Lebensdaten
1884 bis 1967
Geburtsort
Königsberg (Preußen)
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Architekt
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118756281 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Taut, Max Kurth Moses
  • Taut, Max
  • Taut, Max Kurth Moses

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Zitierweise

Taut, Max, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118756281.html [18.10.2018].

CC0

  • Genealogie

    B Bruno (s. 1);
    Chorin 1914 Margarete (1880–1975), T d. Carl Ludwig Gustav Wollgast (s. Gen. 1); kinderlos.

  • Leben

    T. absolvierte eine Lehre als Zimmermann und beendete 1904 die Ausbildung an der Baugewerkschule Königsberg mit Auszeichnung. Nach der Mitarbeit im Architekturbüro Heitmann 1904–06 verließ er seine Heimatstadt, um in Berlin bei Stadtbaurat Reinhold Kiehl zu arbeiten. 1907–09 ging er nach Karlsruhe zu Hermann Billing (1867–1946), einem bedeutenden Architekten des Jugendstils. Nach kurzzeitiger Mitarbeit bei Emil Schaudt (1871–1957) machte T. sich 1911 in Berlin selbständig, baute in Finsterwalde eine Knabenschule und ein Kinderheim und erweiterte eine Tuchfabrik (1911–13). Mit dem älteren Bruder Bruno tauschte sich T. regelmäßig aus, sie unternahmen gemeinsame Studienreisen und assoziierten sich 1912/13 mit Franz Hoffmann (1884–1951) zur Firma „Brüder Taut und Hoffmann“, verfaßten ihre architektonischen Entwürfe jedoch unabhängig voneinander. Zu Beginn des 1. Weltkriegs wurde T. zum Kriegsdienst verpflichtet und suchte vergeblich nach Ersatzdiensttätigkeiten (um die Fertigstellung eines Schulbaus in Nauen 1913–16 kümmerte sich in dieser Zeit der Bruder).

    Mit Kriegsende 1918 engagierte sich T. im Berliner „Arbeitsrat für Kunst“ und wurde Mitglied der „Novembergruppe“. Er beteiligte sich mit kristallin-konstruktiven Entwürfen an dem vom Bruder initiierten Briefwechsel zur phantastischen Architektur „Die gläserne Kette“, aus dem der Plan zum expressionistischen Bau des Grabmals Wissinger (Stahnsdorf b. Berlin, 1920–23) hervorging. In Reflexion der neuen gesellschaftlichen Bedingungen bildete T. jedoch bald in seinen Entwürfen eine sachliche Haltung heraus, die sich im Bürobau für den Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund (1922–23) und noch deutlicher im Verbandshaus der Deutschen Buchdrucker (1924–26) zeigt. Insbesondere letzteres unterstützte der Architekturkritiker Adolf Behne als Auftakt zur Sachlichkeit und einer durch das Bauen „gestalteten Wirklichkeit“. Als Mitglied der Architektenvereinigung „Der Ring“ gehörte T. neben Erich Mendelsohn (1887–1953) im Berlin der 20er Jahre zu denjenigen, die mehrere ihrer modernen Entwürfe auch baulich realisierten. Das gestalterisch-konstruktive Prinzip des Rahmenbaus bestimmte den Ausdruck seiner großstädtischen Projekte vom Bürohaus und Warenhaus bis zum Industriebau. Seine Auftraggeber waren Gewerkschaften, Genossenschaften und Kommunen, für die er Bauten wie den ADGB-Bürobau in Frankfurt/M. (1929–31) und das Konsum-Warenhaus in Berlin (1929–32) entwarf nach der Prämisse: „Architektur ist eine soziale Kunst“.

    1933 wurde T. von den nationalsozialistischen Machthabern diffamiert und von öffentlichen Bauaufgaben ausgeschlossen. Während sein Bruder emigrierte, blieb T. in Berlin und führte Mitte der 30er Jahre mit seinem Partner Hoffmann einzelne Projekte aus. Unmittelbar nach Kriegsende 1945 wurde T. an die Hochschule für Bildende Künste Berlin berufen, um eine neue Architekturabteilung aufzubauen, die dem Konzept des Bauhauses nahestand. Mit Hans Scharoun (1893–1972) engagierte er sich für die Neugründung der Akademie der Künste und des Deutschen Werkbundes; seine Zeichnungsmappe „Berlin im Aufbau“ (1946–47) beschrieb eine Position zwischen visionärer Neugestaltung und pragmatischem Wiederaufbau. 1948–52 entwarf T. die Reuter-Siedlung für die Bundesbediensteten des neuen Regierungssitzes in Bonn. 1951 wurde er als „Meisterarchitekt“ zum 2. Darmstädter Gespräch eingeladen und entwarf das Ludwig-Georgs-Gymnasium in Darmstadt (erbaut 1953–55). Mitte der 50er Jahre widmete er sich intensiv dem Sozialen Wohnungsbau im Ruhrgebiet: So entstanden für die August-Thyssen-Hütte in Duisburg mehrere Großsiedlungen, die von gartenstadtähnlichen Anlagen bis zu urbaneren Stadtlandschaften reichten. Sein letztes Werk war ein Kinderheim in Berlin (1963–68), das nach seinem Tod von Fritz Bornemann (1912–2007) fertiggestellt wurde.

    T. gehört zu den Vertretern der Moderne, deren vielschichtiges Werk sich nicht einfach formal kategorisieren läßt und somit zeitweilig wenig Rezeption erfuhr. In Anknüpfung an die Berliner Großstadtarchitektur erwiesen zeitgenössische Architekten wie Max Dudler (* 1949) dem Werk T.s Reverenz und förderten damit sein Wiederentdecken. Inzwischen stehen zahlreiche seiner Bauten unter Denkmalschutz wie die Schulgruppe Lichtenberg (Berlin, 1927–31), die als Max-Taut-Schule seit 1997 auch seinen Namen trägt.

  • Auszeichnungen

    A Mitgl. d. Bunds Dt. Architekten (1910), d. Dt. Werkbunds (1914) u. d. Novembergruppe (1918), d. Architektenvereinigung „Der Ring“ (1924); Mitbegründer d. Arbeitsrates f. Kunst (1918) u. d. Ak. d. Künste Berlin (West) (1954); Dir. d. Abt. Baukunst ders. (1955); Kunstpreis d. Landes Berlin (1955); Dr.-Ing. E. h. (TH Karlsruhe 1958); Ehrensenator d. Hochschule f. Bildende Künste Berlin (1964).

  • Werke

    Weitere W u. a. Berlin: Dorotheen-Oberlyzeum Köpenick, 1927–29;
    Bürohaus Reichsknappschaft Wilmersdorf, 1928–30;
    Großbäckerei Konsumgenossenschaften Spandau, 1928–30;
    Wachsendes Haus, 1931–32;
    Wohnungsbau Dudenstraße, 1953–55;
    Interbau-Objekt Hansaviertel, 1956–58;
    Hauptkinderheim Kreuzberg, 1963–68;
    – Düsseldorf: ADGB-Halle zur Gesolei-Ausst., 1926;
    – Duisburg: ATH-Siedlung Zinkhüttenplatz Hamborn, 1957–64;
    ATH-Siedlung Vierlinden Walsum, 1958–66;
    Hiddensee: Sommerhäuser 1922–25;
    – Leipzig: Ausst.halle d. Werdandibundes, 1913;
    – Stuttgart: Wohnhäuser Weißenhofsiedlung, 1926–27;
    Schr.:
    Berlin im Aufbau, 1946;
    Nachlaß:
    Pastelle, Aquarelle, Zeichnungen, Entwürfe, Pläne, Briefe, Photographien, in: Baukunst Archiv d. Ak. d. Künste, Berlin, Slg. T.;
    Slg. Manfred Speidel, Aachen.

  • Literatur

    Arbeitsrat f. Kunst (Hg.), Ja! Stimmen d. Arbeitsrates f. Kunst, 1919 (mit e. Btr. v. M. T.);
    M. T., Bauten u. Pläne, mit e. Btr. v. A. Behne, 1927, Neuausg. 1996 (mit e. Btr. v. T. Buddensieg);
    A. Kuhn u. M. T., Dt. Architektur d. Gegenwart, Ausst.kat., 1931 (mit e. Btr. v. M. T.);
    A. Kuhn, M. T., Bauten, 1932, Neuausg. mit e. Btr. v. R. Jaeger, 2002;
    Ak. d. Künste, Berlin (Hg.), Die gläserne Kette, 1963 (mit e. Vorw. v. M. T.);
    Ak. d. Künste, Berlin (Hg.), M. T. 1884–1964, Ausst.kat., mit e. Btr. v. Julius Posener, 1964 (P);
    Ak. d. Künste, Berlin (Hg.), M. T. 1884–1967, Ausst.kat., 1984 (P);
    K. Kirsch, Die Weißenhofsiedlung, 1987;
    B. Eckstein, Ludwig-Georgs-Gymn. v. M. T., 1994;
    Ch. Hoh-Slodczyk, M.-T.Schule Lichtenberg, 1997;
    W. Pehnt, Die Architektur d. Expressionismus, 1998;
    H. Deutschland u. J. Geist, M. T., Architekt u. Lehrer, 1999;
    R. Rehm, Das Verbandshaus d. dt. Buchdrucker, 2002;
    A. Menting, M. T., Das Gesamtwerk, 2003 (kommentiertes W-Verz. S. 219–356, Bibliogr. S. 362–72, P);
    ThB;
    Vollmer;
    Dict. of Art;
    Altpreuß. Biogr. III;
    Munzinger.

  • Autor/in

    Annette Menting
  • Empfohlene Zitierweise

    Menting, Annette, "Taut, Max" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 817-818 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118756281.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA