Lebensdaten
1868 bis 1942
Geburtsort
Oppeln (Oberschlesien)
Sterbeort
Konzentrationslager Theresienstadt
Beruf/Funktion
Althistoriker
Konfession
jüdisch,evangelisch
Normdaten
GND: 11858555X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Münzer, Friedrich
  • Muenzer, Friedrich
  • Munzer, Friedrich
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Zitierweise

Münzer, Friedrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11858555X.html [17.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Emanuel (1840–1904) aus O., KR, Zigarrenfabrikbes. in Hamburg;
    M Olga Unger (1845–1922) aus Oels;
    1) Bonn 1897 Clara ( 1918), T d. Weinhändlers Carl Engels in Bonn u. d. Anna N. N.; 2) Münster 1924 Clara Lunke ( 1935), geb. Ploeger; Schwäger d. 1. Ehefrau Paul Wolters (1858–1936), Archäologe, Bruno Sauer (1861–1919), Archäologe (beide s. L);
    1 Adoptiv-T;
    1 Stief-S (⚔), 1 Stief-T.

  • Leben

    M. studierte seit 1886 in Leipzig und Berlin Geschichte und klassische Philologie, in Berlin vor allem bei Th. Mommsen, H. Diels und O. Hirschfeld. Dieser betreute auch die Dissertation „De gente Valeria“ (1891), die den Beginn von M.s prosopographischen Forschungen darstellte. Nach Ablegung des Oberlehrerexamens 1892 und wissenschaftlichen Aufenthalten in Rom und Athen habilitierte sich M. 1896 mit der Arbeit „Beiträge zur Quellenkritik der Naturgeschichte des Plinius“ (1897) an der Univ. Basel, wo er einen Lehrauftrag für röm. Altertumskunde erhielt. 1912 folgte er einem Ruf auf den Lehrstuhl für Alte Geschichte in Königsberg, 1921 wechselte er als Nachfolger Otto Seecks nach Münster. M. entging im Frühjahr 1933 einer Entlassung aus dem Staatsdienst und wurde im Sommer 1935 „in allen Ehren“ emeritiert. Zum 31.12.1935 entzog man ihm dann jedoch aufgrund der nationalsozialistischen Rassegesetze die Lehrbefugnis und belegte ihn 1938 mit Publikationsverbot, das allerdings von Kollegen und Freunden mehrfach umgangen wurde; auch die Arbeit in der Universität war ihm seit dieser Zeit untersagt. Mit 74 Jahren wurde M. Ende Juli 1942 nach Theresienstadt deportiert; er engagierte sich noch kurze Zeit in der dort entstandenen kleinen ev. Gemeinde.

    Schon früh war M. für die Bearbeitung der Prosopographie der röm. Republik im Rahmen der Realencyclopädie der Klassischen Altertumswissenschaft gewonnen worden, ein Thema, das fast 5000 Einzelbeiträge umfaßte. Aus diesem Material entstand auch das Werk „Röm. Adelsparteien und Adelsfamilien“ (1920, Nachdr. 1963). Seine Beiträge haben der modernen personen- und familiengeschichtlichen Forschung wichtige Anregungen gegeben. Als bestem Kenner der verwandtschaftlichen und politischen Beziehungen innerhalb der führenden röm.-republikan. Familien gelangen ihm neue Erkenntnisse über den Aufstieg angesehener und vermögender Plebejerfamilien, über die Zugehörigkeit italischer Adelsfamilien zur röm. Nobilität schon im 4. Jh. v. Chr. sowie über das Geflecht verwandtschaftlicher Beziehungen innerhalb der röm. Führungsschicht. M.s Fragestellungen und Methoden waren der antiquarischen Tradition verpflichtet, sozialwissenschaftliche Untersuchungskriterien und Problemstellungen erweiterten erst später den Horizont althistorischer Erkenntnis, vor allem dank der Pionierarbeit von M.s Schüler Matthias Gelzer.

  • Werke

    Weitere W Cacus d. Rinderdieb, 1911;
    Die pol. Vernichtung d. Griechentums, 1925;
    Die Entstehung d. röm. Prinzipats, 1927.

  • Literatur

    M. Gelzer, in: Historia 2, 1954, S. 378-80;
    K. Christ, Röm. Gesch. u. dt. Gesch.wiss., 1982, S. 164 f.;
    A. Kneppe u. J. Wiesehöfer, F. M., Ein Althistoriker zw. Kaiserreich u. Nat.sozialismus, 1983 (W-Verz. v. H.-J. Drexhage, P);
    dies., in: Westfäl. Lb. 13, 1985, S. 213-32 (P);
    W. Weber, Biogr. Lex. z. Gesch.wiss., 21987. – Zu Paul Wolters u. Bruno Sauer: R. Lullies u. W. Schiering, Archäologenbildnisse, 1988.

  • Autor/in

    Josef Wiesehöfer
  • Empfohlene Zitierweise

    Wiesehöfer, Josef, "Münzer, Friedrich" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 556 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11858555X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA