Lebensdaten
1909 bis 1989
Geburtsort
Esslingen/Neckar
Sterbeort
Bonn
Beruf/Funktion
Germanist
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118584405 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Moser, Hugo
  • Moser, Hugo Leonhard

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Zitierweise

Moser, Hugo, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118584405.html [19.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Leonhard Emmert ( 1908), Postbeamter in Stuttgart, S d. Carl Friedrich aus Überlingen/Bodensee;
    M Luise (1883–1962), Köchin, T d. Karl Friedrich Moser (1851–1923), Bürstenmacher in E., u. d. Margaretha Christiane Eitel (1854–1938), Stief-V (seit 1913) Josef Friedrich (1885–1914, GF), Fräser, S d. Gustav Hablitzel, Bürstenmacher in E., u. d. Maria Schubizell;
    Stuttgart 1937 Hildegard (1910–88) aus Colmar, T d. Realschullehrers Julius Jopp; kinderlos.

  • Leben

    M. besuchte zuerst die Oberrealschule in Esslingen, wechselte dann auf das humanistische Gymnasium über und machte 1927 das Abitur. Anschließend nahm er in Tübingen das Studium der Philosophie, Germanistik, Romanistik und Anglistik auf und schloß – nach Auslandssemestern in England und Frankreich (Sorbonne) – 1932 mit der Doktorprüfung aufgrund einer Dissertation über „Schwäb. Mundart und Sitte in Sathmar“, 1933 mit dem Staatsexamen ab. In der Dissertation und in den damit verbundenen Arbeiten, wie einem Band „Volkslieder, zusammengestellt für die Sathmarer Schwabensiedlung in Rumänien“ (1931, 1943, erweitert 1953), zeigt sich die tiefe menschliche Verbundenheit M.s mit dem Auslandsdeutschtum; sie wurde nach 1933 in einem ungewollten Sinne aktuell, so daß es nun durch die parteiamtlichen Vertreter einer völkischen Kulturpolitik erschwert wurde, die Beziehungen zu den Auslandsschwaben in altem unbefangenem Sinne aufrechtzuerhalten. Nach dem Examen war M. Gymnasiallehrer in Stuttgart und gab dort auch Unterricht an der Höheren Handelsschule. Krieg und Gefangenschaft (1939–46) ließen erst spät eine wissenschaftliche Laufbahn zu.

    Sie begann – von Hermann Schneider gefördert – mit einer Habilitation in Tübingen 1947 und führte über einen Lehrauftrag an der TH Stuttgart auf Ordinariate in Nimwegen (1954), Saarbrücken (1956) und Bonn (1959), wo er am längsten als Hochschullehrer und in akademischen Ämtern tätig war (Rektor 1964). M. war erster und langjähriger Präsident des von ihm 1964 mitbegründeten „Instituts für deutsche Sprache“ (IdS) in Mannheim, das er zu einem international angesehenen, für die Erforschung der deutschen Gegenwartssprache wichtigen Forschungsinstitut ausbaute.

    M. vertrat sein Fach noch in voller Breite, im Bereich der deutschen Sprach- und Literaturwissenschaft, der Volkskunde sowie der Wissenschaftsgeschichte. Zu seinen Hauptwerken gehören Schriften über Ludwig Unland und Karl Simrock, über Necknamen und andere Zeugnisse des schwäb. Volkshumors und vor allem eine vielbeachtete deutsche Sprachgeschichte, die eine neue Periodisierung plausibel machte, soziologische Gesichtspunkte einbezog und Sprachschichten,|also die wechselnde sozialgeographische Gliederung des Deutschen modellhaft darzustellen versuchte. Hinzu kommen zahlreiche Veröffentlichungen über Fragen der deutschen Gegenwartssprache, über Normverschiebungen, Besonderheiten der deutschen Schriftsprache im Ausland, Folgen der Umsiedlungen und der zeitweiligen politischen Teilung Deutschlands und über Rechtschreibreform. Bemerkenswert sind auch seine Bemühungen um die Erneuerung oder Fortsetzung von Grundwerken der Germanistik, darunter die Neuausgabe von „Des Minnesangs Frühling“, die mittelhochdeutsche Grammatik von Hermann Paul, die frühneuhochdeutsche Grammatik von Virgil Moser, Schulz-Baslers Fremdwörterbuch sowie das Aussprachewörterbuch von Theodor Siebs. Als Anreger vieler Arbeiten, Organisator und Herausgeber zahlreicher Zeitschriften, Schriftenreihen und Sammelwerke gehört M. zu den herausragenden und nachhaltig wirkenden Persönlichkeiten der deutschen Germanistik nach 1945.|

  • Auszeichnungen

    Konrad Duden-Preis d. Stadt Mannheim (1964); Vors. d. Dt. Germanistenverbandes (1962–64), Korr. Mitgl. d. Akademien in Lund (1972) u. Gent (1973); Gr. Bundesverdienstkreuz (1975), Verdienstmedaille d. Landes Baden-Württemberg (1986); Dr. phil. h. c. (Innsbruck 1974, Lund 1976, Jyväskylä 1984).

  • Werke

    u. a. Schwäb. Mundart u. Sitte in Sathmar, 1937;
    Volkslieder d. Sathmarer Schwaben mit ihren Weisen, 1943;
    Unlands „Schwäbische Sagenkunde“ u. d. germanist.-volkskundl. Forschung d. Romantik, 1950;
    Schwäb. Volkshumor, 1950, 21981;
    Dt. Sprachgesch. 1950, 61969 (japan. 1965, korean. 1972);
    Ann. d. dt. Sprache v. d. Anfängen bis z. Gegenwart, 1961, 41972;
    Sprachl. Folgen d. pol. Teilung Dtld.s, 1962;
    Vermehrte Großschreibung – e. Weg z. Vereinfachung d. Rechtschreibung? 1963;
    Sprache u. Rel., 1964;
    Mythos u. Epos, 1965;
    Sprache – Freiheit od. Lenkung? Zum Verhältnis v. Sprachnorm, Sprachwandel, Sprachpflege, 1967 (mit J. Müller-Blattau);
    Dt. Lieder d. MA, 1968;
    Karl Simrock, Universitätslehrer u. Poet, Germanist u. Erneuerer v. „Volkspoesie“ u. älterer „Nationalliteratur“, 1976;
    Kl. Schrr. I, Stud. zu Raum- u. Sozialformen d. dt. Sprache in Gesch. u. Gegenwart, 1979;
    dass., II, Stud. z. dt. Dichtung d. MA. u. d. Romantik, 1984. |

  • Nachlaß

    Nachlaß: Bonn, Univ.-Bibl.

  • Literatur

    Festschrr: z. 60. Geb.tag, hrsg. v. U. Engel, P. Grebe, H. Rupp, 1969;
    z. 65. Geb.tag, hrsg. v. W. Besch, G. Jungbluth, G. Meissburger, E. Nellmann, 1974 (P);
    z. 70. Geb.tag, ZDP, Sonderh. 98, 1979 (P). – Aspekte d. Gegenwartssprache, hrsg. v. M. W. Hellmann, in: Muttersprache 100, 1990, H. 2/3 (Gedenkh.), S. 97-286;
    J. Erben, H. M. als Germanist, in: ZDP 109, 1990, S. 1-11;
    Verz. d. Veröff. H. M.s, bearb. u. ergänzt v. G. Krämer, ebd., S. 12-33.

  • Autor/in

    Johannes Erben
  • Empfohlene Zitierweise

    Erben, Johannes, "Moser, Hugo" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 194 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118584405.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA