Lebensdaten
1815 bis 1905
Geburtsort
Breslau
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Maler ; Zeichner ; Graphiker
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118580914 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Menzel, Adolf
  • Menzel, Adolph Friedrich Erdmann von
  • Menzel, Adolph von
  • mehr

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Zitierweise

Menzel, Adolph von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118580914.html [14.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Christian (Carl) Erdmann (1787–1832), Leiter e. Mädchenschule in Breslau, gründete 1818 e. lithograph. Druckerei u. siedelte 1830 nach Berlin über, S d. Johann Heinrich (1745–1813?), Müller in Städtel b. Namslau, u. d. Anna Rosina Herfort;
    M Charlotte Emilie (1794–1846), T d. Johann Gottlieb Okrusch (1751–1829), Zeichenmeister am anatom. Kollegium in Breslau, Zeichenlehrer am Elisabethgymnasium, u. d. Johanna Schmidt (1764–1847);
    Schw Emilie (Charlotte) (1823–1907, s. BJ XII Tl., Hermann Krigar, 1819–80, Kapellmeister u. kgl. Musikdir. in Berlin, Komponist, s. ADB 17); – ledig;
    N Otto Krigar-Menzel (1861–1929), Prof. d. Physik u. Math. an d. TH Berlin (s. Kürschner, Gel.-Kal. 1926).

  • Leben

    Bereits der 12jährige M. stellte eine Zeichnung aus. 1829 beteiligte er sich mit acht Steindrucken an den Illustrationen zu einer „Geschichte des preuß. Staates“, die in der Werkstatt seines Vaters gedruckt wurden. 1830 zog die Familie nach Berlin, und M. erhielt eine lithographische Lehre in der väterlichen Druckerei. Nach dem Tod des Vaters 1832 übernahm M. im Alter von 17 Jahren die Steindruckerei und sorgte fortan für seine Mutter und seine beiden Geschwister. 1833 besuchte er die Gipsklasse der Berliner Kunstakademie und erhielt den ersten größeren Auftrag, elf Illustrationen zu Goethes „Des Künstlers Erdewallen“ (1834), die allgemein Aufsehen erregten. 1834 wurde M. in den „Künstlerverein“ zu Berlin aufgenommen und befreundete sich mit dem Fabrikanten C. H. Arnold, mit dem er einen regen Briefwechsel führte. 1834-36 entstanden zwölf Lithographien zu „Denkwürdigkeiten aus der Brandenburg.-Preuß. Geschichte“. 1837 begann M. zu malen. 1839-42 schuf er die 400 Zeichnungen für die Holzschnittillustrationen zu Franz Kuglers „Geschichte Friedrichs des Großen“. Diese Veröffentlichung machte M. mit einem Schlage als Historienspezialisten der friderizianischen Epoche und als genialen Künstler bekannt. 1839 folgten 16 Holzschnitte zu Ghamissos „Peter Schlemihls wundersame Geschichte“, 1842-57 die 436 Lithographien „Die Armee Friedrichs des Großen in ihrer Uniformierung“. 1840 reiste M. nach Leipzig und Dresden, um historische Schauplätze zu zeichnen und die Werke der Gemäldegalerie zu studieren. 1843-49 entstanden die 200 Holzschnittillustrationen für „Die Werke Friedrichs des Großen“, 1844 die sieben Landschaftsdarstellungen der „Radierversuche“. 1847 hielt M. sich in Kassel auf, um den Karton zu einem Bild aus der hess. Geschichte zu zeichnen.

    Die Jahre 1845-47 bezeichnen den ersten Höhepunkt in M.s Malerei; es entstanden „Das Balkonzimmer“ (1845, Berlin, Nat.gal.) sowie eine Folge studienartiger Bilder, die impressionistische Auffassungen vorwegnehmen.|Den Revolutionsaufständen in Berlin 1848 setzte er mit dem Gemälde „Aufbahrung der Märzgefallenen“ (Hamburg, Kunsthalle) ein Denkmal. Die Folge der großen friderizianischen Gemälde begann 1849/50 mit „Friedrichs II. Tafelrunde in Sanssouci“ (1945 zerstört), 1852-58 entstanden dann die weiteren Gemälde dieses Zyklus: „Flötenkonzert Friedrichs des Großen in Sanssouci“ (1852, Berlin, Nat.gal.), „Friedrich der Große auf Reisen“ (1854, 1945 zerstört), „Huldigung der Stände Schlesiens zu Breslau im Jahre 1741“ (1855, Berlin, Nat.gal.), „Friedrich und die Seinen bei Hochkirch 1758“ (1856, 1945 zerstört), „Begegnung mit Kaiser Joseph II. in Neiße im Jahre 1769“ (1857, Berlin, Nat.gal.), „Bon soir, messieurs“ (1858, Hamburg, Kunsthalle) und „Ansprache Friedrichs des Großen an seine Generale vor der Schlacht bei Leuthen“ (begonnen 1858, unvollendet, Berlin, Nat.gal.). Die Beschäftigung mit dem Historienbild erfolgte ganz im Sinne seiner Zeit, M. erhoffte sich davon Anerkennung als Historienmaler. In diesen Bildern faßte er sein gesamtes Können als Maler und sein Wissen als historischer Chronist zusammen. Dieser erste große Werkabschnitt, der bereits 1839 mit dem Auftrag zu den historischen Illustrationen begonnen hatte, wurde schließlich 1865 mit dem Krönungsbild abgeschlossen.

    1852 wurde M. Mitglied der literarischen Gesellschaft „Tunnel über der Spree“, wo er mit den Schriftstellern Paul Heyse, Franz Kugler und Theodor Fontane freundschaftlich verkehrte (Gemälde „Atelierwand“, Hamburg, Kunsthalle). 1853 wurde er zum Mitglied der Akademie der Künste in Berlin berufen. M. reiste 1855 zum ersten Mal nach Paris und besuchte die Weltausstellung. Aus diesen Eindrücken entstand das Gemälde „Théâtre Gymnase“ (1856, Berlin, Nat.gal.). 1856 wurde er zum Professor der Berliner Kunstakademie ernannt. 1859 heiratete M.s Schwester den Musikdirektor Hermann Krigar, seitdem lebte er im gemeinsamen Haushalt dieser Familie. 1861-65 arbeitete M. an dem Gemälde „Krönung König Wilhelms I. in Königsberg“ (ebd.), das er mit 268 Bildniszeichnungen vorbereitete. In dieser Zeit begann er mit den Bildern in Gouachetechnik für das „Kinderalbum“ (beendet 1883).

    1867 reiste M. wieder nach Paris zur Weltausstellung; daraufhin entstand „Nachmittag im Tuileriengarten“ (Dresden, Staatl. Kunstslgg.). Ein Jahr später unternahm er eine dritte Reise in die franz. Hauptstadt, wo im Salon sein „Krönungsbild“ ausgestellt wurde, sowie „Meissonier im Atelier“ (1869, San Francisco, Fine Arts Museum) und „Pariser Wochentag“ (1869, Düsseldorf, Kunstmus.). In Paris hat ihn weniger Courbet beeindruckt, als Meissonier, der historistische Naturalist. Hier erschloß sich M. ein großbürgerlicher Lebensstil, den er im aufstrebenden Berlin wiederfand. So ist er nach 1865 zum Schilderer der bürgerlichen Gesellschaft des Kaiserreichs geworden. Das spiegelt sich in den Themen seiner Gemälde wider (Hofballszenen).

    Seit 1869 reiste M. alljährlich in den Sommermonaten zu Kuraufenthalten nach Hofgastein und Kissingen (Gouache „Biergarten in Kissingen“, 1891, Schweinfurt, Slg. G. Schäfer). Das Gemälde „Abreise des Königs Wilhelm I. zur Armee am 31. Juli 1870“ – sein Beitrag zum deutsch-franz. Krieg – vollendete er 1871 (Berlin, Nat.gal.). 1872 hielt er sich im Eisenwerk Königshütte (Oberschlesien) auf, um sein vielleicht bedeutendstes Bild, „Das Eisenwalzwerk“ (1872-75, ebd.) durch Studien vorzubereiten. 1884 veranstaltete die Berliner Nationalgalerie die erste große Menzel-Ausstellung anläßlich seines 50jährigen Künstlerjubiläums. Die erste umfassende Ausstellung seines Werkes in Paris 1885 besiegelte die internationale Anerkennung. Zu M.s 75. Geburtstag verfaßte der Freund Theodor Fontane ein Huldigungsgedicht, das Persönlichkeit und Werk charakterisiert. Trotz Verbotes durch Bismarck beteiligte sich M. 1889 an der Weltausstellung in Paris. 1903 wurde in London die erste Menzel-Ausstellung gezeigt.

    M. war Bahnbrecher des Realismus in Deutschland; das gilt vor allem für die Graphik, die auf dem Gebiet der Illustration neue Maßstäbe setzte, es hat aber auch für den Maler und Zeichner Gültigkeit. Maßgeblich durch seine Illustrationen und Gemälde zum Leben Friedrichs II. von Preußen wurde er nach der Reichsgründung 1871 der populärste Künstler nicht nur in Preußen, sondern in Deutschland überhaupt. Als Zeichner gehört er zu den großen Meistern der europ. Kunst. Sein Wahlspruch „nulla dies – sine linea“ kennzeichnet seinen fast fanatischen Willen, sich die sichtbare Welt anzueignen. Dabei erprobte er sein Können an schwierigen Situationen, Perspektiven und komplizierten Gegenständen. M. zählte zu den Künstlern, die mit der aufkommenden Photographie wetteiferten; er wollte noch genauer, noch wahrhaftiger, noch präziser sein. Auch als Maler gehört M. zu den bedeutendsten in Deutschland. Seine kleinformatigen Ölstudien der Zeit um 1845/48 wie „Das Balkonzimmer“, „Wohnung mit Menzels Schwester u. a. sind Beispiele ganz aus Farbe entwickelter Malerei. Sie lassen sich mit den Ölskizzen von Delacroix vergleichen und weisen auf Manet und die Impressionisten voraus. M. selbst hat diese prachtvollen Bilder erst gegen Ende seines Lebens gezeigt, für ihn waren sie lediglich „Studienmaterial“.

    M.s Bedeutung manifestiert sich am besten in zwei Werken: Das eine, die „Aufbahrung der Märzgefallenen“ aus dem Revolutionsjahr 1848, ist unvollendet geblieben. Dieses Bild ist eines der ersten Werke politisch engagierter Malerei in Deutschland. Das andere Bild, „Das Eisenwalzwerk“ (1872-75), gilt als die erste künstlerisch gültige Industriedarstellung in der europ. Bildkunst.|

  • Auszeichnungen

    Ehrenmitgl. d. Ak. d. Künste Wien (1868), Mitgl. d. Ak. d. Künste Paris u. London; Orden Pour le mérite f. Wiss. u. Künste (1870, 1882 Vizekanzler, 1885 Kanzler), Maximilians-Orden f. Wiss. u. Kunst (1874); GR (1895); Schwarzer Adlerorden (1898); Ehrenbürger v. Berlin (1895).

  • Werke

    Weitere W Predigt in d. alten Klosterkirche Berlin, 1847 (Berlin, Nat.gal.);
    Garten des Luxembourg, 1872 (Moskau, Staatl. Puschkin-Mus.);
    Ballsouper, 1878 (Berlin, Nat.gal.);
    Cercle am Hof Kaiser Wilhelms I., 1879 (Schweinfurt, Slg. G. Schäfer);
    Prozession in Hofgastein, 1880 (München, Neue Pinakothek);
    Schleiferei in d. Schmiede zu Hofgastein, 1881 (Hamburg, Kunsthalle);
    Die Piazza d'Erbe in Verona, 1884 (Dresden, Staatl. Kunstslgg.);
    Im Weißen Saal, 1888 (Schweinfurt, Slg. G. Schäfer);
    Brunnenpromenade in Kissingen, Gouache, 1890 (Privatbes.);
    Feinbäckerei in Kissingen, Gouache, 1893 (Privatbes.);
    Besuch im Eisenwalzwerk, Gouache, 1900 (Privatbes.);
    Ende d. Versöhnungsfestes, Gouache, 1901 (Schweinfurt, Slg. G. Schäfer);
    30 Holzschnitte zu H. v. Kleist, Der zerbrochene Krug.

  • Literatur

    M. Jordan u. R. Dohme, Das Werk A. M.s, Vom Künstler autorisierte Ausg., I-IV, 2 Nachträge, 1890/95;
    H. V. Tschudi, A. v. M., Abb. seiner Gemälde u. Stud., 1905;
    H. Wolff, A. v. M., Briefe, 1914;
    E. Bock, A. M., Verz. seines graph. Werkes, 1923;
    R. Weinhold, M.-Bibliogr., 1959;
    K. Kaiser, M., Das Eisenwalzwerk, 1959;
    ders., A. M., d. Maler, 1966;
    I. Wirth, Mit A. M. in Berlin, 1965;
    H. Ebertshäuser, A. v. M., Das graph. Werk (Vorw. v. J. C. Jensen u. Essay v. M. Liebermann), 2 Bde., 1976;
    F. Forster-Hahn, A. M.s „Daguerreotypical“ Image of Frederick the Great, A Liberal Bourgeois Interpretation of German History, in: The Art Bull. 59, Juni 1977, S. 242-61;
    dies., Authenticity into Ambivalence: The Evolution of M.s Drawings, in: Master Drawings 16, Nr. 3, 1978, S. 255-83;
    W. Hofmann, Über M.s „Atelierwand“ in d. Hamburger Kunsthalle, in: Bruchlinien, Aufss. z. Kunst d. 19. Jh., 1979;
    W. Hütt, A. M., 1981;
    J. C. Jensen, A. M., 1982, 21988;
    P. Dittmar, „Der zwölfjährige Christus im Tempel“ v. A. M., Ein Beispiel f. d. Antijudaismus im 19. Jh., in: IDEA, Jb. d. Hamburger Kunsthalle, 1987, H. 6, S. 81-96;
    H. Kohle, Zur M.-Lit. d. letzten 15 J., in: Kunstchronik 46, 1993, S. 192-202. – Ausst.kat.: Ausst. v. Werken A. v. M.s, Kgl. Nat.gal. Berlin, 1905 (Nachlaßausst);
    A. M., Zeichnungen, Verz. u. Erläuterungen v. W. Schmidt, Staatl. Museen d. DDR, Nat.gal. Berlin-Ost 1955;
    A. M., Gem., Zeichnungen (Red. V. M. Ruthenberg), Staatl. Museen zu Berlin, ebd. 1980;
    A. M., Realist – Historist – Maler d. Hofes, Gem., Gouachen, Aquarelle, Zeichnungen u. Druckgraphik aus d. Slg. Georg Schäfer, Schweinfurt, d. Kunsthalle Bremen, ergänzt durch d. Bestände d. Kunsthalle zu Kiel u. d. Mus. f. Kunst u. Kulturgesch. in Lübeck (Red. J. Ch. Jensen), Kiel, Bremen, Lübeck, Schweinfurt, Augsburg, 1981/82;
    M. – d. Beobachter, hrsg. v. W. Hofmann, Kunsthalle Hamburg 1982;
    A. M., Zeichungen, Druckgraphik u. ill. Bücher, Ein Bestandskat. d. Nat.gal., d. Kupf.kab. u. d. Kunstbibl., Staatl. Museen Preuß. Kulturbes., Berlin 1984.

  • Portraits

    Selbstbildnisse: Selbstbildnis im Ausschnitt, Zeichnung, 1876/77 (Berlin, Kupf.kab.);
    Brustbild, Zeichnung, 1882 (ebd.);
    Der Antiquar, Lith., um 1860 (ebd.). – Aquarell v. E. Magnus, 1837 (ebd.), Abb. in: Die Gr. Deutschen im Bild, 1937;
    Gem. v. O. Begas, um 1875 (Schweinfurt, Slg. G. Schäfer);
    Bronzemedaille v. R. Begas, 1895 (Bremen, Kunsthalle);
    Totenmaske, Abb. in: F. Eschen, Das letzte Porträt, 1967, S. 107;
    Phot., Abb. in: Orden pour le mérite, Die Mitgll. d. Ordens I, 1975, S. 299.

  • Autor/in

    Jens Christian Jensen
  • Empfohlene Zitierweise

    Jensen, Jens Christian, "Menzel, Adolph von" in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 102-104 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118580914.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA