Lebensdaten
1899 bis 1974
Geburtsort
Darmstadt
Sterbeort
Würzburg
Beruf/Funktion
Historiker ; Professor der Geschichte
Konfession
lutherischer Onkel
Normdaten
GND: 118588362 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Noack, Ulrich

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Zitierweise

Noack, Ulrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118588362.html [19.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus d. Wolfskehler Zweig d. hess. Fam.; – V Ferdinand (1865–1931), o. Prof. d. Archäologie 1904 in Kiel, 1908 in Tübingen, 1916 in Berlin, Mitgl. d. Zentraldirektion d. Dt. Archäolog. Inst. (s. L), S d. Theodor (1829–1904), Pfarrer in Holzhausen (Hessen), D.-Bessungen, Lengfeld u. Wolfskehlen, u. d. Charlotte Frey (1831–1917);
    M Else (1872–1950), T d. Hermann Hartleben (1829–79), Revierbeamter im Harz, u. d. Elwine Angerstein (1838–76);
    Ur-Gvv Ferdinand Frey, Geh. Oberkonsistorialrat in D. (s. Dt.GB 47);
    Ov Ludwig (* 1862), Konsistorialrat in D.;
    Om Otto Erich Hartleben (1864–1905, Ps. Otto Erich, Henrik Ipse), Schriftst. (s. NDB VII; Kosch, Lit.-Lex.; Killy), führte N. in d. Welt Goethes u. Schillers ein;
    B Moritz (* 1896), Kaufm.;
    1) Oslo 1927 Valborg (* 1898), T d. Axel Holst ( 1931), Prof. d. Med. in Oslo, 2) Würzburg 1952 Marianne (* 1923), T d. Georg Buschette (1900–73), Kaufm. in Nürnberg, u. d. Erna Reck (1901–85); mindestens 2 T aus 1).

  • Leben

    Das Erlebnis des 1. Weltkrieges und die Völkerbundideen Wilsons beeindruckten N. ebenso wie die Begegnung mit dem Historiker Johannes Haller in Tübingen sowie die Beschäftigung mit den philosophischen Schriften Schillers, dem ethischen Rigorismus Kants, der psychologisch-politischen Weiterbildung des Kritizismus durch Leonard Nelson sowie der historischen Geographie. Als Student der Geschichte und Philosophie in Berlin war N. seit 1919 Schüler von Friedrich Meinecke und Ernst Troeltsch. Seine Dissertation 1925 über „Bismarcks Friedenspolitik und das Problem des deutschen Machtverfalls“ (1928) rief heftige Diskussionen durch die These hervor, man hätte 1878-88 die Chance für die Abwehr der russ.-panslawistischen Gefahr nutzen müssen. Studienaufenthalte in Göttingen und München, Rom und Cambridge (1925–27) erweiterten seinen Horizont. Die Katholizität Roms wurde für den ev. Christen zu einem neuen Bildungserlebnis, das in England durch die Beschäftigung mit dem Werk des kath. Geschichtsdenkers Lord Acton vertieft wurde und zur Frankfurter Habilitationsschrift „Politik als Sicherung der Freiheit“ (1929, gedr. 1947, 21960) führte. Im Dritten Reich wurde der zur Bekennenden Kirche gehörende N. mit Publikationsverbot belegt; während ihm eine akademische Karriere verwehrt blieb, gestand man ihm eine Lehrstuhlvertretung in Halle und eine Dozentur in Greifswald zu. Während eines Forschungsaufenthaltes in Norwegen nahm N. auf Bitten prominenter Norweger an einer Friedensvermittlung teil. Nach dem 20. Juli 1944 wurde er sechs Wochen inhaftiert.

    1946 auf den Lehrstuhl für mittlere und neuere Geschichte in Würzburg berufen, entfaltete N. eine rege wissenschaftliche und politische Aktivität. 1946 trat er (in Greifswald) der CDU bzw. (in Würzburg) der CSU bei und gründete 1948 den „Nauheimer Kreis“, der sich wie die von ihm herausgegebene Zeitschrift „Welt ohne Krieg“ (1952-67) entgegen der Politik Adenauers leidenschaftlich für eine Neutralisierung eines vereinigten Deutschlands einsetzte. 1952 gründete er, nachdem er im Vorjahr aus der CSU ausgeschlossen worden war, die „Freie Mitte“ und trat der Gesamtdeutschen Volkspartei bei; 1956-60 gehörte er der FDP an. Als fesselnder Redner und feinfühliger Pädagoge hat N. das Weltbild zahlreicher Studenten geprägt und der deutschen Nachkriegspolitik neue Impulse gegeben. In seinem wissenschaftlichen Werk bemühte sich N. u. a. um eine neue Epochengliederung der Weltgeschichte in je 70 bzw. 210 Jahre, die jedoch keine Akzeptanz fand.

  • Werke

    Weitere W u. a. Gesch.wiss. u. Wahrheit, 1936;
    Katholizität u. Geistesfreiheit, 1936;
    Das pol. Ethos in d. europ. Diplomatie, 1939;
    Gesch. d. nord. Völker, I: Frühgesch. u. Wikingerzeit, 1941;
    Dtld.s neue Gestalt in e. suchenden Welt, 1946;
    Die Nauheimer Protokolle, Diskussionen üb. d. Neutralisierung Dtld.s, 1950;
    Norwegen zw. Friedensvermittlung u. Fremdherrschaft, 1952;
    Wie kann Frieden lebendig werden?, 1954, 21960;
    Geist u. Raum in d. Gesch., Einordnung d. dt. Gesch. in den Aufbau d. Weltgesch., 1961;
    Das Menschenalter in d. Weltgesch., Die Epochenbildungen im Lebensrhythmus d. Menschenalters, 1966;
    Die glücklichere Möglichkeit als erkennbare Dimension d. hist. Urteilsbildung, Kommentare z. Weltgesch., 1978.

  • Literatur

    Ein Leben aus freier Mitte, Btrr. z. Gesch.forschung, FS f. U. N. z. 60. Geb.tag, 1961 (W, L, P);
    H. Euler, in: HZ 221, 1975, S. 253 f.;
    W. Weber, Biogr. Lex. z. Gesch.wiss., 21987;
    Josef Müller, Die Gesamtdt. Volkspartei, 1990;
    zu Ferdinand:
    Rhdb.;
    Verz. d. Hochschullehrer d. TH Darmstadt I, bearb. v. Ch. Wolf, 1977;
    Archäologenbildnisse, hg. v. R.|Lullies u. W. Schiering, 1988;
    zur Fam.:
    Dt.GB 69, 1930, S. 491-525.

  • Autor/in

    Heinrich Euler
  • Empfohlene Zitierweise

    Euler, Heinrich, "Noack, Ulrich" in: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 298 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118588362.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA