Lebensdaten
1906 bis 1999
Geburtsort
Basel
Sterbeort
Basel
Beruf/Funktion
Dirigent ; Komponist ; Musikmäzen
Konfession
reformiert
Normdaten
GND: 118604562 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Sacher, Paul Oswald
  • Sacher, Paul
  • Sacher, Paul Oswald

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Zitierweise

Sacher, Paul, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118604562.html [20.02.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Oswald August (1879–1965), aus Pratteln (Kt. Baselland), Angest. e. Spedition in B.;
    M Anna (1877–1970), T d. Friedrich Dürr (1851–1943);
    1934 Maja (eigtl. Marie-Anne) (1896–1989, 1) Emanuel Hoffmann, 1896–1932, Dr. iur., Chemiker, Industr., Kunstsammler, S d. Fritz Hoffmann-La Roche, 1868–1920, s. NDB IX), als Bildhauerin ausgebildet, Kunstsammlerin, gründete 1933 d. Emanuel-Hoffmann-Stiftung in B. (s. NZZ v. 22.8.1989; Schweizer ex; P), T d. Fritz Stehlin (1861–1923), aus B., Architekt, u. Helene v. Bavier;
    1 S, 2 T u. a. Vera Hoffmann (1924–2003, Jakob Oeri, * 1920, Arzt in B.), Mitgl. d. Stiftungsräte d. Emanuel Hoffmann-Stiftung in B. seit 1959 (1979-95 Präs.), d. Maja Sacher-Stiftung in B., d. Paul Sacher-Stiftung in B. seit 1986 u. d. Jub.stiftung d. F. Hoffmann-La Roche AG seit 1996, alle Hauptaktionäre d. Pharmakonzerns Hoffmann-La Roche;
    E Maja Oeri (* 1955), seit 1995 Präs. d. Stiftungsrats d. Emanuel Hoffmann-Stiftung in B.

  • Leben

    S. studierte in Basel Musikwissenschaft bei Karl Nef und Jacques Handschin und Dirigieren bei Felix Weingartner. 1926 begründete er das Basler Kammerorchester (seit 1928 mit Kammerchor), dessen Programm bis zur Auflösung 1986 die Pflege vorklassischer und zeitgenössischer Musik bildete. Die „Schola Gantorum Basiliensis“ gründete S. 1933 als Lehr- und Forschungsinstitut für alte Musik; hier wird bis heute die 1942 initiierte Konzertreihe „Freunde alter Musik“ weitergeführt. 1954 vereinigte S. die „Schola“ mit Musikschule und Konservatorium zur Musik-Akademie der Stadt Basel, deren Direktor er bis 1969 war. 1941-91 stand S. zudem dem Kammerorchester „Collegium Musicum“ (Zürich) vor, mit dem er Gastspielreisen in ganz Europa unternahm und bei den Festspielen in Luzern, Glyndebourne, Edinburgh, Aix-en-Provence usw. auftrat. Die auf seine Frau zurückgehende Verbindung mit dem Chemiekonzern Hoffmann-La Roche, dessen Aktienmehrheit S.s Familie seit 1938 besaß, sicherte die finanziellen Ressourcen für die vielfältigen musikalischen Initiativen. 1973 gründete S. die „Paul Sacher Stiftung“, die 1986 zu einem Archiv und Forschungsinstitut für Musik des 20. (und 21.) Jh. ausgebaut wurde. Das Archiv enthielt – neben der persönlichen Autographensammlung – anfänglich hauptsächlich|die Nachlässe von Igor Strawinsky und Anton Webern, bis zu S.s Tod wuchs der Bestand auf über 60 Sammlungen. Dazu gehören neben den Nachlässen von Morton Feldman, Witold Lutosławski, Bruno Maderna oder Stefan Wolpe auch „Nachlässe zu Lebzeiten“ u. a. von Pierre Boulez, Elliot Carter, Sofia Gubaidulina, Heinz Holliger, Klaus Huber, György Kurtág und György Ligeti.

    Die Bedeutung S.s für die Musikgeschichte des 20. Jh. liegt in seinen sieben Jahrzehnte umspannenden Aktivitäten als Dirigent und Förderer zeitgenössischer Musik. Weit über 200 Kompositionen sind auf seinen Auftrag hin entstanden und spiegeln fast das ganze Spektrum der Stilrichtungen, inbesondere die klassizistische Moderne. Neben Werken wie Bartóks „Musik für Saiteninstrumente, Schlagzeug und Celesta“, den „Metamorphosen“ von Richard Strauss oder dem „Concerto en ré“ von Igor Strawinsky, die wie viele andere S. gewidmet sind und unter seinem Dirigat uraufgeführt wurden, komponierten Luciano Berio, Benjamin Britten, Hans Werner Henze, Paul Hindemith, Ernst Krenek, Frank Martin, Bohuslaw Martinu u. a. im Auftrag S.s.

    S., dessen Wirken bereits zu Lebzeiten mit zahlreichen Preisen und Ehrungen gewürdigt wurde, übte über Jahrzehnte herausragenden Einfluß auf das gesamte europ. Musikleben aus.|

  • Auszeichnungen

    Vizepräs. d. Schweizer Tonkünstlerver. (1942, 1946 Präs., 1955 Ehrenpräs.); Schönberg-Medaille (1953); Mozart-Medaille (1956); Mitgl. d. Internat. Ges. f. zeitgenöss. Musik (1971); Kunstpreis d. Stadt Basel (1972); korr. Mitgl. d. Bayer. Ak. d. Schönen Künste (1977); Béla Bartók-Gedächtnis-Medaille (1981); Goldmedaille f. kulturelle Verdienste d. Kt. Zürich (1981); Officier de l'Ordre des Arts et des Lettres (1983); Officier de la Legion d'honneur (1985); österr. Prof.titel (1987); Silbermedaille d. Karls-Univ., Prag (1992); Gr. BVK mit Stern (1993); Jacob Burckhardt-Medaille in Gold (1995); Europ. Kulturpreis (1997); Dr. h. c. (Basel 1951, Oxford 1988, Rochester 1990, McGill 1994); Kuratoriumsvors. u. Ehrenvors. d. Ernst v. Siemens-Stiftung.

  • Werke

    Reden u. Aufss., 1986;
    P. S. u. d. Neue Musik, 1996 (2 CD);
    Maja Sacher-Stehlin, Zur Erinnerung an meine unvergessl. Frau, 1989 (Privatdr.);
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  • Nachlaß

    Nachlaß: Slg. P. S., Paul Sacher Stiftung, Basel.

  • Literatur

    P. S. u. d. Musik d. 20. Jh., Aufträge – Widmungswerke – Uraufführungen, zus.gestellt v. K. Schweizer, mite. Einl. v. E. Lichtenhahn, in: Quellenstudien I, hg v. H. Oesch, 1991, S. 243-79;
    ,Sacher, croyez-vous en Dieu?', P. S. recalls Twentieth-Century Composers, in: Settling New Scores, Music Manu-scripts from the Paul Sacher Foundation, hg. v. Felix Meyer, 1998, S. 21-26;
    P. Hagmann, in: NZZ v. 27.5.1999;
    J. Erni, P. S., Musiker u. Mäzen, Aufzeichnungen u. Notizen zu Leben u. Werk, 1999 (P);
    P. S. in memoriam, hg. v. d. Paul Sacher Stiftung Basel, 2000 (P);
    L. Stephenson, Symphonie d. Träume, Das Leben v. P. S., 2001 (P);
    Munzinger.

  • Portraits

    zu Maja S.-Stehlin: Siebdruck v. A. Warhol, Acrylfarbe/Lwd., 1980 (Basel, Emanuel Hoffmann-Stiftung).

  • Autor/in

    Heidy Zimmermann
  • Empfohlene Zitierweise

    Zimmermann, Heidy, "Sacher, Paul" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 324-325 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118604562.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA