Lebensdaten
1914 bis 2004
Geburtsort
München
Sterbeort
Oxford
Beruf/Funktion
Antiquar ; Buchhändler
Konfession
-
Normdaten
GND: 118749838 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Rosenthal, Albrecht Gabriel
  • Rosenthal, Albi
  • Rosenthal, Albrecht Gabriel
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Zitierweise

Rosenthal, Albi, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118749838.html [11.07.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Erwin (1889–1981), aus M., Dr. phil., Kunsthist. u. Antiquar (s. Gen. 2);
    M Margherita (1892–1979), aus Venedig, T d. Leo S. Olschki (1861–1940), Buchhändler in Florenz;
    Om Leonardo Olschki (1885–1961), Romanist (s. NDB 19);
    1947 Maud (* 1909), T d. Oscar Levy (1867–1946), aus Stargard (Pommern), Dr. med., Nietzsche-Forscher, seit 1894 in England, 1909-13 Hg. d. ersten englischsprachigen Ausg. v. Nietzsches Werken in 18 Bdn.;
    4 K u. a. Julia, führt d. Antiquariat in Oxford weiter.

  • Leben

    R. besuchte das Wilhelmsgymnasium in München und erhielt zudem eine umfassende musikalische Ausbildung. Bald nach den ersten Boykottmaßnahmen gegen Juden emigrierte er im Mai 1933 nach England. Hier studierte er am Warburg Institute Kunstgeschichte bei Fritz Saxl (1890–1948) und Rudolf Wittkower (1901–71) und wurde deren Assistent. Darüberhinaus erhielt er Unterricht von Robin Flower sowie R. Salomon in Paläographie, mittelalterliche Buchillustration und Ikonographie, und studierte Musikwissenschaften bei Egon Wellesz (1885–1974). 1936 gründete R. in London das Antiquariat A. Rosenthal Ltd. mit dem Schwerpunkt alter Musik. 1942 übersiedelte er nach Oxford, wo er sich auch in eigenständigen Forschungen weiterhin mit Musikwissenschaften befaßte. Seit 1945 brit. Staatsbürger, erwarb R. 1955 zusammen mit seiner Frau das Londoner Musikantiquariat Otto Haas (1874–1955) (ehem. Leo Liepmannssohn [1840–1915] in Berlin) und führte es unter Haas' Namen weiter. Seinen Wohnsitz hatte R. auf einem Anwesen in Boars Hill nahe Oxford.

    R., der zahlreiche Aufsätze primär zu musikhistorischen Themen vorlegte, galt auf diesem Gebiet in der zweiten Hälfte des 20. Jh. als einer der führenden Experten. Sein überaus erfolgreiches, auf Musikautographen spezialisiertes Antiquariat erlangte eine international herausragende Position. Für Musikbibliotheken und -sammler war R. aufgrund seiner umfassenden und genauen Kenntnisse ein gesuchter Berater, Korrespondenz- und Geschäftspartner. Dabei war er u. a. Paul Sacher (1906–99) eng verbunden und unterstützte diesen beim Aufbau und der Erweiterung seiner Sammlungen, insbesondere bei der Erwerbung der in den USA verwahrten Nachlässe von Igor Strawinsky und Anton Webern.

    Paläographisch geschult, gelangen R. mehrere Entdeckungen, u. a. Urschriften von Mendelssohn Bartholdy sowie Autographen von Monteverdi bis Webern. Er vermittelte Verkäufe größerer und bedeutender Musiksammlungen, wie die von H. Prunières, P. A. Scholes und Alfred Cortot. Als aktiver Musiker spielte er Geige im Universitätsorchester von Oxford, dessen Präsident er war. 1994 übergab R. der Bodleian Library in Oxford, deren Beirat er angehörte, seine über Jahrzehnte gesammelten Mozart-Autographen. Daneben galt sein besonderes Interesse Nietzsche: Regelmäßig nahm er an Tagungen der Nietzsche-Stiftung in Sils-Maria (Engadin) teil und schenkte dieser 2004 den Nachlaß von Büchern, Korrespondenz und Bildern seines Schwiegervaters Oscar Levy.|

  • Auszeichnungen

    M. A. h. c. (Oxford 1979);
    Vorstandsmitgl. d. Beethoven Hauses, Bonn, d. Mozarteum. Salzburg, u. d. British Mus., London;
    Treuhänder d. Paul Sacher-Stiftung d. Forschungszentrums f. d. Musik d. 20. u. 21. Jh. in Basel;
    Medaille d. Mozarteums (Salzburg 1991).

  • Werke

    u. a. Le Manuscrit de La Clayette retrouvé, in: Annales Musicologiques 1, 1953, S. 105-30;
    English Music, Bodleian Library, Oxford, 1955 (Ausst.kat. mit J. A. Westrup u. F. L. Harrison);
    The Music Antiquarian, in: Fontes Artis Musicae 5, 1958, S. 80-90;
    Otto Haas, Antiquarian Bookseller (1874–1950), in: Brio 3, 1966, S. 3-5;
    Eine Nietzsche-Slg. aus England, Originalbriefe, Widmungsexemplare, Briefe v. Freunden u. Zeitgenossen, Erstausgaben, Leihausst. z. 100. Wiederkehr d. Geb.tages v. Dr. Oscar Levy (1867–1946), 1967 (Ausst.kat);
    Nietzsche u. Sils Maria 1881-1888, 1981 (Ausst.kat.);
    Die Lagerkataloge d. Musikantiquariats Leo Liepmannssohn (1866–1935), in: FS Hans Schneider z. 60. Geb.tag, hg. v. R. Elvers u. E. Vögel, 1981, S. 193-216;
    Der Strawinsky-Nachlaß in d. Paul Sacher Stiftung, in: Strawinsky, Sein Nachlass, Sein Bild, 1984, S. 19-22 (Ausst.kat.);
    Franz Anton u. Carl Maria v. Weber in d. Frühgesch. d. Lithographie, in: FS Rudolf Elvers, hg. v. E. Herttrich u. H. Schneider, 1985, S. 437-45;
    Franz Liszt and his Publishers, in: Liszt Saeculum 38, 1986, S. 3-40;
    Gli Olschki e la musica, in: Un secolo per il libro, Atti del convegno per il centenario della Casa Editrice Leo S. Olschki, 1987, S. 107-11, erneut in: La Bibliofilia 89, 1987;
    Tradition d. Autographensammelns: Historisch, in: Internat. Symposium Musikerautographe, 1989, hg. v. E. Hilmar, 1990, S. 15-32;
    Betrachtungen über e. Nietzsche-Slg. in England, in: Nietzsche-Studien 19, 1990, S. 479-87;
    Facsimiles als Fehlerquellen, in: Veröff. d. Paul Sacher Stiftung 2, hg. v. H. Oesch, 1991, S. 1-7;
    Leopold Mozart's Violinschule, Annotated by the Author, in: Mozart Studies, hg. C. Eisen, 1991, S. 83-99;
    The Contract between Joseph Haydn and Frederick Augustus Hyde (1796), in: Studies in Music History Presented to H. C. Robbins Landon, hg. O. Biba u. D. W. Jones, 1996, S. 72-81;
    Mozart's Key Signatures: a Peculiar Feature of his Autograph Scores, in: Haydn, Mozart and Beethoven, Studies in the Music of the Classical Period, Essays in Honour of Alan Tyson, hg. v. S. Brandenburg, 1998, S. 147-50;
    Btrr. in: MGG, Music and Letters (Oxford), The Musical Times (London) u. New Grove;
    Aufs.slg.: Obiter Scripta, Essays, Lectures, Articles, Interviews and Reviews on Music, and other subjects, hg. v. J. Gray, 2000 (W, P).

  • Literatur

    Igor Strawinsky, Trois pieces pour quatuor à cordes, Skizzen, Fassungen, Dokumente, Essays, Festgabe f. A. R. z. 80. Geb.tag, hg. v. H. Danuser u. a., 1998;
    H. Danuser, R. Grumbacher u. K. Pestalozzi, in: Mitt. d. Paul Sacher Stiftung 13, April 2000, S. 12-18 (P);
    FAZ v. 7.8.2004;
    MGG;
    Riemann mit Erg.bd.;
    New Grove;
    New Grove2;
    BHdE II.

  • Autor/in

    Sigrid Krämer
  • Empfohlene Zitierweise

    Krämer, Sigrid, "Rosenthal, Albi" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 78-79 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118749838.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA