIÖG 56, 1948, S. 239 ff.;
    F. Tyroller, Die Ahnen d. Wittelsbacher, = Beil. z. Jber. d. Wittelsbacher-Gymnasiums München, 1950/51, s. a. O. v. Dungern, A. M. Scheiber, F. Zimmermann, in: Adler, Ztschr. f. Geneal. u. Heraldik, Bd. 16. Wien 1952, Nr. 15-18;
    O. Mitis-H. Fichtenau-E. Zöllner, ÜB z. Gesch. d. B. in österr. I, Wien 1950, II, 1953;
    F. Gall, Die „Herzöge“ v. Mödling, in: AÖG, Bd.119, 1953.

  • Autor/in

    Karl Lechner
  • Empfohlene Zitierweise

    Lechner, Karl, "Babenberger" in: Neue Deutsche Biographie 1 (1953), S. 478-480 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118651412.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA