Lebensdaten
um 1437 oder 1447 bis 1508
Geburtsort
Feldkirch (Vorarlberg)
Sterbeort
Nürnberg
Beruf/Funktion
Humanist ; Arzt ; Geograph
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118585568 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Monetarius, Hieronymus
  • Hieronymo, Montario
  • Hieronymus, Monetarius
  • mehr

Verknüpfungen

Visualisieren

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen in der NDB Genealogie
Personen im NDB Artikel

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Münzer, Hieronymus, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd118585568.html [10.12.2016].

CC0

Münzer (Monetarius), Hieronymus

Humanist, Arzt und Geograph, * um 1437/1447 Feldkirch (Vorarlberg), 27.8.1508 Nürnberg.

  • Genealogie

    V Heinrich ( 1463 ?), angebl. aus N.; M Elisabeth N. N. ( n. 1476); B Ludwig (um 1450–1518), Kaufmann, Fernhändler in N., 1507-17 Bes. v. Schloß Gwiggen (Vorarlberg) (s. L); Schw Barbara ( Johannes Furtenbach); – Nürnberg 1480 Dorothea ( 1505), T d. ratsfähigen Bürgers Ulrich Kiefhaber in N.; 2 S (beide früh †), 1 T Dorothea (um 1481–1539, Hieronymus Holzschuher, 1469–1529, Bgm. in N., s. NDB IX, Fam.art.), 1 illegitime T.

  • Leben

    M. studierte 1464-74 in Leipzig, erwarb 1466 den Grad eines Baccalaureus und 1470 den eines Magister artium. Danach war er als Dozent der artes liberales tätig und studierte 1476/77 als Begleiter von Anton Tetzel Medizin in Pavia. Nach seiner Promotion kam M. 1477 nach Nürnberg, am 29.2.1480 erwarb er als Stadtarzt das Bürgerrecht und heiratete im selben Jahr in eine ratsfähige Familie ein. Einzelne Consilia, die in der Schedelschen Bibliothek erhalten sind, geben Auskunft über seine medizinische Tätigkeit. So gutachtete er über die Gesundheitsschädlichkeit des Schwefelns von Weinen, über Lepra bei einem Diener des bayer. Herzogs und zum Verhalten bei Pestausbruch. Er selbst floh 1483 vor der Pest nach Italien und reiste 1484 in die Niederlande. Bis dahin hatte M. sich als Arzneimittelhersteller und Stadtarzt ein ansehnliches Vermögen erworben, das er teilweise in kaufmännische Unternehmungen seines Bruders investierte. Er konnte es sich leisten, sich ganz seinen Studien zu widmen und eine umfangreiche Bibliothek aufzubauen. Soweit sich diese rekonstruieren läßt, hatte er als Grundlage in Pavia Aristoteles' „De animalibus“ erworben. In Nürnberg wurde er zum Neuplatonisten. Generell überwogen die klassischen Autoren wie Cicero, Juvenal, Lukan, Ovid, Quintilian, Sallust, Sueton, dazu kamen „wissenschaftliche“ Werke – Avicenna, Rhazes, Plinius, Solinus –, zu denen auch die Kosmographie von Enea Silvio Piccolomini und „Imago Mundi“ von Petrus de Allicao gerechnet werden müssen, außerdem theologische Werke wie Kobergers Bibel, Schriften von Augustinus und Petrus Lombardus sowie die Arbeiten zeitgenössischer Humanisten. M. gehörte der Kommission an, die 1496 vom Rat mit dem Aufbau einer Poetenschule in Nürnberg beauftragt wurde.

    Seiner philosophischen Interessen wegen hatte er besonders engen Kontakt zu Konrad Celtis, der ihm 1487 Verse widmete, verkehrte aber auch mit anderen Mitgliedern des Nürnberger Humanistenkreises wie Hartmann Schedel, Sebald Schreyer und dem Patrizier Sixtus Tucher. Diese waren zum großen Teil an der Produktion der Schedelschen Weltchronik (1493) beteiligt. M. überprüfte und korrigierte dabei Aussagen zu Europa, die aus alten und veralteten Quellen, hier speziell Enea Silvio Piccolomini, entnommen waren. Vieles konnte er aus eigener Reiseerfahrung oder aufgrund seines Buchwissens zurechtrücken, wie Ethiopia zu Ethiolia, Troyam zu Croyam (Albanien), Sostratenses (Soest) in Susatenses, einiges verschlechterte er jedoch, wie Achelous amis (Achaia) in Acheolus, Anasum (bayer.-österr. Grenze) in Ysaram. Dazu kamen für einzelne Gebiete umfangreichere Ergänzungen, so in den Abschnitten über das Rheinland, über Österreich und Böhmen und vor allem die Orte Feldkirch und Leipzig. Den Höhepunkt seines Schaffens als Geograph bildete die doppelseitige, noch sehr fehlerhafte Deutschlandkarte ohne Orientierungslinien und -punkte nach der Vorlage des Nicolaus von Cues, bei der die Ortsbezeichnungen meist sehr ungenau eingesetzt sind und z. B. Rhein und Maas parallel ins Meer münden. Es handelt sich dabei nach derzeitigem Forschungsstand um die erste gedruckte Deutschlandkarte. M.s Bemühen um Aktualisierung entspricht es, daß er im Abschnitt über Spanien die Eroberung Granadas nachgetragen hat. Als erster deutscher Humanist würdigte er die Bedeutung der neuesten Entdeckungsfahrten der Portugiesen, an denen der Nürnberger Martin Behaim teilgenommen hatte. Bei der Gestaltung des ältesten erhaltenen Erdglobus, den Behaim 1492/93 anfertigen ließ, brachte M., ebenso wie andere Nürnberger Humanisten, seine Kenntnisse ein, ohne daß sich seine Beteiligung bisher im Detail nachweisen läßt. M. schlug Kg. Johann II. von Portugal 1493 sogar brieflich vor, Behaim auf dem Westweg nach China zu schicken. Diese Empfehlung konnte er nochmals persönlich vortragen, als er 1494 bei ausbrechender Pest erneut zu einer großen Reise, diesmal an den span. und portugies. Hof und zu einer Pilgerfahrt nach Santiago de Compostela aufbrach, worüber er einen in Tagebuchform abgefaßten detaillierten Reisebericht verfaßte. Dieser enthält als Beilage eine Schilderung der Entdeckungsfahrten der Portugiesen nach Afrika und insbesondere an die Guinea-Küste (De inventione Africae maritime et occidentalis videlicet Guineae per Infantem Heinricum Portugaliae).

    Die große Reise und der ausgezeichnete Bericht darüber, dazu die Deutschlandkarte haben M. bekanntgemacht. Über eine besondere Qualität als Arzt läßt sich aus den Quellen weniger sagen. Eine besondere Stellung unter den deutschen Humanisten dieser Epoche nahm M. durch seine praktischen Reiseerfahrungen und deren Verwertung sowie durch vielseitige Kompetenz ein.

  • Werke

    Itinerarium hispanicum Hieronymi Monetarii (1494–1495), ed. v. L. Pfandl, in: Revue hispanique 48, 1920, S. 1-179, Nachdr. 1964; F. Kunstmann (Hrsg.), H. M.s Bericht üb. d. Entdeckung der Guinea, in: Abhh. d. hist. Cl. d. Bayer. Ak. d. Wiss. 7, Abt. 2, 1854, S. 289-346 (Teiled. d. Reiseber.); Lepraschaubriefe aus d. 15. Jh., in: Sudhoffs Archiv 4, 1911, S. 370-78; Viaje por España y Portugal, 1991.

  • Literatur

    J. Fischer, Der Nürnberger Arzt H. M. aus Feldkirch als Mensch u. Gel., in: Stimmen d. Zeit 96, 1918, S. 149-68; E. Ph. Goldschmidt, H. M. u. seine Bibl., in: Studies of the Warburg Institute 4, 1938; Th. Feurstein u. N. Schnetzer (Hrsg.), H. M., Der Feldkircher Arzt u. d. Entdeckung Amerikas, 1996; Ch. v. Imhoff (Hrsg.), Berühmte Nürnberger aus 9 Jhh., 21989; Killy; Vf.-Lex. d. MA. – Zu Ludwig: A. Schulte, Gesch. d. Großen Ravensburger Handelsges. 1380-1530, II/III, 1964; K. H. Burmeister, in: Feurstein u. Schnetzer (s. o.).

  • Autor

    Ulrich Knefelkamp
  • Empfohlene Zitierweise

    Knefelkamp, Ulrich, "Münzer, Hieronymus" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 557-558 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd118585568.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

Artikel noch nicht erschlossen.