Lebensdaten
1910 bis 1992
Geburtsort
Berlin-Neukölln
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Gartenarchitekt ; Landschaftsarchitekt
Konfession
evangelisch,konfessionslos
Normdaten
GND: 118602993 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Rossow, Walter

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Zitierweise

Rossow, Walter, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118602993.html [14.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Richard;
    M Elise Geishardt;
    1939 Helga (* 1913, kath.), Dr. rer. nat., Chemikerin, nach d. Attentat v. 20.7.1944 zeitweilig inhaftiert, Mitgl. d. KPD (s. L), T d. Kurt Frhr. v. Hammerstein-Equord (1878–1943, ev.), Gen.oberst, 1930-34 Chef d. Heeresltg. d. Reichswehr (s. NDB VII; Munzinger), u. d. Maria Freiin v. Lüttwitz (1886–1970, kath.); Gvm d. Ehefrau Walther Frhr. v. Lüttwitz (1859–1942), Gen. (s. NDB 15); Schwager Kunrat Frhr. v. Hammerstein-Equord (* 1918), Schriftst., Oberlt., Vf. v. „Spähtrupp“, „Flucht, Aufzeichnungen nach d. 20. Juli“, 1966, Ludwig Frhr. v. Hammerstein-Equord (1919–96), Gen.oberst, beide als Mitwisser am Attentat d. 20. Juli beteiligt, 1946-49 Korrespondent b. d. Ztg. „Die Welt“, 1950-60 Pressereferent im Bundesmin. f. gesamtdt. Fragen, 1961-73 stellv. Intendant d. NDR, 1974-84 Intendant d. RIAS in B., Mitgründer d. Jakob-Kaiser-Stiftung, Vors. d. Kuratoriums d. Stiftung Hilfswerk 20. Juli 1944. Vf. v. „Der 20. Juli 1944, Erinnerungen e. Beteiligten“, 1994 (s. Munzinger), Franz Frhr. v. Hammerstein-Equord (* 1921), Dr. theol., Pfarrer, Vf. v. „Gestapohäftling in Berlin, Sippenhäftling in Buchenwald. Sonderhäftling in Dachau“, 2001; 1 Adoptiv-S.

  • Leben

    Beeinflußt durch seinen Lehrer Friedrich Haak, entschied sich R. 1926 für eine Lehre in der Stadtgärtnerei in Berlin. Auf die Gehilfenprüfung folgten 1928-30 Lehrjahre in Berlin, Schleswig-Holstein und Frankfurt/M. 1930 begann R. das Studium der Gartentechnik an der Lehr- und Forschungsanstalt für Gartenbau in Berlin-Dahlem; Kenntnisse der Gartengestaltung eignete er sich 1930-32 als Autodidakt und als Gasthörer der Kunsthochschule Berlin an. Durch Kontakte zu einem aus dem Wandervogel hervorgegangenen Kreis entwickelte R. Interesse an Literatur und Kunst und kritische Aufmerksamkeit gegenüber dem aufkommenden Nationalsozialismus. Da R. infolge der Wirtschaftskrise keine Arbeit als Gartenarchitekt fand, nahm er 1933 eine Stelle als Landschaftsgärtner in dem Berliner Gartenbaubetrieb Willings an. Wegen einer Lungenkrankheit nicht zum Militär eingezogen, konnte R. 1941 den Betrieb übernehmen und auch politisch gefährdeten Freunden Unterschlupf geben. Zwei Brüder seiner Frau waren in die Pläne zum Attentat des 20. Juli 1944 eingeweiht; sie selbst kam für mehrere Wochen in Haft.

    1948 begann R. die freiberufliche Tätigkeit als Gartenarchitekt. Die amerik. Besatzungsmacht in Berlin übertrug ihm die Instandsetzung aller von Amerikanern genutzten Gelände sowie die kommissarische Leitung des Gartenamtes in Berlin-Zehlendorf (1945–48). Große Bedeutung für R. gewannen regelmäßige Treffen mit einem Kreis um den Berliner Stadtbaurat Hans Scharoun (1893–1972), zu dem u. a. auch Hubert Hoffmann, Wils Ebert, Luise Seitz, Reinhold Lingner und Roland|Rainer gehörten. Hier wurden Perspektiven für den Wiederaufbau Berlins diskutiert und später die Idee der Internat. Bauausstellung Interbau 1957 entwickelt. 1954/57 war R. Mitglied im „Leitenden Ausschuß“ der Interbau. Noch wichtiger wurde jedoch die Arbeit am Dt. Garten der Weltausstellung in Brüssel 1958 mit Sep Ruf (1908–82) und Egon Eiermann (1904–70). Die Einfachheit und klare Proportion dieser Anlage und der durchgängige Qualitätsanspruch fanden internat. hohe Anerkennung. Mit Max Taut (1884–1967) und Heinrich Tessenow (1876–1950) gründete R. nach dem Krieg den Werkbund Berlin neu. Zunächst Stellvertreter Tessenows, war er nach dessen Tod 1951-69/70 Vorsitzender. In einer Ausstellung des Werkbundes in Marl wurde 1959 erstmals das Thema „Die große Landzerstörung“ aufgegriffen, das später zum Arbeitsschwerpunkt R.s wurde. Seit 1948 war R. Dozent, seit 1952 a. o. Professor an der Architekturabteilung der Hochschule für bildende Künste Berlin, daneben Gastdozent an der TH Aachen (1959/61) und der TU Berlin (1962/64), seit 1966 o. Professor und Direktor des Instituts für Landschaftsplanung an der TH Stuttgart (em. 1975). Die Integration der natürlichen Lebensgrundlagen in die räumliche Planung wurde zu seinem zentralen Lehr- und Forschungsinhalt, interdisziplinäre Zusammenarbeit selbstverständlich. R. prägte damit eine ganze Generation von Studierenden und Kollegen der Bau- und Ingenieurwissenschaften der TU Stuttgart. Seine beratende Tätigkeit auf kommunaler, Landes- und Bundes-Ebene trug dazu bei, daß Landschaftsplanung auch stärker im Raumordnungsbericht (1974) und im Bundesnaturschutzgesetz (1976) berücksichtigt wurde.|

  • Auszeichnungen

    Mitgl. d. Ak. d. Künste, Berlin (1965, Dir. d. Abt. Baukunst 1977–86); Kritikerpreis Berlin f. Bildende Kunst (1958); Paul Bonatz Architekturpreis Stuttgart (1963); Kunstpreis d. Landes Berlin f. Baukunst (1966); Fritz Schumacher Preis Hannover (1971); Orden Pour le mérite f. Wiss. u. Künste (1972); Friedrich Ludwig v. Skell-Ehrenring d. Bayer. Ak. d. Künste (1975); Dr.-Ing. E. h. (TH Darmstadt 1985).

  • Werke

    Bisher kein vollst. W-Verz.; – Weitere W Wohnsiedlungen:
    VW Wolfsburg, 1955-59;
    Degewo, Gewobag, Gehag, Berlin, 1955-66;
    – Riedlingen Krankenhaus, 1957;
    Landtag, Theateranlagen, Schloßplatz Stuttgart, 1958-59;
    Soldatenfriedhöfe:
    Beauvais u. St.-Sebastien, 1959, Lesneven, 1960, Mont d'Huisnes, 1962 (alle Frankreich), Futapaß (Italien), 1960;
    Ks.-Wilhelm-Gedächtniskirche Berlin, 1959;
    Ak. d. Künste Berlin, 1960;
    Botan. Garten u. Rahmenplan Univ. Tübingen, 1960;
    Theater u. Festplatz, Karlsruhe 1961;
    Bundesvfg.ger., Karlsruhe, 1963, Kurpark Wildbad, 1963 (mit H. Luz);
    Univ. Hohenheim Gesamtplan, 1965 (mit H. Luz);
    Britz-Buckow-Rudow-Park, 1968/69;
    Gen.plan ZDF, Mainz, 1967 u. 1972 (mit P. Kluska);
    Weltausst. Dt. Pavillon Osaka (Japan), 1970 (mit H. Luz);
    Bodensee-Wasserversorgung Sipplingen, 1971 (mit K. Eberhard);
    Freiflächen Volkswagenstiftung Hannover, 1971 (mit C. Valentien);
    Rosenthal-Park Selb, 1973-74 (mit C. u. D. Valentien);
    Päd. Hochschule Weingarten, 1979 (mit P. Kluska);
    Landschaftsplanungen
    u. a. für Bad Boll (1972/73), Kassel (1973/74), Trier (1972) Kempten (1975/76) u. Tuttlingen (1977);
    – mehr als 50 Veröff. in Zss. u. Sammelbdn., u. a. Das Arbeitsfeld d. Garten- u. Landschaftsarchitekten, in: Neue Bauwelt 9, 1947, S. 134 f.;
    Grünplanung im Städtebau, ebd. 34, 1949, S. 527-30;
    Wohnung u. Siedlung, in: Planen u. Bauen im neuen Dtld., 1960, S. 363-427;
    Die gr. Landzerstörung, in: Garten u. Landschaft 71/1, 1961, S. 2-6;
    Die grüne Mitte d. Stadt, ebd. 77/1, 1967, S. 1-4;
    Die Sicherung d. natürl. Lebensgrundlagen, ebd. 87/2, 1977, S. 67-70;
    Landschaftsplanung als Aspekt d. Futurologie, in: Werk u. Zeit 3, 1970, S. 1-5;
    Landesplanung auf d. Basis Landschaft, in: Stadtbauwelt 37/39, 1972, S. 217-20;
    Die Veränderung d. Landschaftsbegriffes in zwei Jhh. (Festvortr. z. Verleihung d. Friedrich-Ludwig v. Skell-Rings), in: Bayer. Ak. d. Schönen Künste 18, 1975, S. 5-25;
    Landesentwicklung unter sich ändernden Bedingungen, in: Orden „pour le mérite“ f. Wiss. u. Künste, Reden u. Gedenkworte 13, 1976/77, S. 157-73;
    Landzerstörung – Landeskultur, in: Bauwelt 14, 1985, S. 546-48; z. T. wiederabgedr. in: Die Landschaft muß d. Gesetz werden, hg. v. M. Daldrop-Weidmann, 1991 (P);.|

  • Nachlaß

    Nachlaß: Archiv d. Ak. d. Künste, Berlin.

  • Literatur

    F. Spengelin. Laudatio f. Prof. W. R., Stiftung F.V.S. zu Hamburg;
    Fritz Schumacher-Stiftung Hannover, 1971, S. 29-33;
    FS z. 70. Geh.tag v. Herrn Prof. W. R., hg. v. M. v. Rijn u. Vl. Voracek, 1980;
    Ehrendoktorwürde f. W. R., in: Garten u. Landschaft 95/7, 1985, S. 3 f. (P);
    D. u. C. Valentien, Ein pol. Planer, ebd. 102/2, 1992, S. 3;
    W. Richard. Immer e. Schritt voraus, ebd. 113/3, 2003, S. 23-25 (P);
    G. Gröning u. J. Wolschke-Bulmahn. Grüne Biogrr., 1997;
    zu Helga:
    Reinhard Müller, Hitlers Rede vor d. Reichswehrführung 1933, Eine neue Moskauer Überlieferung, in: Mittelweg 36, H. 1, 2001, S. 73-90.

  • Autor/in

    Donata und Christoph Valentien
  • Empfohlene Zitierweise

    Valentien, Donata; Valentien, Christoph, "Rossow, Walter" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 97-98 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118602993.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA