Lebensdaten
1905 bis 1988
Geburtsort
Berlin
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Komponist ; Musikwissenschaftler
Konfession
jüdisch,konfessionslos
Normdaten
GND: 118581813 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Baker, Peter (Pseudonym)
  • Meyer, Ernst Hermann
  • Baker, Peter (Pseudonym)
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Zitierweise

Meyer, Ernst Hermann, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118581813.html [12.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Arthur (1874–1938), Arzt in B., S d. Oscar (1847–1936), Bankier in B., u. d. Emma Lazarussohn (1845–1926);
    M Margarete (1880–1942?, KZ Auschwitz, Majdanek od. Treblinka), Kunstmalerin in B., Schülerin v. Max Liebermann, T d. Julius Hermann (1846–1921), Bankier in B., u. d. Helene Born (1850–1920);
    1) Berlin 1931 ( 1951) Ilse (* 1906), T d. Alfred Gottheiner (1874–1958), Arzt in B., u. d. Elisabeth Ostberg (1875–1962), 2) Kleinmachnow b. Berlin 1952 Marjorie (* 1916), T d. Francis Stokes (1872–1953), Matrose u. Mechaniker in London, u. d. Mabel Eldred (1880–1969);
    1 T aus 1), 2 T aus 2), u. a. Marion (* 1951, Hermann Kant, * 1926, Schriftst., Präs. d. Schriftst.-Verbandes d. DDR, s. Kosch, Lit-Lex3; Killy).

  • Leben

    M. studierte seit 1926 Musikwissenschaft in Berlin bei J. Wolf, A. Schering, E. M. v. Hornbostel, C. Sachs u. F. Blume, seit 1928 in Heidelberg bei H. Besseler. Dieser lenkte seine Aufmerksamkeit auf das 17. Jh., das er 1930 in seiner Dissertation und der darauf aufbauenden Studie „Die mehrstimmige Spielmusik des 17. Jh. in Nord- und Mitteleuropa“ (1934) behandelte. Mit der Untersuchung „English Chamber Music, From the Middle Ages to Purcell“ (1946, 21951, Nachdr. 1971, Neufassung 1982, dt. 1958) führte er Methoden marxistischer Geschichtsschreibung in seine Arbeiten ein. Über die Zeit Bachs, Händels und der Wiener Klassik dehnte er seine Forschungen sukzessive auf die gesamte europ. Musikgeschichte aus. In Verbindung mit Überlegungen zur Volksmusik und übereinstimmend mit Postulaten sowjet. Kulturpolitik und Ästhetik entwarf er in dem Buch „Musik im Zeitgeschehen“ (1952, mehrere Überss.) das Konzept einer sozialistischen Musikkultur.

    M.s politische Laufbahn begann 1930 in Heidelberg mit dem Eintritt in die KPD. Seine politische Bildung erwarb er in Berlin an der „Marxistischen Arbeiterschule“ bei H. Duncker. Er wirkte in seiner Heimatstadt als Komponist, Dirigent von Arbeiterchören und als Publizist, wurde Mitglied der Reichsleitung der „Kampfgemeinschaft der Arbeitersänger“ und Chefredakteur ihrer Zeitschrift „Kampfmusik“. 1933 mußte er Deutschland verlassen. In Großbritannien gehörte M. 1938 zu den Begründern der antifaschistischen Emigrantenorganisation „Freier Deutscher Kulturbund“. Er war zeitweilig deren Präsident und Generalsekretär der Sektion Musik. 1948 kehrte M. nach Berlin zurück, übernahm den Lehrstuhl für Musiksoziologie der Humboldt-Universität und leitete bis zu seiner Emeritierung ihr musikwissenschaftliches Institut. An entscheidender Stelle prägte er die Kulturpolitik der DDR. Seit 1963 gehörte er dem Zentralkomitee der SED als Kandidat, seit 1971 als Mitglied an und wurde 1968 Präsident des Verbandes der Komponisten und Musikwissenschaftler.

    Seine kompositorische Ausbildung hatte M. in Berlin bei W. Hirschberg, nach 1930 bei J. Simon, M. Butting, P. Hindemith und H. Eisler erhalten. Dieser lehrte ihn ein musikalisches Denken, das auf gesellschaftliche Veränderung zielt. M. erweiterte sein kammermusikalisches Œuvre um Agitprop- und Massenlieder im Duktus proletarischer Kampfmusik. In dem Jahrzehnt nach 1937 konzentrierte er sich auf Musik zu Dokumentarfilmen, unter denen sich seine experimentellsten Schöpfungen finden. Die politische Erneuerung nach dem 2. Weltkrieg veranlaßte ihn zu hymnisch-appellativer Chorsinfonik. Auf die Erfahrung der inneren Widersprüchlichkeit des sozialistischen Aufbaus reagierte er mit Instrumentalmusik differenzierterer Konfliktgestaltung. In allen Schaffensphasen bevorzugte M. das Lied. Er orientierte sich an der Musiksprache der Klassik, in die er Elemente vorklassischer Polyphonie aufnahm und klanglich-dramaturgische Neuerungen seiner Zeitgenossen einbezog.|

  • Auszeichnungen

    Dr. h. c. (Halle 1965); Karl-Marx-Orden (1980).

  • Werke

    Chöre: Frau Kraemer (Text v. H. Arundel), 1941;
    Soldat, frag deinen Nebenmann (Text anonym), 1943;
    Dank euch, ihr Sowjetsoldaten (Text v. J. R. Becher), 1951. – Opern u. Oratorien: Mansfelder Oratorium (Text v. St. Hermlin), 1950;
    Reiter d. Nacht (Text v. G. Deicke), 1973. – Kantaten: Now Voyager, Depart (Text v. W. Whitman), 1946;
    Der Flug d. Taube (Text v. St. Hermlin), 1952;
    Des Sieges Gewißheit (Text v. J. R. Becher), 1952;
    Das Tor v. Buchenwald (Text v. N. Bush), 1959. – Instrumentalmusik: Sonate f. Violine u. Klavier, 1929;
    Trio f. Flöte, Oboe u. Harfe, 1935;
    Klarinettenquintett, 1944;
    Suite f. 2 Trompeten, 2 Klaviere u. Schlaginstrumente, 1944;
    Symphonie f. Streicher, 1947;
    Violinkonzert, 1964;
    Harfenkonzert, 1968;
    Violakonzert, 1978;
    Violoncellokonzert, 1988;
    Konzertante Sinfonie f. Klavier u. Orchester, 1961;
    Concerto grosso, 1966;
    Sinfonie in B, 1967;
    Konzert f. Orchester mit obligatem Klavier, 1975;
    Kontraste – Konflikte f. Orchester, 1977;
    Sinfon. Widmung, 1983;
    Sextuor, 1988.– Divertimenti, Streichquartette, Klaviertrios, Klaviermusik, Lieder, Film-, Rundfunk- u. Sportmusik. – Schrr.: Aufsätze üb. Musik, 1957 (auch bulgar);
    Musik d. Renaissance, Aufklärung, Klassik, 1973, 21979;
    Die Entstehung d. sinfon. Musik, in: K. Schönewolf, Konzertbuch I, 1961, S. 13-62;
    Dt. Musik, in: H. Seeger, Musiklex. I, 1966, S. 205-17;
    Concerted Instrumental Music, Concerted Chamber Music, in: The New Oxford History of Music IV, 1968, S. 550-601 (auch ital.);
    Concert Music 1630-1750, ebd. VI, 1986, S. 377-461;
    Kontraste – Konflikte, Erinnerungen, Gespräche, Kommentare, hrsg. v. D. Brennecke u. M. Hansen, 1979 (auch russ.). – Hrsg.: Gesch. d. Musik I, Musik d. Urgesellschaft u. d. frühen Klassengesellschaften, 1977. |

  • Nachlaß

    Nachlaß: Berlin, Ak. d. Künste.

  • Literatur

    G. Rienäcker, E. H. M., Sinfonie in B, Versuch e. Analyse, in: H. A. Brockhaus, Sammelbde. z. Musikgesch. d. DDR I, 1969, S. 56-90;
    K. Niemann u. F. Schneider, E. H. M., Eine biogr. Studie, ebd. III, 1973, S. 9-81 (Selbstzeugnisse S. 43-72, L-Verz. S. 72-80);
    G. Knepler, FS f. E. H. M. z. 60. Geb.tag, 1973 (W-Verz., Verz. d. Schallplatten);
    K. Niemann, E. H. M., Für Sie porträtiert, 1975 (P), 21989;
    M. Hansen, E. H. M., Das kompositor. u. theoret. Werk, 1976 (W-Verz.);
    ders., E. H. M., in: D. Brennecke, Musiker in unserer Zeit, 1979, S. 57-71;
    F. Schneider, Fragmentar. Ansichten z. Wirken E. H. M.s, in: ders., Momentaufnahme, Notate zu Musik u. Musikern d. DDR, 1979, S. 289-99;
    BHdE I;
    MGG;
    Riemann;
    The New Grove;
    G. Buch, Namen u. Daten wichtiger Personen d. DDR, 41987.

  • Portraits

    Bronzebüste v. R. Graetz, 1967 (Berlin, Humboldt-Univ.;
    Eisleben, Mansfeld AG);
    Aquarell v. G. Stengel, 1976 (Dresden, im Bes. d. Künstlers);
    Bronzebüste v. K. Simon, 1986 (Berlin, Schauspielhaus);
    Phot. (Berlin, Ak. d. Künste).

  • Autor/in

    Werner Danneberg
  • Empfohlene Zitierweise

    Danneberg, Werner, "Meyer, Ernst Hermann" in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 334 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118581813.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA