Lebensdaten
1890 bis 1976
Geburtsort
Wien
Sterbeort
Los Angeles
Beruf/Funktion
Filmregisseur
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118569244 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Lang, Fritz

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Zitierweise

Lang, Fritz, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118569244.html [19.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Anton, Architekt;
    M Paula Schlesinger;
    1) Lisa Rosenthal ( 1922),
    2) 1920 Thea v. Harbou ( 1954), Schriftstellerin (s. NDB VII).

  • Leben

    L. war der ideenreichste Filmregisseur Berlins in der Zeit der Weimarer Republik. Er besuchte die Realschule und studierte an der TH Wien Architektur. Da er sich jedoch mehr für Malerei interessierte, wechselte er auf die Akademie der Graphischen Künste über und setzte seine Studien an der Staatl. Kunstgewerbeschule in München fort. Als 21jähriger wagte er den Bruch mit seiner bürgerlichen Herkunft und brachte sich während der folgenden Wanderjahre, die ihn u. a. nach Paris führten, als Maler und Karikaturist, Kabarettist und Schausteller durch. Nach Ausbruch des Weltkriegs kehrte L. in seine Heimat zurück und ging als Leutnant zur Front. Nachdem er verwundet worden war, trat er als Schauspieler im Rahmen der Truppenbetreuung auf und begann mit dem Schreiben von Film-Drehbüchern, die auf Anhieb Beachtung fanden und von der Berliner Firma Decla verfilmt wurden (von Joe May). Da L. mit der Verfilmung nicht zufrieden war, übersiedelte er 1918 nach Berlin, um sich selbst als Regisseur zu betätigen. Sein in fünf Tagen gedrehter Film „Halbblut“ (1919) machte ihn schlagartig bekannt, vollends „Der müde Tod“ (1921), ein für L.s Inszenierungsstil – Schatten, Lichtreflexe, Betonung architektonischer Strukturen – bereits kennzeichnender Film. Die Wirksamkeit der Bildersprache ist um so erstaunlicher, als man den ganzen Film noch mit einer Handkurbelkamera drehen mußte und noch keine Nachtaufnahmen machen konnte. Das Drehbuch für diesen und viele weitere Filme schrieb seine 2. Frau, Thea v. Harbou, so 1921/22 für den zweiteiligen Film „Dr. Mabuse, der Spieler“ nach dem gleichnamigen Roman von Norbert Jacques. Mit ihr zusammen schrieb L. das Drehbuch für den zweiteiligen Film „Das indische Grabmal“, dessen Regie Joe May übernahm. 1922-24 inszenierte er die beiden Teile von „Die Nibelungen“ und fuhr anschließend für zwei Monate nach Amerika. 1925/26 realisierte er – wiederum nach dem Buch seiner Frau – den sozial-utopischen Monsterfilm „Metropolis“ (mit Brigitte Helm als Schauspielerin), ein Jahr darauf „Spione“, 1929 „Frau im Mond“ und 1931 „M – Mörder unter uns“, in dem Peter Lorre den Kindermörder darstellt. Dieser Film wurde ebenso wie „Die Frau im Mond“ von den Nationalsozialisten verboten, „Die Nibelungen“ und „Metropolis“ hingegen wurden gelobt. Goebbels bot L. sogar an, eine Art Reichs-Filmintendant zu werden, aber nach dem Verbot von „Das Testament des Dr. Mabuse“ (1933) emigrierte L. nach Paris und trennte sich von Thea v. Harbou, die dem Nationalsozialismus nahestand. Seit Dez. 1933 drehte er mit Charles Boyer „Liliom“, einen Film, der für|ihn das Sprungbrett nach Hollywood wurde (1934). Hier schuf er eine Reihe bemerkenswerter Filme – 22 von insgesamt 34. Obwohl L. bemüht war, sich seinem neuen Publikum anzupassen, blieben seine Filme, in denen Romantik, Expressionismus und Neue Sachlichkeit eine faszinierende Allianz eingingen, letztlich „deutsch“. Er verfilmte die Geschichten von guten und bösen Helden, in grauer Vorzeit spielend wie im modernen Asphaltdschungel. Mit dem Bergarbeiterfilm „Fury“ (1936), den er von seinen amerikan. Arbeiten am meisten schätzte, erregte er heftige Diskussionen. Zusammen mit Brecht schrieb er das Drehbuch für einen Film über die Ermordung Heydrichs in Prag, „Hangmen also die“ (1943). L. arbeitete in verschiedenen Studios von Hollywood, vor allem bei 20th Century Fox, Paramount, Columbia und in Auftragsproduktionen für United Artists, Warner Brothers und Radio Keith Orpheum. 1945 gründete er die Gesellschaft Diana-Productions, die aber nur zwei Filme herstellte. 1956 kehrte L. nach Deutschland zurück, um an seine Erfolge in den 20er Jahren anzuknüpfen (Der Tiger von Eschnapur, 1958; Das indische Grabmal, 1958; Die 1 000 Augen des Dr. Mabuse, 1960). Diesen Filmen war jedoch kein Erfolg beschieden. Enttäuscht kehrte L. nach Amerika zurück. In den letzten Lebensjahren fast erblindet, lebte er in Beverly Hills. – „Das Wesen des Films“, sagte L. 1924, „ist nur dann überzeugend und eindringlich, wenn es sich mit dem Wesen der Zeit deckt, aus der dieser geboren wurde“. Bei der Beantwortung der Frage, was dieses Wesen der Zeit sei, verließ er sich nur auf seine eigene Intuition. Sie scheint ihn nicht getrogen zu haben: Die dichte zeitgenössische Atmosphäre von L.s Filmen bleibt beeindruckend.|

  • Auszeichnungen

    Honorarprof. d. Univ. Wien (1973).

  • Nachlaß

    Nachlaß: Southern University of California, Los Angeles.

  • Literatur

    L. H. Eisner, F. L., 1976 (Verz. d. Filme, L, P);
    P. W. Jansen u. W. Schütte (Hrsg.), F. L., 1976 (Verz. d. Filme, L, P);
    Rhdb. (P).

  • Autor/in

    Rolf Badenhausen
  • Empfohlene Zitierweise

    Badenhausen, Rolf, "Lang, Fritz" in: Neue Deutsche Biographie 13 (1982), S. 534-535 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118569244.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA