Lebensdaten
1797 bis 1860
Geburtsort
Darmstadt
Sterbeort
Hottingen bei Zürich
Beruf/Funktion
politischer Publizist ; Freund Gottfried Kellers
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118611496 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schulz-Bodmer, Wilhelm Friedrich (seit 1847)
  • Schulz, Wilhelm
  • Schulz-Bodmer, Wilhelm Friedrich (seit 1847)
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Zitierweise

Schulz, Wilhelm, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118611496.html [24.04.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Adolph (1753–1823), Archivrat in D. (s. W. Leesch, Die dt. Archivare, 1992);
    M Dorothea Friederike Vietor ( 1835), aus D.;
    1) 1828 Caroline|(1801-46), verhalf S. 1834 zur Flucht aus d. Festung Babenhausen, pflegte d. erkrankten Georg Büchner vor seinem Tod in Z., T d. Christoph Philipp Johann Sartorius (1756–1810), Pfarrer in Gundernhausen b. Dieburg, u. d. Karoline Goetz (1769–1837). 2) 1847 Katharina (1811–83), T d. Johann Georg Bodmer (1786–1864), Ing., Maschinenbauer u. Erfinder in Z. (s. NDB II). u. d. Anna Schulthess (1786–1822): kinderlos; Schwager Karl Christian Sartorius (1796–1872), studierte Rechtswiss., dann ev. Theol. u. Philos. in Gießen, Burschenschafter, 1823 als „Demagoge“ inhaftiert, emigrierte 1824 n. Mexiko, Grundbes., Zuckerfabr. (s. ADB 30; Hess. Biogr. III; Reinalter I; Nassau. Biogr.; Lex. Bryologen; Biogr. Lex. Burschenschaft); Schwägerin Dorothea Bodmer (1813–77, Jakob Friedrich Reishauer, 1813–62, Werkzeugmaschinenfabr. in Z.).

  • Leben

    S. trat nach dem Abbruch seiner Schulausbildung auf dem Darmstädter Gymnasium 1811 als Kadett in das ghzgl.-hess. Leibgarde Infanterie-Rgt. Darmstadt ein und nahm als Offizier an den Napoleon. Kriegen teil. 1816 zum Studium der Mathematik und Kriegswissenschaften beurlaubt, schloß er sich in Gießen der Burschenschaft an, verfaßte politische Flugschriften, quittierte nach zehn Monaten Untersuchungshaft den Militärdienst und studierte an der Univ. Gießen Rechtswissenschaften. Neben seiner Tätigkeit als Mitarbeiter, Redakteur und Herausgeber zahlreicher Zeitschriften sowie Zeitungen in Darmstadt, München und Stuttgart setzte er seine wissenschaftlichen Studien fort und wurde 1831 mit einer Studie über „Das zeitgemäße Verhältnis der Statistik zur Politik“ in Erlangen promoviert. Die Veröffentlichung oppositioneller Schriften wie „Deutschlands Einheit durch National-Repräsentation“ (1832) und „Testament des deutschen Volksboten“ (1833) führten zu seiner Verhaftung. 1834 verurteilte ihn das Kriegsgericht in Darmstadt zu fünf Jahren Festungshaft.

    Nach der Flucht aus der Festung Babenhausen am 30.12.1834 ließ sich S. dauerhaft in Zürich nieder. Er hielt 1836-39 als Privatgelehrter an der Univ. Zürich Vorlesungen über Verfassungskunde und Statistik, verkehrte mit Georg Büchner, Georg Herwegh, Ferdinand Freiligrath und Gottfried Keller und entfaltete intensive schriftstellerische Aktivitäten. So arbeitete er als Korrespondent und Redakteur für namhafte Zeitungen, darunter die „Augsburger Allgemeine Zeitung“ und schrieb Artikel für das „Staatslexikon“ von Rotteck und Welcker. Besondere Beachtung fanden die politische Enthüllungsschrift „Der Tod des Pfarrers Dr. Friedrich Ludwig Weidig“ und das von Karl Marx rezipierte nationalökonomische Werk „Die Bewegung der Produktion“ (1843, Nachdr. 1974).

    Bei Ausbruch der Märzrevolution 1848 kehrte S. nach Darmstadt zurück. Er wurde als einer der führenden Köpfe des Vormärz in das Vorparlament berufen und in die Frankfurter Nationalversammlung gewählt, setzte sich für die Schaffung eines Parlamentsheeres ein und lehnte als großdt. Demokrat der Fraktion Westendhall die Wahl des preuß. Königs Friedrich Wilhelm IV. zum Kaiser der Deutschen ab. Nach der gewaltsamen Auflösung des Stuttgarter Rumpfparlaments entzog er sich der drohenden Verhaftung durch erneute Flucht in die Schweiz. Das letzte Jahrzehnt seines Züricher Exils war geprägt vom publizistischen Kampf für Abrüstung und Volksmiliz, von der sich S. die Lösung der sozialen Frage erhoffte.

  • Werke

    Weitere W Frage- u. Antwortbüchlein an d. dt. Bürgers- u. Bauersmann über allerlei, was im dt. Vaterlande bes. Not tut, 1819 (anonym);
    Dtld.s Einheit durch Nat.repräsentation, 1832;
    Die Rettung d. Ges. aus d. Gefahren d. Mil.herrsch., Eine Unters. auf geschichtl. u. Statist. Grundlage über d. finanziellen u. volkswirtschaftl., die pol. u. soz. Einflüsse d. Heerwesens. 1859.

  • Literatur

    ADB 32;
    L. Maenner. Ein Querkopf d. vormärzl. Liberalismus. W. S.(-Bodmer), in: Archiv f. hess. Gesch. u. Altertumskunde. NF 13, 1922, S. 287-321;
    K. L. Ay. Das Frage- u. Antwortbüchlein d. Darmstädt. Offz. F. W. S., in: ZBLG 35, 1972, S. 728-70;
    W. Grab, Ein Mann d. Marx Ideen gab, W. S., Weggefährte Georg Büchners, Demokrat d. Paulskirche, 1979 (P);
    H. Brinkmann. W. S. u. Karl Marx, in: Mitt. d. Oberhess. Gesch.ver., NF 77, 1992, S. 93-108;
    H. Nabholz, in: Hess. Biogrr. I, 1918. S. 404-14;
    HBLS;
    Killy;
    Biogr. Hdb. Frankfurter NV;
    Biogr. Lex. Burschenschaft.

  • Autor/in

    Helmut Berding
  • Empfohlene Zitierweise

    Berding, Helmut, "Schulz, Wilhelm" in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 717-718 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118611496.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Schulz: Wilhelm S.-Bodmer, deutscher Publicist, geboren zu Darmstadt am 13. März 1797 (nicht am 16. Januar 1790) am 9. Januar 1860 in Hottingen bei Zürich, trat 1811 als Cadet in das Darmstädtische Leibregiment, wohnte als Officier der Rheinbundtruppen den Schlachten des Feldzuges von 1813 bei, und kämpfte nach dem Uebertritte dieser Truppen auf die Seite der Alliirten mit Begeisterung gegen den Bedrücker deutscher Nation. Eine politische Flugschrift für Deutschlands Einheit zog ihm eine militärgerichtliche Untersuchung zu, die nach einjähriger Haft mit Freisprechung endete, jedoch seine Entlassung aus dem Militärdienst zur Folge hatte. Hierauf studirte er in Gießen einige Semester die Rechte und beschäftigte sich mit publicistischen Arbeiten. In den Jahren 1830 und 31 begab er sich nach Augsburg und München, dann nach Stuttgart, um mit dem 1. Januar 1832 von Cotta die Herausgabe des „Hesperus“ zu übernehmen. Na er aber in politischen Fragen von Cotta abweichende Ansichten hatte, und fast gleichzeitig von der Stuttgarter Polizei aus Württemberg ausgewiesen wurde, nahm er um Ostern 1832 wieder seinen Wohnort in Darmstadt. Einige Schriften, namentlich „Deutschlands Einheit durch National-Repräsentation“ (Stuttgart 1832) und „Testament des deutschen Volksboten“ (Offenbach 1833), verwickelten ihn in neue Untersuchungen. Vor ein hessisches Kriegsgericht gestellt und zu 3 Jahren Haft verurtheilt, trat er diese Strafe im September 1834 auf der Festung Babenhausen an, wußte indeß mit Hilfe seiner Frau in der Nacht vom 30. auf 31. December desselben Jahres vom 3. Stockwerke seines Gefängnisses nach dem Elsaß zu entfliehen. Von hier ging er 1835 nach Nancy, und ließ sich im folgenden Jahre als Privatdocent an der Universität Zürich dauernd nieder, nachdem er zuvor in Seltisberg in Basel-Land das Bürgerrecht erworben hatte. In Zürich entwickelte S. eine umfassende litterarische Thätigkeit. Zu den hervorragendsten Arbeiten aus jener Zeit gehört das berühmte Buch „Der Tod des Pfarrers Dr. F. C. Weidig“ (Zürich und Winterthur 1843) und die mit Welcker herausgegebene Schrift: „Die geheime Inquisition, die Censur und Cabinetsjustiz in unheilvollem Bunde“ (Karlsruhe 1845); zugleich bearbeitete er einige Artikel des Rotteck-Welcker'schen Staatslexikons, und veröffentlichte sein geistvolles, nationalökonomisches Werk: „Die Bewegung der Production“ (Zürich und Winterthur 1843), eine Schrift, welche viele Anhänger, aber auch zahlreiche Gegner zählte. Als 1847 der Sonderbundskrieg losbrach, trat er in das Schweizerheer; sein Hauptinteresse blieb jedoch Deutschland zugewendet, wohin er 1848 sofort zurückkehrte, und wo er von Darmstadt in das Frankfurter Parlament gewählt wurde. Seinen bisherigen Anschauungen getreu saß er auf der linken Seite des Hauses; bekannt ist sein Antrag auf Errichtung eines Parlamentsheeres. Nach Sprengung des Stuttgarter Rumpfparlamentes kehrte er wieder nach Zürich zurück, und nahm, fortwährend publicistisch wirksam, an den politischen Ereignissen seiner Zeit den lebhaftesten Antheil. Nach dem Ableben seiner ersten Frau verheirathete er sich mit einer Dame aus der bekannten Schweizer Familie Bodmer, deren Namen er dem seinigen anfügte. Das Hauptübel der Zeit in den großen stehenden Heeren erblickend schrieb er vor Ausbruch des italienischen Krieges: „Die Rettung der Gesellschaft aus den Gefahren der Militärherrschaft“ und: „Entwaffnung oder Krieg etc.“ (beide Leipzig 1859). Diese Schriften zeichnen sich durch gründliche Studien aus, und spricht sich der Verf. im Interesse des allgemeinen Weltfriedens für Abschaffung der stehenden Heere nebst Conscription und Einführung allgemeinen Milizsystemes zur Vaterlandsvertheidigung aus. S., ein geistig wie körperlich sehr kräftiger Mann, wurde gegen Schluß des Jahres 1859 von schmerzvoller Krankheit ergriffen, die ihn nach wenigen Wochen (9. Januar 1860) hinwegraffte. Am 11. desselben Monats wurde er von seinen politischen Freunden zu Grabe geleitet. S. besaß umfassende Kenntnisse — namentlich auf militärischem und staatswirthschaftlichem Gebiete —, einen durchaus biedern, humanen Charakter und warme Vaterlandsliebe. Seine entschieden demokratische Richtung schloß jedoch eine unmittelbare Thätigkeit in seiner Heimath aus. Die früheren Schriften siehe bei Scriba, biographisch-litterarisches Lexikon der Schriftsteller des Großherzogthums Hessen, 2. Abth. S. 668.

    • Literatur

      Scriba a. a. O. 1. Abth. S. 377 u. ff., 2. Abth. S. 667 u. 668. — Unsere Zeit, (1860) IV, 78. —
      Wagener's Staats- und Gesellschaftslexikon, XVIII, 518. —
      Conversationslexikon der Gegenwart IV, 961. — Allgem. Zeitung vom 12. Jan. 1860, Beilage.

    • Literatur

      Esnhrt.

  • Autor/in

  • Empfohlene Zitierweise

    Eisenhart, August Ritter von, "Schulz, Wilhelm" in: Allgemeine Deutsche Biographie 32 (1891), S. 752-753 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118611496.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA