Lebensdaten
vielleicht um 1215 – 1256 oder 1257
Sterbeort
Süditalien
Beruf/Funktion
Markgraf von Vohburg-Hohenburg ; Regent des Königreichs Sizilien
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 135684315 | OGND | VIAF: 77536489
Namensvarianten
  • Berthold
  • Hohenburg, Berthold von
  • Vohburg-Hohenburg, Berthold von
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Zitierweise

Berthold IV., Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd135684315.html [27.02.2024].

CC0

  • Genealogie

    V Dipold V., aus dem Hause der Dipoldinger;
    M Mathilde, aus dem Hause der Grafen von Wasserburg;
    Isolde, T des Markgrafen Manfred Lancia, Schw der Bianca (ca. 1215–42/50), Geliebte und vielleicht Gemahlin Kaiser Friedrichs II. (1194–1250);
    N Manfred, König von Sizilien (1232–66).

  • Biographie

    B. begegnet zuerst im Februar 1237 als Valet Friedrichs II., in dessen Dienst er bald aufstieg: schon 1238 besaß er Lehen in Süditalien, 1239 war er Kapitän von Como, 1244 Generalvikar „von Pavia aufwärts“, 1246/47 Gesandter am Hof von Nikäa. Beim Tode Friedrichs II. (13.12.1250) war B. anwesend, und der Kaiser vertraute den jungen Manfred, Sohn der Bianca Lancia, seiner Obhut an. Schon zu Lebzeiten des Kaisers muß B. der Führer der deutschen Söldner im sizilischen Reich gewesen sein; als solcher warf er den 1251 in Süditalien ausgebrochenen Aufstand nieder. In dem Zwist zwischen Manfred und Konrad IV., dem zunächst verborgenen, dann offenen Gegensatz zwischen der legitimen deutschen und der illegitimen sizilischen Linie des staufischen Hauses, stand B. wie die meisten Deutschen im Süden auf der Seite Konrads IV., der ihm vor seinem Tode (21.5.1254) die Regentschaft im Königreich Sizilien für den minderjährigen Konradin übertrug. Der Staatsstreich Manfreds vom August 1254 zwang B. zum Rücktritt, er ging zu Innocenz IV. über und nahm an den Kämpfen gegen Manfred teil. Alexander IV. übertrug ihm im Sommer 1255 den Befehl über ein päpstliches Heer in Apulien, aber B. schwankte und unterwarf sich schließlich dem siegreich vordringenden Manfred. Auf dem Hoftag zu Bari im Februar 1256 wurde er zum Tode verurteilt, dann zu lebenslänglicher Haft begnadigt, aber vermutlich im Kerker noch 1256, spätestens im Frühjahr 1257 ermordet. - B. ist als Dichter mehrerer deutscher Minnelieder bekannt, und auch seine Beziehungen zu dem jüdischen Gelehrten Moses ben Salomon von Salerno zeigen, daß er zu jenen Persönlichkeiten gehörte, die über die politische und militärische Tätigkeit hinaus das reiche Kulturleben am Hofe Friedrichs II. mitgetragen haben.

  • Literatur

    ADB L (unter Hohenburg);
    M. Doeberl, B. v. V.-H., in: Dt. Zs. f. Gesch.wiss. 12, 1896, S. 201 bis 278;
    E. Kantorowicz, Kaiser Friedrich II., Bd. 2, 1931, S. 274 f.;
    Dictionnaire d’Histoire et de Géographie Ecclésiastiques VIII, 1935, Sp. 970-74 (L).

  • Autor/in

    Hans Martin Schaller
  • Zitierweise

    Schaller, Hans Martin, "Berthold IV." in: Neue Deutsche Biographie 2 (1955), S. 158-159 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd135684315.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Biographie

    Hohenburg: Berthold, Titularmarkgraf von Vohburg-Hohenburg, stammte väterlicherseits von Dipold V. aus dem Hause der Dipoldinger, welche ehedem die Markgrafschaft auf dem Nordgau innegehabt und sich meist nach ihrer Besitzung Vohburg bei Ingolstadt benannt hatten, mütterlicherseits von Mathilde aus dem Hause der Grafen von Wasserburg, welche aus ihrer ersten Ehe Anrechte auf Hohenburg mitbrachte; seitdem nannte sich die Familie auch nach dieser Nordgauer Herrschaft. Das Geburtsjahr ist unbekannt.

    Familientraditionen und geringer Güterbesitz wiesen den jungen Berthold früh auf kaiserliche Dienste, 1232 begegnet er zuerst in der Umgebung Friedrich's II. Im Dienste des Kaisers, namentlich während der Kämpfe gegen Lombarden und Curie, erwarb er sich in Sicilien ausgedehnte Lehen und hohe Aemter, schwang sich zum Führer der Deutschen im Königreiche empor, gewann die Hand einer italienischen Prinzessin, der Cousine der Bianca Lancia. Sterbend empfahl der Kaiser den jungen Manfred, den Sohn der Bianca Lancia, der Obhut seines Verwandten. In der That dankte es Manfred wol in erster Linie dem deutschen Capitän, daß der Aufstand, den im Frühjahre 1251 die päpstliche Agitation in Verbindung mit einer deutschfeindlichen Bewegung der Guelfen im Königreiche hervorrief, schon im Herbst desselben Jahres als gescheitert gelten konnte. Nach der Ankunft Konrad's IV. vollends war Berthold der erste Vertrauensmann des Königs. Ihm, nicht Manfred, übertrug er auch vor seinem Tode für die Dauer der Minderjährigkeit seines Sohnes Konradin die Regentschaft in Sicilien.

    Damit hatte Markgraf Berthold die höchste ihm erreichbare Ehrenstufe erklommen, aber unter Verhältnissen, die eine Katastrophe in nur allzu naher Zeit befürchten ließen. Schon vor der Ankunft Konrad's IV. hatte die Begehrlichkeit des Hauses Lancia eine Entfremdung zwischen Manfred und Berthold und damit eine Spaltung in der staufischen Partei hervorgerufen, Konrad hatte durch seine Politik diese Feindschaft noch verschärft; so war zum Gegensatz zwischen Guelfen und Ghibellinen auch noch der Gegensatz zwischen der legitimen und illegitimen Linie des staufischen Hauses gekommen. Noch Ende August 1254 verband sich Manfred mit den Guelfen und erzwang unter dem Eindruck einer bevorstehenden päpstlichen Invasion und des fälschlich ausgesprengten Gerüchtes vom Tode Konradin's den Rücktritt des Markgrafen von der Regentschaft. Berthold suchte jetzt Fühlung mit der Curie, welche Manfred's Unternehmen gefördert hatte, sich aber von diesem um den Preis ihrer Hülfe betrogen sah. Während aber Berthold mit der Curie unterhandelt, untergräbt Manfred, berathen von seinem genialen Oheim Galvano Lancia, im Rücken seine Stellung. Die Feldzüge, welche Berthold in den Jahren 1254 und 1255 im Bunde mit Innocenz IV. und dessen Nachfolger Alexander IV. gegen Manfred unternahm, endigten mit Niederlagen. Berthold wurde im|J. 1256 sammt seinen Brüdern von den Anhängern Manfred's zum Tode verurtheilt, von Manfred scheinbar begnadigt, um aber noch im nämlichen Jahre mit seinen Brüdern im Kerker zu enden, vermuthlich gewaltsam. In ihre Besitzungen und Würden theilten sich Mitglieder des Hauses Lancia. Manfred selbst ließ sich im J. 1258 zum König krönen; das in Umlauf gesetzte Gerücht vom Tode Konradin's mußte ihm jetzt dieselben Dienste thun, wie beim Staatsstreich vom August 1254. Manfred hatte aber nicht bloß den Erfolg auf seiner Seite, bis in die neueste Zeit hinein galt Berthold dank einer unkritischen Verwerthung der Tendenzschrift Jamsilla's als Verräther, war dagegen Manfred umgeben mit der Gloriole des letzten großen Vertreters des staufischen Hauses, der unter den schwersten Opfern die Sache seines Neffen Konradin aufrecht erhalten und zuletzt nur im Drange der Verhältnisse, um die Krone Sicilien seinem Hause zu retten, an Stelle des politisch todten Kindes die Regierung ergriffen hätte. In Wirklichkeit war schon der Staatsstreich Manfred's vom August 1254 nur die Einleitung zu einem großartig angelegten Intriguenspiel, das mit der Entthronung Konradin's schloß, war der letzte Vorkämpfer der deutschen Herrschaft und der legitimen Linie des staufischen Hauses Markgraf Berthold von Hohenburg. Nicht bloß die Rettung seiner Stellung im Königreiche, das Interesse des rechtmäßigen Königs selbst schrieben ihm den Bund mit der Curie vor. Schon mit der Niederlage Berthold's, nicht erst mit der Niederlage Konradin's bei Tagliacozzo brach die deutsche Herrschaft im Königreiche Sicilien zusammen.

    Als eine innerlich reiche, liebenswürdige Natur, der mitten in einer rastlosen diplomatischen und militärischen Thätigkeit der Sinn für zartes Gemüthsleben, die Empfänglichkeit für die Atmosphäre geistiger Cultur geblieben ist, verräth sich Markgraf Berthold in den wenigen Minneliedern, die sich von ihm erhalten haben; denn er, nicht der Vater Dipold V. ist der markgräfliche Minnesänger von Hohenburg in der Weingartner Handschrift.

    • Literatur

      Vgl. Doeberl, Berthold von Vohburg-Hohenburg, der letzte Vorkämpfer der deutschen Herrschaft im Königreich Sicilien (Deutsche Zeitschrift für Geschichtswissenschaft Bd. XII und die daselbst angeführte Litteratur).

  • Autor/in

    M. Doeberl.
  • Zitierweise

    Doeberl, "Berthold IV." in: Allgemeine Deutsche Biographie 50 (1905), S. 440-441 unter Hohenburg [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd135684315.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA