Lebensdaten
1874 bis 1963
Geburtsort
Bremen
Sterbeort
Münster (Westfalen)
Beruf/Funktion
Soziologe
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118594966 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Plenge, Johann Max Emanuel
  • Plenge, Johann
  • Plenge, Johann Max Emanuel

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Plenge, Johann, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118594966.html [15.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    Vorfahren seit d. 17. Jh. Vollmeier in Ricklingen b. Hannover;
    V Heinrich, Großkaufm., Konsul;
    M Helene Wickeland;
    1913 Eva ( 1946), T d. Hermann Mittelstaedt, Rittmstr. u. Gutsbes., u. d. Marie Trappe.

  • Leben

    Nach dem Abitur in Bremen studierte P. seit 1893 Volkswirtschaftslehre, Staatswissenschaften, Philosophie und Geschichte vor allem in Leipzig (Karl Bücher, Karl Lamprecht) und Bonn (Heinrich Dietzel). Bei Bücher wurde er 1897 mit einer Untersuchung über Hausierer im Westerwald (1898) zum Dr. phil. promoviert. 1903 folgte – nach Studienaufenthalten in Brüssel und Paris – die ebenfalls von Bücher unterstützte Leipziger Habilitation mit dem Thema „Gründung und Geschichte des Gredit Mobilier“ (1903). Nach kurzer Lehrtätigkeit am Vereinigten Staatswissenschaftlichen Seminar der Univ. Leipzig schloß sich 1903-05 ein Forschungsaufenthalt in den USA an. Seit 1910 bekleidete P. ein Extraordinariat an der Univ. Leipzig, seit Frühjahr 1913 war er Ordinarius für Wirtschaftliche Staatswissenschaft an der Univ. Münster. Gleichzeitig wirkte er hier als Leiter akademischer Gewerkschaftskurse und des Seminars für Arbeitsvermittlung und Berufsberatung und begründete 1920 das Staatswissenschaftliche Unterrichtsinstitut der Universität, das 1923 aufgelöst wurde. Seit 1923 leitete er das Forschungsinstitut für Organisationslehre und allgemeine und vergleichende Soziologie bei der Univ. Münster, das 1934 aufgelöst wurde, mit anschließender Zwangsemeritierung P.s 1935.

    P., der zu den Klassikern der Beziehungs- und Organisationslehre gehört, plädierte aus einer nationalen und sozialdemokratischen Grundeinstellung für eine philosophische „Durchgeistigung“ der Soziologie. Sein Lebenswerk verdeutlicht die Entstehung der Soziologie aus Nationalökonomie, Philosophie und Staatswissenschaft, ohne daß P. einen expliziten Beitrag zur Verselbständigung der Soziologie als empirisch-analytischer Fachwissenschaft, der er sich nicht zugehörig fühlte, geleistet hätte oder leisten wollte. Der von ihm vertretene „Organisatorische Sozialismus“, verstanden als christlich-nationaler Sozialismus, fordert wesentlich Gestaltung und Führung in der komplexer werdenden Wirtschaftsgesellschaft, wobei P. den Organisationsgedanken als notwendige Ergänzung zur Dichotomie von Gemeinschaft und Gesellschaft bei Ferdinand Tönnies sah. P. betrachtete Soziologie und Sozialismus als zusammengehörig, als Hauptaufgabe der Soziologie im „organisatorischen Sozialismus“ sah er die Herausbildung von Führungskräften in Wirtschaft und Gesellschaft. Diesem Ziel dienten seine Schriften, von denen einige begriffsbildend wirkten, so vor allem „Ideen von 1914“, „Zeitalter der Volksgenossenschaft“ (1915) und „Revolutionierung der Revolutionäre“ (1918). P.s ideeller Einfluß auf Theorie und Praxis der Sozialdemokratie und den sich herausbildenden „nationalen Sozialismus“ war erheblich, insbesondere durch sein „Staatswissenschaftliches Unterrichtsinstitut“ in Münster. Mit seinem „Tafelwerk“, einem didaktischen Hilfsmittel, das in den Schulungskursen für wirtschaftliche und politische Führungskräfte verwendet wurde, bestritt P. mit missionarischem Eifer und großer Resonanz seine Erziehungstätigkeit. Nach Konflikten mit der Univ. Münster wurde die „Unterrichtsanstalt“ aufgelöst, für P. jedoch ein neues Institut eingerichtet, das „Forschungsinstitut für Organisationslehre und allgemeine und vergleichende Soziologie bei der Univ. Münster“, das wohl größte soziologische Forschungsinstitut im Deutschland der 20er Jahre, das jedoch keinen nachhaltigen Einfluß auf die Entwicklung der akademischen Soziologie ausübte und 1935 geschlossen wurde.

  • Werke

    Weitere W Das System d. Verkehrswirtsch., 1903;
    Marx u. Hegel, 1911;
    Die Zukunft in Amerika, 1912;
    Von d. Diskontpol. z. Herrschaft üb. d. Geldmarkt, 1913;
    Der Krieg u. d. Volkswirtsch., 1915, 21915;
    Aus d. Leben e. Idee, 1915;
    Über d. Ausbau e. Unterrichtsanstalt f. d. Ausbildung prakt. Volkswirte, 1915;
    1789 u. 1914, Die symbol. Jahre in d. Gesch. d. pol. Geistes, 1916;
    Die Geburt d. Vernunft, 1918;
    Durch Umsturz z. Aufbau, 1918;
    Zur Vertiefung d. Sozialismus, 1919;
    Über d. pol. Wert d. Judentums, 1920;
    Das erste Staatswiss. Unterrichtsinst., seine Einrichtungen u. seine Aufgaben, 1920;
    Staatswiss. Erneuerung als Aufgabe f. d. dt. Zukunft, 1921;
    Dt. Propaganda, Die Lehre v. d. Propaganda als prakt. Ges.lehre, 1921;
    Zur Ontologie d. Beziehung, 1930;
    Hegel u. d. Weltgesch., 1931;
    Cogito ergo sumus, Neuausg. (Auszüge) seiner Werke, Eine Ausw. aus d. Schrr. v. J. P., besorgt u. eingel. v. H. Linhardt, 1964 (W-Verz., P).

  • Literatur

    A. Bogdanow, Allg. Organisationslehre, Tektologie, 1928;
    H. Linhardt (Hg.), J. P.s Organisations- u. Propagandalehre, 1965 (W-Verz.);
    B. Schäfers (Hg.), Soziol. u. Sozialismus. Organisation u. Propaganda, Abhh. z. Lebenswerk v. J. P., Mit e. Geleitwort v. L. v. Wiese, 1967;
    D. Krüger, Nat.ökonomen im wilhelmin. Dtld., 1983;
    A. Schildt, Ein konserv. Prophet moderner nat. Integration, Biogr. Skizze d. streitbaren Soziologen J. P. (1874-1963), in: VfZ 35, 1987, S. 523-70;
    Max-Weber-Gesamtausg. I/19;
    Rhdb. (P).

  • Autor/in

    Dirk Kaesler
  • Empfohlene Zitierweise

    Kaesler, Dirk, "Plenge, Johann" in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 530 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118594966.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA