Lebensdaten
wahrscheinlich 1232 bis 1266
Geburtsort
in Italien
Sterbeort
in der Schlacht von Benevent
Beruf/Funktion
König von Sizilien
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118577018 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Manfred von Sizilien
  • Manfred
  • Manfred von Sizilien
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Zitierweise

Manfred, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118577018.html [13.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus d. Geschl. d. Staufer;
    V Kaiser Friedrich II. ( 1250, s. NDB V), S d. Kaisers Heinrich VI. ( 1197, s. NDB VIII);
    M Bianca ( vor 1250) aus d. piemont. Grafenhaus Lancia (d. Verbindung wurde in d. 40er J. wahrsch. legalisiert, M. legitimiert);
    Halb-B Kg. Heinrich (VII.) ( 1242, s. NDB VIII), Kg. Konrad IV. ( 1254, s. NDB XII);
    N Konradin ( 1268), Hzg. v. Schwaben, Kg. v. Sizilien (s. NDB XII);
    - 1) 1248/49 Beatrix Mgfn. v. Saluzzo ( 1257), T d. Gf. Amadeus IV. v. Savoyen (1197–1253) u. d. Anna v. Burgund ( 1242), 2) um 1257/58 Helena ( 1271), T d. Despoten Michael II. Angelos v. Epirus u. d. Theodora Petraliphe (um 1220 – nach 1251; heiliggesprochen);
    K aus 1) Constanze ( 1301, ⚭ Peter III., Kg. v. Aragon, 1285), aus 2) Beatrix ( vor 1307 ?), Heinrich ( 1318), Friedrich ( 1312), Enzio ( vor 1301), vielleicht noch Flordelis ( 1297), (z. T. lebenslängl. eingekerkert).

  • Leben

    M. ist zu Lebzeiten Friedrichs II., der seinem erst in den 40er Jahren legitimierten Sohn eine sorgfältige Erziehung zukommen ließ, kaum hervorgetreten. Durch den überraschenden Tod des Kaisers im Dezember 1250 mußte der damals 18jährige M. unvorbereitet schwierige politische Aufgaben übernehmen, da ihm Friedrich II. in seinem Testament nicht nur das Fürstentum Tarent sowie die wichtige Herrschaft Monte S. Angelo am Monte Gargano, die üblicherweise der Hauptbestandteil des normann. Königinnengutes war, bestätigt, sondern ihn für die Zeit der Abwesenheit Konrads IV. auch zum Statthalter in Italien und zum Verweser im Kgr. Sizilien bestimmt hatte. Belastet war das Erbe M.s vor allem durch die Feindschaft Papst Innozenz' IV. – das Kgr. Sizilien war päpstl. Lehen – und die vorprogrammierte Rivalität zu Konrad IV., aber auch durch die Spannungen zwischen den Mitgliedern der Familie seiner Mutter, vor allem Gf. Galvano Lancia, und den zahlreichen deutschen Söldnern im Kgr. Sizilien, angeführt von Mgf. Berthold von Vohburg-Hohenburg. Erst nach der Landung Konrads IV. in Apulien im Januar 1252 stabilisierte sich die Lage in dem bis dahin von Aufständen erschütterten Kgr. Sizilien, doch wich die anfängliche Zusammenarbeit zwischen M. und seinem Halbbruder bald kaum verhohlener Gegnerschaft. Als Konrad IV. im Mai 1254 unerwartet starb, wurde nach seinem letzten Willen nicht M., sondern Berthold von Vohburg-Hohenburg zum Reichsverweser für den zweijährigen Konradin in Sizilien eingesetzt. M. scheint diese Regelung von vornherein nicht akzeptiert zu haben, und man darf vermuten, daß er nun die sizilian. Königskrone für sich selbst anstrebte. Schon im August 1254 übernahm er von Berthold die Reichsverweserschaft, was der am Hofe Ludwigs von Bayern aufwachsende Konradin im April 1255 förmlich bestätigte, indem er M. mit seiner Vertretung beauftragte. Zu diesem Zeitpunkt war die überraschende Annäherung M.s an den Papst (Unterwerfung im Sept. 1254) bereits wieder beendet, M. von Alexander IV., der dem im Dezember 1254 verstorbenen Innozenz IV. gefolgt war, gebannt worden (März 1255). Nach der Vertreibung päpstl. Truppen|und der Befriedung des Regnum 1256 nahm M. erste Kontakte zu den Ghibellinen in Tuszien und in der Mark Ancona auf. Als Papst Alexander IV. 1257 Rom verließ, trat M. auch in Verbindung zu stadtröm. Kreisen unter dem Senator Brancaleone de Andalò. 1258 setzte er nach Sizilien über und ließ sich am 10.8.1258 in Palermo, nachdem er zuvor das Gerücht hatte ausstreuen lassen, Konradin sei gestorben, zum König von Sizilien krönen. In der Folgezeit trat M. immer deutlicher als Erbe seines Vaters auf, ohne sich doch jemals um die deutsche Königswahl zu bemühen („Reichsusurpation“: Bekker). Er giff in die nordital. Verhältnisse ein (Kontakte zu Genua, wo er einen kaiserl. Thron zurückkaufte, Pisa, Siena und Venedig), trat in Verbindung mit dem mächtigen Mgf. Uberto Pallavicini, den er zum Kapitän (capitaneus) der Lombardei ernannte, und trug durch Hilfstruppen zum vielbeachteten Sieg der ghibellin. Sienesen über die guelf. Florentiner bei Montaperto bei (September 1260). 1261 ließ er sich zum röm. Senator wählen, heiratete spätestens im selben Jahr – in deutlicher Abkehr von der Orientpolitik seines Vaters – eine Tochter des Despoten von Epirus und vermählte 1262 seine Tochter Constanze mit Peter von Aragon.

    Die mehrfachen Verhandlungen mit den Päpsten – dem zögernden Alexander IV. war 1261 der Franzose Urban IV. ( 1264) gefolgt –, in denen M. seine Anerkennung durchsetzen wollte, blieben ergebnislos, wohl weil das Papsttum die stauf. Herrschaft in Süditalien endgültig beseitigen wollte und wegen der schwierigen Suche nach einem nichtstauf. Thronkandidaten (die Verhandlungen mit dem engl. und franz. Königshof zogen sich jahrelang hin) vor allem Zeit gewinnen mußte. Im August 1264 war der Vertrag zwischen Urban IV. und dem in Aussicht genommenen neuen König von Sizilien, Karl von Anjou, perfekt. In dem Bruder Ludwigs d. Hl., der im Mai 1265 in Rom einzog, war dem in dieser entscheidenden Phase zeitweilig auffallend unentschlossen wirkenden M. ein überlegener Gegner erwachsen. M.s im selben Monat veröffentlichtes Manifest an die Römer, in welchem er – in völliger Abkehr von den traditionellen Grundlagen des röm.-deutschen Kaisertums – seinen Anspruch auf die Kaiserkrone als Erbe seines Vaters unverhohlen anmeldete, zeigt, wie wenig realistisch der Staufersproß damals seine Situation einschätzte. Als Karl von Anjou im Januar 1266 zur Eroberung Siziliens von Rom aus aufbrach, stellte sich ihm der schlecht vorbereitete M. bei Benevent am 26.2. entgegen. In der für ihn unglücklich verlaufenden Schlacht fand er tapfer kämpfend den Tod. Begraben wurde der gebannte M. zunächst auf dem Schlachtfeld unter einem großen Steinhaufen. Papst Klemens IV. ( 1268) soll nach einer umstrittenen Nachricht Dantes (Purgat. III, 124 ff.) seine Gebeine später ausgraben und am Ufer des Liri (Oberlauf des Garigliano an der Grenze zum Kirchenstaat) haben zerstreuen lassen. M.s zweite Gemahlin Helena und seine Kinder fielen Karl von Anjou in Trani durch Verrat in die Hände; zwei seiner Söhne starben in der Gefangenschaft.

    Die Quellen schildern M. als eine schön gewachsene, wenngleich eher zierliche, sympathische und lebensfrohe Erscheinung. Von seinen Vorfahren hatte er die Vorliebe für Dichtung und Kunst geerbt. Wie sein Vater war er anscheinend des Arabischen, Griechischen und Hebräischen mächtig, auch unterhielt er wie dieser Kontakte zur islam. Welt (Schaller). Sein Hof blieb ein Zentrum ritterlicher volkssprachiger Kultur („Sizilian. Dichterschule“). Das Studium in Neapel und Salerno hat M. neu zu beleben versucht. Sein Name haftet noch heute an der von ihm gegründeten Stadt Manfredonia. Im Vergleich zu seinem Vater fehlte ihm aber doch wohl die eigentlich politische Begabung, was schon den Zeitgenossen aufgefallen ist (Ottokar) und kaum mit seiner Jugend erklärt werden kann. Den diplomatischen Ränken eines Urban IV. und der Entschlossenheit eines Karl von Anjou war der „ungewöhnlich abergläubische“ (Niese) M. nicht gewachsen.

  • Werke

    Vorrede zu „De pomo sive de morte Aristotelis“ (Regg. Imp. V, 1, Nr. 4653), ed. P. Mazzantini, in: Lectura Dantis Romana [64], 1964, S. 37-39;
    Zusätze zu „De arte venandi cum avibus“ s. Vaters (vgl. Fredericus II: De arte venandi cum avibus, Ms. Pal. Lat. 1071, Codices selecti XVI, 1969;
    Kaiser Friedrich II., Über d. Kunst mit Vögeln zu jagen, Kommentarbd. z. lat. u. dt. Ausg. v. C. A. Willemsen, 1970, bes. S. 201 ff.);
    Manifest an d. Römer v. 1265 Mai 24 (Regg. Imp. V, 1, Nr. 4760), ed. A. Frugoni, Il manifesto di Manfredi ai Romani, 1951;
    wahrsch. Vf. v. Minneliedern (vgl. H. Arndt, Stud. z. inneren Regierungsgesch. M.s, 1911, S. 57-62 [dazu d. Bespr. v. H. Niese, in: Götting. Gel. Anz. 174, 1912, S. 65-79];
    R. Baehr, Die Sizilian. Dichterschule u. Friedrich II., in: Vorträge u. Forschungen 16, 1974, S. 93 f., 106).

  • Literatur

    B. Capasso, Hist. diplomatica regni Siciliae inde ab anno 1250 ad annum 1266, 1874;
    Regg. Imp. V, 1, S. 849-83, V, 2, S. 2132 f., V, 4, S. 89-96, 281-84;
    2;
    Arndt, s. W, 188-208 (Regg.);
    O. H. Becker, Kaisertum, dt. Königswahl u. Legitimitätsprinzip in d. Auffassung d. späteren Staufer u. ihres Umkreises, 1975, S. 245-47 Anm. 59;
    E. Müller, Peter v. Prezza, e. Publizist d. Zeit d. Interregnums,|1913, S. 1 ff. (Übers. d. Manifests). – Vgl. Lit. zu Friedrich II. (NDB V), Konrad IV. (NDB XII), Konradin (NDB XII), Berthold, Mgf. v. Vohburg-Hohenburg (NDB II);
    C. Rodenberg, Innocenz IV. u. d. Kgr. Sicilien 1245–54, 1892;
    G. Del Giudice, La famiglia di Re Manfredi, 21896;
    A. Karst, Gesch. M.s vom Tode Friedrichs II. b. z. s. Krönung (1250–58), 1897;
    K. Hampe, Urban IV. u. M. (1261-64), 1905;
    ders., Btrr. z. Gesch. d. letzten Staufer, 1910;
    ders., Zum Manifest M.s an d. Römer, in: NA 36, 1911, S. 226-38;
    A. Bergmann, Kg. M. v. Sizilien, Seine Gesch. vom Tode Urbans IV. b. z. Schlacht b. Benevent 1264–66, 1909;
    E. Jordan, Les origines de la domination angevine en Italie, 2 Bde., 1909;
    O. Cartellieri, Kg. M., in: Centenario della nascità di Michele Amari I, 1910, S. 116-36;
    Arndt, s. W;
    C. Baeumker, Petrus de Hibernia, d. Jugendlehrer d. Thomas v. Aquino u. s. Disputation vor Kg. M., 1920, bes. S. 9-12, 40 ff.;
    W. Cohn, Die Gesch. d. sizilian. Flotte unter d. Regierung Konrads IV. u. M.s (1250-66), 1920;
    F. Schneider, Eine Qu. f. M.s Orientpol., in: Qu. u. Forschungen aus ital. Archiven u. Bibliotheken 24, 1932/33, S. 112-23;
    R. Morghen, Il tramonto della potenza sveva in Italia 1250–66, 1936, 2u. d. T. L'età degli Svevi in Italia, 1974;
    A. Wachtel, Die sizilian. Thronkandidatur d. Prinzen Edmund v. England, in: DA 4, 1941, S. 98-178;
    E. Pontieri, Ricerche sulla crisi della monarchia siciliana nel secolo XIII, 21950;
    D. J. Geanakoplos, Greco-Latin Relations on the Eve of the Byzantine Restoration: The Battle of Pelagonia 1259, in: Dumbarton Oaks Papers 7, 1953, S. 99-141;
    F. Gabrieli, Le ambascerie di Baibars a Manfredi, in: Studi medievali in onore di Antonino de Stefano, 1956, S. 219-25;
    H. R. Nopper, Die Seestädte Genua, Pisa, Venedig in ihrem Verhältnis zu M. v. Sizilien, Diss. Freiburg i. B. 1959;
    D. J. Geanakoplos, Emperor Michael Palaeologus and the West 1258–82, 1959;
    W. Hagemann, Fabriano im Kampf zw. Kaisertum u. Papsttum bis 1272, II, in: Qu. u. Forschungen aus ital. Archiven u. Bibliotheken 32, 1942, S. 51-109;
    ders., Stud. u. Dokumente z. Gesch. d. Marken im Za. d. Staufer I-IV, ebd. 37, 1957, 41, 1961, 44, 1964, 46, 1966;
    ders. u. A. Zazo, La battaglia di Benevento, 1967;
    P. F. Palumbo, Contributi alla storia dell'età di Manfredi, 1959;
    ders., Per una biografia di Manfredi, in: ders., Studi medievali, 21965, S. 403-17;
    N. Kamp, Die Herrscherthrone im Schatz d. Kardinäle 1268–71, in: Festschr. P. E. Schramm I, 1964, S. 157-74;
    H. M. Schaller, Kg. M. u. d. Assassinen, in: DA 21, 1965, S. 173-93;
    N. Kamp, Kirche u. Monarchie im stauf. Kgr. Sizilien 1, Prosopogr. Grundlegung, Bistümer u. Bischöfe d. Kgr. 1194-1266, 4 Bde., 1973-82;
    G. Battelli, Un appello di Carlo d'Angiò contro Manfredi, in: Studi sul Medioevo cristiano offerti a R. Morghen 1, 1974, S. 71-85;
    Becker, s. oben, S. 42-58;
    P. Herde, Karl I. v. Anjou, 1979, S. 34-48;
    E. Pispisa, Nicolò di Jamsilla, Un intellettuale alla corte di Manfredi, 1984;
    C. A. Willemsen, Bibliogr. z. Gesch. Kaiser Friedrichs II. u. d. letzten Staufer, 1986.

  • Portraits

    Übersicht üb. d. Siegelabb. b. Arndt, S. 84 f.;
    zu sonstigen Darst. ebd., S. 169, Anm. 99;
    vgl. A. Gf. zu Erbach-Fürstenau, Die Manfredbibel, 1910, Tafel I;
    C. A. Willemsen, Die Bildnisse d. Staufer, 1977, Abb. 114 f., Text S. 38 f.;
    literar. Beschreibung b. Saba Malaspina, ed. L. A. Muratori, Rerum Italicorum Scriptores VIII, 1726, S. 830.

  • Autor/in

    Herbert Zielinski
  • Empfohlene Zitierweise

    Zielinski, Herbert, "Manfred" in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 24-26 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118577018.html#ndbcontent

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